4K und Ultra HD – braucht man das oder kann das weg?

Geschrieben von

ultra-hd-4kWir alle haben schon von 4K beziehungsweise Ultra HD etwas gehört. Sei es im Zusammenhang mit unserer Display Auflösung des Android Smartphones, der Aufnahmegröße der Kamera oder nicht zuletzt bei unserem Smart TV. Während viele einfach zu der augenscheinlich besseren aber vor allem teureren Hardware bei einer Neuanschaffung tendieren, sind wir dem Hype 4K einmal auf den Grund gegangen und zu dem Ergebnis gekommen, dass man das noch nicht wirklich braucht. Doch fangen wir erst einmal vorne an.

Der Start für einen neuen Industriestandard ist immer mit etlichen Hürden versehen, wo auch Ultra HD oder 4K UHD keine Ausnahme bildet. Gerade erst seit wenigen Jahren hat sich FullHD als fester Standard für Bildschirme, Smartphones, Kamera-Systeme und vor allem DVDs/Blu-rays etabliert, da setzt die Industrie bereits schon auf die nächste Evolution der Auflösung.

Wer sich jedoch das Angebot an verfügbarer Technik und den Inhalten anschaut wird schnell feststellen, dass der Wechsel auf Ultra HD oder gar 4K-Fernseher derzeit nicht wirklich lohnt, weder in finanzieller Hinsicht noch mit Blick auf die verfügbaren Medien.

Ultra HD im TV und Heimkino

Sicherlich versuchen sich die Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland wie damals als Vorreiter im Bereich 4K-Inhalte zu positionieren, insbesondere das ZDF mit einer ersten offiziell angekündigten Produktion aus der Dokumentationsreihe Terra X, aber auf lange Sicht wird das nicht reichen. Solange Hollywood-Studios keine nativen 4K Inhalte auf Blu-ray veröffentlichen, sondern nur von 2K hoch skalierte Filme, werden sich auch 4K-fähige Fernseher eher schlecht verkaufen.

Schon jetzt reicht den meisten ein FullHD Fernseher aus und das hat was mit dem Angebot der TV-Sender sowie Streaming-Diensten zu tun. So hat sich FullHD mit 1.920 x 1.080 Pixel im TV-Bereich durchgesetzt, wenn auch bei den privaten Sendern überwiegend als kostenpflichtige Angebote mit eigenem HD+ Receiver – der für sich genommen schon genügend Gründe zum Ärgern bietet.

Der Witz an der Geschichte rund um 4K beziehungsweise Ultra HD ist, dass die Industrie gar nicht nativ in der hohen Auflösung produziert. Zwar werden Filme zum Teil in 4K-Auflösung aufgenommen – Ausnahmen wie „Der Marsianer“ sogar in 5K – durch die Postproduktion sprich Nachbearbeitung liegt das Bildmaterial letztlich jedoch in 2K-Auflösung und damit „nur“ in 2048 x 1.080 Pixel als sogenanntes Digital Intermediate vor.

Auf diesem digitalen Rohmaterial fußt schließlich der ganze restliche Prozess der Produktion für den Kino- sowie Heimkino-Markt, was sich selbst über die Film-technischen Vorreiter wie Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Trilogien erstreckt. Da zudem bei der Postproduktion ein gewisser Datenpuffer für das digitale Bildmaterial benötigt wird, bietet sich 2K als finale Auflösung nun mal am ehesten an. Ein Wandel bei der Postproduktion und deren verwendeter Technik ist bisher zumindest nicht abzusehen – schließlich ist das auch für Blockbuster-Produktionen mit Hunderte Millionen schweren Budgets ein enormer Kostenpunkt, den viele Studio vermeiden wollen und aufgrund der Wirtschaftlichkeit auch müssen.

Zuschauer-Faktor Streaming

Den größten Dämpfer für Ultra HD stellen hingegen Streaming-Dienste wie maxdome, Netflix oder Amazon Prime Instant Videos dar: Für relativ wenig Geld kann man im Monat eine Vielzahl an Kinofilmen und Serien streamen bis die Leitung glüht. In FullHD und nicht in Ultra HD, auch wenn Netflix und Amazon die ersten Serien in nativem 4K bieten, wie unser Vergleich diverser Streaming-Anbieter zeigt (zum Beitrag). Dennoch wird das nur die wenigsten zur Neuanschaffung bewegen.

Das liegt darin begründet, dass für Ultra HD nicht nur ein zumeist etliche Hundert Euro teurer 4K UHD Fernseher nötig ist, sondern auch eine entsprechend schnelle Internetleitung. Minimum sind 25 Mbit/Sekunde, die zudem nicht überall auch anliegen. Oder die Mehrkosten rechnen sich nicht, da es eh kaum Ultra HD Inhalte zum Streamen gibt.

Ob da auch eine Streaming-Box wie der neue Amazon Fire TV der 2015er Generation verlockend genug ist, den wir im nachfolgenden Artikel getestet haben?

[Test] Amazon Fire TV Box – Wie sinnvoll ist 4K Ultra HD?

Einer der vielleicht entscheidendsten Gründe gegen Ultra HD ist letztlich der Punkt, wo der Fernseher überhaupt steht. Die wenigsten sind ausgesprochene Cineasten und setzen sich sprichwörtlich in „ihre Glotze“ rein, sodass man auch ja jeden einzelnen Pixel bei Bedarf sehen kann. Die meisten Verbraucher werden ihren Fernseher im Wohnzimmer so aufstellen, dass man bequem auf der Couch den Film oder die Serie schauen kann. Da können schon mal gut und gerne bis zu 5 Meter Abstand herrschen und dann ist es wirklich egal, ob das Bild nun in FullHD oder Ultra HD erstrahlt. Auf diese Entfernung kann man einfach keinen Unterschied mehr feststellen.

Nur hindert das nicht die Hersteller und Elektro-Händler an ausgefallen Marketing-Kampagnen, wieso gerade Ultra HD der letzte Schrei ist und man unbedingt einen solchen Fernseher zu Hause stehen haben muss. Schließlich würde das Bild ja unglaublich scharf sein, ja sogar „Schärfer als die Realität“, um mal den Werbespot der ProSiebenSat.1 Mediengruppe zu zitieren.
Letzten Endes sind das auch nur Werbe-Phrasen um den Verkauf der teuren Modelle anzukurbeln, da man mit diesen das meiste Geld verdient.

Sieht man sogar daran, dass das Sony Xperia Z5 Premium zwar ein natives 4K respektive Ultra HD fähiges Display besitzt, dieses aber nur bei der Wiedergabe von Medien auch wirklich in voller Auflösung arbeitet (zum Beitrag). Im normalen Betrieb skaliert es alles runter auf FullHD.

Nicht zu unterschätzte Kosten

Denn eines darf man nicht vergessen: Mit dem Fernseher alleine ist es nur selten getan. Man braucht auch einen entsprechenden Receiver der Ultra HD verarbeiten kann sowie einen Blu-ray-Player, der UHD-fähig ist. Das schlägt derzeit auch mit gut 500 Euro zu Buche und setzt seinerseits wieder bestimmte Voraussetzungen. Der Fernseher hat keinen HDMI 1.4 Anschluss? Audio stimmt nur über eine separat angeschlossene Anlage oder Soundbar?

Dies und noch einiges mehr ist zu berücksichtigen und die ersten Entwicklungen zur nächsten Bild-Generation nach Ultra HD ist mit 8K auch schon kräftig im Gang. So plant Japan die Olympischen Spiele 2020 in Tokyo in 8K zu übertragen.

Bis dahin wird sich der Markt jedoch noch sehr verändern und Ultra HD Fernseher vielleicht keine Seltenheit mehr in deutschen Haushalten sein.

Fazit

Unterm Strich ist Ultra HD für richtig große Fernseher mit 65 Zoll aufwärts durchaus zu empfehlen, doch wirklich hochauflösenden Content bieten nur wenige bis gar keine. Will man sich eine Blu-ray Disc in 4K Auflösung anschauen, so wird man lange suchen müssen. Denn wenn es unter dem Pseudonym UltraHD etwas zu kaufen gibt, ist das in der Regel nur hoch skaliertes 2K Material, da auch die großen Hollywood Filmstudios nicht in 4K aufzeichnen. Eine echte Trendwende in der Postproduktion ist diesbezüglich auch nicht abzusehen, sodass wir wenn überhaupt auf junge YouTuber und dessen Material zurückgreifen müssen, um überhaupt ein wenig natives 4K Material zu Gesicht zu bekommen.

[Inspiriert durch André Westphal]

The following two tabs change content below.
Mann mit Bart und Faible für Smartphones und Tablets jeder Plattform, doch eindeutig bekennender Androidliebhaber.

2 Kommentare

  1. Michel schreibt:

    Naja, als jemand, der vornehmlich Medien über YouTube konsumiert, macht das durchaus Sinn zumal es auch gute Fernseher zum relativ fairen Preisen von z.B. HiSense und TCL gibt. Man sollte nur auf die eingesetzte Technik des 4k achten um zukunftssicher zu sein.

    In diesen Zuge hoffe ich auf einen 4k-ChromeCast 2016/2017

    • Völlig korrekt, YouTube und Bildbearbeitung mit einem 4K Monitor machen durchaus Sinn.
      Was der Beitrag aber hervorheben soll ist, dass die große Blockbuster Industrie rein gar nicht auf den 4K Zug aufspringt, was schon echt ärgerlich ist.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*


186 Abfragen in 0,453 Sekunden