Amazon will Android Smartphones infiltrieren

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Auch wenn das Fire Phone im besonders großen Stil auf dem Markt für Android Smartphones ein Desaster war, will Amazon weiterhin ambitionierte Ziele verfolgen. Genauer gesagt will man ein noch tieferer Bestandteil von Android selbst werden und hat dafür auch schon die ersten Verhandlungen mit einigen Herstellern von Android Smartphones begonnen.

So schnell wird es wohl kaum ein zweites Amazon Fire Phone geben (zu unserem Test), nachdem der Konzern weit hinter den eigenen Erwartungen zurück geblieben ist (zum Beitrag) und man nur wenige Hunderttausend Geräte überhaupt verkaufen konnte. Nicht einmal bei seiner eigenen TV-Werbung für den Amazon Store und dessen mobile App verwendet man sein eigenes Smartphone. Also versucht es der Versandriese über eine andere Strategie und das ist die Integration der eigenen Dienste auf den Geräten der Hersteller selbst.

Laut einem Bericht von The Information will Amazon seine Apps weit tiefer in das Betriebssystem respektive die Firmware der Smartphone-Hersteller implementiert wissen, als diese einfach nur vorinstalliert auszuliefern. Man will sogar die Partner dazu animieren ihre Geräte an die Fire Tablet Reihe anzulehnen.

Amazon und das Trojanische Pferd

Damit will der Konzern seinen Einfluss auf die Entwicklung von Android Smartphones vergrößern und selbst nicht mehr direkt das Risiko tragen, sollte ein solches Amazon Smartphone erneut floppen. Der Vergleich zum Trojanischen Pferd ist da gar nicht so weit her geholt.
Auf der anderen Seite will das Unternehmen von Gründer und CEO Jeff Bezos auf diese Weise vermutlich an sich mehr Marktanteile bei dem Verkauf digitaler Inhalte erreichen, denn über kurz oder lang wird man mit seinen Prime-Diensten wie Prime Instant Video, Prime Music und der Kindle Leihbücherei weitere – zahlende – Prime-Kunden gewinnen können.

Auch wenn es durchaus spannend klingt, so könnte Amazon vor einem gewaltigen Problem stehen und das sind die Lizenzbestimmungen, die Google an seine Hardware-Partner bezüglich des Google Play Store stellt. So müssen alle Google-Apps und -Dienste bis auf wenige Ausnahmen auf dem Gerät vorinstalliert sein, um überhaupt Zugriff auf den Google Play Store zu erhalten. Dies und weitere Details sind im sogenannten Mobile Application Distribution Agreement kurz MADA geregelt.

Eine Passage aus einem dieser MADA-Verträge von 2011 ist jedoch so formuliert, dass der Angriff von Amazon auf Android selbst zum Scheitern verurteilt sein dürfte. Zumindest wenn der jeweilige Hersteller auch weiterhin Zugriff auf die Play-Dienste haben will. Zitat:

… shall-not assist or encourage any third party to distribute a software development kit (SDK) derived from Android, or derived from Android Compatible Devices …

Das bedeutet in etwa, dass die Zusammenarbeit mit konkurrierenden Plattform-Anbietern zu einem Ausschluss aus dem Google Play Universum führt und da mit Abstand die meisten Apps im Google Play Store verfügbar sind, wird sich dies wohl kaum einer der Hersteller auch wirklich wagen. Vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass Amazon seine Dienste tiefer integriert wissen will.

Rein von der Theorie her könnte es der Konzern machen, wie unser folgender Artikel ausführlich erklärt:

Wem gehört eigentlich Android und was ist alles Open Source?

Andererseits könnte Amazon auch Dienste entwickeln oder integrieren, die nicht mit den Kern-Diensten und -Apps von Google konkurrieren. Bestes Beispiel für diese Möglichkeit ist Amazon Firefly, wo man die Kamera des Android Smartphones nur auf einen Barcode oder ein Produkt halten muss und schon werden die zugehörigen Informationen sowie Kauf-Möglichkeiten auf de Display angezeigt. Etwas vergleichbares hat Google bisher nicht im Angebot und genau darüber könnte der Versandriese sprichwörtlich „einen Fuß in die Tür“ von Android selbst bekommen.

Trotzdem wird es enorm schwer werden, Google aus Android hinaus zu drängen wie es unter anderem Cyanogen Inc. mit Cyanogen OS und der Kooperation mit Microsoft vor hat (zum Beitrag)

[Quelle: The Information]

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Mann mit Bart und Faible für Smartphones und Tablets jeder Plattform, doch eindeutig bekennender Androidliebhaber.

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