Android 6.0 Marshmallow – Was ist alles neu? [Android für Anfänger]

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android_6_marshmallow_anfaengerZusammen mit den beiden Android Smartphones Google Nexus 5X von LG und dem Nexus 6P von HUAWEI ist auch der offizielle Startschuss für das neue Android 6.0 Marshmallow gefallen. In den kommenden Monaten werden etliche Smartphones folgen, wie beispielsweise das HTC One A9 oder ein Update erhalten und wir wollen an dieser Stelle einen kleinen Einblick in das geben, was alles neu ist.

Zur diesjährigen Google I/O hatte der Konzern wie schon im Jahr 2014 zuvor die ersten Ausblicke auf die kommende Android-Version gewährt, die damals lediglich als Android M bezeichnet wurde. Mittlerweile ist Android 6.0 Marshmallow für die Nexus-Familie als Update verfügbar und auch die ersten Updates für Nicht-Nexus-Geräte sind da. Das HTC One A9 ist sogar das erste Android Smartphone, welches ab Werk mit der neuen Version ausgeliefert wird. Grund genug die Neuheiten näher zu beleuchten.

Die Optik von Android 6.0 Marshmallow

Am grundlegenden Design von Android 5.x Lollipop haben die Designer keine Hand angelegt – das Material Design der Oberfläche bleibt nahezu unangetastet. Einzig im Sperrbildschirm gibt es einen Unterschied: Die App-Verknüpfung links unten zur Telefon-App hat Google gegen eine Verknüpfung zur Sprachsteuerung ausgetauscht. Ein Zeichen dafür, dass bei Android 6.0 Marshmallow die Sprachkommandos eine noch größere Rolle spielen als bisher.
Die Oberfläche der Sprachsteuerung ist ebenfalls ein wenig anders. So visualisieren nun vier kleine Punkte wellenförmig in den Farben des Google-Logos die Stimmerkennung.

Der Google Launcher

Im Homescreen selbst hat sich optisch mit Android 6.0 Marshmallow nichts getan im Vergleich zu Android 5.x Lollipop. Obwohl das Google-Logo farbig ist wie auch das Mikrofon-Symbol, so wird diese keine Änderung via Update der Google-App auch für alle anderen Android Smartphones verfügbar gemacht. Wo sich etwas getan hat – was auch via Google-App auf anderen Geräten mit dem Google Now Launcher verfügbar ist – befindet sich im App Drawer.

Google Now Launcher
Entwickler: Google Inc.
Preis: Kostenlos
Google
Entwickler: Google Inc.
Preis: Kostenlos

Anstelle horizontal mit einzelnen Karten wird nun endlos vertikal gescrollt. Außerdem befindet sich im App Drawer nun eine Suchleiste für Apps und die vier am häufigsten genutzten Apps erscheinen in der ersten Zeile. Neu ist zudem, dass man im Google Now Launcher auf dem Homescreen am oberen Bildschirmrand zwei neue Optionen sieht, wenn man ein App-Icon länger gedrückt hält: Entfernen und Deinstallieren.

Markieren & Google Translate

Neu ist zudem, dass Google Translate überall genutzt werden kann. Markiert man einen Text per Gedrückthalten, erscheint bei installierter Google Translate App der Menüpunkt zum Übersetzen des markierten Textes. Überhaupt haben die Entwickler bei Google das Markieren, Kopieren und Einfügen von Text verändert. Anstelle eines kurzzeitig auftauchenden Iconleiste am oberen Bildschirmrand erscheint nur ein schwebendes Fenster, welches das Kopieren, Ausschneiden oder komplette Kopieren des Textes erlaubt. Im selben Kontextmenü kann man auch eine Websuche nach dem markierten Wort starten oder eben den Text in Google Translate übersetzen lassen.

Google Übersetzer
Entwickler: Google Inc.
Preis: Kostenlos

Now on Tap

Schon heute ist die virtuelle Sprachgesteuerte Assistentin von Google ein mächtiges Werkzeug, doch in Android 6.0 Marshmallow wird Google Now noch fester in das Betriebssystem integriert. Google Now on Tab (vorab nur mit Englischer Systemsprache) nennt sich die Funktion und ist eine der größten Neuerungen von Android 6.0 Marshmallow überhaupt: Das Suchen nach Informationen von überall aus dem System heraus. Um Now on Tab zu aktivieren muss man lediglich die Home-Taste gedrückt halten und schon sollte nach wenigen Augenblicken Kontext-abhängig Informationen angeboten werden. Bestes Beispiel sind Zeiten für die nächsten Kino-Vorführungen bei einem Kinofilm oder der Wikipedia-Eintrag einer bekannten Persönlichkeit.

Neu ist auch die Voice API für Android 6.0 Marshmallow was bedeutet, dass auch Drittentwickler mit ihren Apps auf die Sprachfähigkeiten von Google Now zurückgreifen können. Das bedeutet, dass Apps auf die Sprachkommandos zugreifen können und sogar gesprochene Antworten parat haben. Zumindest in der Theorie sollte das so sein.

Hinzu kommt, dass Google Now wie bereits unter Android 5.x Lollipop von überall aus mit dem Hotword genutzt werden kann. Neu ist jedoch, dass man unter Android 6.0 Marshmallow alternativ auch eine andere Sprachassistentin nutzen kann – sofern man will. Möglich macht das die neue Assist API, sodass beispielsweise Samsungs s Voice oder Motorolas Moto Assist im gesamten System Google Now ersetzen kann.

Natürlich erfordert all das auch ein gewisses Maß an Kontrolle und dem trägt Google mit dem neuen Android Rechnung. In den Einstellungen unter Persönlich taucht nun eine gebündelte Zentrale für alle Google-relevanten Einstellungen auf, wo man unter anderem das Hotword für Google Now trainieren oder die immer aktive Sprachsteuerung auch komplett ausschalten kann.

Doze Mode

Mit Android 5.0 Lollipop wollte Google eigentlich die Ausdauer von Android Geräten bedeutend erhöhen, aber die Maßnahmen von Project Volta haben nicht ganz die erhofften Früchte getragen (zum Beitrag). Erst mit Android 6.0 Marshmallow und dem neuen Doze-Modus wird der Wunsch Realität, der im Vergleich zu herkömmlichen Smartphones deutlich mehr Standby-Ausdauer heraus holt.

Da mit Android 6.0 Marshmallow die Prioritäten für Apps anders behandelt werden, wacht das Gerät wesentlich seltener aus dem sogenannten Deep Sleep auf und Wakelocks werden sogar fast komplett vom System ignoriert. Unter einem Wakelock versteht man die Anfrage einer App etwas bestimmtes tun zu können wie Daten von Server herunterladen oder andere automatisierte Dinge. Im Doze-Modus passiert das nur, wenn die App auch über eine besonders hohe Priorität vom Google Cloud Messaging Protokoll verfügt. Hersteller dürfen zwar auch weiterhin eigene Energiespar-Optimierungen implementieren, aber der Doze-Modus im Standby selbst darf nicht angerührt werden

Ebenfalls ein Teil der neuen Energiespar-Mechanismen ist die App-bezogene Akkuoptimierung. Das bedeutet, dass man einzelne Apps in ihrer Aktivität einschränken kann und lässt sich am ehesten mit dem Doze-Modus vergleichen – nur eben für Apps. Wer sein Gerät rootet kann ähnliches schon jetzt mit Greenify und ähnlichen Apps erzielen mit zum Teil signifikanten Ergebnissen. Über eine Whitelist kann man bestimmte Apps wie zum Beispiel Messenger auch von der Regelung ausschließen.

Greenify
Entwickler: Oasis Feng
Preis: Kostenlos

App Berechtigungen

Aber auch auf das Thema Sicherheit legen die Entwickler bei Android 6.0 Marshmallow großen Wert. In diesem Zusammenhang ist die ab Werk aktivierte Verschlüsselung nun tatsächlich für neue und ab Werk mit der Android-Version ausgerüstete Geräte Pflicht. Ausnahmen bilden lediglich Hardware-schwache Geräte und solche, die Marshmallow per Update erhalten haben.

Von daher ist die größte Änderung der seit Android 4.2 Jelly Bean versteckte Manager zum Verwalten von App-Berechtigungen. Allerdings gilt das nur für Apps, die speziell für Android 6.0 Marshmallow entwickelt werden. Bei Apps die auch mit älteren Android-Versionen funktionieren lassen sich nicht einzelne Berechtigungen wie dem Zugriff auf Kontakte, Kalender, Kamera und so weiter entziehen.

Android Pay und der Fingerabdruck

Neben der festen Integration einer API-Schnittstelle für Fingerabdruck-Sensoren – Stichwort Android Pay, welches auf unabsehbare Zeit nicht nach Deutschland oder Europa kommt – kann man in den Einstellungen mit Android 6.0 Marshmallow nun auch alle WLAN-, Bluetooth- und Mobilfunk-relevanten Daten löschen mit nur einem Klick.

Smart Lock

Eine eher unscheinbare Neuerung im Bezug auf den eigenen Google-Account ist ein einfacher Passwort-Manager, welcher eingegebene Kennwörter speichern kann. Der vereinfacht gesagte Passwort-Manager mit der Bezeichnung Smart Lock für Kennwörter nimmt Login-Daten für Apps auf und synchronisiert diese mit dem Google-Account auch auf andere Android 6.0 Marshmallow Geräte. Man kann sogar einzelne Apps ausschließen und die gespeicherten Daten einsehen.

App Backup

Erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass die Backup-Funktion für Apps an sich erweitert wurde. Neben den entsprechenden Apps selbst werden nun auch App-Daten mit gesichert, sodass man nach der Wiederherstellung auf einem anderen Smartphone an exakt derselben Stelle fortsetzen kann – inklusive App-spezifischer Anpassungen. Zumindest in der Theorie, denn mangels entsprechender Geräte konnten wir das nicht ausprobieren.

System Speicher und die MicroSD-Karte

Ein eher leidiges Thema ist die Erweiterung des internen Speichers mit MicroSD-Speicherkarten und das spätestens seit Android 4.4 KitKat mit dessen restriktiver Handhabung von Speicherkarten an sich aus der Sicht eines Benutzers. Mit Android 5.0 Lollipop hatte sich das wieder ein wenig gebessert, doch mit Android 6.0 Marshmallow kann man eine Speicherkarte auf Wunsch auch komplett als internen Speicher einbinden lassen. In gewisser Weise erinnert das an Fusion Storage von ARCHOS (zum Beitrag), funktioniert aber gänzlich anders.

So werden technisch gesehen lediglich der interne und externe Speicher vertauscht anstatt zusammengeführt wie bei der Lösung von ARCHOS. Insbesondere für Budget-Smartphones könnte das zu einem Vorteil werden, der sich jedoch auf Kosten der allgemeinen Geschwindigkeit erkauft wird (zum Beitrag). Speicherkarten sind beim Lesen und Schreiben der Daten für gewöhnlich deutlich langsamer als der interne Flash-Speicher.

Arbeitsspeicher Verwaltung

Dafür gibt es zwei andere durchaus positive Überraschungen zum Thema Speicher. So kann man mit Android 6.0 Marshmallow nun Einblick in den RAM-Verbrauch nehmen und einzelne Apps beenden, sollten diese zu viel des RAM für sich beanspruchen oder Amok laufen im Speicher. Um derartige Ressourcen-Fresser besser ausfindig zu machen lässt sich der Zeitraum näher definieren und nach den aktiven Apps aufschlüsseln.
Es gibt sogar in der Übersicht des Speichers ganz unten am Ende einen Button „Erkunden“, mit dessen Hilfe sich ein einfacher Datei Explorer starten lässt.

 

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Mann mit Bart und Faible für Smartphones und Tablets jeder Plattform, doch eindeutig bekennender Androidliebhaber.

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