[anDROID für Anfänger erklärt] Teil 3: Was kann ich gegen starken Akkuverbrauch tun?

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Android für Anfänger

Kaum noch ein Smartphone oder Tablet ohne dem sogenannten “anDROID” Betriebssystem. Kein Wunder – das anDROID Betriebssystem ist “Open Source” also quelloffen, was für uns Endverbraucher soviel bedeutet, dass eigentlich jeder Hersteller der möchte das Betriebssystem verwenden darf. Die heutigen Smartphones sind kleine Computer mit leistungsstarken Prozessoren und großen Displays, dementsprechend benötigen sie auch immer mehr Strom. Fast jeder zweite klagt über einen zu hohen Akkuverbrauch da er mit einer Ladung gerade mal so über einen Tag kommt, wenn überhaupt. Wir wollen uns nun im dritten Teil unserer kleinen Reihe genau dem Thema widmen: Was kann ich gegen starken Akkuverbrauch tun?

Mythen des modernen Akku:

Wer sich heutzutage ein Smartphone oder Tablet kauft, kann in der Regel davon ausgehen das ein Li-Ion-Akku verbaut beziehungsweise mitgeliefert wird. Die Abkürzung Li-Ion-Akku steht für Lithium-Ionen-Akkumulator. Auf die Erklärung zu dem physikalischem Prinzip, dem Aufbau bzw. den unterschiedlich eingesetzten Elektrodenmaterialien wollen wir hier Abstand nehmen, da es wie die Überschrift schon tituliert ein Anfängerbeitrag ist und auch bleiben soll.

Ein neuer Akku braucht in der Regel ein paar Ladezyklen bevor er seine volle Kapazität zur Geltung bringt. Also bitte nicht gleich bei einem Neugerät enttäuscht sein, wenn das Gerät schon nach kurzer Zeit unverhältnismäßig Energie verliert.

Ein Mythos der immer wieder im Zusammenhang mit dem aufladen des Akku´s kursiert, ist der sogenannte Memory Effekt. Unter diesem versteht man vereinfacht ausgedrückt, dass sich der Akku den Energiestand zum Zeitpunkt der erneuten Aufladung merkt. Wenn also ein Akku nur zum Teil entladen wurde und dann an das Ladegerät gesteckt wurde, verringerte sich so von Mal zu Mal die Gesamtkapazität des Akkus.
Um das zu verhindern war man mit NiCd-Akkus dazu angehalten den Akku erst wieder aufzuladen wenn er komplett leer war. Auch waren Teilladungen meist nicht vom Vorteil für eine lange Lebensdauer und maximaler Kapazität eines Akkus.

Diesem Phänomen unterliegt der moderne Li-Ion-Akku nicht! Die Akku´s die in den heutigen Smartphones verbaut werden haben keinen Memory Effekt mehr!

Der moderne Akku arbeitet am effektivsten bei einer durchschnittlichen Raumtemperatur, was er gar nicht mag ist extreme Wärme oder auch Kälte. Nur zur Lagerung ist die Kälte von Vorteil.
Ebenso ist eine komplette Entladung als auch das komplette aufladen des Akkus nicht für eine lange Lebensdauer sachdienlich.

Durchschnittlich kann man bei ca. 1000 Ladezyklen (entspricht im Durchschnitt 4-6 Jahre) davon ausgehen das der Akku noch immer 75 Prozent seiner maximalen Kapazität hat. Dies war mit früheren Akkus nicht möglich, die bereits schon nach knapp einem Jahr drastisch an Leistung verloren.

Was raubt uns die Energie?

Das Display:

Das wohl offensichtlichste ist das Display, je größer und heller es leuchtet um so höher der Verbrauch – logisch.
Doch wie können wir dem entgegenwirken?
Die entscheidende Einstellungsmöglichkeit ist hier die Displayhelligkeit die standardmäßig auf automatisch eingestellt ist.

Menü/Einstellungen/Anzeige(oder Display)/Helligkeit

Das heißt unser Smartphone berechnet mittels Lichtsensor (meist auf der Frontseite oben) unser aktuelles Umgebungslicht und stellt dann die entsprechende Displayhelligkeit ein. In der Regel ist diese aber meist über proportioniert und es reicht auch eine geringere Einstellung.
Wir haben mit dem Wert 30% ganz gute Erfahrung gemacht, doch das muss jeder für sich entscheiden. Einige Samsung Geräte haben einen sehr nützlichen Schnellzugriff der (nur wenn automatische Helligkeit aus ist) über die Taskleiste oder auch Benachrichtigungsleiste genannt, erreicht wird. Dazu streicht ihr je nach dem von links nach rechts (heller) oder von der Uhr beginnend nach links, um die Displayhelligkeit dunkler zu stellen.
Wer nun kein Samsung Smartphone sein eigen nennt kann sich aus dem anDROID Market Google play Store ein entsprechendes Helligkeits-Widget herunterladen und auf seinem Homescreen für einen schnellen Zugriff platzieren.

Um nun auch noch das letzte Quäntchen an Energiesparmaßnahme in Verbindung mit dem Display herauszuholen, sollten wir darauf achten unseren Homescreen so dunkel wie möglich zu gestalten. Das heißt ein weißes Wallpaper hat einen höheren Verbrauch als ein schwarzes und das sogenannte Live-Wallpaper verbraucht einiges mehr an Strom als ein unbewegtes Hintergrundbild.

Ebenso kann auch das Display Timeout, also die Zeit bis wann das Smartphone bei Nichtnutzung selbstständig das Display ausschaltet, auf eine geringere Zeit wie 30 Sekunden eingestellt werden.

Menü/Einstellungen/Anzeige(oder Display)/Bildschirm-Timeout

Synchronisationsdienste:

Kommen wir zu dem Energie Dieb numero uno, den automatischen Datendiensten die permanent und von uns unbeobachtet arbeiten und so natürlich auch ihren Bedarf an Energie haben.
Hier zu gehören hauptsächlich Synchronisationsdienste wie die Standarddaten bei Einrichtung des Gerätes und einem entsprechenden Google Konto die da wie folgt wären:

  • Kalender
  • Google Mail
  • Kontakte
  • Picasa Web Alben
  • anDROID Market Google play Store und
  • Standort mit dem Wetter

Aber auch Drittanbieter wollen regelmäßig ihre Datenverbindung. Die häufigsten sind da unter anderem:

  • Dropbox
  • Beautiful Widget
  • Facebook
  • Twitter, Tweetdeck
  • Google Plus, Google Latitude
  • weitere E-Mail Konten
  • Exchange Konto

Viele von diesen Diensten sind von Hause aus auf eine permanente Synchronisation im Stundenrhythmus eingestellt, das bedeutet im ungünstigsten Fall bei beispielsweise nur 6 Diensten, dass das Handy alle 10 Minuten in das Internet geht und eine Abfrage mit eventuellen Download startet.
Hier kann und muss eine andere Einheit eingestellt werden. Dies ist jeweils in der entsprechenden Applikation und dort unter den Einstellungen veränderbar. Hier muss jeder für sich entscheiden wie oft und schnell er welchen Dienst aktualisiert haben möchte, doch beispielsweise für das Wetter reichen auch 4-6 Stunden Aktualisierungsintervall.

Google Dienste haben die Eigenschaft via “Push” synchronisiert zu werden. Das bedeutet verändert sich etwas, aktualisiert Google on top, also sofort. Schreibt euch einer eine Mail bekommt ihr diese sofort.
Früher konnte man hier noch Einstellungen vornehmen ob man eventuell diesen, in einen veränderten Intervall synchronisiert haben möchte. Heute ist die Wahl Pushdienst bzw. Synchronisation an oder aus. Nimmt man also den Haken Google Mail aus dem jeweiligen Google Konto raus, muss das Google Mail Programm geöffnet werden und dann manuell auf “Aktualisieren” drücken um die neuesten Mails zu erhalten. Gleiches gilt für den Kalender.

Menü/Einstellungen/Konten und SynchronisierungMenü

 

Bei den anderen E-Mail´s ist es aber noch nach wie vor so, hier abzuwägen wie oft ihr einzeln eine Mail bekommt und wie dringend ihr diese sofort haben müsst oder ob es nicht effizienter ist, alle 1-2 Stunden diese abfragen zu lassen. Einstellungen hierfür sind dann in der mitgelieferten E-Mail App oder einer eventuellen third-party App wie K-9 Mail vorzunehmen.

Datenverbindungen:

Der Grund für den Energieverlust bei den oben genannten Synchronisationsvorgängen ist natürlich die aktive Datenverbindung. Die moderne Technik lässt dort bei Tablet und Smartphone unterschiedliche Möglichkeiten zu.

  • 2G (2. Generation GSM, HSCSD, GPRS und EDGE)
  • 3G (3. Generation UMTS, HSDPA)
  • 4G (4. Generation LTE)
  • WLAN
  • Bluetooth
  • GPS (Global Positioning System)
  • NFC (Near Field Communication)

Ein weiterer starker Verbraucher ist die Nutzung von 3G, also das schnellere mobile Datennetz via UMTS oder HSDPA bzw. HSDPA+. Dieses benötigt aufgrund der Nutzung einer höheren Anzahl an Kanälen und Codierungen mehr Strom als die langsamere 2G Datenverbindung. Wirklich erschwerend kommt hinzu das in der Regel das Smartphone an ungünstigen Gebieten ständig zwischen dem 2G und 3G Netz switcht bzw. auf der Suche nach einem schnelleren UMTS Sendemast ist. Wer nur im Hintergrund eine bestehende Datenverbindung für Push-Dienste benötigt kann hier auch getrost auf 2G umschalten.

Menü/Einstellungen/Drahtlos und Netzwerke/Mobile Netzwerke/Netzmodus/Nur GSM

Hat man beispielsweise unterwegs eine App aus dem anDROID Market Google play Store runter zu laden oder nutzt Google Navigation schaltet man hierfür eben wieder das 3G ein.

Menü/Einstellungen/Drahtlos und Netzwerke/Mobile Netzwerke/Netzmodus/Nur WCDMA oder GSM/WCDMA (Automatischer Modus)

Mit einer aktiven WLAN Verbindung verhält es sich ähnlich. Ist man in einem bestehenden WLAN Netz und hat auch den Bedarf an dessen schnellen Datenaustausch (wird beispielsweise auch für Medienwiedergabe am DLNA tauglichen Fernseher benötigt) so kann diese Verbindung ruhigen Gewissens an sein. Doch verlässt man das WLAN Netz sucht das anDROID Device permanent nach einer brauchbaren WLAN Verbindung. Dies verbraucht selbstredend auch eine Menge an Strom. Also wird kein WLAN benötigt oder steht keine WLAN Verbindung zur Verfügung so ist dieses auszustellen.

Benachrichtigungsleiste herunter ziehen/Benachrichtigungsfenster/WLAN Button

Bluetooth fällt an sich in die gleiche Kategorie, möchte man zum Stromsparer werden so sollte Bluetooth nur bei Bedarf eingeschaltet werden.

Bei GPS – das in der Regel zur Positionsbestimmung benötigt wird, scheiden sich die Geister. Unsere Überzeugung ist anDROID so gut programmiert, dass es trotz eingeschaltetem GPS dieses nur nach Bedarf nutzt und so auch Energie benötigt. Im Grunde zeigt ein Icon in der Taskleiste die aktive und so Ressourcen raubende Aktivität von GPS an.
Wer auf Nummer sicher gehen will, schaltet auch dieses ab.

Benachrichtigungsleiste herunter ziehen/Benachrichtigungsfenster/GPS Button

Da diese Einstellungen nicht alle in der ausziehbaren Benachrichtigungsleiste integriert sind bietet es sich bei häufiger Nutzung ein Widget mit dem Namen SwitchPro an, was einem erlaubt für jede Art von Aktion und Einstellung einen Schalter/Button auf den Homescreen zu platzieren.

Download @
Google Play
Entwickler: Leo
Preis: 0,90 €

Generell ist es auch ratsam über Nacht in den Flugmodus zu gehen da man während seines verdienten Schlafes eh keine aktive Verbindung zur Außenwelt benötigt. Lädt man aber prinzipiell sein anDROID Device über Nacht am Ladegerät auf, ist die Energieersparnis natürlich hinfällig.

Programme wirklich beenden:

Ein sehr umstrittenes Thema ist die Beendigung der offenen Programme. Eigentlich hat anDROID von Hause ein sehr gutes App-Management das eigenständig weiß wann es Programme zu beenden hat, doch wie immer im Leben liegt der Fehler im Detail.
Im Grunde reicht bei anDROID die Return/Zurücktaste (meist eckiger Pfeil) zu nutzen, diese beendet “normalerweise” die geöffnete Applikation. Es gibt aber auch ziemlich hartnäckige Programme wie beispielsweise Facebook die ein sehr dominantes Verhalten an den Tag legen. Dies bleibt trotz alledem aktiv und zwar so das es auch Energie verbraucht. Einige Smartphones haben für solch einen Fall einen sogenannten Taskmanager (bei Samsung lange Hometaste gedrückt halten) der es ermöglicht aus einer Liste der aktiven Programme zu wählen welche nun endgültig beendet werden sollen.

Drittanbieter Programme wie beispielsweise Advanced Task Killer bieten immer wieder Grundlage für ausschweifende Diskussionen.
Sie bieten Automatismen die Applikationen von alleine schließen, da dies aber auch mit Task Killer Programmen nicht immer zuverlässig funktioniert entsteht ein sogenannter Ping Pong Effekt der ein ständiges an und aus des jeweiligen Programms zur Folge hat, was wiederum eher kontraproduktiv für unsere Stromsparaktion ist.
Nutzt man aber ein 3rd party Task Killer um gezielt und manuell Programme zu schließen so spricht da überhaupt nichts dagegen.
Selbstverständlich lässt sich ein oder mehrere Programme auch ganz ohne Zusatzsoftware “gewaltsam” stoppen:

Menü/Einstellungen/Anwendungen/Anwendungen verwalten/Heruntergeladen/App auswählen/Stopp erzwingen

Nun sollten wir uns noch einen Überblick verschaffen welche Programme denn unsere CPU davon abhalten sich ein wenig Ruhe zu gönnen und so unserer Akkuenergie zu einer längeren Haltbarkeit verhelfen.
Standardmäßig geben unsere anDROID Geräte unter

Menü/Einstellungen/Telefoninfo/Akkuverbrauch

schon einmal einen groben Überblick.
Um noch weiter ins Detail zu gehen bieten sich zwei kostenlose Programme an.

  1. CPU Spy
  2. Wheres my Droid Power

Download @
Google Play
Entwickler: Brandon Valosek
Preis: Kostenlos

Download @
Google Play
Entwickler: Aaron.
Preis: Kostenlos

Unser anDROID Smartphone oder Tablet ist ein Computer der permanent an ist, wenn auch im Standby so arbeitet  das Gerät doch auch im Hintergrund. Doch auch hier geht es nach einer gewissen  Zeit in den sogenannten “Deep Sleep Modus” um noch einmal einen Schritt weiter in Richtung Energie sparen zu gehen. Um zu erkennen ob und wie lange unser Device in den “Deep Sleep” geht und so unserer CPU zum verdienten Schlaf verhilft ist CPU Spy geeignet.

Wheres my Droid Power zeigt uns dann noch ein wenig umfassender als es die serienmäßige Akkuverbrauchsanzeige schon tut, welche Applikationen prozentual wie viel Strom verbrauchen um so gezielt die Übertäter zu identifizieren und eliminieren.

Wem diese Informationen noch nicht genau genug sind bekommt mit der kostenpflichtigen App “BetterBatteryStats” noch detailliertere Auskunft.

 Abschlussworte:

Selbstverständlich gibt es auch für all diese Dinge die wir euch nun vorgeschlagen haben, Möglichkeiten sie zu automatisieren mit einer Applikation Namens “Tasker” die wir aber in einem Anfänger Beitrag nicht empfehlen möchten da es eine sehr umfangreiche Software ist, die es einem ermöglicht so ziemlich alles an eurem Smartphone inklusive tiefer greifende Systemeinstellungen (root vorausgesetzt) zu programmieren.
Etwas einfacher ist da schon Juice Defender was wir euch in einem weiteren Beitrag ein wenig näher beschrieben haben (zum Beitrag->) aber wie mit jeder Software gibt es wie bei einem Task Killer pro und contra die von jedem Nutzer bitter selbst abgewogen werden sollen.
Im Großen und Ganzen solltet ihr unter der Berücksichtigung unser vorangegangenen Tipps, einen deutlich geringen Akkuverbrauch haben und so mit länger von der Steckdose fern bleiben können.

 

Bereits veröffentlichte Beiträge:

In Kürze folgende Beiträge:

  • Teil 4: Was sind Apps und wo bekomme ich sie her?
  • Teil 5: Wie richte ich mir meine Homescreens ein ?
  •  Teil 6: Datensicherung
  •  Teil 7: Datenaustausch über BT, WLAN und USB
  •  Teil 8: Welches ist das richtige anDROID Smartphone für mich?

Wie sieht es mit euch aus? Gibt es noch Themenbereiche die wir völlig vergessen haben und über die dringend aufgeklärt werden muss?
Dann ab in die Kommentare damit!

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Schon immer ein Kind der kreativen Künste hat MaTT nun nach einer 15-jährigen Karriere als Musikproduzent die Liebe zur Videoproduktion gefunden. Android in seiner Individualität begeisterte MaTT schon von Beginn an, wie einige Arbeiten aus dem Jahre 2006 und folgend, heute noch bei den XDA Developers Zeugnis tragen.

6 Kommentare

  1. Fritzmaddin schreibt:

    Dem kann ich mich leider nur anschließen…

  2. thommes schreibt:

    Li-Ion-Akkus unterliegen doch einem Memory-Effekt. Dies wurde erst vor wenigen Tagen in einem Wissenschaftlichen Bericht, nach erneuter Prüfung, veröffentlicht.

  3. Ja, Rudolf hat es schon ganz richtig bemerkt, gilt nicht für aktuelle Smartphones.

    Trotzdem Dank für den Link und der gut gemeinten Hilfe, weiter so!

    Gruß
    MaTT

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