Android und Multi Window: Warum Samsung durfte aber CyanogenMod nicht

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Samsung mobile

Als Samsung das Tablet Galaxy Note 10.1 vorstellte, wusste vor allem eine Funktion auf den ersten Blick auf ganzer Linie zu überzeugen: Die Ausführung von zwei Apps parallel, von Samsung auf den Namen Multi Window getauft. Das Galaxy Note 2 wird damit bereits ausgeliefert und auch das erste Note und das Galaxy S3 bekommen Multi Window per Update verpasst. Aber halt, gab es sowas nicht schon einmal?

Richtig, einen Vorstoß in diesen Bereich des echten visuellen Multitaskings hatte bereits das CyanogenMod Team unternommen, damals unter dem Namen Cornerstone. Das Konzept war schon damals mehr als nur vielversprechend und hätte bereits mit CM9 für den Nutzer freigegeben werden können. Es war aber auch ein nur zu verlockender Gedanke: eMails checken und im Fenster daneben bei Facebook posten, während im dritten Fenster ein Paar Informationen per Browser angezeigt werden. Einige Testversionen von CM9 gab es für einige Tablets, sodass ich Cornerstone damals auf einem Galaxy Tab 10.1 (dem echten, nicht dem verappleten) ausprobieren konnte.

Leider ist es nur bei diesen wenigen und teilweise doch ziemlich verbuggten Test-ROMs geblieben, denn die Macher von CyanogenMod haben von Diane Hackburn, ihres Zeichens Software-Ingeneurin bei Google, quasi ein Verbot ausgesprochen bekommen. Anfangs war es noch ein guter aber dringlicher Rat von ihr, der sich später in eine konkrete Drohung wandelte: Sollte Cornerstone weiterhin für CyanogenMod angepasst und integriert werden, könnten einzelne Funktionen oder gleich der ganze Google Play Store für CyanogenMod-Nutzer gesperrt werden.

Der Grund für die Drohung lag nicht an der Funktion von Cornerstone selbst, sondern vielmehr an den Begleiterscheinungen, welche die Implementation gehabt hätte. Denn sämtlichste Apps hätten für Cornerstone händisch angepasst werden müssen, da die meisten Apps nach Meinung Googles entweder ein total zerstörtes Layout dadurch bekommen hätten oder gleich ganz abgestürzt wären. Kurz gesagt war es vielmehr die Sorge um die Benutzererfahrung mit Android, die Google zu einer solchen Drohgebärde verleiten ließ.

Nachdem Samsung mit Multi Window aber fast dasselbe Prinzip für seine Topmodelle der Smartphones und Tablets umsetzt, ist natürlich die Frage: Misst Google hier mit zweierlei Maß? Immerhin hat sich Diane Hackburn auf Nachfrage bisher nicht großartig zu dieser Tatsache geäußert, außer das sie bisher noch nie Samsungs Multi Window ausprobiert habe und auch diesbezüglich nicht mit dem Konzern in Verbindung stehe. Ein Schelm wer Böses dabei denkt, aber nur auf den ersten Blick. Betrachtet man die Sache ein wenig genauer, fallen sofort einige Unterschiede auf: Zum Beispiel sind bei Samsung nur bestimmte Apps per Multi Window nutzbar, die von Samsung (und Google) dafür optimiert wurden. Das erklärt wiederum, wieso im Gegenzug zu CyanogenMods Cornerstone nur ausgewählte Apps mit Samsungs Multi Window funktionieren. Obwohl, für Multi Window gibt es bei den XDA Developers mittlerweile diverse Mods, welche die Funktion für nahezu alle Apps freischaltet, das Argument zieht also nur bedingt.

Letzten Endes hinterlässt die Sache dann doch den Eindruck, als ob Google CyanogenMod zugunsten Samsungs damals zurück gepfiffen hat. Schließlich ist Samsung bisher der einzige Android-Hersteller, der mit einer derartigen Funktion aufwarten kann und diese auch zu bewerben weiß. Andererseits könnte es auch sein, dass Google in Samsung einfach eine Marktmacht sieht, die eine solche Funktion angesichts der deutlichen Marktanteile auch massentauglich etablieren kann. Nur zum Vergleich: CyanogenMod hat derzeit fast 3 Millionen individuelle Nutzer, während Samsung alleine im letzten Quartal über 56,3 Millionen Smartphones absetzen konnte. Wer weiß, vielleicht wird CyanogenMod bald nachziehen dürfen, sobald das Multi Window Feature sich im Markt etabliert hat.

[Quelle: Geek.com | via AndroidNext]

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Mann mit Bart und Faible für Smartphones und Tablets jeder Plattform, doch eindeutig bekennender Androidliebhaber.

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