Facebook Home: Ein Angriff auf die Mobilfunk-Konzerne?

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Facebook Home und die Mobilfunkanbieter

Heute Abend ab 19 Uhr deutscher Zeit wird Facebook seine Neuheit vorstellen, die bisher las Facebook Home durch das Netz geistert. Die Einladung zu dem Event wurde erst vor Kurzem verschickt und gab erste Andeutungen preis. Als dann auch noch die Kollegen von AndroidPolice einen ROM-Dump eines HTC First aka HTC Myst auseinander genommen haben, war die Sache klar.

Facebook ist mit über eine Milliarde Nutzer das weltweit das mit Abstand größte soziale Netzwerk, von den 1 Milliarde aktiven Nutzern gehen sogar über 600 Millionen via Smartphone und Co. online. Ein Markt, der kaum noch Wachstumschancen bietet aus mehreren Gründen. Zum Beispiel ist Facebook in China seit 2009 verboten, lediglich mit technischen Tricks eingeschränkt nutzbar. Zusätzlich sind die Nutzerzahlen in den Industrienationen bereits wieder leicht rückläufig, vor allem im Bereich der Jugendlichen verliert Facebook an Boden. Doch das Unternehmen von Mark Zuckerberg will sich nicht geschlagen geben und plant mit Facebook Home den großen Angriff.

Denn Facebook will sich anscheinend erstmal nur damit beschäftigen, möglichst viele (potentielle) Nutzer zu erreichen, um die Monetarisierung kann man sich danach immer noch kümmern. Nur könnte der Angriff deutlich zu Lasten der Netzbetreiber gehen, sollte Facebook mit Facebook Home, wovon man durchaus ausgehen kann, erfolgreich sein. Denn wenn verschiedene Dienste unter eine einheitliche Oberfläche gebracht werden wie Messenger, eMail, Social Network, Videochat und sogar SMS lassen sich per Facebook nutzen. Wenn das künftig alles über beispielsweise WLAN genutzt wird, entgehen den Netzbetreibern im schlimmsten Fall Milliarden Euro an Einnahmen.

 

Kommunikationsgroßangriff

Gerade Messenger wie WhatsApp als der prominenteste Vertreter seiner Gattung werden oft als „Sargnagel der SMS“ bezeichnet, eine ehemalige Cash-Cow der Mobilfunk-Anbieter. In Zeiten von Datenflats lassen sich so unendlich viele Textnachrichten (inklusive Bilder, Videos und so weiter) verschicken, dass man in SMS/MMS umgerechnet gut und gerne Hunderte von Euro bezahlen müsste pro Monat. Eine Kostenrechnung, die sehr zum Nachteil für die Netzbetreiber und Mobilfunkanbieter werden könnte.

Außerdem darf man nicht vergessen, dass mit einer tiefen Systemintegration der Facebook-Dienste die Nutzung deutlich erleichtert werden kann. Und an diesem Punkt ist Android wie geschaffen dafür: Das Betriebssystem aus dem Hause Google hat weltweit gesehen die höchste Verbreitung und durch die App-Politik von Google lassen sich Oberflächen recht einfach austauschen auf Android-Smartphones. Mit iOS oder Windows Phone wäre das nicht so einfach durchführbar. Zumal der Anteil an Billig-Smartphones mit Android nahezu riesig ist, eine perfekte Spielwiese zum Ausprobieren bestimmter Ideen von Facebook sozusagen. Mit dem HTC First, ein Smartphone das ebenfalls heute Abend im Zuge der Facebook Home Präsentation erwartet wird, werden diese Pläne nur umso deutlicher hervorgehoben: Facebook will zum Mittelpunkt der mobilen Kommunikation werden, die bereits mit der simplen Anmeldung über das eigene Nutzer-Konto voll einsatzfähig ist.

 

Alles Facebook

Künftig wird also nicht nur ein Google-Konto notwendig sein, um sein Smartphone in vollem Umfang nutzen zu können. Mit der Integration von Facebook Home wird zudem ein Facebook-Konto ebenso zur Pflicht, inklusive der Übertragung der eigenen Daten (Kalender, Kontakte, nachrichten) in das soziale Netzwerk. Des Weiteren könnte Facebook Home zu einem Konkurrenten für den Google Play Store werden, mit dem Facebook App Center ist ein potentieller Grundstein vor einiger Zeit bereits gelegt worden.

So oder so versucht Facebook seine Position auszubauen und das über kurz oder lang zu Lasten der Mobilfunkanbieter. Dann würde es sicherlich nicht mehr lange dauern, bis Netzbetreiber enge Kooperationen mit Facebook eingehen und spezielle Datentarife für die Facebook-Nutzung anbieten. Immerhin könnte auf diesem Wege so eine gewisse Refinanzierung gesichert werden. Aber wie sich der Markt letzten Endes wirklich entwickeln wird, ist von den wenigsten heute schon absehbar. Das einfachste was wir tun können, ist ausharren der Dinge die da kommen mögen.

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Mann mit Bart und Faible für Smartphones und Tablets jeder Plattform, doch eindeutig bekennender Androidliebhaber.

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