Force Touch – War HUAWEI wirklich der erste Hersteller?

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Force Touch Technologie

Fragt man einen Apple iPhone Nutzer, dann ist aller Wahrscheinlichkeit nach seiner Meinung nach das iPhone 6s das erste Smartphone mit einem Force Touch (3D Touch) Display gewesen. Jedoch hatte der chinesische Hersteller HUAWEI mit seinem Mate S in der Premium Version, diese Technologie sogar wenige Tage zuvor auf der IFA 2015 offiziell vorgestellt. Doch wer mag es glauben, auch HUAWEI ist nicht der erste Hersteller der ein Force Touch Display verbaut hat. 

Was war das nicht für ein Trubel, der um das Druck-sensitive Display des iPhone 6s mit der sogenannten Force Touch aka 3D Touch Technologie gemacht wurde. Nun kann man mit unterschiedlichem Druck verschiedene Dinge mit dem Display anstellen: Ein leichtes Drücken öffnet die Vorschau einer Mail, während ein festes Drücken diese komplett öffnet.

Wenn man so will hatte es HUAWEI daher clever gemacht und auf seiner Pressekonferenz anlässlich der IFA 2015 in Berlin, mit dem HUAWEI Mate S Press Touch Edition die Show gestohlen. Seit Januar ist es sogar in Deutschland erhältlich (zum Beitrag) und schon während der offiziellen Vorstellung hieß es, man hätte das erste Smartphone mit Force Touch Display. Doch wie eingangs schon erwähnt, stimmt dies mitnichten.

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Neben dem HUAWEI Mate S Press Touch ist übrigens auch das ZTE Axon Mini eines der ersten Android Smartphones, welche von der Technologie Gebrauch machen. Dieses ist ebenfalls ganz offiziell in Deutschland erhältlich (zum Beitrag).

Force Touch ist ein alter Hut

Denn genau genommen ist eine passende API-Schnittstelle für Druck-sensitive Displays seit dem Android API-Level 1 implementiert, was bedeutet dass Android von Beginn an theoretisch derartige Displays unterstützt hat. Allerdings wurde erst mit dem API-Level 5 und damit Android 2.0 Eclair Ende Oktober 2009 die Funktion tatsächlich brauchbar, indem die Methode getPressure() eingeführt wurde. Mehr als 6 Jahre vor Apple und deren iPhone 6s.

Bis heute ist die Funktion fester Bestandteil von Android, wobei jeder Smartphone-Hersteller diese mehr oder weniger gut implementiert. So kann zum Beispiel das OnePlus One verschiedene Druckstufen erkennen und wer will kann das sogar überprüfen. Im Google Play Store gibt es eine kleine App die nichts anderes macht, als über die API-Schnittstelle mit der Methode getPressure() die Force Touch Funktionalität des Displays zu testen.

Force Touch Demo
Entwickler: adamoutler
Preis: Kostenlos

Je nach Smartphone kann der registrierte Unterschied in der Druckstärke deutlicher zum Vorschein kommen oder auch nicht. Manche Touchscreens erkennen nur eine einzige Art der Berührung und zeigen daher auch ständig eine „1,0“ bei der Druckstärke an.

Hinzu kommt, dass bisher so gut wie keine einzige App unter Android von der Möglichkeit auch Gebrauch macht. Erst das HUAWEI Mate S in der speziellen Press Touch Version bringt darauf ausgerichtete Apps ins Spiel. Unter anderem kann man Fotos in der HUAWEI-eigenen Galerie-App vergrößern, eine App starten, durch das Smartphone navigieren oder auch einfach nur das Gewicht diverser Objekte messen.

Doch eine Schnittstelle für Force Touch alleine reicht nicht aus: Es braucht auch einen Touchscreen-Controller, welcher die Eingaben erkennen und verarbeiten kann. Einen solchen hat Synaptics letztes Jahr vorgestellt (zum Beitrag), welcher noch dieses Jahr in den ersten Geräten erwartet wird.

Rechtliche Lage

Sicherlich hat Apple das ein oder andere Patent zugesprochen bekommen (explizit für das 3D Touch genannte Feature, laut einem Bericht von Patently Apple), welches sich explizit um das Erkennen verschiedener Druckstufen dreht, aber das verschont auch Apple nicht vor Klagen rund um Force Touch. Eine Klage von Immersion aus San Jose, Kalifornien ist sogar Top-aktuell und wirft dem iPhone-Entwickler vor, diverse Patente rund um Force Touch sowie haptischen Feedback verletzt zu haben, wie re/code berichtet.

Da Immersion bereits seit 1993 existiert und seitdem nicht nur in diesen Bereich aktiv forscht, sondern auch die entwickelte Technologie und diverse Patente an andere Unternehmen der Medizin- und Videospiel-Branche lizenziert, sind die Erfolgsaussichten als durchaus gut zu bezeichnen.

Android war auch nicht zuerst da

Zwar werden einige Android-Verfechter nun erst Recht auf Apple zeigen und den Konzern des „Kopieren“ bezichtigen. Doch wer etwas tiefer gräbt stellt fest, dass auch Android nicht das erste Mal sich mit Force Touch beschäftigte. BlackBerry war sogar einige Jahre vorher sehr aktiv mit Patenten rund um Touch-sensitive Display-Technologien. 2008 war man mit dem BlackBerry Storm 9500 sogar nachweislich früher auf dem Markt, auch wenn die Technologie damals SurePress genannt wurde und das komplette Display bei entsprechendem Druck nach gab.

Mehr als 40 Patente kann BlackBerry für sich beanspruchen, die nahezu jeden Aspekt rund um Force Touch abdecken. Von einem generellen taktilen Feedback des Displays über die technische Realisierung mit Sensoren bis hin zu konkreten Anwendungsfällen. Exemplarisch sei an dieser Stelle das US-Patent mit der Nummer 9,092,057 genannt.

BlackBerry war mit seinem Storm damals gescheitert im Bezug auf Force Touch, aber Apple könnte der Technik und dem Prinzip an sich zum Durchbruch im Massenmarkt verhelfen. Dies war 2007 mit dem ersten iPhone und der reinen Touchscreen-Bedienung so, das war 2013 mit dem Fingerabdruck-Sensor namens Touch ID der Fall und wird vermutlich auch mit dem Druck-sensitiven Display passieren. Insofern ist es auch wenig verwunderlich, dass Samsung mit seinem Samsung Galaxy S7 nun eine ähnliche Technik einführen will (zum Beitrag) – wobei zuletzt in den Gerüchten genau davon nicht mehr die Rede war.

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Denn wenn man Apple eines zugestehen kann, dann ist es das „Salonfähig machen“ verschiedener Technologien, sodass diese im Massenmarkt ankommen.
Was man jedoch Apple im Umkehrschluss vorwerfen kann, ist irreführendes Marketing. In den wenigsten Fällen ist der Konzern mit Sitz in Cupertino tatsächlich der Erfinder und bei Force Touch beziehungsweise 3D Touch ist dies nicht anders.

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Stefan

Stellvertretender Chef-Redakteur
Mann mit Bart und Faible für Smartphones und Tablets jeder Plattform, doch eindeutig bekennender Androidliebhaber.

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