Google Now und das Nexus 5: Was geht eigentlich in Deutschland?

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Google Now

Google Now ist einer dieser Dienste des Internet-Konzerns von Google, dessen Möglichkeiten uns immer wieder aufs Neue staunen lassen. Was Apple mit Siri erst so richtig ins Rollen gebracht hat, versucht Google kontinuierlich weiter zu entwickeln und das gelingt dem US-Konzern auch regelmäßig. Denn Google Now ist mehr als nur eine Sprachsteuerung für Android.

Was ist Google now?

Per Definition ist Google Now ein „persönlicher Sprachassistent, der Informationen genau dann zur Verfügung stellt, wenn und wo sie gebraucht werden“. Der Funktionsumfang von Google Now ist mittlerweile beachtlich und reicht weit über die Anzeige von Wetter, Nachrichten, Sportergebnissen und Terminerinnerungen hinaus. Seit der ersten Vorstellung letztes Jahr zusammen mit Android 4.1 Jelly Bean, haben weitere Karten, so werden die einzelnen Features von Google Now bezeichnet, ihren Weg in die Software gefunden. Egal ob die Ergebnisse der Lieblingsmannschaft, der Weg zu den Schwiegereltern oder wann man von Arbeit los muss, um rechtzeitig zum Geburtstag der eigenen Kinder da zu sein: Google Now weiß richtig viel. Allerdings ist nicht alles was Google Now kann auch in Deutschland nutzbar. Viele neue Karten sind zuerst US-exklusiv, was aktuell unter anderem die Anzeige von Flugtickets oder Immobilien-Anzeigen betrifft.

Erste Versuche mit Google Now

Eine der ganz großen Stärken von Google Now bzw. der Google Suche ist jedoch die Spracheingabe, welche eine erstaunlich hohe Treffsicherheit bietet. Und sogar mit einem sprechen kann, wenn es für bestimmte Aktionen mehrere Möglichkeiten gibt. Bestes Beispiel ist das Sprachkommando „Rufe Michael an„, wo Google Now mit „Welchen Michael?“ antwortet, wenn es mehrere Michaels in den eigenen Kontakten gibt. Das entsprechende Update wird allerdings erst in den kommenden Tagen via Google Play Store ausgerollt werden.

Um direkt loslegen zu können, bietet Google auch dem interessierten Anwender Hilfe an und das Ganze natürlich auch standesgemäß über Google now. Einfach das Mikrofon der Google Sprachsuche drücken und mit dem Wort „Hilfe“ stellt euch Google now jede Menge Möglichkeiten der Sprachsteuerung zur Verfügung.

Es lassen sich aber jetzt schon diverse andere Sprachkommandos innerhalb von Google Now benutzen, die auch im deutschen ziemlich gut funktionieren. Zumindest wenn Google Now diese korrekt erkennt. Denn obwohl Google einige Sprachkommandos auch im Deutschen unterstützt, werden nicht alle so erkannt wie sie sollten. Hier mal eine Übersicht über die offiziell in Deutschland unterstützten Sprachkommandos.

Kommando Definition Beispiel
Hilfe
Google Vorschläge „Hilfe“
Öffnen“ oder
„starten“
App-Name „Gmail öffnen“
Kalendertermin erstellen „Terminbeschreibung“ & „Tag/Datum“ & „Uhrzeit“ „Kalendertermin erstellen: Abendessen in München am Samstag um 19:00 Uhr“
Karte von Adresse, Name, Geschäft, Geschäftsart oder anderen Standorten „Karte vom Stadtpark, Hamburg“
Route nach“ oder
Navigieren zu
Adresse, Name, Geschäft, Geschäftsart oder anderem Ziel „Route nach Königstraße 1, Stuttgart“ oder
„Navigieren zu Viktualienmarkt, München“
Auf Google+ posten Was Sie in Google+ posten möchten „In Google+ posten: Ich verreise.“
Welcher Song ist das? Wenn Sie ein Lied hören, fragen Sie: „Welcher Song ist das?“
Barcode scannen Scannen Sie einen Barcode oder QR-Code, um mehr über ein bestimmtes Produkt zu erfahren. „Barcode scannen“ und halten Sie den Barcode vor die Kamera des Geräts.
Gehe zu Suchbegriff oder URL „Gehe zu Google.com“
E-Mail senden „An“ und Kontaktname,
„Betreff“ und Betrefftext
„Nachricht“ und Nachrichtentext, Satzzeichen sprechen
„E-Mail senden an Anna Wegener, Betreff, Neue Schuhe, Nachricht, Kann es kaum erwarten Komma dir meine neuen Schuhe zu zeigen Punkt.“
Notiz an mich Nachrichtentext „Notiz an mich: an die Milch denken“
Wecker einstellen „Zeit“ oder „auf“ und die Zeitangabe wie „10:45 Uhr“ oder „in 20 Minuten“, „Label“ und Name des Alarms „Wecker einstellen auf 19:45 Uhr, Label, Waschmaschine ausschalten“
Hören Musik in der Google Play Music App anhören. Dazu den Namen eines Titels, eines Interpreten oder eines Albums sprechen. „Hören: Smells Like Teen Spirit“
Wer ist Nach Personen in Google suchen und Informationen anzeigen lassen. „Wer ist Angela Merkel“
Uhrzeit Uhrzeit in bestimmten größeren Städten ansagen lassen oder in welcher Zeitzone eine bestimmte Stadt liegt. „Wie spät ist es in New York?“ oder „In welcher Zeitzone liegt Paris?“
Wie hoch/tief Google Now kann die Höhe von Bauwerken oder Bergen sagen und wie tief Gewässer sind. „Wie hoch ist der Berliner Fernsehturm?“ oder „Wie tief ist der Bodensee?“
Umrechnen/ Taschenrechner Kleine Rechenaufgaben und das Umrechnen von Währungen sowie Einheiten ist auch machbar. „5 Minus 3 Mal 8“, „99 Dollar in Euro“ oder „12 Kilogramm in Pfund“
Sportergebnisse Das nächste Spiel, Spielergebnisse und Tabellenplatz der Lieblingsmannschaft lässt sich abfragen. „Auf welchem Platz ist Hertha BSC?“
Filme/Bücher Es lassen sich damit diverse Informationen zu Kinofilmen und Büchern abfragen. „Wie lang ist de Film Titanic?“ oder „Wer hat Herr der Ringe geschrieben?“

Applikationen starten

Beim Sprachkommando „Öffnen“ oder „Starte“ ist es allerdings manchmal ein echtes Glücksspiel, ob die zu öffnende App erkannt wird oder nicht. Während die Google-eigenen Apps sich nahezu problemlos öffnen lassen, sind Drittanbieter-Apps ein ganz anderes Kaliber. Meistens werden bestenfalls Suchergebnisse in Karten angezeigt, anstatt die gewünschte App zu öffnen. Lediglich Apps aus nur einem Wort können hin und wieder geöffnet werden, bei Apps aus mehreren Wörtern versagt der Versuch regelmäßig. Selbst „WhatsApp“ funktioniert partout nicht.

Beim anlegen von Terminen lässt sich ähnliches Beobachten, mit teilweise mehr als kuriosen Angaben. Zeiten werden nicht als solche erkannt und wenn doch, dann eher selten als Startzeit sonder als Zeitraum von bis. Die sprachgesteuerte Navigation hingegen funktionierte mit einigen Testsätzen erfreulich gut, auch wenn hier der eine oder andere Fehlgriff erzielt wurde. Bei den anderen Möglichkeiten der Spracheingabe sind die Resultate ähnlich wobei manche Funktionen mit kleinen Kniffen ziemlich gut funktionieren. Als Beispiel sei hier der Wecker genannt, denn wenn man den Teil mit dem Betreff weglässt, ist die Wecker-Funktion nahezu perfekt nutzbar. Notizen funktionieren übrigens ohne Fehl und Tadel.

 Geheime Sprachbefehle

Das waren jetzt allerdings mehr oder weniger die von Google dokumentierten Sprachbefehle, so wie sie jeder in der Google-Hilfe einsehen kann. Interessanter wird es da schon bei Fragen, die so nicht dokumentiert sind. In den meisten Fällen wird euch Google Now auf populäre Fragen die Antwort direkt per Sprachausgabe mitteilen und zusätzliche Informationen wie Karten, Wikipedia-Artikel und dergleichen anbieten.

Wetter in bestimmten Städten, Zeitzonen und selbst geografische Dinge wie Tiefe von Seen oder Höhen von Bergen kann man via Google Now erfragen. Fragt man nach bekannten Persönlichkeiten, dann zeigt Google Now neben Bildern der Person selbst die zugehörigen Wikipedia-Artikel an und listet daraus den ersten Satz vor. Selbst das Jahresgehalt von Lionel Messi lässt sich mit:

  • Was verdient Lionel Messi?

erfragen, dessen Ergebnis einen schon ziemlich nachdenklich werden lässt.

Aber auch echt praktische Funktionen bietet Google Now oder wusstet ihr, dass ihr Währungen in Google Now umrechnen lassen könnt, auf mehrere Kommastellen genau? Sogar als Taschenrechner kann man Google Now missbrauchen, man muss sich allerdings auf die Grundrechenarten beschränken. Komplexere Berechnungen wie Wurzelziehen zum Beispiel beherrscht Google Now (noch?) nicht, kann dafür immerhin diverse Einheiten umrechnen.

Selbst Sportergebnisse kann Google Now anzeigen, beschränkt sich dabei allerdings bisher lediglich auf die erste Fußballbundesliga. Dafür gibt es aktuelle Tabellen, Ergebnisse des Lieblingsvereins und wann das nächste Spiel inklusive Gegner ist.

  • Wann spielt Hertha BSC?

Für andere Teams und Sportarten verweist Google Now auf die klassischen Suchergebnisse. Filmfans werden hingegen die Funktionen für Filmlänge und Regisseure von Filmen zu schätzen wissen, was nicht einmal vor Serien und Büchern Halt macht.

Auch ist es mit Google now möglich, direkt Musik aus der Sammlung von Google Play Music oder einem Streamingdienst wie Spotify abzuspielen. Kennt ihr also den Titel den ihr gerne hören wollt, so startet ihr diesen mit den Worten

  • Spiele Ice Ice Baby

Je nach dem, welchen Player ihr als letztes genutzt habt, wird Google now versuchen diesen zu öffnen und den gewünschten Song von Vanilla Ice abspielen. Google lässt euch aber die Zeit, wie in unserem Fall den Player vorher noch zu ändern.

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Hotword-Erkennung

Google now ist bei Android 4.4 KitKat und dem Nexus 5 sogar in der Lage via Sprache zum Leben erweckt zu werden. Hier reden wir von dem so genannten „Hotword“, welches entweder mit den Worten  „OK Google“ oder „Hallo Google“ aktiviert wird. Leider funktioniert das aktuell nur mit der US-Englischen Sprachausgabe von Google now. Wie das genau eingestellt wird, zeigen wir euch in dem Beitrag Nexus 5: Hotword-Erkennung in Google Now aktivieren.

Die Zukunft kommt

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass in Deutschland erstaunlich viel über Google Now erfragt werden kann. Sofern das Gesprochene ohne großartig Dialekt gesprochen wird, denn sonst hat Google Now einige Probleme beim Erkennen der Sprache. Was leider nicht ganz so schön ist, verglichen mit der US-amerikanischen Lokalisierung von Google Now, ist der Umfang der unterstützten Funktionen. Vieles was neu in Google Now integriert wird, ist eine zeitlang exklusiv in den USA wirklich zu gebrauchen, bis es irgendwann mal in Deutschland und anderen Ländern der Welt wie erhofft funktioniert.

Dennoch lässt sich jetzt schon sagen, dass Systeme mit Spracheingabe wie Google Now die Zukunft sein werden. Sofern man es ertragen kann, dass Smartphone-Nutzer (und eventuell Nutzer einer Smart Watch) in der Öffentlichkeit Selbstgespräche führen werden. Zumindest antwortet das Gerät nicht auch in jedem Fall.

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Mann mit Bart und Faible für Smartphones und Tablets jeder Plattform, doch eindeutig bekennender Androidliebhaber.

2 Kommentare

  1. Ich habe seit ein paar Tagen das Nexus 5. Die Spracherkennung ist nicht schlecht, aber da ist noch viel Potential nach oben.

    Viele der Befehle in der Liste aus diesem Artikel hat mein Handy nicht verstanden und ja ich rede hochdeutsch 🙂

    Schade ist, dass „OK Google“ nicht bei gelocktem Handy funktioniert. So muss man es erst einschalten und kann erst dann den Satz sagen. Das erspart es mir aber nur auf das Mikrofonsymbol zu drücken. Vielleicht mache ich ja aber auch etwas falsch.

    • Technisch ist das Nexus 5 durch den Snapdragon 800 sehr wohl dazu in der Lage auch im Standby auf deine Stimme zu horchen. Google hat lediglich die dafür notwendige Technologie nicht lizenziert. Bei den XDA Developers schienen sich etliche Entwickler mit dem Thema zu beschäftigen.

      Wenn du wirklich in Touchless Control willst, dann musst du zum Moto X greifen. 😉

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