HTC verklagt Ex-Mitarbeiter wegen Unterschlagung und Geheimnisverrats

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HTC Heres to change

Industriespionage kommt immer mal wieder vor aber wenn es ein angeschlagenes Unternehmen wie HTC trifft, dann ist das doppelt so schlimm. Gerade der taiwanische Smartphone-Hersteller kämpft mit vielen Mitteln um die Rückkehr in die profitable Zone, nachdem erstmals Verluste erwirtschaftet wurden. Dennoch geht HTC entschlossen gegen seinen ehemaligen Chef-Designer vor.

Der Fall erregte einiges an Aufsehen, als drei HTC-Mitarbeiter des Diebstahls von Betriebsgeheimnissen verdächtigt wurden. Der Vorfall wurde medial ziemlich stark begleitet, wie unter anderem die Beschuldigten von der Polizei abgeführt und Büro- sowie Privaträume durchsucht wurden. Der wirkliche Schaden ist allerdings die Tatsache, dass die Entwürfe zur nächsten Version von Sense – bisher als Sense 6 bezeichnet – bereits von Thomas Chien nach China übermittelt wurden. Chien ist der ehemalige Chef-Designer von HTC und neben dem Design des HTC One auch für Sense 6 verantwortlich.

 

HTC und fehlbare Ex-Mitarbeiter

Nun hat HTC und die taiwanische Staatsanwaltschaft in Taipeh offiziell Anklage gegen Thomas Chien und 5 weitere nicht genannte Ex-Mitarbeiter erhoben wegen Geheimnisverrats und Unterschlagung. Im Fall des Geheimnisverrats geht es um gezeigte Icons während der Präsentation bei einem chinesischen Konkurrenten, als Chien bereits nicht mehr für HTC tätig war. Zusätzlich wird er der Unterschlagung bezichtigt, zusammen mit dem ehemaligen Forschungs- und Entwicklungschef HTCs Wu Chien-hung. Beide Ex-Manager sollen dem Konzern falsche Rechnungen ausgestellt haben für externe Unternehmen, die sich angeblich mit der Design-Entwicklung des HTC One beschäftigt hatten.

Die Staatsanwaltschaft fordert für Chien die gesetzliche Höchststrafe, da dieser weder Reue für seine Taten zeigte und sich außerdem nach wie vor mit eher fragwürdigen Versuchen zu rechtfertigen sucht. Für zwei weitere Angeklagte wird hingegen eine milde Strafe angestrebt, da diese sich geständig und kooperativ zeigten. Zusätzlich haben sich besagte zwei Ex-Mitarbeiter mit HTC einigen können, was unter anderem zu einer „Vergebung“ durch den Ex-Arbeitgeber führte. Für drei Mitarbeiter von Zulieferer-Unternehmen seien ebenfalls Bewährungsstrafen im Blick.

Thomas Chien hingegen drohen bis zu 5 Jahre Haft und 10 Millionen Taiwan Dollar Strafe, umgerechnet etwa 242.000 Euro. Durch eine veränderte Rechtssprechung könnten allerdings auch 10 Jahre Haft und 50 Millionen Taiwan Dollar (ca. 1,21 Millionen Euro) werden, wobei durch die besondere Schwere der Tat – Verrat an ein ausländisches Unternehmen – die Haftstrafe um zusätzliche drei bis zehn Jahre verlängert werden könnte. Für Chien steht also durchaus der Rest seines Lebens auf dem Spiel, sollte das zuständige Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft folgen.

[Quelle: Focus Taiwan | via Engadget]

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Mann mit Bart und Faible für Smartphones und Tablets jeder Plattform, doch eindeutig bekennender Androidliebhaber.

2 Kommentare

  1. Wegen etwas Designhinundher geht heutzutage niemand ins Gefängnis, erst recht nicht für 13 Jahre. HTC hat neben dem äußeren ganz anständige innere Werte – ich vermute die chinesische Konkurrenz nicht. HTC ist und bleibt (zumindest mit dem One) das beste was der Markt aktuell für mich zu bieten hat. Falls der Nachfolger nicht floppt, könnte das Unternehmen Samsung und Apple gefährlich werden.

    • Das HTC One ist doch das Paradebeispiel, wie viel Wert manche Nutzer auf Design beim Gehäuse und der Software legen. Da ist es umso schädlicher für die Geschäfte, wenn ein chinesischer Hersteller dem Original zuvor kommt und dann wegen Abkupfern des Designs verklagt. Gerade in China dürfte die lokale Industrie besser vor Gericht dastehen als ausländische Firmen, insofern kann ich das Vorgehen von HTC und der Staatsanwaltschaft schon verstehen. Es geht schließlich um den Milliardenschweren Markt China…

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