Motorola-Übernahme: Das bekommt Lenovo von Google

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Lenovo Motorola Mobility

Gestern Abend verkündete Google recht überraschend, dass der Konzern Motorola Mobility an den chinesischen Konzern Lenovo verkauft habe. Natürlich fragt man sich nach dem Grund, immerhin hat Google den Smartphone-Hersteller selbst erst vor zwei Jahren übernommen. Dennoch gibt es fast nur Gewinner in dieser Sache.

Es ist noch keine ganzen zwei Jahre her, als Google die Übernahme von Motorola Mobility endgültig abgeschlossen hat. Bis zum Jahre 2011 trat der Google-Konzern bestenfalls als einfallsreicher und erfolgreicher Software-Entwickler auf, der mit Android eine starke Konkurrenz zu Apples iPhone geschaffen hat. So erfolgreich, dass mittlerweile weltweit gesehen fast 80% aller verkauften Smartphones mit dem Betriebssystem aus Mountain View betrieben werden und Erfolg gibt Google Recht. Insofern war die angekündigte Übernahme von Motorola Mobility im Herbst 2011 eine echte Sensation: Google steigt ins Hardware-Geschäft ein.

 

Googles Schachzug

Schon damals wurde hinter vorgehaltener Hand getuschelt, dass Google lediglich an den 17.000 Mobilfunk-relevanten Patenten des Handy-Erfinders interessiert war. Google hat das nie wirklich dementiert, weswegen der Weiterverkauf von Motorola Mobility selbst eigentlich nur eine Frage der Zeit war. Eine Frage, die sich gestern Abend gegen 23 Uhr Deutscher Zeit erledigte. Aber was hat der Deal zwischen Google und Lenovo eigentlich für Auswirkungen? Ziemlich weitreichende möchte man meinen.

Zunächst einmal kann sich Google wieder über ein wenig Kleingeld in der eigenen Kasse freuen, denn der Verkauf von Motorola Mobility bringt den US-Amerikanern ganze 2,91 Milliarden US-Dollar ein. Bei genauerer Betrachtung kein mal so schlechter Deal, auch wenn auf den ersten Blick der Preis von Lenovo etwa ein Viertel des damaligen Kaufpreises von Google beträgt. Damals zahlte Google 12,5 Milliarden US-Dollar, was für Motorola Mobility, die Patente, der Set-Top-Box-Sparte und einem Barvermögen von etwa 3 Milliarden US-Dollar galt. Die Set-Top-Box-Sparte verkaufte der Konern relativ schnell für 2,35 Milliarden US-Dollar. Unterm Strich zahlte Google also für die Motorola-Patente „nur“ 4,24 Milliarden US-Dollar.

 

Was hat Lenovo mit Motorola vor

Lenovo hingegen kann über Motorola die lang gehegten Expansionspläne aus China raus weiter verfolgen. Der Schritt in den US-amerikanischen und europäischen Markt ist damit ein riesiges Stück voran gekommen, schließlich können die Chinesen auf die bestehenden Vertriebswege und Verträge mit den Providern übernehmen. Um Welten einfacher als diese erst mühsam selbst aufbauen zu müssen, zumal es sich bei Lenovo trotz Allem um ein chinesisches Unternehmen handelt. Dass sie erfolgreich und vor allem auch qualitativ sehr gut sind zeigt die ThinkPad-Reihe, die Lenovo im Jahre 2005 von IBM übernommen hatte. Selbiges kann man auch auf die Marke „Medion“ anwenden.

Jedenfalls kann sich Lenovo mit der Motorola-Übernahmen quasi in ein gemachtes Nest setzen, zumindest mehr oder weniger. Auch wenn zunächst die Wettbewerbsbehörden in den USA und in China der Übernahme noch zustimmen müssen, sind die weiteren Schritte und Maßnahmen Lenovos von größerem Interesse. Vermutlich wird die Marke „Motorola“ selbst zunächst für unbestimmte Zeit bestehen bleiben, zumindest so lange bis die aktuelle Roadmap abgearbeitet ist. Lenovo-CEO Yang Yuangqing erklärte in der gestrigen Telefonkonferenz: „Wir kaufen dieses Unternehmen, wir kaufen dieses Team als unseren Schatz“. In vermutlich knapp zwei Jahren wird der Einfluss von Lenovo sich dann in ersten Geräten zeigen, denn ähnlich war es auch nach der Google-Übernahme von Motorola gewesen. Die Forschungsabteilung von Motorola Mobility, die sich unter anderem mit dem Projekt Ara beschäftigt, verbleibt übrigens im Google-Konzern.

 

Dritter Sieger: Die Android-Nutzer

Aber nicht nur Google und Lenovo gehen mit einigen Vorteilen aus der Sache heraus. Mit der Kombination Lenovo-Motorola könnte ein weiteres Android-Schwergewicht neben Samsung entstehen, was letzten Endes dem Markt und somit dem Kunden gut tun dürfte. In China beispielsweise ist der Lenovo-Konzern in Sachen Smartphones fast an Samsung vorbei, was die Marktanteile und verkauften Geräte betrifft. Aber auch andere OEM-Partner von Google dürften wieder ein wenig mehr Aufatmen, in erster Linie Samsung. Jedenfalls dürften nicht nur wir gestern Abend überrascht gewesen sein von der Meldung des Verkaufs.

motorola_verkauf

Direkt nach der Bekanntgabe der Übernahme damals im Jahre 2011 kam die Befürchtung auf, dass Google künftig die eigene Tochter bevorzugt behandeln würde, was den Zugriff auf den Android-Quellcode nebst der Unterstützung betrifft. Sogar eine Bevorzugung bei der Nexus-Linie wurde dem Konzern nachgesagt aber wie wir heute wissen, ist es keineswegs so gewesen. Vielleicht hat sogar die Nummer Eins der Android-Hersteller Samsung im Hintergrund ein wenig mitgeschachert, dass Google die Motorola-Sparte wieder abstößt. Schließlich ging es von Beginn an nur um die Motorola-Patente, die Google bekanntlich weiterhin behält. Lediglich knapp 2.000 nicht näher genannte Patente wechseln den Besitzer.

Immerhin wurde Samsung sogar nachgesagt, indirekt mit verantwortlich zu sein für den Weggang von Andy Rubin, seines Zeichens Erfinder von Android. Sein Nachfolger Sundar Pichai gilt übrigens als Samsung-Fan und sieht in der Dominanz der Südkoreaner keine wirkliche Gefahr für die Android-Plattform, wobei man hier eindeutig anderer Meinung sein kann. Selbst Google bzw. Pichai scheint seine Meinung ein wenig geändert zu haben, wie im Zuge der neuen Samsung-Oberfläche bekannt wurde. Außerdem bekommt das Patent-Abkommen zwischen Google und Samsung einen neuen Blickwinkel, woran die Vermutungen von Eldar Murtazin nicht ganz unbeteiligt sind.

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Mann mit Bart und Faible für Smartphones und Tablets jeder Plattform, doch eindeutig bekennender Androidliebhaber.

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