Projekt Ara: Wer steuert eigentlich die Technik bei?

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Google ATAP Projekt Ara

Was bei Desktop PCs schon seit Jahrzehnten ganz normal ist, will Google mit Projekt Ara dieses Jahr auch für Android Smartphones ermöglichen: Den Wechsel bestimmter Komponenten. Das Projekt eines modularen Smartphones hat schon mehrfach für Schlagzeilen gesorgt, aber welche Unternehmen sind eigentlich für die ganze Technik verantwortlich?

Diesen Herbst will Google den Smartphone-Markt revolutionieren und ein Smartphone auf den Markt bringen, welches die Welt so bisher nur ganz selten in Echt gesehen hat, geschweige denn überhaupt kaufen konnte. Die Rede ist natürlich vom sehr ambitionierten Projekt Ara (zum Beitrag), welches diesen Sommer seine Premiere in Puerto Rico und angeblich im Herbst das international (zum Beitrag) feiern soll. Da wird es doch langsam wirklich mal Zeit, einen tieferen Blick auf die beteiligten Unternehmen zu werfen und was sie so alles beisteuern.

Was kommt von wem für Projekt Ara?

Zunächst sollte man festhalten, dass zwar das ATAP-Team (Advanced Technologies and Projects) von Google das federführende Team hinter der ganzen Sache ist, aber Projekt Ara lebt letzten Endes davon, welche Module es in dem eigenen Online-Shop überhaupt geben wird. Und diese Module kommen von einer Vielzahl an namhaften Unternehmen, welche doch irgendwie an einen Erfolg des Projektes glauben. Denn sonst würden sie ja wohl kaum dafür neue Module entwickeln, oder?

Einer der größeren Konzerne ist Toshiba. Der japanische Hersteller steuert die ersten Kamera-Module mit 8 sowie 13 Megapixel Auflösung bei, die zudem FullHD-Videos aufnehmen können (zum Beitrag). Weiterhin gibt es die ersten Referenz-Design für Module aus dem Bereich Audioaufnahme für die Kamera, ein Modul mit der TransferJet-Technologie und ein WLAN-Modem. Toshiba spielt jedoch eine der wichtigsten Rollen in dem Projekt überhaupt, denn der Konzern hat die Bridge-Chips für die Kommunikation der einzelnen Module untereinander entwickelt. Ohne diese Bridge-Chips wäre das ganze Projekt Ara gar nicht erst möglich gewesen. Und nebenbei bietet Toshiba auch noch Applikationsprozessoren mit an.

Der Speicher für Projekt Ara stammt vom taiwanischen Joint-Venture Phison Electronics Corp., an welchem unter anderem Kingston mit beteiligt ist. Mit Hilfe der UFS-Technologie stellt das Unternehmen ein Speicher-Modul mit ganzen 128 GB Speicher bereit, welches mit bis zu 800 MB/Sekunde im lesenden und bis zu 150 MB/Sekunde im schreibenden Zugriff auch noch extrem schnell Daten übertragen kann.

Für Medien gibt es echte Spezialisten

Ein Smartphone wird heutzutage vor allem auch als MP3-Player genutzt. Projekt Ara dürfte audiophil veranlagte Nutzer ganz besonders ansprechen, da Sennheiser mit den Modulen Amphion und Proteus gleich zwei Module in der Entwicklung für die Wiedergabe von Musik hat. Unter anderem besitzt das Amphion-Modul ein Geräusche unterdrückendes Mikrofon und einen 150 mW Class G Verstärker, welcher Stimmen aufnehmen und wiedergeben kann mit einer besonders hohen Klarheit. Das Audio-Erlebnis für Projekt Ara verbessert zudem ein Digital-Prozessor mit besonders niedriger Latenz, sodass Musikliebhaber voll auf ihre Kosten kommen. Die Thematik „Modular“ setzt Sennheiser übrigens auf die Spitze: Den DSP (Digital Signal Prozessor) wird man programmieren können. Für das Proteus-Modul sieht Sennheiser übrigens gleich zwei 3,5mm Audio-Buchsen vor.

Natürlich ist kein Smartphone komplett ohne einen Prozessor und auch bei Projekt Ara ist das der Fall. Allerdings hat der interessierte Käufer die Auswahl zwischen gleich drei Herstellern Marvell, Rockchip und NVIDIA entwickeln spezielle CPU-Module für das Google-Smartphone. Von Marvell kommt der 64-Bit fähige PXA1928 – ein 1,5 GHz schneller Quad-Core auf Basis des ARM Cortex A53 udn einem LTE Cat4 Modem – während Rockchip einen speziellen Applikationsprozessor auf Basis des UniPro-Protokolls entwickeln will. Das Highlight dürfte jedoch der NVIDIA Tegra K1 sein, welcher keiner weiteren Einführung bedarf. Es handelt sich dabei allerdings „nur“ um den 32-Bit Quad-Core.

Eines der ersten Akku-Module für Projekt Ara steuert das MIT-StartUp SolidEnergy Systems bei (zum Beitrag), welche unter anderem die Kapazität von modernen Akkus um bis zu 30 Prozent bei gleicher Größe erhöhen wollen (zum Beitrag). Dieses liefert unter anderem die Energie für eines der ersten Display-Panels, welches von Innolux kommt. Das Display mit einer Diagonale von 4,5 Zoll löst mit 1.280 x 720 Pixel auf, setzt auf die LTPS-Technologie und wird von Corning Gorilla Glass 3 vor Kratzern geschützt.

Sogar Fujitsu und Nest sollen an Projekt Ara mit beteiligt sein, allerdings gibt es zu deren Rolle bisher keine genaueren Informationen. Vor allem die Rolle von Nest ist unklar. Fujitsu wird womöglich wesentlichen Anteil an der Produktion des Endo-Skeletts des Spiral 2 Prototypen haben.

Und (fast) der ganze Rest

Einer der wichtigsten Unterstützer für Projekt Ara aus Sicht von Google dürfte das südamerikanische Unternehmen Yezz Mobile sein, welches in Europa vor allem durch sehr preiswerte Android Smartphones über Amazon bekannt sein dürfte. Das Unternehmen ist vor allem durch seine starke Verbreitung in Lateinamerika ein strategisch wichtiger Partner, zumal Yezz schon zahlreiche Module für die Plattform entwickelt und auch produziert hat. Konnte man unter anderem auf dem MWC 2015 sehen (zum Beitrag).

Das chinesische Unternehmen Sunny Opotech wird ein 5 Megapixel Kamera-Modul beisteuern, während aus Russland von Intersoft ein Modul zur Messung radioaktiver Strahlung kommt und ein Dual-SIM-Modul. Vestigen arbeitet an den ersten Healthcare-Modulen, um die Gesundheit eines Patienten messen und überwachen zu können. Auch Lapka versucht sich an solchen Modulen, die man jedoch in einem ungleich stylischeren Äußeren verpacken will (zum Beitrag).

Abseits von allem technischen will das New Yorker Unternehmen Caseable Möglichkeiten zur Individualisierung der Projekt Ara Module anbieten. Dazu nutzt man unter anderem recycelten Kunststoff, um umweltfreundliche Gehäuse zu entwerfen. VOXearch aus dem US-Bundesstaat Kalifornien will zum Versuchsstart von Projekt Ara in Puerto Rico das mHealth genannte Modul zur Messung des Blutzuckergehaltes anbieten können.

Natürlich gibt es noch einige weitere größere und auch kleinere Unternehmen, welche an Modulen für Projekt Ara arbeiten und entwickeln. Sie alle werden vermutlich dabei auf MetamorphoSys vertrauen, welches zum Quasi-Standard für die Entwicklung neuer Module geworden ist. Denn eine Idee und das Module Development KIT (MDK) alleine reichen nicht aus, um zu schauen, ob die eigene Idee für ein neues Modul überhaupt funktioniert. Hier kommt MetamorphoSys zum Einsatz, denn die Software erlaubt es virtuell Module zu testen, bevor man sich an erste physische Prototypen heran wagt. Das Tool wird von dem Unternehmen MetaMorph entwickelt und verbessert, welches übrigens auf Initiative des Google ATAP-Teams entstand.

Was ist eigentlich mit der Logistik?

Damit wären die wichtigsten Unternehmen für Projekt Ara genannt, welche die grundlegende Technik für das gesamte Projekt entwickelt haben, oder an den ersten Modulen für das Smartphone arbeiten. Allerdings darf man dabei nicht vergessen, dass die Module nicht von allein zu den Kunden kommen. Für die Plattform zum Verkauf der Module zeichnet sich Two Toasters verantwortlich, deren Online-Shop im Prinzip der Google Play Store für Module wird (zum Beitrag). Die Logistik sowie den Versand von Modulen und den Endo-Skeletts übernimmt Ingram Micro Mobility.

Jetzt muss das Ganze nur noch so funktionieren wie Google das angekündigt hat, bzw. wie man sich das so aus den bisherigen Informationen von Projekt Ara so vorstellt. Spätestens wenn die ersten Wochen in Puerto Rico vorbei sind und der öffentliche Beta-Test in vollem Gange ist wird sich zeigen, ob die Vision des ATAP-Teams erfolgreich ist oder nicht.

Würdet ihr überhaupt mal ein solches modulares Smartphone ausprobieren wollen?

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Mann mit Bart und Faible für Smartphones und Tablets jeder Plattform, doch eindeutig bekennender Androidliebhaber.

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