Samjiyon SA-70: Unerwartetes Lob für das Nordkorea-Tablet

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Samjiyon SA-70 Android-Tablet, besser als gedacht

Die koreanische Halbinsel ist seit dem zweiten Weltkrieg in zwei grundverschiedene Länder geteilt und eine Vereinigung von Nord- und Südkorea ist nach wie vor sehr unwahrscheinlich. Doch trotz der extrem unterschiedlichen Entwicklung beider Länder, gibt es im armen Nordkorea Tablets. Das Samjiyon SA-70 ist bereits die zweite Generation und eine echte Überraschung.

Gemeinhin wird angenommen, dass im armen Norden Koreas eine IT-Industrie quasi nicht existent sei. Und wenn, dann ist diese nur für die militärische und politische Elite verfügbar, da sich die Landbevölkerung solch teure Technik nicht leisten kann. Dennoch wird auch in Nordkorea an Tablets gewerkelt, wie das SA-70 von Samjiyon beweist. Das Tablet ist bereits die zweite Generation des von Samjiyon hergestellten Volkstablet und weitaus besser, als man der nordkoreanischen Industrie vielleicht zugetraut hat.

 

Samjiyon SA-70, das kommunistische Tablet

Rüdiger Frank, Professor am Institut für Ostasienwissenschaften der Wiener Universität, hat sch ein solches Samjiyon SA-70 von einer Reise aus Nordkorea mitbringen und es sich etwas näher anschauen können. Und dabei festgestellt, dass die nordkoreanische Industrie besser zu sein scheint, als man ihr gerne mal nachsagt. Technisch ist das Samjiyon SA-70 dem Galaxy Tab 2 7.0 sehr ähnlich: Es besitzt ein 7″ großes Display mit einer Auflösung 1.024 x 600 Pixel, einen 1,2 GHz starken Dualcore SoC sowie 1 GB RAM nebst 8 oder 16 GB internem Speicher, je nach Modell.

Samjiyon SA-70 Homescreen

Als Betriebssystem kommt Android in der Version 4.0.4 Ice Cream Sandwich zum Einsatz, welches laut Rüdiger Frank erstaunlich gut läuft. Wie nicht anders zu erwarten sind keinerlei Google Apps vorinstalliert, dennoch finden sich laut dem Professor satte 488 vorinstallierte Apps auf dem Samjiyon SA-70 wieder. Viele davon sind Wörterbücher, Lexika und eBooks. Selbst ein Microsoft-Office-Paket soll sich darunter befinden sowie Angry Birds und eine Siri-ähnliche Software zur Sprachsteuerung. Von den Lexika und Wörterbüchern zeigte sich Rüdiger Frank übrigens sehr beeindruckt: Sie haben eine sehr hohe Qualität sowie Niveau und sind in den Sprachen Koreanisch, Chinesisch, Englisch, Französisch, Deutsch, Japanisch und Russisch verfügbar.

 

Unerwartet viel Tablet für wenig Geld

Einzig die Verbindung ins mobile Internet ist mit dem Samjiyon SA-70 nicht möglich. Die nordkoreanische Führung befürchtet wohl, dass die ärmlichere Landbevölkerung auf zu viele „falsche Informationen“ zugreifen könne. Angesichts der Tatsache, dass lediglich in der Hauptstadt ein brauchbares Telefonnetz vorhanden ist, eine merkwürdige Auslegung. Dafür kann man mit de Samjiyon SA-70 mobiles Fernsehen empfangen, wenngleich sich auch hier einmal mehr der Einfluss der kommunistischen Regierung wiederspiegelt: Es sind nur die fest vorgegebenen Sender zu empfangen, eine Sendersuche ist gleich gar nicht vorhanden.

Als Fazit seines sehr umfangreichen Tests, über 16 Seiten beinhaltet die PDF-Datei, lobt Rüdiger Frank das Samjiyon SA-70. Für umgerechnet knapp 180 Euro erhält man weitaus mehr als gedacht für sein Geld, was der Wiener Professor nur sehr selten bisher erleben durfte. Vor allem die Software sei sehr ausgereift gewesen, so Frank. Übrigens nutzt er das Samjiyon SA-70 noch immer regelmäßig, obwohl ein iPad 4 sein hauptsächlich genutztes Tablet ist, neben einem Nexus 7.

[Quelle 38 North (PDF) | via Wall Street Journal Deutschland]

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Mann mit Bart und Faible für Smartphones und Tablets jeder Plattform, doch eindeutig bekennender Androidliebhaber.

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