Smart TV: Android TV, WebOS oder Tizen OS?

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LG Smart TV - multimedialer Mittelpunkt im Haushalt

Wer die Wahl hat, hat die Qual – so ist es auch beim Kauf eines neuen Smart TV und der richtigen Entscheidung zu dem entsprechenden Betriebssystem. Was bei einem iPhone und Android Smartphone zu wahren Glaubenskriegen führen kann, bahnt sich nun auch in der Welt des Smart TV an. Hersteller wie Samsung und LG etablieren nach und nach ihre Betriebssysteme wie Tizen OS und WebOS in die aktuellen Smart TV Modelle. Aber auch Hersteller wie Sony, Philips und Panasonic nutzen Googles jüngst vorgestelltes Betriebssystem Android TV. Doch welches Smart TV OS hat das meiste Potential? Unser Leser Birol vermittelt euch in dem nun folgenden Beitrag einen ausführlichen Eindruck über Smart-TVs und dem nächsten Umbruch:

Smart TV

lg_smart_tv_01Früher gab es Fernseher, mit denen konnte man fernsehen… Dann kam dank des technischen Fortschritts und der allgemeinen Verfügbarkeit des Internets der große Umbruch in der Fernsehtechnik, die Fernseher wurden intelligent (smart). Dank der Smart-TV Funktionen konnte man mit einem Fernseher dann nicht nur fernsehen, sondern auch im Internet surfen oder nachträglich installierte Programme (Apps) z.B. von Streaming-Anbietern nutzen. Wer über einen PC oder Netzwerkspeicher verfügt, auf dem seine Bilder-, Musik- oder Filmsammlung abgelegt war, konnte auch diese über das heimische Netzwerk mit dem TV verbinden und direkt abspielen.

Mittlerweile gibt es fast nur noch Smart-TVs, wenn man nicht gerade das günstigste Modell kauft und in der Funktionsvielfalt der Smart-TV Funktionen unterscheiden sich diese auch eher selten, für mehr Geld gibt es nicht unbedingt mehr Funktionen, sondern wie auch in der Vergangenheit ein besseres TV-Panel oder bessere Lautsprecher, sodass Bild und Ton schöner, satter und prächtiger angezeigt werden. Nun haben wir mittlerweile 2015 und es findet ein erneuter „Umbruch“ in der Fernseh-Welt statt, wenn auch ein wenig kleiner als beim Wechsel von normalen Anzeigern mit integriertem Tuner zu intelligenten Fernsehern, der Umbruch in der Software, dem Smart-TV-OS (OS = Operating System = Betriebssystem, früher nannte man es schlicht „Das Menü“).

Video Codec

Wenn man in Betracht zieht, Filme vom heimischen Netzwerk auf dem Fernseher abzuspielen, sollte man einen besonderen Blick auf die unterstützen Codecs werfen, denn nicht jeder Fernseher kann alle Arten von Video Codecs abspielen. Toshiba z.B. hat vor ein paar Jahren Fernseher verkauft, die zum Beispiel *.mkv Dateien abspielen konnten, aber nur, wenn sie von einer via USB angeschlossen Festplatte oder Stick abgespielt wurden, über das Netzwerk konnten sie dies nicht. Die aktuellen Modelle der großen Hersteller sollten aber kein Problem mit so gut wie alle Codecs haben, außer vielleicht dem neuen Codec H.265, wenn man sich für einen 4K Fernseher entscheidet, da dies der in Zukunft bevorzugte Codec für 4K Filme sein wird.

Smart TV OS

Bisher war es so, dass jeder Hersteller sein eigenes proprietäres OS nutzte, sodass ein App-Entwickler seine App für jeden Hersteller entsprechend programmieren musste. Samsung nennt z.B. sein Smart-TV-OS Smart-Hub, LG nutzt das von HP übernommene WebOS und so kocht jeder Hersteller sein eigenes intelligentes Süppchen.

Ab der 2015er Modellreihe ändert sich hier aber einiges. Samsung hat angekündigt, seine neuen Modelle mit Tizen OS auszustatten, mit dem Samsung bereits erste Erfahrungen im Smartphone Bereich sammeln konnte. LG bringt dieses Jahr neue Geräte heraus, die mit WebOS 2.0 laufen sollen und die Hersteller Sony, Panasonic und Philips haben bekannt gegeben, dass sie das von Google entwickelte Android TV für neue Geräte nutzen wollen. Android TV wird dieses Jahr aber meistens nur für Oberklasse Modelle genutzt, die meistens auch gleich die 4K Auflösung besitzen, Sonys Android-TV Modelle haben z.B. alle 4K, bis auf die W755C/W756C Serie.

Das Panel im Fokus des Smart TV-Screens

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Das Hauptaugenmerk sollte bei Fernsehern natürlich wie immer auf dem verwendeten Panel liegen, da dieses ja auch immer genutzt wird. Wenn man sich nicht durch hunderte Testberichte und technische Daten durchwühlen will, kann man sich an eine kleine Regel halten, die meistens recht gut funktioniert, die Hz Zahl. Die von den Herstellern angegebene Hertz Zahl ist nicht, wie viele denken, die echte Bildwiederholfrequenz des Fernsehers, sondern die Anzahl der Bilder, die zusätzlich vom Fernseher zwischen berechnet werden, um das Bild bei schnellen Bewegungen flüssiger darstellen zu können. Alle Fernseher, die heutzutage verkauft werden, haben entweder eine Bildwiederholfrequenz von 50Hz (unteres Preissegment) oder 100Hz (mittleres bis oberes Preissegment)! Die Hz Angaben der Hersteller, seien es 400Hz, 600Hz, 800Hz oder gar 1000Hz und mehr, ist die Angabe des sogenannten Progressive Scan. Aber dank dieser Angabe kann man relativ gut einschätzen, wie hochwertig das jeweilige Panel ist. Eine Garantie für das bessere Panel gibt es leider nicht, außer man macht sich die Mühe und geht in die technischen Details und vergleicht diese oder macht sich in diversen Foren für Fernseher schlau. Hier darf man gerne darauf achten, dass der Fernseher Funktionen wie z.B. Local Dimming, also die segmentierte Anpassung der Hintergrundbeleuchtung, besitzt, um ein möglichst schönes Bild zu bekommen. So gab es z.B. bei den Samsung Modellen aus 2013 zwei Modelle, die von der Hardware identisch waren und auch die verbaute Platine einschließlich Panel identisch war, sich aber nur in einer etwas höheren Hz-Zahl unterschieden haben. In diesem Fall würde man beim Fernsehen mit dem bloßen Auge keinen Unterschied feststellen und könnte ruhigen Gewissens das günstigere Produkt kaufen.

4K / UHD und HEVC

lg_4k_aufloesungKommen wir aber wieder zurück zu dem Thema, dem OS. Gerade wenn man sich „in nächster Zeit“, also im Laufe diesen Jahres, einen neuen Smart-TV kaufen will, sollte man auch das OS beachten, wobei man aber auch sagen muss, dass die Funktionsvielfalt bei allen Herstellern sehr ähnlich ist, der größte Unterschied liegt in der Optik und Bedienung. Egal ob es um die wichtigsten Apps für die verschiedenen Streaming Dienste wie Amazon Prime Instant Video, Maxdome oder Netflix oder die Anbindung an das heimische Netzwerk zum Streamen von Inhalten vom Netzwerkspeicher oder PC geht, das können Sie alle.
Worauf man aber speziell bei UHD (4K) Fernsehern achten sollte, ist die Unterstützung von H.265/HEVC (UHD Codec/Encoder) und HDCP 2.2 (UHD Kopierschutz)! HEVC können Sie eigentlich alle, wenn sie aber wegen irgendwelcher Sparmaßnahmen kein HDCP 2.2 können, kann man mit diesen Geräten die selbst aufgenommenen 4K Urlaubsvideo anschauen, aber 4K Inhalte von z.B. Streaming Anbietern können diese nicht anzeigen, da bei denen HDCP als Kopierschutz vorhanden sein muss.
Gleichzeitig muss man auch darauf achten, dass diese 4K Fernseher einen HDMI 2.0 Anschluss haben, da nur über HDMI 2.0 4K Bilder mit 60Hz angezeigt werden können, bis einschließlich HDMI 1.4a können 4K Auflösungen nur mit 30Hz angezeigt werden. Selbiges gilt auch beim Anschluss von 4K Monitoren an PCs, wobei es hier eine kleine Ausnahme gibt. Es gibt derzeit leider noch keine Grafikkarten, die mit HDMI 2.0 ausgestattet sind, daher werden 4K Monitore vorzugsweise über den DisplayPort Anschluss angeschlossen. Einzige Ausnahme ist NVIDIA, die für Ihre aktuellen Grafikkarten einen Treiber bereit stellt, der zwar über HDMI 1.4a 4K-Auflösung mit 60Hz darstellen kann, dies aber mit einem Kompromiss der Farbabtastung, die nicht wie im Standard verankert über 4:4:4, sondern mit 4:2:0 läuft.

Hersteller und ihr OS

lg_magic_remoteLG benutzt bereits seit längerem das WebOS, das eigentlich auch sehr nett und schick ist und sich auch gut bedienen lässt. Zusätzlich zu der konventionellen Fernbedienung liefert LG Ihre Magic Remote Fernbedienung, die die Bedienung des Fernsehers vereinfachen soll. Die Magic Remote hat nur die wichtigsten Tasten und in der Mitte ein Scroll-Rad, um schnell durch die Menüs zu wechseln und soll die Bedienung des OS nochmal vereinfachen. Der meiner Meinung nach größte Kritikpunkt, der für Manche von großer Bedeutung sein kann, ist die Update Politik von LG. Es ist bei LG leider normal, dass Vorjahres Modelle kein Update auf neuen Versionen bekommen, vermutlich damit die Kunden einen neuen Anreiz haben, sich einen neuen TV zu kaufen, was mich dadurch aber generell von der Marke abschreckt. Wenn sich also jemand letztes Jahr einen LG Fernseher der 2014er Modelle mit aktuellem WebOS gekauft hat, schaut in die Röhre, wenn er das dieses Jahr erscheinende WebOS 2.0 haben möchte, ein Update wird es laut LG nicht geben.

samsung_evolution_kitÄhnlich ist es hier bei Samsung, wobei es Samsung „ein wenig“ besser gelöst hat. Die bisherigen Smart-TV Modelle haben ein proprietäres OS, das natürlich auch wie bei LG Updates für Fehlerbehebungen usw. bekommt, aber neuere Versionen machen sich hier kaum bemerkbar, da die Oberfläche mehr oder weniger identisch ist und auch der Funktionsumfang meistens der Gleiche bleibt. Was Samsung hier aber besser gemacht hat, ist die Möglichkeit zu einem Update einschließlich Hardware!
Man kann mit speziellen „Boxen“ (Evolution Kits) das Betriebssystem der alten Modelle auf die neuen Modelle upgraden. Diese Boxen enthalten dann auch die schnellere CPU der aktuellen Modelle und bei den UHD Modellen werden hier sogar die Anschlüsse Upgrade-fähig gemacht. Dadurch werden die alten Fernseher zu Displays degradiert, deren Inhalte dann von den Kits kommen. Diese Kits kosten aktuell für die Full HD-Modelle 185,- beziehungsweise für UHD Smart TVs 285,- Euro (Amazon Preise). Das ist zwar nicht wenig Geld, aber wenn man unbedingt die neueste Software haben will, könnte man so sowohl Software als auch die dafür notwendige CPU Power nachrüsten, ohne sich gleich einen neuen Fernseher kaufen zu müssen.
Ab diesem Jahr wird Samsung nach und nach die Smart TVs mit Tizen als OS ausstatten. Die alten Modelle werden dieses natürlich nicht bekommen, außer wenn es ein entsprechendes Evolution Kit mit Tizen gibt, aber da gibt es leider noch keine Informationen drüber.
Als Smart TV Fernbedienung gibt es bei den meisten (leider nicht allen) Geräten zusätzlich zu der konventionellen Fernbedienung die sogenannte Smart Control. Wie auch bei LG besitzt diese Fernbedienung nur die wichtigsten Tasten und hat in der Mitte ein Touchfeld. Bei den 2013er Modellen war das Touchfeld groß und wurde genutzt, um sich mit Wischgesten in den Menüs zu bewegen oder nach einem Druck auf die rechte Seite Zahlen oder Buchstaben zu schreiben, an sich eine sehr nette Lösung. Das einzige, was mich sehr gestört hat, war das Fehlen von echten Tasten für oben/unten/rechts/links, denn wenn man sich einen Film über das Netzwerk anschaut und dabei etwas vorspulen will, hat man sich dumm und dämlich gewischt, da ein kurzer Wisch den Film für ein paar Sekunden und ein längerer Wisch über das gesamte Touchfeld die doppelte Zeit vorgespult hat. Ihr könnt euch vorstellen, was passiert, wenn man mal mehrere Minuten vorspulen wollte. Man kann zwar auch über das Menü die dauerhafte vor- und zurückspulen auswählen, genauso wie stop und pause, leider ist, je noch verwendetem Codec, Bitrate usw, dieses nicht immer verfügbar und die Buttons sind durchgestrichen.
Bei den 2014er Modellen gab es eine neue smart Control Fernbedienung, die ein sehr kleines Touchfeld bekam, dass nur noch dazu diente, festzustellen, ob ein Finger auf dem Feld aufliegt oder nicht. Um das Touchfeld herum befinden sich richtige Tasten zum Bewegen in den Menüs, sodass auch das Spulen mit dauerhaftem Drücken der Taste endlich schön einfach von der Hand geht. Der Nutzen des sehr kleinen Touchfeldes liegt in einer neuen Funktion der Samsung Fernseher, die Gestensteuerung. Wird das Touchfeld mit dem Daumen berührt, aktiviert sich der Bewegungssensor in der Fernbedienung und auf dem TV erscheint ein kleiner blauer Punkt, den man wie eine Maus benutzen kann. Ein Druck auf die Mitte des Touchfeldes dient bei beiden Modellen zum Bestätigen der markierten Funktion, die Verbindung beider Modelle mit dem Fernseher findet über Bluetooth statt, sodass man alles (auch die Gestensteuerung) sogar unter der Bettdecke nutzen kann.

Android TV

sony_android_tvZu den anderen Herstellern kann leider nicht viel schreiben, da ich mir hierfür die Erfahrung fehlt. Die Hersteller Sony, Sharp und Philips nutzen alle auch noch eigene Smart-TV Betriebssysteme und alle Hersteller einschließlich Samsung und LG unterscheiden sich in der Funktionalität kaum voneinander. Diese 3 Hersteller setzen aber ab diesem Jahr auf Android TV als Smart-OS und ich gehe hier schon eher davon aus, dass diese Geräte auch nach 1 oder 2 Jahren gratis Updates auf neue Versionen bekommen werden (solange es die Hardware auch zulässt), so wie wir es auch von Android kennen.
Auch die App-Vielfalt wird hier sicher schnell sehr groß sein und vermutlich auch größer als bei den anderen Betriebssystemen, die ich ehrlich gesagt etwas mau finde. Klar, die wichtigsten Apps sind bei allen Herstellern vertreten, aber wenn man mal den App Store etwas durchforsten will, kommt man derzeit bei allen Herstellern schnell ans Ende. Wie gut Android TV sein wird, muss sich aber auch erst einmal zeigen, ich habe aber große Hoffnung, dass man ein gutes OS erhält und viel Freude damit haben wird.
Von Toshiba Fernsehern rate ich völlig ab, da sich Toshiba aus dem TV Geschäft zurückgezogen hat und keine Fernseher mehr verkauft, daher darf man hier auch nicht mit allzu viel Support und ähnlichem rechnen.

Wer spezielle Fragen zu den Fernsehern von Samsung aus der Modellreihe 2013 und 2014 hat, darf mich gerne direkt auf Google+ anschreiben, ich versuche so gut wie möglich zu helfen.

[Quelle: Gastautor Birol Cin]

 

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Ein Kommentar

  1. Thomas H. schreibt:

    Hallo,

    Toller Artikel mit interessanten Details!

    Zitat: “Aber auch Hersteller wie Sony, Philips und Panasonic nutzen Googles jüngst vorgestelltes Betriebssystem Android TV.“

    Laut verschiedensten Fachartikeln setzt doch Panasonic auf FirefoxOS und N I C H T AndroidTV???

    Weiter oben wird auf die 3 Hersteller Sony, Philips und Sharp eingegangen.

    Viele Grüße

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