[Test] BlackBerry PRIV – Sicherheit geht vor!

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BlackBerry PRIV Test

Was lange als einziger Ausweg für BlackBerry von Außenstehenden betrachtet wurde, hat sich mit dem BlackBerry PRIV dieses Jahr nun erfüllt: Das erste Smartphone der Kanadier mit Android als Betriebssystem. Dass der erste Versuch gleich Vorbild für die gesamte Branche sein kann und dennoch Verbesserungspotenzial besteht, soll unser Test zeigen.

Der kanadische Konzern BlackBerry ist einer der ersten Smartphone-Hersteller überhaupt gewesen, der sich mit Smartphones einen Namen gemacht hat. Meist als Smartphone für Geschäftsleute verschrien hat das Unternehmen durch den rasanten Aufstieg von iOS und Android im Laufe der letzten Jahre stark an Bedeutung auf dem Markt verloren. Nun soll es das BlackBerry PRIV als erster Vertreter einer ganz neuen Generation an Smartphones wieder richten. Android statt BlackBerry OS 10 lautet das Mittel und schon mit dem ersten Gerät machen die Kanadier viele Dinge richtig.

Doch so perfekt der Eindruck auch sein mag, so ganz fehlerfrei ist auch das PRIV nicht. Angesichts der vielen positiven Eigenschaften sollten diese doch eigentlich nicht so sehr ins Gewicht fallen, oder?

 

 

Technische Daten des BlackBerry PRIV

Technische Daten


Prozessor

Snapdragon 808 Hexa-Core mit 2x 1,8 + 4x 1,44 GHz und 64-Bit
GPU: Adreno 418

Betriebssystem

Android 5.1.1 Lollipop mit BlackBerry UI

Interner Speicher

32 GB Interner Speicher (erweiterbar)

RAM

3 GB

Modellbezeichnung

SVT100-4

Display

5,43 Zoll AMOLED Display mit 2.560 x 1.440 Pixel

Anschlüsse

MicroUSB, 3,5mm Audio Klinkenanschluss

Sensoren

Beschleunigung, Kompass, Gyroskop, Annäherung, Licht, HALL und Fingerabdruck

Abmessungen (HxBxT mm)

147 (184 im geöffneten Zustand) x 77,2 x 9,4 mm

Gewicht

192 Gramm

Gehäusematerial

Aluminium, Kunststoff, Kevlar

Kamera

18 Megapixel Kamera mit optischem Bildstabilisator, 2 Megapixel Frontkamera

Internet

WLAN a/b/g/n/ac

Bluetooth

4.1 HS BLE

Akkutyp

Fest verbauter Li-Ion

Kapazität

3,8 V/3.410 mAh

Gesprächszeit

Bis zu 24 Std. (3G)

Standby-Zeit

Bis zu 420 Std. (3G)

Netz

GSM 850/900/1800/1900,
UMTS 900/2100 MHz,
LTE 800/1.800/2.600 MHz

Preis

UVP 779 Euro
Besonderheit BlackBerry Hub, Produktivitätshub, DTEK, Tiefgreifende Sicherheitsfunktionen, Hardware-Tastatur mit Touch-Funktion, je nach Modellvariante mit Wireless Qi

 

Zubehör

Ausgeliefert wird das besondere Android Smartphone in einem zurückhaltenden schwarten Karton, der lediglich mit dem Modellnamen und den üblichen Details zur verbauten Hardware bedruckt ist. Zum Lieferumfang selbst gehört neben dem BlackBerry PRIV selbst ein MicroUSB-Kabel, ein USB-Netzteil, ein Kabel-Headset mit Fernbedienung zu Steuerung der Musikwiedergabe, eine gedruckte Kurzanleitung und Hinweise zu den Garantiebestimmungen von BlackBerry.

 

Design und Verarbeitung

Mit 5,4 Zoll bei der Display-Diagonale geht das BlackBerry PRIV keinesfalls als ein handliches Android Smartphone durch. Im Gegenteil: Die Größe ist unverkennbar in der Phablet-Klasse angesiedelt, ohne dabei negativ aufzufallen. Rein optisch wirkt das Smartphone sehr elegant durch die silberne Einfassung der Front deren Abrundungen auf beiden Längsseiten. Ein Vergleich zum Samsung Galaxy S6 edge lässt sich da beim besten Willen nicht vermeiden und hat zudem ähnlich wie beim Konkurrenten aus Südkorea auch noch eine gewisse Funktion, aber dazu später mehr. Geschützt wird die Front standesgemäß für ein Premium-Smartphone von Cornings Gorilla Glass in der vierten Generation.

Nimmt man das BlackBerry PRIV in die Hand, kommt direkt die sehr hochwertige Verarbeitung des Gehäuses ins Spiel. Obwohl dieses überwiegend aus Kunststoff besteht fühlt es sich keinesfalls billig an. Hinzu kommt, dass es mit 192 Gramm vergleichsweise schwer ist, aber genau das macht für manch einen auch ein hochwertiges Smartphone mit aus. Durch die abgerundeten Längsseiten liegt das BlackBerry PRIV erfreulich gut in der Hand und das trotzt einer Breite von knapp 77 mm. Unterstützend für das gute Gefühl in der Hand ist auch die Rückseite selbst, welche aus Kevlar besteht und eine gummierte Oberfläche bietet.

Das eigentliche Geschehen spielt sich jedoch trotz allem auf der Vorderseite ab, die wie gesagt an den Rändern leicht gewölbt ist. Gerade dadurch wirken die 9,4 mm Gehäuse-Dicke gar nicht mehr so groß. Die Ingenieure haben die Optik hervorragend kaschiert. Bis ganz an den Rand reicht das Display selbst allerdings nicht heran – dessen Diagonale bei 5,4 Zoll liegt. Darüber sind ein Lautsprecher zum Telefonieren verbaut, eine 2 Megapixel Frontkamera, die Sensoren zum Erkennen der Helligkeit sowie sich nähernden Objekten – Stichwort Display ausschalten bei einem Telefonat – und eine Status-LED. Außerdem darf der BlackBerry-Schriftzug nicht fehlen. Direkt unter dem Display befindet sich über die gesamte Geräte-Breite des BlackBerry PRIV ein feines Gatter. Lediglich auf der linken Seite befindet sich ein Lautsprecher in der üblichen Mono-Qualität.

Hardware Tastatur

Genau hier versteckt sich jedoch das, wodurch das BlackBerry PRIV überhaupt aus Hardware-Sicht zu etwas besonderem wird: Eine ausziehbare Tastatur. Deren Schiebe-Mechanismus macht einen sehr stabilen Eindruck, der weder zu straff noch zu leichtgängig ist. Man könnte auch sagen, dass BlackBerry den genauen Mittelweg gefunden hat. Die einzelnen Tasten sind in der Mitte leicht erhöht und für das Schreiben mit beiden Daumen ausgelegt. Deren Druckpunkt selbst ist fest und direkt. Insgesamt vier Reihen für Buchstaben gibt es, welche per Umschalt-Taste entweder Ziffern in der linken Tastatur-Hälfte schreiben oder 18 verschiedene Satz- sowie Sonderzeichen auf der rechten Seite der Tastatur.

Quasi das Highlight der BlackBerry PRIV Tastatur ist hingegen deren Touch-Fähigkeit. Will heißen, dass man wie bei einem Touchpad über die Tastatur streichen und auf dem Display zum Beispiel einen Cursor bewegen kann. Für die Textselektion ungemein praktisch. Zusätzlich dient die Touchfunktion zum schnelleren Schreiben, worauf im Bereich Software näher eingegangen wird.

Spannend wird es zudem bei dem Rahmen des BlackBerry PRIV, wobei dies hauptsächlich für die physischen Tasten gilt. So findet zwischen den beiden Lautstärke-Tasten eine weitere Taste Platz, welche auf Knopfdruck das BlackBerry PRIV stumm schaltet. Zumindest vermutet man das, in der Praxis sieht dies jedoch gänzlich anders aus. Denn mit einem Tastendruck wird lediglich das Lautstärke-Menü von Android geöffnet, wo man händisch das Gerät stummschalten muss. Der Nutzen der Mute-Taste tendiert somit nüchtern betrachtet gegen Null – hätte man sich also auch sparen können. All diese Tasten sind auf der rechten Seite platziert, während die Power-Taste sich auf der linken Rahmenseite wiederfindet. Für Smartphone-Wechsler bedeutet das zunächst eine gewisse Umgewöhnung.

Das betrifft auch die 3,5 mm Audiobuchse, die sich auf der Rahmenunterseite in der rechten Ecke befindet. Zusätzlich ist dort auch mittig die USB-Buchse zu finden, bei der es sich nicht um eine USB Typ-C Buchse handelt. Auf der Stirnseite des BlackBerry PRIV sind lediglich die beiden Trays für eine Nano-SIM-Karte und eine MicroSD-Speicherkarte zu finden.

Die bereits erwähnte Rückseite hat neben der gummierten Kevlar-Oberfläche noch mehr zu bieten. Trotz oder gerade wegen der angenehm gummierten Oberfläche ist sie anfällig für Striemen. Sie ist wie bei sehr vielen Smartphones heutzutage nicht abnehmbar was bedeutet, dass der Akku des BlackBerry PRIV fest verbaut ist. Nicht zu übersehen ist die Kamera mit dem zweifarbigen LED-Blitzlicht, deren Objektiv aus der Produktion von Schneider-Kreuznach stammt und mit 18 Megapixeln aufwartet. Trotz der leichten Erhebung im Vergleich zum Rest der Rückseite liegt das Smartphone nicht wackelig auf einer ebenen Fläche. Der Schriftzug des Objektiv-Herstellers ist dafür verantwortlich, da er genau mittig sitzt und etwas breiter ausfällt.

Leider hat die Rückseite einen Nachteil und das sind je nach Winkel des einfallenden Lichtes sehr deutlich zu sehende Fingerabdrücke auf der Oberfläche. So gut sich das BlackBerry PRIV in der Hand auch anfühlt: Manch einer könnte sich daran stören.

 

Display

Mit 5,43 Zoll gehört das BlackBerry PRIV definitiv nicht zu den kleineren Android Smartphones, doch macht es dies mit einer Auflösung von 2.560 x 1.440 Pixel wieder wett. Dessen Farbdarstellung ist sehr knallig und vergleichsweise hell. Auch der Schwarzwert ist nahezu perfekt, was bei einem AMOLED-Panel aber auch kein Wunder ist. Ähnlich wie bei dem Samsung Galaxy S6 edge kommt auch hier ein Plastic-AMOLED-Panel zum Einsatz, was überhaupt erst die Wölbung auf beiden Längsseiten ermöglicht.

Über spezielle Funktionen durch das beidseitig gebogene Display verfügt das BlackBerry PRIV jedoch nicht im selben Maße wie das Samsung-Modell. Lediglich eine vereinfachte Akku-Zustandsanzeige und das Aufrufen des Produktivitätshub erfolgt über die Ränder – letzterer ist durch eine kleine weiße Leiste zum Herausziehen hervorgehoben. Hier besteht für künftige Updates noch einiges an Potential was zusätzliche Funktionen betrifft.

Bei der Helligkeit ist das BlackBerry PRIV zwar nicht gerade besonders hell, aber auch nicht besonders dunkel. Hervorragend sind dafür wiederum die Blickwinkel: Auch bei sehr flachen Betrachtungswinkel lässt die Darstellung kaum nach. Zusätzlich kann man in den Display-Einstellungen Farbtemperatur sowie die Sättigung per Schieberegler den eigenen Wünschen anpassen.

 

CPU und GPU

Für den Antrieb sorgt ein Snapdragon 808 mit sechs Kernen von Qualcomm. Die zwei großen Cortex A57 Kerne sind dabei maximal 1,8 GHz schnell und die vier Cortex A53 Kerne gehen mit bis zu 1,44 GHz. Insgesamt reicht dies zu einem Benchmark-Wert bei AnTuTu von knapp 47.117 Punkten und damit im oberen Leistungsfeld. Vor allem kann das BlackBerry PRIV auch über einen längeren Zeitraum auf die volle Leistung zugreifen, da der Snapdragon 808 im Gegensatz zum Snapdragon 810 nicht so schnell gebremst werden muss wegen einer zu großen Hitze-Entwicklung.

Ganze 3 GB an RAM stehen dem Nutzer zur Verfügung, was ein flottes und flüssiges Multitasking ermöglicht. Auch sonst erlaubt sich das Smartphone aus Kanada kaum eine Blöße bei der Bedienung.

Bei einer Sache ist der Snapdragon 808 genau die richtige Wahl gewesen und das ist bei der Grafik. Sicherlich ist die Adreno 418 nicht so leistungsfähig wie eine Adreno 430 im Snapdragon 810, aber dafür bricht deren Leistung nicht ein und kann trotz allem auch aktuelle Grafikkracher nahezu flüssig darstellen. Egal ob Real Racing 3, Dead Effekt 2 oder GRA San Andreas: Bis auf kleine und selten auftretende Mikroruckler gibt es an der Spieleleistung nichts auszusetzen.

Spieler müssen jedoch bei manchen Spielen auch mit Einschränkungen rechnen. Einige Titel wie zum Beispiel Asphalt 8 Airborne erkennen die ausziehbare Tastatur als PC-Tastatur, welche kaum eine vernünftige Steuerung zulässt. Aufgrund der fehlenden Pfeiltasten lässt sich das Fahrzeug nicht lenken, sodass Asphalt 8 sich zwar starten lässt, aber eben nicht spielbar ist. Man kann nur hoffen, dass Spiele-Entwickler diesen Umstand bedenken und entsprechende Unterstützung mit einbauen.

 

Akku

Mit einem Nennwert von 3.410 mAh zählt der Akku des BlackBerry PRIV zu einem der größeren Vertreter bei aktuellen Top-Smartphones. Über den Tag kommt man mit einer Akkuladung spielend und selbst den zweiten Tag bis zum Abend hält das Gerät erstaunlich gut durch. Heißt, dass die Entwickler bei der Software hervorragende Arbeit geleistet haben, zumal auch im Dauereinsatz mit fast 7 Stunden sehr ordentliche Werte drin sind. Nur wenige Smartphones können mehr Ausdauer bieten.

Kurzum, das BlackBerry PRIV ist tatsächlich so ausdauernd wie es der Akku verspricht. Ein nettes Gimmick ist zudem der Energiesparmodus, der sich je nach Einstellung bereits bei 15 Prozent automatisch selbst einschaltet. Dieser hat tatsächlich spürbare Auswirkungen, da alle überflüssigen Hintergrundaufgaben oder Datenverbindungen ausgeschaltet werden.

Eine Sache ist allerdings Modell-abhängig: Kauft man das BlackBerry PRIV direkt im Online-Shop von BlackBerry selbst, bekommt man das Modell SVT100-1, welches Wireless Charging über den Qi-Standard bietet. Kauft man es von einem Retail-Händler kann es sein, dass man eine andere Modellvariante wie das von uns getestete SVT100-4 ohne Qi-Unterstützung erhält.

 

Konnektivität

Das es BlackBerry mit dem BlackBerry PRIV im Premium-Segment ernst meint zeigt sich unter anderem auch bei den Verbindungsmöglichkeiten. Sicherlich, ein USB Typ-C Anschluss wäre das i-Tüpfelchen gewesen, doch das kann sich der kanadische Konzern für den Nachfolger aufheben. Denn mit Dualband-WLAN nach dem Standard 802.11ac inklusive WiFi Direct, Bluetooth 4.1 LE, LTE Cat6 und NFC bietet das Android Smartphone mit der ausziehbaren Tastatur im Prinzip alles was das Herz begehrt. Der MicroUSB-Anschluss ist sogar SlimPort-fähig was bedeutet, dass sich über einen optional erhältlichen Adapter HDMI-Monitore anschließen lassen.

Auch bei der Gesprächsqualität zeigt sich das BlackBerry PRIV von seiner besten Seite. Beide Gesprächspartner sind sehr klar und vor allem auch laut zu verstehen, was drei Mikrofonen für eine möglichst optimale Geräuschunterdrückung und sechs Antennen für den bestmöglichen Empfang liegt. Sogar im Freisprechmodus weiß das BlackBerry PRIV zu überzeugen. Der externe Mono-Lautsprecher eignet sich bestens dazu.

 

Kamera

Mit 18 Megapixeln Auflösung inklusive einem optischen Bildstabilisator spielt die Kamera des BlackBerry PRIV unübersehbar in der oberen Liga der Smartphone-Kameras mit. Deren maximale Auflösung wird nur im 4:3 Seitenverhältnis für Fotos erreicht, während 16 Megapixel bei quadratischen Fotos drin sind. Entscheidend ist letzten Endes dennoch die Bildqualität und hier kann BlackBerry mit ausgewogenen sowie natürlichen Farben, hohem Detailgrad aber nicht immer optimaler Belichtung punkten. Letzteres liegt unter anderem an der kleinen und nicht allzu lichtstarken Blende von f/2.2.

Durch eine Phasenerkennung arbeitet der Autofokus sehr zügig, während die Optik mit ihren sechs Linsen aus der Fertigung von Schneider-Kreuznach für einen hohen Detailgrad der aufnahmen sorgt. Wer noch bessere Fotos aus dem BlackBerry PRIV herausholen will muss die HDR-Option hinzuschalten. Dann werden die Fotos nochmals einen Tacken besser im Endergebnis – insbesondere was die Belichtung anbelangt.

Selfies gehören allerdings ohne Zweifel nicht zu den Stärken des BlackBerry PRIV. Zwar sind die 2 Megapixel mit vergleichsweise großen 1,75 Mikrometer großen Pixel ausgestattet, aber eine Blende von sehr großen f/2.8 machen diesen technischen Vorteil wieder zunichte. Für Vorzeige-Selfies oder Videochats ist die Frontkamera kaum zu gebrauchen.

Die Fotos des Android Smartphones sich wie gesagt sehen lassen können, zeigt unser Vergleich zur Canon EOS 600D, dem Samsung Galaxy S5 und einem HUAWEI P8. Direlkt darunter befinden isch noch zwei Testaufnahmen ohne und mit zugeschalteter HDR-Option.

Videos nimmt das BlackBerry PRIV standesgemäß in 4K-Qualität auf, genauer gesagt mit der UHD-Auflösung von 3.840 x 2.160 Pixel bei 30 Frames pro Sekunde. In FullHD-Qualität sind sogar 60 Frames pro Sekunde möglich – inklusive einem hervorragendem Ton. Jedoch wirkt der optische Bildstabilisator im Videomodus manchmal etwas zu sprunghaft. Was die Bildqualität betrifft liegt das Android Smartphone wiederum auf hohem Niveau. Sowohl natürliche Farben als auch ein hoher Detailgrad und wenig Artefakte sind das Ergebnis. Jedoch kann auch das BlackBerry PRIV nicht gänzlich den Tearing-Effekt bei schnelleren Kamera-Schwenks unterbinden.

Was die Kamera-App selbst anbelangt, so hält sich BlackBerry bei einer außergewöhnlichen Optik oder gar exotischen Funktionen stark zurück. Man versucht eine funktionale Oberfläche mit dem schnellen Erreichen der wichtigsten Optionen bei zu behalten. Neben dem Auslöser kann man schnell zwischen den einzelnen Modi wechseln, den Blitz einschalten, die HDR-Option oder auch Effekte und Filter anwenden. Allzu viele Einstellmöglichkeiten gibt es hingegen nicht: Profi-Einstellungen wie Weißabgleich, ISO-Wert, Fokussierung und dergleichen sucht man vergebens – einzig die Belichtung lässt sich direkt beeinflussen.

Obwohl Android 5 Lollipop installiert ist und auch die Kamera theoretisch dazu in er Lage wäre, lassen sich mit dem BlackBerry PRIV keine Fotos im RAW-Format aufnehmen. Ob die Kanadier diese Funktion mit einem späteren Software-Update nachliefern ist nicht bekannt. Smartphone-Fotografen sind damit auf die HDR-Funktion oder alternative Kamera-Apps für die bestmögliche Bildqualität angewiesen.

 

Multimedia

16 GB sind mittlerweile das Minimum mit dem ein Android Smartphone der gehobenen Preisklasse ausgestattet sein sollte. Hier geht das BlackBerry PRIV den erfreulichen Weg und bekommt gleich 32 GB spendiert. Davon stehen dem Nutzer knapp 23,51 GB zur freien Verfügung, womit man so schnell nicht unter Platzmangel leidet. Wem das nicht reicht kann auch eine MicroSD-Speicherkarte mit bis zu 200 GB in dem Smartphone nutzen.

Auch wenn die Frontseite mit dem über fast die gesamte Breite gezogenen Gitter den Eindruck macht, verbirgt sich dahinter nur ein Mono-Lautsprecher auf der linken Seite. Dieser ist sehr kräftig und ist auch für mehr als nur Klingeltöne und andere Benachrichtigungen geeignet. Dennoch ist für Musik und dergleichen ein Headset deutlich empfehlenswerter. In dieser Rubrik kann BlackBerry wahrlich auftrumpfen, sofern man den richtigen Musikplayer verwendet. Vorinstalliert ist Google Play Music. Wenn man eine alternative Musik-App aus dem Play Store mit integriertem Equalizer installiert, kann man ein echtes Klangerlebnis freisetzen.

Videos spielt das BlackBerry PRIV aufgrund des bärenstarken Snapdragon 808 ohne größere Probleme ab, obwohl die Adreno 418 nicht speziell für 4K-Inhalte ausgelegt ist. Insgesamt ist die Multimedia-Leistung so wie man sie von einem Premium-Smartphone und erst recht von BlackBerry erwartet.

 

Software

Schon im Vorfeld der offiziellen Vorstellung hatte sich angedeutet, dass BlackBerry auf ein nahezu unverfälschtes Android Betriebssystem setzen will. Lediglich ein paar kleinere Anpassungen bei den Funktionen und Apps kennzeichnen das BlackBerry PRIV aus, ansonsten ist das vorinstallierte Android 5.1.1 Lollipop sprichwörtlich nackt. Wer die Nexus-Reihe kennt oder auf AOSP-Firmwares steht, wird sich sofort heimisch fühlen.

Trotzdem sind die Einflüsse der BlackBerry-Entwickler nicht zu übersehen.  Insbesondere im App Drawer fallen einem sofort die drei Kategorien Apps, Widgets und Verknüpfungen ins Auge. Im ersten Reiter sind logischerweise alle installierten Apps aufgelistet und im zweiten Reiter die verfügbaren Widgets. Von diesen sind einige BlackBerry-spezifische bereits vorhanden. In der Rubrik Verknüpfungen kann man hingegen Verknüpfungen zum Anlegen eines neuen Termins, einer BlackBerry-Aktion (Termine, Besprechungen, Nachrichten über den BlackBerry Messenger) und noch andere Dinge ablegen.

Kleines Highlight im Homescreen: Man kann Widgets auch in einem sogenannten Popup Widgets integrieren, die sich mit einer Wischgeste nach Oben über ein Icon geöffnet werden. Jedes App-Icon mit drei kleinen Punkten ist mit einem solchen Popup-Widget belegt und schafft Übersicht auf dem Homescreen  – oder packt das passende Widget zur jeweiligen App. Ob dies sinnvoll zu nutzen ist dürfte an der Einrichtung der Funktion und den eigenen Vorlieben abhängen. Selbst die Wischgeste von der Home-Taste zum Öffnen von Google Now hat BlackBerry angepasst und zusätzlich eine Geräte-weite BlackBerry-Suche implementiert sowie den Zugriff auf den Blackberry Hub.

Spätestens hier sollte sich die langjährige Expertise von BlackBerry im produktiven Arbeitsumfeld zeigen. In diese Kategorie gehört unter anderem der sogenannte Produktivitätshub, den man mit einer Wischgeste vom rechten Bildschirmrand über den weißen Balken einblenden kann. Hier werden anstehende Termine, verpasste Anrufe, ungelesene Nachrichten und dergleichen angezeigt – ganz im Sinne eines produktiven Arbeitens halt. Zunächst noch etwas ungewohnt da man für solche Dinge bisher einzelne Apps nutzt, braucht es eine gewisse Zeit der Eingewöhnung.

In eine ähnliche Richtung geht auch der BlackBerry Hub, welcher als Sammelstelle für alle möglichen Nachrichten von SMS über MMS, E-Mails und Messenger geht. Was sich in der Theorie praktisch anhört, ist in der Praxis nicht so nützlich wie vermutet. Das liegt vor allem daran, dass sich Drittanbieter-Messenger wie WhatsApp, der Facebook Messenger, Threema, Telegram und so weiter nicht einbinden lassen. Einzig der BlackBerry Messenger ist logicherweise integriert. Sollte sich das ändern, könnte der BlackBerry Hub des BlackBerry PRIV zu einem mächtigen Werkzeug für Nachrichten werden. Inklusive umfangreicher Einstellungen zum „snoozen“ von Nachrichten, die zum Beispiel nur in bestimmten WLAN-Netzwerken erscheinen oder zu einem späteren Zeitpunkt erneut angezeigt werden und dergleichen.

Leider zeigt sich hier auch eine Schwäche des BlackBerry PRIV, die mit einem künftigen Update hoffentlich noch in den Griff zu bekommen ist. Kanalisiert man seine Nachrichten nicht sinnvoll kommt es öfters mal vor, dass Google-Dienste und BlackBerry-Apps quasi aneinander vorbei Benachrichtigungen anzeigen. Gerade wenn man mehrere Mail-Konten eingerichtet und dazu gehörige Apps auf dem Homescreen installiert hat, kommt das Problem zum Tragen. Insbesondere dann, wenn über den jeweiligen BlackBerry-Apps zusätzlich noch ein kleines rotes Sternchen auftaucht.

Sicherheit

Ein ganz spezielles Thema bringt jeder sofort mit BlackBerry in Verbindung und das ist Sicherheit. Diesen Punkt nehmen die Kanadier auf dem BlackBerry PRIV besonders ernst, was sich neben diversen Anpassungen auf Kernel-Ebene äußert, einer gesicherten Bootsequenz mit ausschließlich signierter Software sowie dem mächtigen BlackBerry Enterprise Server (BES) 12 im Hintergrund (zum Beitrag). Selbst mindestens ein Update pro Monat mit den neusten Sicherheitsupdates für Android selbst hat der Konzern versprochen und auch bereits umgesetzt. Außerdem nimmt sich BlackBerry das Recht heraus, unabhängig von Netzbetreibern kleinere Updates verteilen zu können, wenn eine Lücke als besonders kritisch betrachtet wird (zum Beitrag).

Dem steht auch DTEK vor, womit sich verdächtige Eingriffe von Apps in die Geräte-Sicherheit protokollieren und passende Maßnahmen ergreifen lassen. Leider letzteres nur bedingt: Die Sperrung einzelner Funktionen wenn zum Beispiel ein Spiel auf die Kontakte oder den Kalender zugreifen will ist nicht möglich. Das könnte eventuell erst mit dem Update auf Android 6.0 Marshmallow kommen. Bis dahin darf man mit den Benachrichtigungen bei kritischen Aktionen auskommen und selbst Hand anlegen. Andererseits reicht alleine das schon aus, um den Nutzer des BlackBerry PRIV auf das Thema Sicherheit, Privatsphäre und Datenschutz aufmerksamer zu machen.

Worin eine der Stärken von DTEK liegt ist der Umfang der überprüften Bereiche des Smartphones. Neben zusätzlich installierten Apps wird sogar das Betriebssystem selbst überprüft und entsprechende Tipps gegeben, falls etwas nicht stimmt.

Tastatur

Einen eigenen Teil verdient die Tastatur des BlackBerry PRIV ebenfalls, die über etliche Besonderheiten verfügt. Wie schon früher erwähnt lässt es sich mit zwei Daumen ausgesprochen gut mit dieser nach einiger Zeit der Eingewöhnung schreiben, sofern man sich aktiv darauf einlassen will. Wer auf eine Touchscreen-Tastatur konditioniert ist wird so seine Probleme haben. Dabei ist vor allem die Touch-Bedienung für einen Cursor, Markierung für Zeichen in der Textauswahl und der allgemeinen Navigation ein geniales Feature.

Zudem kann man während des Schreibens mit einer kurzen Wischgeste nach oben eines von drei vorgeschlagenen Wörtern auswählen. Die Automatik dahinter wird mit der Zeit immer cleverer und akkurater was die Vorschläge betrifft – sowohl auf der physischen als auch der Software-Tastatur. Witzig ist auch, dass man jede einzelne der 52 Tasten mit einer App hinterlegen kann, die per Gedrückthalten der Taste gestartet wird. So klasse die Tastatur funktional auch umgesetzt wurde, so schnell vergisst man sie auch zu nutzen.

 

Fazit zum BlackBerry PRIV

Mit 779 Euro unverbindlicher Preisempfehlung ist das BlackBerry PRIV im Vergleich zu anderen Premium Smartphones mit Android zum Teil deutlich teuer, aber andererseits bekommt man dafür ein Gerät geboten, welches auf Sicherheit, praktische Funktionen und eine echte Hardware-Tastatur getrimmt ist. Hinzu kommt ein starker Prozessor, eine gute Kamera und vor allem ein ausdauernder Akku. Ob das Android Smartphone jedoch tatsächlich zum erhofften Kassenschlager wird ist angesichts des Preises aus Privatkundensicht eher unwahrscheinlich. Im Geschäftsumfeld dürfte das Gerät aber begeistert aufgenommen werden. Hauptzielgruppe sind nun mal BlackBerry-Nutzer, die den Wechsel zu Android wagen wollen und auf eine physische Tastatur nicht verzichten wollen.

Positiv
  • Gute Foto-Qualität
  • Hardware (Slider) Tastatur
  • Hochwertige Verarbeitung
  • Gutes Display
  • Sehr hohe Arbeitsgeschwindigkeit
  • Sehr große Ausdauer
  • Viele Funktionen für produktives Arbeiten
Negativ
  • Mute-Taste ohne praktische Funktion
  • Zu schwer
  • Zu hoher Preis (für BlackBerry normal)

testurteil-blackberry-priv-androidtv

Wertung
Geschwindigkeit 5/5
Display 4/5
Funktionalität 5/5
Verarbeitung 5/5
Preis 4/5

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Mann mit Bart und Faible für Smartphones und Tablets jeder Plattform, doch eindeutig bekennender Androidliebhaber.

5 Kommentare

  1. Danke Stefan. Toller und sehr ausführlicher Bericht. Geteilt.

    • Vielen Dank für das Teilen! Viele sind sich gar nicht darüber bewusst, wie wichtig das für uns ist!
      Dir und deiner Familie ein frohes Weihnachtsfest!

  2. Sehr guter detaillierter Bericht! Weiter so! Mich würde noch interessieren, wann man das Priv endlich in Deutschland erwerben kann… Besten Grüße

  3. Tobi Pe schreibt:

    Ist was über den genauen Verkaufsstart bekannt? Langsam habe ich keine Lust mehr zu warten 😕😞

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