[Test] BQ Aquaris E4.5 – Erstes Ubuntu Smartphone im Test

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bq_aquaris_e4_5_ubuntu_editionAndroid und iOS nehmen zusammen gefühlte 95 Prozent des Marktes für sich ein. Geht es nach Canonical sollte mit dem Ubuntu Edge schon lange ein weiteres mobiles Betriebssystem am Markt sein. Wie wir heute wissen scheiterte die Kickstarter Kampagne, sodass wir uns nun um so mehr über den spanischen Hersteller und dem ersten Ubuntu Touch  Smartphone – dem BQ Aquaris E4.5 – freuen. In wie weit das noch junge Betriebssystem zu begeistern weiß, soll der nun folgende Test zeigen.

Eine alte Weisheit besagt, dass Konkurrenz das Geschäft belebt und daran mangelt es gewissermaßen auf dem Smartphone-Markt. Je nachdem welche Statistiken man zu Rate zieht dominieren Android mit 80 Prozent und iOS mit 15 Prozent Marktanteilen, sodass konkurrierende Plattformen schwindend gering sind. Selbst Windows Phone hat es mit seinen fast 5 Prozent Marktanteilen als dritte große Kraft schwer. Daher wird jeder neue Konkurrent geradezu begrüßt, um die Vormachtstellung der Großen Zwei zu brechen. Nur wird es mit dem BQ Aquaris E4.5 nicht klappen und das liegt vor allem am vorinstallierten Ubuntu Touch. Dennoch hat das Betriebssystem, bei welchem es sich anders als bei Android um ein echtes Linux-Derivat handelt, seine ganz spezielle Anziehungskraft.

 

Technische Daten des BQ Aquaris E4.5 Ubuntu Edition

Technische Daten


Prozessor

MediaTek MT6582 Quad-Core mit 4 x 1,3 GHz
GPU: ARM Mali 400

Betriebssystem

Ubuntu Touch 14.04

Interner Speicher

8 GB interner Speicher (erweiterbar per MicroSD)

RAM

1 GB

Modellbezeichnung

BQ Aquaris E4.5

Display

4,5 Zoll IPS Display mit 960 x 540 Pixel (240ppi)
Dragontail Glas

Anschlüsse

MicroUSB, 3,5mm Audio Klinkenanschluss

Sensoren

Beschleunigung, Gyroskop, Kompass, Annäherung und Helligkeit

Abmessungen (HxBxT mm)

137 x 67 x 9 mm

Gewicht

123 Gramm

Gehäusematerial

Kunststoff

Kamera

8 Megapixel Kamera mit Dual-LED-Blitzlicht, 5 Megapixel Frontkamera

Internet

WLAN b/g/n

Bluetooth

4.0 HS BLE

Akkutyp

Fest verbauter Li-Po

Kapazität

3,8 V/2.150 mAh

Gesprächszeit

n/a

Standby-Zeit

n/a

Netz

GSM 850/900/1800/1900,
UMTS 900/2100 MHz

Preis

UVP 169,90 Euro (ab 175,20 Euro, Stand 28.06.15)
Besonderheit Ubuntu Touch Betriebssystem, Dual-SIM, Status LED

 

Zubehör

Nahezu jedes Smartphone das man heutzutage kaufen kann, hat unabhängig von seinem Preis mehr oder weniger dasselbe Zubehör. Das BQ Aquaris E4.5 in der Ubuntu Edition ist allerdings ein wenig anders: Es fehlt das sonst übliche Headset im Lieferumfang. Der ganze Rest – USB-Netzteil, MicroUSB-Kabel, der Piekser zum Öffnen der SIM-Karten-Slots und die Schnellstartanleitung – sind in dem auffällig schwarzen Karton vorhanden. Ein durchaus mutiger Schritt, wo ein Smartphone doch sehr häufig auch als MP3-Player genutzt wird. Allein daran sollte man schon erkennen, dass das BQ Aquaris E4.5 in seiner Ubuntu-Version etwas Besonderes ist.

 

Design und Verarbeitung

Während sich die meisten Smartphones auf dem Markt an einem rundlichen und handlichen Gehäuse orientieren, ist das BQ Aquaris E4.5 Ubuntu Edition erheblich kantiger. Man möchte sogar fast behaupten erfrischend kantiger, obwohl das Gehäuse nur aus mattiertem Kunststoff besteht. Auch wenn sich dieser wirklich hochwertig anfühlt, so ist es dennoch viel zu glatt. Neben der mattierten Oberfläche hätte eine zusätzliche gummierte Schicht dem BQ Aquaris E4.5 Ubuntu Edition sichtlich gut getan. Von daher bleibt dem echten Linux Smartphone auf den ersten Blick der erfrischend andere Look abseits des sogenannten Einheitsbreis.

Als stilistisches Mittel setzt der spanische Hersteller BQ auf eine Art Rahmenkante, welche so wirkt, als ob man eine kleinere Schale in eine größere gesetzt hätte. An dieser Stelle sei zu erwähnen, dass das BQ Aquaris E4.5 Ubuntu Edition ein Zwillingsmodell hat, welches Android anstelle von Ubuntu Touch besitzt. Das ist der Grund, warum unterhalb des Displays so viel Platz ist: Dort würden normalerweise die drei kapazitiven Tasten sitzen. Da Ubuntu Touch jedoch ausschließlich über das Display bedient wird, braucht es diese Tasten nicht und BQ hat diese weggelassen. Von daher findet sich auf der Front außer dem Display-Panel auch nicht viel vor. Lediglich der Telefon-Lautsprecher, die Frontkamera und die Sensoren für Helligkeit sowie Annäherung sind auf der Front des BQ Aquaris E4.5 Ubuntu Edition zu sehen.

Etwas spannender wird es da wieder im Rahmen des Linux Smartphones, wie ein Blick auf die linke Seite verrät. Dort finden sich die zwei SIM-Slots wieder, welche jeweils eine Micro-SIM aufnehmen können. Entgegen anderer Dual-SIM-Geräte kann man zwischen beiden SIM-Karten wechseln, welche den HSPA-Standard und welche GPRS nutzen soll, aber dazu mehr im Bereich Software. Beide Slots sind sehr sauber in das Gehäuse eingearbeitet, sodass man sie kaum fühlt, wenn man mit dem Finger über sie hinweg gleitet. Auf der Stirnseite befindet sich etwas versteckt hinter einer Klappe zudem ein MicroSD-Slot, welcher mit dem beiliegenden Piekser zu öffnen ist. Direkt daneben befindet sich die 3,5 mm Audio-Buchse für das nicht im Lieferumfang gehörende Kabel-Headset

Auch für die einzigen Hardware-Tasten des BQ Aquaris E4.5 Ubuntu Edition kann man einige lobende Worte finden. So weiß der knackige Druckpunkt zu gefallen, wobei der Tastenhub selbst etwas größer sein dürfte. Insgesamt sind jedoch auch die Tasten vorbildlich und nicht gerade Standard für die Preisklasse des BQ Aquaris E4.5 Ubuntu Edition. Den Abschluss bildet schließlich die Unterseite des Rahmens, wo die MicroUSB-Buchse zum Aufladen des Akkus sowie dem Datenaustausch verbaut ist, als auch der Lautsprecher des Ubuntu Smartphones. Auch wenn es aufgrund der Lautsprecher-Fräsung so aussieht: Das Smartphone hat keine Stereo-Lautsprecher. Lediglich der rechte Lautsprecher von oben betrachtet ist imstande Töne von sich zu geben, denn hinter dem linken befindet sich das Mikrofon zum Telefonieren.

Die Rückseite des BQ Aquaris E4.5 Ubuntu Edition ist für sich genommen wenig spektakulär. Neben dem Logo von BQ, der Modellbezeichnung mit Hinweis auf die Ubuntu-Version, das CE-Prüfsiegel und die 8 Megapixel Kamera nebst Dual-LED-Blitzlicht gibt es nichts Weiteres auf der Rückseite. Abnehmen lässt sich sie sich jedenfalls nicht: Der Akku ist fest verbaut.

 

Display

Zwar setzt BQ für das BQ Aquaris E4.5 Ubuntu Edition auf ein IPS-Panel, aber mit einer Auflösung von lediglich 960 x 540 Pixel kann man dieses nicht gerade als scharf bezeichnen. Bei einer Diagonale von 4,5 Zoll entspricht das einer Pixeldichte von 240 PPI, was wiederum bedeutet, dass einzelne Pixel bei genauem Hinsehen deutlich zu erkennen sind. Leider ist die Blickwinkelstabilität nicht vom Besten: Hält man das Smartphone schräg, dann verfälscht das Bild relativ schnell und verliert an Farbkraft sowie Kontrast.

Besser ist im Vergleich dazu die Helligkeit des Displays. Einerseits ist das Panel ausreichend dunkel bei schwachem Licht, auf der anderen Seite aber auch wieder hell genug, um es draußen zu benutzen. Nur mit direktem Sonnenlicht hat das BQ Aquaris E4.5 Ubuntu Edition so seine Probleme. Damit ist es jedoch nicht allein: Nahezu alle preiswerten Smartphones haben denselben Nachteil.

 

CPU & GPU

In den meisten Smartphones der Preisklasse bis maximal 200 Euro sind Prozessoren von MediaTek verbaut, was im Fall des BQ Aquaris E4.5 Ubuntu Edition nicht anders ist. So kommt ein Energie-effizienter MediaTek MT6582 zum Einsatz, dessen vier Kerne mit maximal 1,3 GHz zu Werke gehen. Da Ubuntu Touch selbst ein noch recht neues Betriebssystem ist, gibt es faktisch keine echten Benchmark-Apps. Lediglich der Octane 2.0 Test ist auch für Ubuntu Touch verfügbar, in welchem das Ubuntu Smartphone einen Wert von 2.009 Punkten erreicht.

Zum Vergleich: Das Samsung Galaxy Note mit Exynos 5433 Octa-Core Prozessor kommt auf 4.434 Punkte und das Wiko HIGHWAY PURE mit einem Snapdragon 410 Quad-Core Prozessor immerhin auf 2.798 Punkte. Rein von der JavaScript-Leistung her ist das BQ Aquaris E4.5 Ubuntu Edition also gar nicht mal so schlecht. Dennoch fühlt sich das Smartphone ab und zu in der Bedienung etwas träge an, obwohl das Smartphone mit 1 GB RAM gar nicht so schlecht ausgestattet ist. Ist man erst einmal innerhalb eines Scopes – so werden Apps bei Ubuntu Touch bezeichnet – dann ist die Nutzung dieser Scopes erfreulich flüssig.

Für die Grafik steht eine ARM Mali 400 MP bereit, welche für nahezu alle Aufgaben gut gerüstet ist. Da sich Ubuntu Touch bisher hauptsächlich auf Web-Apps – die bereits erwähnten Scopes – beschränkt, gibt es nur bedingt Anwendungen, in denen der Grafikchip ernsthaft gefordert wird. Da es sich jedoch um ein vollwertiges Linux-Betriebssystem handelt, kann man mittels Terminal entsprechende Repositories einbinden und daraus dann Spiele für die ARM-Plattform installieren. Jedoch sei gleich der Hinweis gegeben: Glücklich wird man mit deren Performance nicht. Es sei denn, man kauft nativ entwickelte Spiele wie Cut the Rope.

 

Akku

Entgegen den meisten preiswerteren Smartphones verzichtet der Hersteller beim BQ Aquaris E4.5 Ubuntu Edition auf einen wechselbaren Akku. Dieser ist mit seinen 2.150 mAh fest im Gerät verbaut und liefert im Standby eine geradezu traumhafte Ausdauer. Nutzt man das Smartphone trotz zwei aktivierter SIM-Karten (O2 Germany und Congstar) mit aktiver Mobilverbindung und GPS kaum, sind zwei Tage abseits der Steckdose kein Problem. Nutzt man das Smartphone jedoch, sieht die Sache zum Teil ganz anders aus. Insbesondere Spiele und ganz besonders HD-Filme aus dem Web erweisen sich als echte Akku-Fresser.

 

Konnektivität

Schon der Preis verrät, dass das BQ Aquaris E4.5 Ubuntu Edition ein Smartphone der unteren Mittelklasse ist, was sich auch auf Seiten der Verbindungen wiederspiegelt. Zwar beherrscht das Linux Smartphone WLAN nach den Standards b, g und n, aber danach hört es auch auf. Lediglich Bluetooth 4.0 und HSPA mit maximalen 21,5 Mbit/Sekunde im Download gesellen sich zur Ausstattungsliste hinzu sowie GPS. Auf weitere Technologien inklusive auf WLAN-aufbauende Standards wie WiFi Direct, Miracast oder DNLA fehlen ebenso wie NFC, LTE und MHL. Das Gerät beschränkt sich damit wirklich nur auf das aller nötigste.

Telefonieren ist mit dem BQ Aquaris E4.5 Ubuntu Edition durchschnittlich: Der Ton ist zwar ausgeglichen, aber dennoch leicht blechern und auch ein gewisses Grundrauschen fällt auf. Vom Prinzip her ist das Gerät mit gleichwertigen Android Smartphones der Mittelklasse vergleichbar, mit einem Unterschied: Die Freisprechfunktion ist erheblich besser als man es erwarten würde.

 

Kamera

Leider kann man das von der Kamera nicht erwarten, obwohl ein Dual-LED-Blitzlicht vielversprechend aussieht. Die Kamera selbst löst zwar mit 8 Megapixel auf, allerdings werden die Bilder auf etwa 11 Megapixel interpoliert und das sieht man den Fotos leider auch deutlich an. Das Bild wirkt nicht sonderlich scharf aus, die Farben ausgewaschen und wenig natürlich. Auch der Kontrast lässt zu wünschen übrig, sodass man am liebsten nur noch mit aktivierter HDR-Funktion fotografieren möchte.

Allerdings zeigt sich dabei, dass die Kamera-Software bei HDR-Aufnahmen das Bild zu aggressiv heller zeichnet. Vor allem helle Objekte in den Fotos werden viel zu stark belichtet, was wiederum stellenweise Details verschwinden lässt. Die besseren Fotos gelingen tatsächlich ohne HDR, auch wenn sie bisweilen etwas dunkel wirken. Kurzum: Für mehr als wirklich nur ganz schnelle Schnappschüsse ist die Kamera des BQ Aquaris E4.5 Ubuntu Edition nicht zu gebrauchen. Selbst optimale Lichtverhältnisse helfen da nicht großartig weiter.

Wie immer gibt es ein Vergleichsfoto zwischen einer Canon EOS 600D, dem HUAWEI P8, einem Samsung Galaxy S5 und Beispielfotos ohne sowie mit HDR.

Videos nimmt das BQ Auqaris E4.5 Ubuntu Edition mit FullHD auf, deren Bildqualität sich sehr deutlich am Ergebnis der Fotos orientiert. Erschwerend kommt hinzu, dass die Aufnahmen selbst leicht ins ruckeln kommen, was vermutlich auf eine nicht ausreichend auf die Hardware optimierte Kamera-Software zurück zu führen ist.

Die Kamera-Software selbst zeigt sich von einer sehr spartanischen Seite, was sowohl die Oberfläche an sich betrifft, als auch die verfügbaren Optionen. Vielmehr als der Auslöser für ein Foto, der Wechsel zur Video-Funktion, der Frontkamera und das Öffnen der wenigen Einstellungen gibt es in der Oberfläche der Kamera des BQ Aquaris E4.5 Ubuntu Edition nicht. Das setzt sich auch bei den Optionen fort: Es gibt lediglich einen Button für die HDR-Option, ein einblendbares Gitternetz, das Blitzlicht, einen Szenenmodus, Geotagging und einen Timer.

 

Multimedia

Ubuntu Touch als Betriebssystem einerseits zeigt sich nicht gerade genügsam und Hersteller BQ wiederum auch etwas geizig. Von dem intern verbauten Speicher sind gerade mal etwa 6,8 GB frei, wovon sich Ubuntu selbst 2,4 GB an Speicher abzweigt und dem Nutzer tatsächlich nur etwa 4,2 GB zur Verfügung stehen. Diese lassen sich mit Apps und Medien befüllen, wobei letztere besser auf einer MicroSD ausgelagert werden sollten. Das BQ Aquaris E4.5 Ubuntu Edition unterstützt aufgrund des verbauten Prozessors maximal 32 GB große Karten.

Wie jedes andere Smartphone auch, lässt sich das Linux-Modell bestens als Musikplayer verwenden. Der Musikplayer selbst unterscheidet sich kaum von Apps auf anderen Systemen. Ist in der abzuspielenden Datei ein Albumcover eingebettet, wird dieses großflächig angezeigt mit den üblichen Bedien-Tasten und der Zeitleiste darunter. Das Filtern der vorhandenen Titel ist nach Interpret, Album und alle Titel möglich. Nach Genres lässt sich die Musik leider nicht sortieren beziehungsweise filtern.

Sofern man bereits ein Headset besitzt, kann man auch direkt mit dem Musikhören beginnen. Denn wie bereits erwähnt, ist im Lieferumfang des BQ Aquaris E4.5 Ubuntu Edition keines dabei. Den Mono-Lautsprecher sollte man besser nicht benutzen: Das Klangbild ist bassarm und neigt sehr schnell zu schrillen sowie verzerrten Tönen.

 

Software

Schon bei der Bezeichnung des Smartphones – BQ Aquaris E4.5 Ubuntu Edition – wird ersichtlich, was für ein Betriebssystem auf dem Gerät installiert ist: Ubuntu Touch. Dabei handelt es sich in der Tat um ein vollwertiges Desktop-Linux, welches lediglich mit einer für die Fingerbedienung optimierten Oberfläche erweitert wurde. In den ersten Tagen ist die Benutzung mit den Wischgesten sowie der deutlich anderen Bedienung noch mühsam, aber nach kurzer Zeit hat man sich daran gewöhnt.

Eine der ersten Veränderungen gegenüber den gewohnten Bedienkonzepten von iOS oder Android ist das Fehlen eines klassischen App Drawers. Mit einer Wischgeste vom linken Rand nach rechts hin öffnet eine kleine Seitenleiste, welche neben festgepinnten Standard-Apps und kürzlich genutzten Apps auch einen Button mit dem Ubuntu-Logo hat. Damit gelangt man von überall heraus zum Startbildschirm zurück. Diesen bezeichnet Canonical – von diesem Unternehmen wird Ubuntu und damit auch Ubuntu Touch hauptsächlich entwickelt – als Scope, was man eventuell am ehesten mit einem Homescreen-Widget von Android vergleichen kann, nur im Vollbildmodus. Das erste Scope ist dabei immer „Heute“ und enthält neben der Uhrzeit auch das Datum, Wetter-Informationen, anstehende Termine und die letzten Anrufe.

Weitere Scopes widmen sich bestimmten Themen wie Nachrichten von Online-Zeitungen, Musik (lokal gespeicherte und Online-Dienste wie 7digital oder SoundCloud), Videos (ebenfalls lokal gespeicherte und Online-Dienste wie YouTube oder Vimeo) und so weiter. Was sich in der Theorie ganz praktisch anhört, scheitert in der Praxis jedoch an einer deutlich zu großen Ladezeit. Selbst wenn man das Heue-Scope für ein paar Sekunden verlässt, muss das gesamte Scope neu geladen werden und das braucht meist mehr als nur ein paar Sekunden.

Aber auch Social-Network-Scopes für Facebook, Twitter oder Instagram erweisen sich noch als eher mühselig. Gerade Instagram ist ein Paradebeispiel: Man kann seinen Account zwar relativ ohne Probleme einrichten und sieht auch verschiedene Streams in dem Scope, aber das Kommentieren oder gar Hochladen von Fotos ist über das Scope nicht möglich. Dazu muss man die Website nutzen, denn eine App scheint es im Ubuntu Store noch nicht zu geben.

Allgemein ist das Thema Apps bei Ubuntu Touch und damit dem BQ Aquaris E4.5 Ubuntu Edition ein leidiges Thema: Die angebotenen nativen Apps sind mehr als überschaubar, wogegen selbst Windows Phone mit seinen wenigen Tausend Apps als Schlaraffenland betrachtet werden kann. Wer sich auf das Abenteuer Ubuntu Touch einlässt muss immer bedenken, dass es viele auch populäre Apps wohl nie für das System entwickelt werden. Zumindest nicht auf nicht absehbare Zeit.

Bezeichnend dafür könnte man fast schon die vorinstallierten Apps auf dem BQ Aquaris E4.5 Ubuntu Edition betrachten: Zwar gibt es eine App für Aufgaben, aber einen Kalender muss man erst nachinstallieren. Auch gibt es einen Wecker, aber wiederum ohne Timer-Funktion zum schnellen Stoppen der Zeit. Eigentlich alles Apps beziehungsweise Funktionen, die selbst die billigsten Feature-Phones im Jahre 2015 bereits ab Werk besitzen. Zumindest werden etliche Cloud-Dienste zur Synchronisation unterstütz, wozu auch Google gehört. Jedoch ist es ratsam, zunächst alle System-Updates für das BQ Aquaris E4.5 Ubuntu Edition zu installieren, sonst bleibt das Display komplett weiß, wenn man sein Google-Konto einrichten will.

Dass sich Ubuntu Touch in erster Linie noch an Early Adopter und Linux-Fans richtet zeigt sich unter anderem dadurch, dass das Betriebssystem ein waschechtes Linux ist. Wer es sich antun möchte auf dem 4,5 Zoll großen Display kann sich in bester Linux-Manier mit einem Terminal vergnügen, welches versierten Linux-Nutzern mehr als nur vertraut ist. Rooten braucht man das BQ Aquaris E4.5 Ubuntu Edition zum Beispiel auch nicht: Einfach den „sudo“-Befehl nutzen und schon kann man wirklich alles machen was das Linux-System hergibt. Selbst eigene Repositories lassen sich einbinden, was theoretisch die Installation von Desktop-Programmen erlaubt.

Jedoch lassen diese sich einerseits mühsam bedienen ohne einer auf Touchscreen abgestimmten Oberfläche, geschweige denn reicht die Leistung der verbauten Hardware aus. Bestes Beispiel dafür ist die OpenGL-App 3D driving: Damit diese auf dem Smartphone funktioniert, muss man über das Terminal erst ein Grafik-Plugin installieren. Trotzdem reicht die Hardware-Leistung des BQ Aquaris E4.5 Ubuntu Edition nicht aus, damit die App ein einer halbwegs vernünftigen Geschwindigkeit nutzbar ist.

 

Fazit zum BQ Aquaris E4.5 Ubuntu Edition

Kann Ubuntu Touch zu einer Konkurrenz für Android und iOS werden? Mit dem BQ Aquaris E4.5 Ubuntu Edition für eine unverbindliche Preisempfehlung von 169,90 Euro wohl kaum, denn dazu bietet die verbaute Hardware nicht genügend Leistung. Schon gar nicht um gegen technisch gleichwertige Android Smartphones zu bestehen wie das baugleiche Modell Aquaris E4.5 mit Android als Betriebssystem. Dafür fehlt es Ubuntu Touch schlichtweg an einer Vielzahl von populären Apps. Zwar bietet das Konzept der Scopes wirklich innovative Ansätze, aber letztlich ist deren Umsetzung nicht komplett gelungen. Weitere Updates in der Zukunft könnten das ändern, oder Smartphones mit erheblich mehr Leistung wie das Meizu MX4 Ubuntu Edition.

So bleibt unterm Strich nur zu sagen, dass das BQ Aquaris E4.5 Ubuntu Edition noch nicht reif ist für den Massenmarkt, was in erster Linie nur am Betriebssystem liegt. Wer allerdings ein vollwertiges Linux auf einem Smartphone haben will und das Gerät nicht zwangsläufig als Hauptgerät nutzen muss, der kann es sich durchaus zulegen. Immerhin verfolgt Canonical das Ziel, Smartphone und Desktop-Rechner in einem Gerät zu vereinen und da ist Ubuntu Touch ein erster wichtiger Schritt. Und das HTC Dream als erstes Android Smartphone hat es auch nicht unbedingt einfach.

Positiv

  • Neuer Ansatz für Bedienung
  • Sehr lange Ausdauer im Standby
  • Echtes Linux-System mit Unterstützung für Konsole
  • Teils stark vereinfachte Apps
  • Hervorragende Verarbeitung
Negativ
  • Sehr niedrige Performance
  • Schlechte Kamera
  • App-Situation
  • Schlechtes Display
  • Am ehesten für „Linux-Nerds“

bq_aquaris_e4_5_testurteil

Wertung
Geschwindigkeit 3/5
Display 3/5
Funktionalität 3/5
Verarbeitung 5/5
Preis 4/5

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Mann mit Bart und Faible für Smartphones und Tablets jeder Plattform, doch eindeutig bekennender Androidliebhaber.

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