[Test] Honor 7: Ein HUAWEI Mate S für die Hälfte!

Geschrieben von

Honor 7 by HUAWEI

Letztes Jahr sorgte HUAWEI mit dem Honor 6 für einiges an Aufsehen im Smartphone-Markt, was die Chinesen nur zu gern mit dem Honor 7 wiederholen würden. Ob der Nachfolger die Kombination aus leistungsstarker Hardware, hochwertige Verarbeitung und das bei einem niedrigen Preis bieten kann, soll unser nun folgende Test zeigen.

Das preiswerte Android Smartphones alles andere als schlechte Geräte sein müssen, hat das französische Unternehmen Wiko bereits mehrfach unter Beweis gestellt. Aber auch HUAWEI wurde Anfangs mit günstigen sowie leistungsfähigen Geräten in Verbindung gebracht, die unter Umständen auch ein hervorragendes Gesamtpaket bieten können. So in etwa kann man auch Honor beschreiben, welche in Europa als eigenständiges Unternehmen vor allem Digital Natives ansprechen wollen.

Technisch ist das Flaggschiff der HUAWEI-Tochter sehr stark mit dem erst kürzlich präsentierten HUAWEI Mate S verwandt, welches vor allem mit seiner Kamera einen bleibenden Eindruck bei uns hinterlassen hat (zum Test). Von daher wurde das Honor 7 mit großer Spannung erwartet, denn die besseren Honor-Modelle haben die Eigenheit, den HUAWEI Premium-Modellen sehr stark zu ähneln. Eines vorweg: Das Honor 7 erfüllt diese Erwartung fast schon mühelos, aber alles der Reihe nach.

Technische Daten des Honor 7

Technische Daten


Prozessor

HiSilicon Kirin 935 Octa-Core mit 4x 2,2+1,5 GHz und 64-Bit
GPU: ARM Mali T628 MP4

Betriebssystem

Android 5.0.2 Lollipop mit Emotion UI 3.1

Interner Speicher

16 GB Interner Speicher (erweiterbar)

RAM

3 GB

Modellbezeichnung

PLK-L01

Display

5,2 Zoll IPS Display mit 1.920 x 1.080 Pixel

Anschlüsse

MicroUSB, 3,5mm Audio Klinkenanschluss

Sensoren

Beschleunigung, Kompass, Gyroskop, Annäherung, Licht, HALL und Fingerabdruck

Abmessungen (HxBxT mm)

143,2 x 71,9 x 8,5 mm

Gewicht

157 Gramm

Gehäusematerial

Aluminium Unibodygehäuse

Kamera

20 Megapixel Kamera mit optischem Bildstabilisator, 8 Megapixel Frontkamera

Internet

WLAN a/b/g/n/ac

Bluetooth

4.1 HS BLE

Akkutyp

Fest verbauter Li-Ion

Kapazität

3,8 V/3.100 mAh

Gesprächszeit

n/a

Standby-Zeit

n/a

Netz

GSM 850/900/1800/1900,
UMTS 900/2100 MHz,
LTE 800/1.800/2.600 MHz

Preis

UVP 349 Euro
Besonderheit Telefon-Manager, Fingerabdruck-Sensor, Touch-Gesten für den Fingerabdruck-Sensor, Dual-SIM, Doubletap 2 Wake, FM Radio, programmierbarer Smart Key

 

Zubehör

Im Gegensatz zu den inneren Werten, gibt es im Bereich Lieferumfang keine größeren Überraschungen beim Honor 7. So befindet sich neben dem Android Smartphone selbst noch ein USB-Netzteil nebst MicroUSB-Kabel im Karton, eine Schnellstartanleitung und eine Garantiekarte, welche diverse Informationen für einen Garantiefall beinhaltet. Ein Headset sucht man jedoch vergebens: Es liegt schlicht und ergreifend keines bei. Entweder man hat bereits von einem anderen Smartphone ein Headset zuhause, oder man muss sich erst noch eines kaufen.

Aber eine Sache macht das Honor 7 doch ziemlich pfiffig, respektive dessen Verpackung. So kann man das zweiteilige Innenleben so hochstellen, dass das Android Smartphone auf dem Nachttisch stabil in einem etwa 45 Grad steilen Winkel gehalten wird. Auch mal was Nettes, um sich ein Dock für das Gerät als Wecker zu sparen.

 

Design und Verarbeitung

Mit dem ersten in Europa offiziell verfügbaren Smartphone wagte Honor keine großartigen Experimente was das Gehäuse betrifft. Auch kein extravagantes Design zeichnete das Honor 6 aus, was sich im Honor 7 in gewisser Weise wiederholt. Das Modell sieht seinem Vorgänger sehr ähnlich, wirkt aber nicht mehr ganz so rund an den Ecken und dem Rahmen. Vielmehr hat es eine optische Ähnlichkeit zum HUAWEI Mate S (zum Test), von welchem es auch das Gehäuse aus hochwertigem Aluminium übernommen. Tatsächlich könnte man das Honor 7 als geschrumpfte Version des Mate S betrachten, die sich zudem ein wenig beim HUAWEI P8 (zum Test) und dem HUAWEI Ascend Mate 7 bedient was die Optik betrifft. Ein gewagtes Experiment mit respektablen Ergebnis.

Die Front nimmt zum Beispiel überwiegend das 5,2 Zoll große Display ein, womit das Smartphone um einiges handlicher ausfällt. Wer sich den 5,5-Zoll-und-größer-Boliden verweigert, dürfte in diesem Modell eine potente Alternative finden. Die Bedienung erfolgt zudem komplett über den Touchscreen: Kapazitive Tasten unterhalb des Displays sind nicht vorhanden, auch wenn es der Platz zulassen würde. Bei HUAWEI würde sich dort das Logo des Unternehmens wiederfinden. Da es sich aber um ein Smartphone des Tochter-Unternehmens Honor handelt, ist weder dieses noch das andere vorhanden. Pures Design ohne störenden Schnickschnack könnte man auch sagen.

Oberhalb des Displays sind wie bei jedem anderen Smartphone auch der Lautsprecher zum Telefonieren verbaut eine Frontkamera mit satten 8 Megapixeln Auflösung – die Kamera-App bietet entsprechende Optionen für Selfies und Videochats – sowie die üblichen beiden Sensoren. Dabei handelt es sich um einen Helligkeitssensor und einen Annäherungssensor. Während ersterer die Display-Helligkeit nach dem Umgebungslicht automatisch regelt, schaltet der zweite Sensor das Display ab einer gewissen Distanz zum Ohr oder einem anderen Objekt aus. Nicht das man versehentlich bei einem Telefonat mit dem Honor 7 irgendwelche Tasten auf dem Display drückt.

Was den Rahmen betrifft, schaut sich Honor hingegen wieder einiges bei dem Vorgänger des Honor 7 ab und mixt das gleich mit dem HUAWEI P8. Will heißen, dass der Rahmen aus Metall ist und dennoch leicht abgerundete Kanten vorweisen kann. Als wirklich schlank kann man das Smartphone jedoch nicht bezeichnen. Mit 8,5 mm trägt es sogar vergleichsweise dick auf und kommt auf ein Gewicht von stattlichen 157 Gramm. In der Größenklasse von 5,2 Zoll Display Smartphones eine Ausnahme am oberen Ende der Scala – selbst mit einem Aluminium-Gehäuse. Die meisten Konkurrenten sind zum Teil deutlich leichter.

Dafür kann das Honor 7 wiederum einer sehr hohen Stabilität punkten. Eine leichte Flexibilität lässt sich zwar nicht abstreiten, aber dafür knarzt es nicht und auch zu Bildfehler kommt es nicht beim leichten Verbiegen des Gerätes.

Auf der rechten Seite von vorne betrachtet sind (fast) alle physischen Bedienelemente verbaut. Das heißt, dass neben der Power-Taste des Honor 7 auch eine Lautstärke-Wippe verbaut ist. Beide sitzen sehr fest im Rahmen und besitzen einen knackigen Druckpunkt sowie Tastenhub. Zusätzlich ist die Power-Taste leicht geriffelt und zudem etwas abgesetzt wie es beim HUAWEI P8 der Fall ist. Die Schächte für die SIM-Karten nebst einer Speicherkarte sind auf der anderen Seite zu finden. Jedoch muss man an dieser Stelle aufpassen: Der SIM-Slot ist ein sogenannter Hybrid-Slot. Das heißt, dass man entweder eine SIM-Karte im Nano-Format und eine MicroSD-Speicherkarte nutzen kann, oder aber nur zwei SIM-Karten im Nano-Format ohne Speicherkarte. Direkt darunter befindet sich der sogenannte Smart Key, welcher sich nahezu frei belegen lässt mit einer App oder eine speziellen System-Funktion.

Auf der Stirnseite des Rahmens sind erneut die vom Vorgänger bekannten Elemente wiederzufinden. Sprich die 3,5 mm Audio-Buche für ein (nicht beiliegendes) Kabel-Headset respektive Kopfhörer und der Infrarot-Blaster. Die passende App ist im Gegensatz zum Honor 6 bereits vorinstalliert. Man kann das Honor 7 damit auch ohne größere Probleme als Universal-Fernbedienung in den heimischen vier Wänden nutzen. Außerdem findet sich hier auch eines der Mikrofone wieder.
Weiter geht es auf der Unterseite, welche lediglich den MicroUSB-Port besitzt und beidseitig Ausstanzungen im Aluminium-Rahmen. Allerdings beherbergt nur die rechte Seite auch wirklich einen Lautsprecher.

Die Rückseite des Honor 7 ist fast komplett aus Aluminium gefertigt, welches einen sehr stabilen Eindruck hinterlässt. Die Glasrückseite des Vorgängers ist damit passé. Nur ist sie nicht komplett aus Metall: Sowohl die obere als auch untere Einrahmung ist aus Kunststoff, hinter welchen sich die Antennen des Gerätes befinden. Und noch eine Besonderheit weist die Rückseite auf: Die Hautkamera löst mit scharfen 20 Megapixel auf und direkt darunter ist ein Fingerabdruck-Sensor verbaut. Kein Wunder, denn gerade diese Technologie ist eine der am besten funktionierenden Lösungen der gesamten Branche. Alleine damit gehört das Honor 7 schon zu den besseren Smartphones auf dem Markt.

Unterm Strich lässt sich das Design des Honor 7 recht kurz beschreiben: Wenig experimentierfreudig, hochwertig und mit mehr Wert auf ein stabiles Äußeres anstelle einer schlanken Linie. Eine nicht allzu verkehrte Einstellung, zumal ein hohes Gewicht nicht selten mit einem hochwertigen Gehäuse gleichgesetzt wird.

 

Display

Wie bereits erwähnt ist das Display mit 5,2 Zoll erfreulich handlich und mit 1.920 x 1.080 Pixel zudem bodenständig. Viele erachten eine Auflösung jenseits von FullHD einfach für unnötig, was sich auch negativ auf die Performance und Akku-Ausdauer auswirken kann. Von daher macht das Honor 7 in diesem Punkt eigentlich alles richtig. Zwar kommt kein ganz so hochwertiges IPS-Panel mit besonders hohem Schwarzwert zum Einsatz wie im auf weite Strecken identischen HUAWEI P8, aber der Darstellungsqualität im Bereich Farben, Kontraste und Blickwinkel tut das keinen Abbruch.

Das Bild des Honor 7 ist somit in der Standard-Konfiguration eine wirkliche Augenweide. Wem die Farben dennoch nicht passen, kann in den Einstellungen zum Display Kontrast, Farbtemperatur und Helligkeit nachjustieren.

Selbst Komfort-Funktionen wie das Einschalten des Gerätes aus dem Standby heraus beherrscht das Honor 7. Die Funktion ist allerdings ab Werk ausgeschaltet und muss unter Einstellungen -> Gestensteuerung -> Doppelt antippen erst noch aktiviert werden. Wer mal ein LG-Smartphone benutzt hat mit KnockOn wird sich darüber freuen.

 

CPU und GPU

Nicht viele Smartphone-Hersteller können von sich behaupten, neben den Geräten auch eigene Prozessoren zu entwickeln, welche in den eigenen Modellen zum Einsatz kommen. HUAWEI ist neben Samsung ein solcher Hersteller und da versteht es sich von selbst, dass auch im Honor 7 ein solcher Prozessor zum Einsatz kommt. Genauer gesagt ist es mit dem HiSilicon Kirin 935 sogar derselbe Prozessor aus dem HUAWEI Mate S, welcher das Honor 7 antreibt. So ganz kann der Chip allerdings nicht seine Leistung ausspielen, wie der AnTuTu-Benchmark mit 47.497 Punkten behauptet.

Solche synthetischen Ergebnisse haben jedoch nur bedingt etwas mit dem Alltag zu tun, denn hier ist das Honor 7 sehr schnell, flüssig und ohne Ruckler am Werke. Sicherlich helfen die 3 GB an RAM bei der starken Performance, vor allem das Multitasking mit mehreren offenen Apps kann davon profitieren.

Nur bei der Grafikleistung hinkt der Kirin 935 im Honor 7 der Konkurrenz etwas hinterher. So ist ein ARM Mali T628 Grafikchip mit vier Clustern verbaut, was gerade bei GTA San Andreas ein wenig unerwartet zu leichten Rucklern führt. Abgesehen davon sind die meisten – auch grafisch anspruchsvolleren – Spiele kein allzu großes Problem für das Android Smartphone.

 

Akku

An früherer Stelle haben wir bereits angesprochen, dass das Honor 7 mit 8,5 mm nicht gerade eine grazile Schlankheit ist. Da könnte man meinen, dass der Akku besonders groß ausfällt und mit 3.100 mAh auf dem Blatt Papier tut er es auch. Ebenso erwartet man eigentlich einen ausdauernden Begleiter für den Alltag, was glücklicherweise auch erfüllt wird von dem Smartphone. Man kommt nicht nur problemlos über den Tag hinweg mit Chatten, Surfen, Fotos schießen und Musik via Bluetooth-Headset hören, sondern auch mit einer sehr ordentlichen Dauerbenutzung von fast sechseinhalb Stunden. Gerade im direkten Vergleich zum HUAWEI Mate S, dessen kleinerer Akku fast eineinhalb Tage oder gut 5 Stunden Screen-On-Time zu bieten hat, sind das zu erwartende Werte.

Hinzu kommt sogar, dass der Akku des Honor 7 trotz einer größeren Kapazität schneller wieder aufgeladen ist als der kleinere Akku des HUAWEI P8, um mal ein anderes Top-Modell von HUAWEI zum Vergleich heranzuziehen.

 

Konnektivität

Eigentlich könnte man davon ausgehen, dass ein Premium-Smartphone wie das HUAWEI Mate S mit 649 Euro UVP ist, auch die komplette Bandbreite an Funktechnologien bietet. Dem ist aber nicht so, denn zum einen fehlt Dualband-WLAN, der aktuelle WLAN-Standard ac und so weiter. Genau das kann jedoch das Honor 7 auffahren – nebst Bluetooth 4.1. Der Rest wie NFC, FM Radio, GPS mit GLONASS (Russland) sowie BeiDou (China) oder das LTE Modem teilt sich das aktuelle Dreigestirn der HUAWEI-Smartphones. Mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass LTE nur der ersten SIM-Karte zur Verfügung steht und mit LTE Cat6 zudem bis zu 300 Mbit/Sekunde im Download möglich sind. Sowohl das HUAWEI P8 als auch das HUAWEI Mate S beherrschen nur LTE Cat4 mit maximal 150 Mbit/Sekunde im Download.

Telefonate meistert das Honor 7 in deutschen Netzen mit Bravour. Lautstärke und Verständlichkeit sind auf einem sehr hohe Niveau, was sowohl für einen selbst als auch den Gesprächspartner betrifft. Selbst HD Voice ist je nach Netzqualität möglich, was in einer nochmals besseren Verständlichkeit resultiert.

 

Kamera

Worin HUAWEI sowohl mit dem P8 als auch Mate S fast restlos überzeugen konnte, war die Kamera. Der Sony-Chip mit 13 Megapixel Auflösung, RGBW-Sensor und optischem Bildstabilisator sorgte mehrfach für echte Wow-Momente. Leider zeigt das Honor 7 in diesem Punkt sowohl für Verbesserungen aber auch Verschlechterungen. Käufer werden sich insbesondere durch die größere Bildschärfe freuen, welche der 20 Megapixel auflösende IMX230 Sensor von Sony bietet. Der Detailreichtum der Fotos nimmt damit sichtlich zu. Nachteilig ist wiederum, dass Honor den optischen Bildstabilisator eingespart hat. Heißt im Endeffekt, dass Fotos mitunter unschärfer wegen der mangelnden Bildstabilisierung durch ein physisches Element werden. Da hilft auch eine vergleichsweise große Blende mit f/2.0 nur bedingt ab. Zumal der Autofokus mit Phasenerkennung keinen spürbaren Vorteil in der Praxis gegenüber einem herkömmlichen Kontrast-basierenden Autofokus bieten kann.

Insgesamt sind die mit dem Honor 7 geschossenen Fotos Reich an Details, natürlichen Farben und einem hohen Kontrast. Allerdings neigt die Software schneller als vergleichbare Geräte zu Bildrauschen bei Fotos, was sich technisch bedingt vor allem am Bildrand bemerkbar macht oder wenn man das Bild stärker vergrößert. Kurzum: Nur weil das Honor 7 im Megapixel-Rennen ganz weit vorne mitspielt, führt das noch lange nicht automatisch auch mit zu besseren Fotos. Dennoch kann man dem Gerät attestieren, insgesamt ausgewogene Fotos zu machen.

Anzumerken ist, dass nur im 4:3 Bildformat die volle Auflösung von 20 Megapixel zur Verfügung steht. Will man im gebräuchlicheren 16:9 Format aufnehmen, stehen effektiv nur 14,92 Megapixel zur Verfügung. Wie das Ergebnis aussieht, zeigt euch unser Vergleich zur Canon EOS 600D, einem Samsung Galaxy S5 und dem HUAWEI P8.

Natürlich ist bei einer Smartphone-Kamera die Tauglichkeit zur Videoaufnahme mit von Interesse. In genau dieser Disziplin enttäuscht das Honor 7 und das liegt an einer mäßigen Bildschärfe, verwaschenen Details sowie Artefakte durch die Komprimierung der Videos. Die Bildqualität enttäuscht somit. Trotz der hohen Auflösung des Sensors kann das Smartphone nicht einmal 4K-Videos aufnehmen, allerdings ist das nicht gerade als Nachteil zu werten. Vorbildlich zeigt sich das Honor 7 bei Videos wiederum was den Autofokus betrifft: Dieser greift ungewöhnlich selten ein in die Aufnahme, was regelrecht eine Wohltat ist. Auch der ordentliche Stereo-Ton kann die Wertung im Bereich Video ein Stück weit retten. Trotzdem hätte Honor respektive HUAWEI mehr im Bereich Videoaufnahme herausholen können.

Eine Besonderheit des Honor 7 ist die Frontkamera, welche mit 8 Megapixel Auflösung ohne Zweifel mit zu den besten Kameras für Selfies und Videochats zählt. Die Bild- sowie Videoqualität insgesamt kann sich sehen lassen. Jedoch ist eine sichtlich niedrigere Qualität auszumachen was Farbtreue und Bildschärfe betrifft. Sogar FullHD-Videos kann die Frontkamera aufnehmen, wobei diese mit 27 Frames pro Sekunde aufgenommen werden.

Kommen wir nun zur Kamera-App, welche zu Grundausstattung der Emotion UI gehört. Im Prinzip kann man in diesem Punkt fast vollständig auf die Tests des HUAWEI P8 und HUAWEI Mate S verweisen, denn es kommt exakt dieselbe Kamera-App auch auf dem Honor 7 zum Einsatz. Egal ob HDR, Panorama, Lichtmalerei und andere Spielereien: Die Vielfalt an Modi und Effekten dürfte kreativ veranlagte Nutzer begeistern. Nur das die Beschriftung der einzelnen Icons sich nicht mit ins Querformat dreht lässt sich kritisieren. Das gilt auch für die Einstellungen, die sich nur im Hochformat vornehmen lassen.

Worin sich die Kamera-App von Lösungen anderer Hersteller unterscheidet ist der Aufnahme-Modus ganz rechts: Das Honor 7 eignet sich ab Werk als der perfekte Begleiter für diejenigen, die ihre Mahlzeiten fotografieren und in Social Networks mit anderen teilen wollen. Der Modus „Gute Lebensmittel“ rückt den Schweinebraten mit Klößen und Grünkohl sprichwörtlich ins optimale Licht. Auch für Selfie-Fotografen hat HUAWEI mit dem Modus „Verschönern“ etwas in Petto, wo man diverse Unreinheiten der Haut oder andere störende Elemente einfach weg retuschieren kann – vollkommen automatisch mit durchaus ansehnlichem Ergebnis.

 

Multimedia

So durchwachsen die Qualitäten der Kamera sind, so zwiespältig zeigt sich das Honor 7 auch im Multimedia-Bereich im Allgemeinen. Das fängt damit an, dass es in zwei Speicher-Varianten zu haben ist: Mit 16 oder 64 GB an internem Speicher. Uns liegt das kleinere Modell vor, welches ab Werk gerade mal 9,08 GB freien Speicher vorzuweisen hat. Für heutige Verhältnisse ist das wirklich wenig, wenn man Nexus- oder Sony-Geräte zum Vergleich heran zieht. Bei diesen Modellen sind im Schnitt ab Werk 11 GB frei verfügbar zum befüllen mit eigenen Daten. Von daher ist Medien-affinen Nutzern der Griff zum größeren Modell mit 64 GB Speicher durchaus zu empfehlen, auch wenn man den internen Speicher mit einer MicroSD-Speicherkarte erweitern kann. Diese darf zudem bis zu 128 GB an Daten aufnehmen – laut dem SDXC-Standard sogar bis zu 2 TB.

In jedem Fall ist Musik besser auf der MicroSD aufgehoben, denn der Klang des Honor 7 über Kopfhörer ist phänomenal gut. Was Bässe, Höhen, Mitten und das Volumen betrifft, ist die Audio-Ausgabe über die 3,5 mm Audio-Buchse sehr ausgewogen und natürlich. Weniger gut macht es naturgemäß der Mono-Lautsprecher des Honor 7. Dieser klingt wie bei nahezu allen Geräten auf dem Markt etwas dumpf, wenig Bass-reich und in der Spitze blechern. Für Klingeltöne, dem Vorlesen von Text sowie Sprachnachrichten oder dem Freisprechen bei einem Telefonat mag es ja mehr als ausreichen, aber zur musikalischen Berieselung sollte man wirklich auf Kopfhörer oder externe Boxen zurückgreifen.

Was die Software zur Wiedergabe von Musik betrifft, kommt ebenfalls Altbekanntes von HUAWEI zum Einsatz. Der Musikplayer bietet die üblichen Funktionen zur Wiedergabe, kann Playlisten anlegen, nach Alben, Künstler oder Titel sortieren und kann einzelne Titel quasi „liken“. Auch die Einstellungen erweisen sich im Vergleich zu manch anderen Drittanbieter-Lösungen spartanisch. Immerhin kann man mit der App von HUAWEI gezielt einzelne Ordner aus dem Musikkatalog ausblenden lassen oder einen Timer zur automatisierten Abschaltung der Wiedergabe einstellen.

 

Software

Warum Hersteller nicht immer auf die neusten Android-Versionen zurückgreifen, wenn diese schon länger verfügbar sind und bei anderen Modellen des Herstellers bereits ausgeliefert werden, wird in der Android-Welt vermutlich auf ewig ein Rätsel bleiben. Denn anstatt bereits Android 5.1.1 Lollipop als Basis zu benutzen, kommt auf dem Honor 7 lediglich Android 5.0.2 Lollipop zum Einsatz. Immerhin ist die Emotion UI 3.1 installiert, die sich mit grafisch dezenten Anpassungen und zahlreichen wirklich praktischen Funktionen aus der Masse hebt.

Trotzdem kommt man aufgrund der optischen Aufmachung und den Eigenheiten nicht umhin, den Vergleich zu iOS zu ziehen. Eigentlich ist es nur der fehlende App Drawer und bunte sowie geradlinig-runde Icons, welche den Vergleich überhaupt erst aufkommen lassen. Will heißen, dass sämtliche installierte Apps auf dem Homescreen landen und notgedrungen in Ordnern sortiert werden müssen. Ab mehr als 9 Icons scrollt man durch diese Ordner, was zugegeben nur bedingt übersichtlich ist bei entsprechend vielen Apps einer Kategorie. Der Rest wie Shortcuts für Geräte-Funktionen in der Benachrichtigungsleiste und die aktuellen Benachrichtigungen sind eigenständig genug, um sie als Errungenschaft HUAWEIs zu deklarieren.

Wie schon im Test zum HUAWEI Mate S kann man bei der Oberfläche des Honor 7 problemlos auf den Test des HUAWEI P8 verweisen: Der Funktionsumfang ist quasi identisch. Bis auf die Tatsache, dass die Einstellungen zusätzliche Menüpunkte für den Fingerabdruck-Sensor beinhalten. Dieser arbeitet ebenso präzise wie schnell und kann bis zu 5 verschiedene Fingerabdrücke speichern. Das Beste an HUAWEIs Implementierung, die auch im Honor 7 zum Einsatz kommt ist der Fakt, dass die Erkennung auch im Standby vorbildlich funktioniert. Schneller und zuverlässiger kann man sein Smartphone einfach nicht entsperren. Punkt.

Zwar setzen auch andere Hersteller auf diese Technik – zum Teil mit fast ähnlich guter Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit – aber das Honor 7 kann im Gegensatz dazu mit Gesten für den Sensor aufwarten. So kann man ähnlich dem HUAWEI Mate S einen Anruf per Finger-drauflegen annehmen, die Kamera starten oder per Wischgeste die Benachrichtigungsleiste öffnen. Sogar durch die Emotion-UI-eigene Galerie-App kann per seitlicher Wischgeste navigieren. Was zunächst etwas unhandlich erscheint, ist nach kurzer Eingewöhnungszeit erstaunlich intuitiv. Ohne Zweifel hat HUAWEI in diesem Technologie-Bereich die Führung und das alles andere als unverdient. Da kann selbst Touch ID des iPhone 6s einpacken.

Die nächste Besonderheit des Honor 7 stellt der sogenannte Smart Key dar, welchen man mit einer selbst definierbaren App oder Funktion belegen kann. Dabei kann jeweils eine Aktion dem einmaligen, zweimaligen Drücken oder dem Gedrückthalten für eine Sekunde zuordnen. Insgesamt drei Aktionen lassen sich so definieren, um die Produktivität und/oder Effizient des Honor 7 erheblich zu verbessern. Zum Beispiel zur Aufnahme eines echten Schnappschuss-Fotos aus dem Standby heraus, ohne vorher das Smartphone vorher erst zu entsperren und die Kamera-App starten zu müssen. Wer viel fotografiert wird den Smart Key definitiv zu schätzen lernen.

Sogar Gesten im Standby-Bildschirm zum Schnellstarten bestimmter Apps werden unterstützt, das Honor 7 lässt sich mit einem Doppel-Tapser auf das Display einschalten und der HUAWEI-typische und nach wie vor geniale Telefon-Manager finden sich wieder. Letzterer erlaubt umfangreiche Einstellungen von Filterlisten für SMS/Telefon, das Löschen von temporären Mülldateien, das Blockieren bestimmter Benachrichtigungen, einen Zugriffs-Manager für Internet (WLAN, LTE) und noch eine ganze Menge mehr.

Leider findet man auch auf dem Honor 7 wieder einige weniger erwünschte Apps vor, die sich jedoch im Gegensatz zu manchen Konkurrenten mühelos deinstallieren lassen. Das gilt allerdings nur für die Gameloft-Apps. WPS Office, vmall, Facebook und Twitter sind fester Bestandteil der Firmware und lassen sich wenn dann nur mit Root-Zugriff entfernen. Dann aber auch restlos, denn nach einem Werksreset sind auch die Gameloft-Apps trotz vorheriger Deinstallation wieder da.

 

Fazit zum Honor 7

Das Huawei Honor 7 ist mit Abstand eines der besten Android Smartphones die wir seit langem testen durften. Gerade im Hinblick auf das Preis-Leistungsverhältnis gibt es nur wenig Vergleichbares. Um so mehr verwundert es das Huawei selber ein fast identisches Smartphone, mit dem Huawei Mate S zum fast doppelten Preis verkauft, sieht man einmal über die nur 16 GB verbauten Speicher und dem fehlenden optischen Bildstabilisator hinweg. Dafür gibt es mehr Gesten für den Fingerprintsensor, Dual-SIM und eine zusätzlich mehrfach belegbare Taste (Smart Key).
Wenn dies die Preispolitik des chinesischen Unternehmens ist, solange günstig zu verkaufen bis sich der Erfolg eingestellt hat, dann sollte man das Honor 7 zügig kaufen, solang es noch so günstig ist.
Die Verarbeitung ist mit dem Aluminium-Unibodygehäuse und Diamantenschliff auf Premium Niveau. Lediglich das Gewicht des Honor 7 von 157 Gramm fällt etwas unangenehm auf. Dafür hat das Display genau die richtige Größe und löst mit FullHD ausreichend hoch auf. Für die nötige Rechenpower hat das Unternehmen seine aktuell leistungststärkste CPU verbaut, was sich auch positiv bemerkbar macht.

Positiv
  • Gute Foto-Qualität
  • Hochwertiges Design
  • Praktischer Smart Key
  • Gutes Display
  • Top Verarbeitung
  • Aktuell beste hauseigene CPU
Negativ
  • Zu schwache Grafik-Performance
  • Hohes Gesamtgewicht

honor_7_testurteil_android_tv

Wertung
Geschwindigkeit 5/5
Display 5/5
Funktionalität 5/5
Verarbeitung 5/5
Preis 5/5

The following two tabs change content below.
Mann mit Bart und Faible für Smartphones und Tablets jeder Plattform, doch eindeutig bekennender Androidliebhaber.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*


280 Abfragen in 0,608 Sekunden