[Test] Huawei Mate 8 – Erfolg oder Enttäuschung?

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HUAWEI Mate 8 Test

HUAWEI kann auf ein ungemein erfolgreiches Jahr im Bereich der Android Smartphones zurückblicken, welches das Unternehmen aktuell international auf Platz 3 katapultiert hat. Auch für 2016 hat HUAWEI sich große Ziele gesteckt und um das zu unterstreichen, startet man das Jahr auch gleich mit dem bis dato erfolgreichsten Smartphone, dem HUAWEI Mate 8. Das Phablet tritt wortwörtlich in große Fußstapfen des Vorgängers und weckt große Erwartungen. Erwartungen, die das HUAWEI Mate 8 in unserem Test nicht durchweg erfüllen konnte und so enttäuschte Gesichter zurück ließ.

Bis 2014 war HUAWEI den meisten Smartphone-Käufern im deutschen Raum als Hersteller preiswerter Einsteiger-Smartphones bekannt, die nicht allzu viel Beachtung erfuhren. Das sollte sich jedoch zur IFA 2014 schlagartig ändern, als mit dem HUAWEI Ascend Mate 7 (zum Test) ein Phablet der Premium-Klasse vorgestellt wurde, welches hochwertig verarbeitet war, ordentlich Leistung für die damalige Zeit bot und deutlich günstiger zu haben war als die vergleichbare Konkurrenz. Das absolute Highlight war jedoch der Akku mit seinen 4.100 mAh: Mit einer schier endlosen Ausdauer und einem hervorragenden Fingerabdruck-Sensor.

Ein Jahr später – zur IFA 2015 in Berlin – gab es schließlich anstelle des Mate 8 Phablet, ein kleineres HUAWEI Mate S (zum Test), einen speziellen Ableger der Mate-Serie und auf den eigentlichen Star der Bühne mussten wir uns noch bis dieses Jahr gedulden. Eine Zeit, bei der auch Erwartungen geschürt werden, bei denen die Ansprüche steigen.

 

Technische Daten des HUAWEI Mate 8

Technische Daten


Prozessor

HiSilicon Kirin 950 Octa-Core mit 4x 2,3+1,8 GHz und 64-Bit
GPU: ARM Mali T880 MP4

Betriebssystem

Android 6.0 Marshmallow mit Emotion UI 4.0

Interner Speicher

32 / 64 / 128 GB Interner Speicher (erweiterbar)

RAM

3 GB / 4 GB

Modellbezeichnung

NXT-L29

Display

6 Zoll IPS-Neo Display mit 1.920 x 1.080 Pixel

Anschlüsse

MicroUSB, 3,5mm Audio Klinkenanschluss

Sensoren

Beschleunigung, Kompass, Gyroskop, Annäherung, Licht und HALL

Abmessungen (HxBxT mm)

157,1 x 80,6 x 7,9 mm

Gewicht

185 Gramm

Gehäusematerial

Aluminium Unibodygehäuse

Kamera

16 Megapixel Kamera mit optischem Bildstabilisator, 8 Megapixel Frontkamera

Internet

WLAN a/b/g/n/ac

Bluetooth

4.2 HS BLE

Akkutyp

Fest verbauter Li-Ion

Kapazität

3,8 V/4.000 mAh

Gesprächszeit

n/a

Standby-Zeit

n/a

Netz

GSM 850/900/1800/1900,
UMTS 900/2100 MHz,
LTE 800/1.800/2.600 MHz

Preis

UVP 599 Euro, 32 GB (ab 549,97 Euro, Stand 17.01.16)
Besonderheit Telefon-Manager, starke Low-Light-Leistung der Kamera, Fingerabdruck-Sensor, Touch Knuckle 2.0, FM Radio

 

Zubehör

Ursprünglich war die Mate-Reihe mit den ersten Modellen im Bereich der Budget-Smartphones angesiedelt, aber mit dem HUAWEI Ascend Mate 7 hatte sich das geändert. Der neuen Tradition folgend ist auch das HUAWEI Mate 8 ein Premium-Smartphone und das wird schon bei der Verpackung ersichtlich. Ganz in schwarz und mit goldenen Lettern auf dem Deckel, ist das eigentliche Android Smartphone in einer schwarzen Kunststoff-Matte im Inneren des Kartons platziert.

Nimmt man diese heraus, gelangt man an drei separate Pappschachteln, in denen das USB-Netzteil versteckt sind, ein MicroUSB-Kabel – leider kein USB Typ-C – das auffällig nach Apples Earpods aussehende Kabel-Headset und ein kleiner Piekser, um die Slots für die Micro-SIM und MicroSD öffnen zu können. Selbstverständlich dürfen eine Kurzanleitung und die Informationen rund um Garantiefälle nicht fehlen. Letztere sind in einem separaten Papp-Umschlag untergebracht, welcher mit einer Art Siegel verschlossen ist, was dem Ganzen einen zusätzlichen edlen Touch verleiht.

Die Überraschung schlechthin ist in der größeren der drei Pappschachteln versteckt: Eine Schutzhülle für das HUAWEI Mate 8, um das Gehäuse aus Metall vor Kratzern resultierend ungewollten Stürzen zu schützen.

 

Design und Verarbeitung

Das HUAWEI Mate S und das HUAWEI Mate 8 haben mehr gemeinsam als nur Kunden im Premium-Bereich. Auch das Design der Geräte ähnelt sich auffallend, wenn man beide Android Smartphones nebeneinander legt. Sie haben beide ein Gehäuse aus Metall, unterhalb der Kamera ist der gefeierte Fingerabdruck-Sensor verbaut und auch sonst sind zahlreiche Details des Gehäuses zwischen dem HUAWEI Mate S und dem HUAWEI Mate 8 quasi identisch. Das beginnt unter anderem bereits auf der Front des Phablet: Das 6 Zoll große Display nimmt den meisten Platz ein, was schon damals bei dem Vorgänger HUAWEI Ascend Mate 7 eine der Stärken gewesen ist.

Mit laut eigenen Angaben über 83 Prozent kann man wirklich behaupten, dass die Front fast nur noch aus dem Display besteht. Lediglich das HUAWEI-Logo findet gerade noch so unterhalb des Displays Platz und direkt über dem Display der Lautsprecher für Telefonate, die 8 Megapixel auflösende Frontkamera du die Sensoren für Helligkeit sowie Annäherung – und eine mehrfarbige Status LED. Insgesamt wirkt das HUAWEI Mate 8 wie der größere Zwilling des Mate S.

Das bedeutet auch, dass der Rahmen mit seiner geschliffenen Kante um das Gerät herum erneut anzutreffen ist. Dadurch sieht das Smartphone nicht nur elegant aus, sondern fühlt sich auch sehr hochwertig an. Lediglich die notwendigen Kunststoff-Einsätze für bessere Empfangseigenschaften stören die an sich konsistente Linienführung des Rahmens. Der Rahmen des HUAWEI Mate 8 selbst ist dabei leicht angeraut und weißt eine gewisse metallische Maserung auf, wodurch das Phablet fast noch besser in der Hand liegt als das kleinere Mate S.

Auf der rechten Seite finden sich die Lautstärke-Wippe und direkt darunter die Power-Taste wieder, die aufgrund der Größe allerdings ruhig etwas weiter unten hätten platziert werden können. So wird es nur schwerer das HUAWEI Mate 8 in einer Hand zu halten und auch einzuschalten. Da der Power-Button jedoch leicht strukturiert ist, lässt er sich auch blind noch bestens erfühlen. Im Gegensatz dazu ist die Lautstärke-Wippe des HUAWEI Mate 8 nicht strukturiert. Was die beiden hingegen eint ist ein sehr direkter und auch deutlich spürbarer Tastendruck. Die linke Seite beherbergt den HUAWEI-typischen Hybrid-Slot, welcher sowohl eine Micro-SIM als auch MicroSD aufnimmt oder zwei Micro-SIM-Karten.

Auf der Unterseite sitzt auch bei dem HUAWEI Mate 8 die MicroUSB-Buchse. Warum HUAWEI allerdings auf  USB Typ-C verzichtet erschließt sich uns nicht: Bei einem Premium-Smartphone wie dem HUAWEI Mate 8, was nicht mehr so preiswert wie sein Vorgänger ist, hätte man dies durchaus erwarten können.

Die Buchse selbst wird erneut von zwei Lautsprecher-Öffnungen flankiert, was optisch den Eindruck von Stereo-Klang erweckt – was es aber letzten Endes wie zu erwarten nicht ist. Als kleines Design-Schmankerl bietet das HUAWEI Mate 8 wieder zwei kleine Sechskant-Schrauben an den Außenseiten der Unterseite, was einen interessanten Look ausmacht.
Die Stirnseite wiederum ist lediglich mit einem Mikrofon versehen und der 3,5 mm Audio-Buchse für das Kabel-Headset.

Auf der Rückseite gibt es jedoch einige Veränderungen, die hauptsächlich optischer Natur sind. So ist sowohl die Einrahmung der Kamera als auch der Fingerabdruck-Sensor nun kreisrund anstelle von rechteckig. Man könnte meinen, HUAWEI hat das Design des Nexus 6P übernommen. Im Fall des Fingerabdruck-Sensors ist das sogar ein Stück weit als positiv zu betrachten, da so der Finger besser Halt findet auf dem Sensor.

Ansonsten sind lediglich noch der zweifarbige Blitz links neben der Kamera und das HUAWEI-Logo im unteren Bereich der Rückseite zu sehen. Einen Lautsprecher gibt es nicht.

Mit 185 Gramm ist das HUAWEI Mate 8 für seine Größe und dem Metallgehäuse erstaunlich leicht geraten, zumal es vom Gewicht her hervorragend aus tariert ist. Will heißen, dass es weder zu Kopf- noch zu Bodenlastig. Leider werden Besitzer eines HUAWEI Mate S nicht viel Neues sehen: Man könnte es auch als die kleinere Version des HUAWEI Mate 8 bezeichnen, wenn auch etwas weniger leistungsfähig.

 

Display

Mit 6 Zoll war schon das HUAWEI Ascend Mate 7 kein handliches Smartphone und auch das HUAWEI Mate 8 kann diesen Titel nicht für sich beanspruchen. Auch wenn die 1.920 x 1.080 Pixel des Vorgängers übernommen wurden, so hat die Entscheidung auf QuadHD zu verzichten auch ihre unbestreitbaren Vorzüge, aber dazu später mehr.

Wichtiger ist, dass sich das Phablet bei der Darstellung abseits der für viele in dieser Größenordnung zu niedrigen FullHD-Auflösung sich kaum eine Schwäche leistet. Farben sind kräftig ohne dabei AMOLED-Niveau zu erreichen, Weiß ist wirklich Weiß, das Schwarz kommt an die Schwarzwerte eines OLED-Panel heran und auch die Helligkeit weiß zu begeistern. Vor allem wenn man das AMOLED-Display des HUAWEI Mate S zum Vergleich heranzieht, dann kann das IPS-NEO-Panel des Mate 8 punkten – selbst aus flachen Blickwinkeln. Wem die Darstellung nicht passt, kann in den Einstellungen für das Display die Farbwiedergabe bis zu einem gewissen Grad anpassen

Wie fast schon üblich in der Premium-Klasse ist das Display mit Corning Gorilla Glass 4 vor etwaigen Kratzern geschützt und an den Rändern leicht abgerundet, was im allgemeinen als 2.5D Glas bezeichnet wird. Warum HUAWEI jedoch wieder auf ein Force-Touch-fähiges Display verzichtet, nachdem dieses im HUAWEI Mate S zur IFA 2015 gezeigt wurde, bleibt unverständlich. Für ein Premium-Smartphone wie das Mate 8 wäre das eine wichtige Voraussetzung gewesen, um den ersten großen Aha-Moment des Jahres zu setzen. So lässt sich dieser Punkt bestenfalls unter „versäumte Chance“ in den Akten ablegen.

 

CPU und GPU

Schon der Vorgänger setzte auf einen Prozessor aus eigener Entwicklung und auch im HUAWEI Mate 8 kommt wieder eine Kirin-CPU zum Einsatz. Nur handelt es sich dieses Mal um den neusten HiSilicon Kirin 950 mit acht Kernen und mächtig viel Dampf. Die vier Cortex A72 Kerne mit bis zu 2,3 GHz sorgen für ordentlich Power, während die vier Cortex A53 Kerne mit bis zu 1,8 GHz für die ruhigeren Momente und die Prozesse im Leerlauf zuständig sind. Zusammen ergibt das eine Leistung von 86.261 Punkten im AnTuTu Benchmark.

Nicht nur dadurch ist die Bedienung des riesigen Android Smartphones jederzeit flüssig. Auch die verbauten 3 GB RAM haben daran ihren Anteil, dass nicht nur der Wechsel durch mehrere geöffnete Apps flüssig vonstatten geht, sondern auch Mikro-Ruckler quasi nicht zu sehen sind. Nicht zuletzt ist dies mit dadurch der Fall, dass der Kirin 950 nur eine FullHD-Auflösung ansteuern muss und kein QuadHD. Der Rechenaufwand bei 2.560 x 1.440 Pixel ist nun mal bedeutend größer als bei 1.920 x 1.080 Pixel.

 

Auch bei der Grafikeinheit setzt HUAWEI auf das Neuste was die Technik zu bieten hat. Noch vor Samsung mit deren Exynos 8890 kommt eine ARM Mali T880 zum Einsatz. Im Unterschied zur Konkurrenz jedoch nur mit vier Grafik-Kernen, was sich auch in der Leistung widerspiegelt: Der Kirin 950 des HUAWEI Mate 8 bleibt leistungstechnisch bei der Grafik sogar hinter einem Exynos 7420 im Samsung Galaxy S6 zurück. Das bedeutet aber nicht, dass grafisch anspruchsvolle Spiele nicht trotzdem funktionieren würden. Mit einem Real Racing 3, Dead Trigger 2 oder auch GTA San Andreas kommt das HUAWEI Mate 8 bestens zurecht.

 

Akku

Schon das Mate 7 war als Ausdauerläufer bekannt, was nicht zuletzt am riesigen Akku mit 4.100 mAh Kapazität lag. Mit 4.000 mAh ist der Akku des HUAWEI Mate 8 zwar nominell geringfügig kleiner, was sich aber nicht in der Ausdauer bemerkbar macht. Selbst wenn man das Android Smartphone intensiver nutzt mit täglichem surfen, fotografieren, chatten, dem Spielchen am Abend – man will ja die Rundenzeiten bei Real Racing 3 verbessern – und dem eBook lesen in der Bahn, dann ruft das Smartphone im Schnitt nach anderthalb Tagen nach der Steckdose.

Nutzt man es weniger intensiv, dann sind sogar zwei Tage und mehr locker drin. Hierbei macht sich der mit Android 6.0 Marshmallow eingeführte Doze-Modus bemerkbar, welcher im Standby den Energieverbrauch auf ein Minimum reduziert.

Wer ein möglichst ausdauerndes Smartphone sucht, wird mit dem HUAWEI Mate 8 definitiv glücklich werden.

 

Konnektivität

Premium erwartet man bei einem Preisschild von knapp 600 Euro auch im Bereich der Verbindungsmöglichkeiten. In dieser Disziplin enttäuscht das HUAWEI Mate 8 nicht in den wesentlichen Punkten, denn neben WLAN-ac auf zwei Kanälen (2,4 und 5 GHz), Bluetooth 4.1, einem LTE-Modem mit nur LTE Cat4 (bis zu 150 Mbit/Sekunde im Download) und NFC ist wirklich alles vorhanden was man sich wünscht.

Nur das HUAWEI auch weiterhin auf einen normalen MicroUSB Port vertraut dürfte den ein oder anderen ein wenig ärgern. An mangelnder Erfahrung kann es nicht liegen, denn mit dem Nexus 6P hat HUAWEI nicht nur ein aktuelles Premium-Smartphone in ähnlicher Größe im Angebot, sondern auch einen USB Typ-C verbaut.

Löblich ist zu erwähnen, dass auch das europäische Modell in der kleinsten Variante dieses Mal mit Dual-SIM-Unterstützung erhältlich ist. Zu beachten ist dabei, dass lediglich die erste SIM-Karte auch im LTE-Netz surfen kann. SIM-Karte Nummer Zwei muss sich wie bei den meisten Dual-SIM-fähigen Smartphones mit 2G-Verbindungen begnügen, weswegen diese SIM in erster Linie für kostengünstige Telefonate von Interesse ist – oder wenn man unter seiner eigenen Nummer im Urlaub erreichbar sein will/muss.

Die Verwaltung beider SIM-Karten ist gewohnt einfach möglich über ein gesondertes Menü in den Einstellungen. Dort kann man nicht nur festlegen, welche SIM bei welchen Aktionen als Standard definiert werden soll, sondern man kann auch die Rufnummern beider Karten einsehen und eine der beiden SIM-Karten ausschalten.

Die Gesprächsqualität lässt sich als gut bezeichnen, die keine nennenswerten Schwächen besitzt. Beide Teilnehmer sind laut und deutlich zu verstehen, selbst wenn im Hintergrund eine Baustelle oder viel befahrene Straße ist. Das heißt, dass die Geräuschunterdrückung hervorragende Dienste leistet.

 

Kamera

Im HUAWEI P8 und dem HUAWEI Mate S hatte der chinesische Konzern gezeigt, wozu eine Smartphone-Kamera in der Lage sein kann. Ein IMX258 Kamera-Sensor von Sony mit einem zusätzlichen RGBW-Sensor produzierte hervorragende Bilder, nur ist das HUAWEI Mate 8 nicht mal annähern so gut. Warum sich die Chinesen für einen IMX298 mit einer Pixelgröße von 1,12 Mikrometer, einen Autofokus mit Phasenerkennung und den Verzicht des RGBW-Sensor entschieden haben ist schwer nachvollziehbar.

Denn so bleibt das HUAWEI Mate 8 mit seiner 16 Megapixel Kamera deutlich hinter den Ergebnissen der genannten anderen Smartphones liegen. Trotz optischem Bildstabilisator liegt die Bildschärfe unterhalb dessen, was ein Mate S imstande ist zu leisten und das mit nur 13 Megapixel Auflösung. Allerdings ist dies nur im automatischen Modus zu beobachten. Wechselt man zum manuellen Profi-Modus und regelt die Fokussierung selbst, dann werden Bilder scharf, Detailreich und farblich relativ ausgewogen. Einzig bei der Helligkeit und der Brillanz von Farben braucht es noch einiges an Feinjustierung bei der Kamera-Software des HUAWEI Mate 8.

Die Verwendung des HDR-Modus hat nur bedingt geholfen, da dieser zu ausgewaschenen Bildern neigte und auch bei Farben sowie Kontrasten keine deutlich besseren Fotos lieferte. Ein sichtlich besseres Bild liefert das HUAWEI Mate 8 hingegen in der Dunkelheit, denn hier kann die Kamera mit einer Blende von f/2.0 erstaunlich viel Licht einfangen. Dennoch neigt auch hier der Fokus zu einer fehlerhaften Justierung

Kurzum, die Kamera des Phablet enttäuscht und wird dem Premium-Anspruch des Gerätes nicht gerecht. Das zeigt auch der Vergleich zur Canon EOS 600D, einem Samsung Galaxy S5 und dem HUAWEI P8, dessen Kamera uns regelrecht begeisterte (zum Test). Im Anschluss gibt es auch noch den Vergleich zwischen Fotos ohne und mit HDR.

Videos teilen überwiegend dasselbe Schicksal und werden mit maximal FullHD bei bis zu 60 Frames pro Sekunde aufgenommen. Sie haben jedoch eine sichtlich bessere Bildqualität im direkten Vergleich zum HUAWEI Mate S, insbesondere was die allgemeine Bildschärfe anbelangt. Zumindest wenn man im normalen FullHD-Modus mit 30 Frames die Sekunde arbeitet. Verdoppelt man die Framerate, dann nimmt die Bildqualität sichtlich ab, wie als wenn der Image Signal Prozessor (ISP) des Kirin 950 die Bilder des FullHD-Streams herunter rechnet und dann wieder hoch skaliert. Auffallend ist, dass der optische Bildstabilisator mit seinen 3 Achsen etwas zu ruckartig reagiert und nicht so weich wie bei Samsung oder LG, was sich bei teilweise harten Neupositionierungen des Bildes bemerkbar macht.

Bleibt zu hoffen, dass die Kamera-App künftig ein paar Updates erhält auf technischer Ebene, denn weder bei der Oberfläche noch den Funktionen braucht sich HUAWEI zu verstecken. So gibt es eine Vielzahl an klassischen Aufnahme-Modi als auch einen Professionell-Modus, welcher direkten Einfluss auf Belichtung, Weißabgleich, ISO-Wert, Fokussierung, Auslöse-Verzögerung und mehr gewährt. Selbst die Lichtmalerei und andere Aufnahme-Modi, die von einer besonders langen Belichtung Gebrauch machen. In diesem Punkt gibt es kaum etwas zu beanstanden.

So bleibt festzuhalten, dass HUAWEI im Bezug auf die Bildqualität noch einiges aufzuholen hat, was sich nur bedingt mit der Software beheben lässt. Der Wechsel des Sensors alleine ist zwar zu begrüßen zwecks höherem Detailgrad, aber der Verzicht auf einen zusätzlichen RGBW-Sensor macht sich leider zu stark bemerkbar.

 

Multimedia

War der interne Speicher des HUAWEI Ascend Mate 7 mit 16 GB noch für damalige Zeiten ausreichend dimensioniert, so nimmt sich HUAWEI ein Beispiel an Samsung und bietet das HUAWEI Mate 8 in drei verschiedenen Speichergrößen an. Unser Modell ist die kleinste Variante mit 32 GB internem Speicher, von welchem dem Nutzer gut 24,22 GB zur freien Verfügung stehen. Wem das nicht reicht, der kann auch bis zu 200 GB große MicroSD-Speicherkarten benutzen, büßt dafür aber die zweite SIM-Karte ein.

Zum Beispiel für Musik, die man über die Kopfhörer des Android Smartphones hören möchte. Denn auch wenn es so aussieht, verfügt das HUAWEI Mate 8 nicht über Stereo-Lautsprecher. Lediglich im linken Lautsprecher kommt Ton aus dem Metallgehäuse heraus, die andere Seite dient lediglich zur Zierde. Dessen Klang ist zwar kräftig, aber auch von Verzerrungen und blechernen Tönen in den höheren Bereichen

Der Musikplayer selbst ist nüchtern in seiner Oberfläche und stellt das Cover, sofern es als Meta-Daten in dem Musikstück integriert ist, in einem runden Fenster dar und passt den Hintergrund farblich entsprechend an. Erinnert in gewisser Weise an eine Schallplatte. Interessant ist, dass der Player auf Wunsch sogar eingebettete Songtexte verarbeiten und anzeigen kann.

Auch für Videos und Bilder hat HUAWEI mit der Emotion UI eigene Apps vorinstalliert, die man als reine Offline-Alternative für die Google-eigenen Apps Play Music, Play Movies oder Google Fotos nutzen kann.

 

Software

Neben dem HTC One A9 ist das HUAWEI Mate 8 eines der ersten Android Smartphones, die mit einem vorinstallierten Android 6.0 Marshmallow ausgeliefert werden. Darüber legt HUAWEI wieder seine eigene Emotion UI kurz EMUI in der neuen Version 4.0, die nur noch bedingt an das klassische Android von Google und der Nexus-Reihe erinnert.

Optisch hebt sich die neue EMUI 4.0 nicht sonderlich von der Vorgänger-Version an, sodass nach wie vor das klar strukturierte, auf eine dunklere Milchglas-Optik ausgerichtete Design zum Einsatz kommt. Lediglich bei kleineren Details gibt es Veränderungen wie zum Beispiel im Task-Switcher. Anstelle bis zu vier offene Apps gleichzeitig darzustellen, sind diese nun in Form eines Karten-Karussells angeordnet, durch welches man durchblättert. Das ermöglicht zugleich neue Funktionen: Wischt man die Vorschau nach unten wird die App gesperrt, wischt man jedoch nach oben wird diese geschlossen und aus dem RAM-Speicher geworfen. Eine App sperren bedeutet in diesem Fall, dass die RAM-Verwaltung die App nicht selbstständig beenden kann.

Interessant ist zudem, dass die EMUI 4.0 auf dem HUAWEI Mate 8 eine eingebaute Screen-Recording-Funktion besitzt: Einfach mit zwei Knöchel zweimal auf das Display klopfen und schon sollte ein Video mit 15 Frames bei 1.280 x 720 Pixel aufgenommen werden. Zum Aufzeichnen von bestimmten Funktionen und dem anschließenden Teilen mehr als ausreichend.
Ganz neu bei der EMUI 4.0 ist die sogenannte Doppelfenster-Geste, mit deren Hilfe man eine Split-Screen-Darstellung für zwei Apps aktiviert. Einfach mit dem Finger eine horizontale Linie über die Mitte des HUAWEI Mate 8 Touchscreen zeichnen und schon sollte diese aktiviert werden. Alternativ kann man auch die Taskmanager-Taste gedrückt halten, um die Split-Screen-kompatiblen Apps einzublenden. Bisher sind hauptsächlich HUAWEI-eigene Apps verfügbar, was sich durch Freigabe einer API eventuell in Zukunft ändern könnte, ähnlich dem Vorbild von Samsung und dessen Multi-Window-Implementation.

Ansonsten zeichnet sich die neue Emotion UI 4.0 durch ein erheblich aufgeräumtes Menü in den Einstellungen aus, wo einzelne Menüpunkte zum Teil in Unterkategorien einsortiert sind. Außerdem beherrscht der Homescreen nun einen Querformat-Modus, was bei einem Smartphone mit 6 Zoll großem Display eine erhebliche Erleichterung darstellt. Außerdem können Nutzer über den Berechtigungsmanager einzelnen Apps auf Wunsch Berechtigungen entziehen. Eine Funktion, die erst mit Android 6.0 Marshmallow so überhaupt möglich ist. Man kann sogar die Pixeldichte der Darstellung anpassen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der Audio-Rekorder um einige Funktionen erweitert wurde und einen intelligenten Modus in Kombination mit drei Mikrofonen besitzt. Im Interview-Modus erkennt das HUAWEI Mate 8 welche der beiden Seiten gerade spricht und passt die Aufnahme entsprechend an. Im Meeting-Modus wiederum kann es eine einzelne Audioquelle erkennen und diese ebenso verstärken.

Natürlich darf auch der bei vielen sehr positiv aufgenommene Telefon-Manager nicht fehlen, der eine ganze Reihe an nützlichen Funktionen der Emotion UI an einer zentralen Stelle vereint. Dazu gehören diverse Filter für unerwünschte Rufnummern, eine Übersicht über aktive und zu viel Strom verbrauchende Apps, das Verwalten von Benachrichtigungen einzelner Apps; Energie- sowie Leistungsprofile und noch einiges mehr.

Wirklich ärgerlich insbesondere bei dem 6 Zoll Display: DoubleTap2Wake wird nicht unterstützt. Sprich man kann nicht mit einem doppelten Tap auf das Display des HUAWEI Mate 8 dieses einschalten, geschweige denn wieder ausschalten.

 

Sicherheit mit Fingerabdruck…

Natürlich ist auch der Fingerabdruck-Sensor wieder mit dabei, welcher schon im HUAWEI Ascend Mate 7 für Begeisterung sorgte. An dessen grundlegender Benutzung hat sich nichts geändert: Er erkennt den Fingerabdruck sehr schnell, kann das Phablet auch direkt aus dem Standby heraus Einschalten sowie Entsperren und ist enorm zuverlässig bei der Erkennung.

Leider hat HUAWEI die praktischen Funktionen zum Scrollen durch die Galerie, Listen und andere Touch-Gesten nicht komplett übernommen. Einzig als Auslöser für die Kamera, dem Annehmen von eingehenden Gesprächen oder dem Stoppen eines Alarms lässt sich der Sensor auf der Rückseite nutzen. Eigentlich schade, denn so verschenkt HUAWEI einiges an Potential, was manche Mate S Besitzer mittlerweile sehr zu schätzen wissen.

…und zu gut gemeinte App-Sicherheit

Leider hat HUAWEI auch mit der EMUI 4.0 auf dem HUAWEI Mate 8 noch so seine lieben Probleme mit Apps, welche auf die sogenannten Eingabehilfen zugreifen. Dabei handelt es sich für gewöhnlich um Widgets sowie Apps die dauerhaft im Hintergrund laufen müssen wie ein Homescreen-Ersatz im Stile des Nova Launcher und Konsorten.

HUAWEI schützt die Oberfläche vor zu lange inaktiven Apps, die ein potentielles Sicherheitsrisiko darstellen und heimlich Daten ohne das Wissen der Nutzer ausspionieren könnten. Deswegen werden nach einer gewissen Zeit bei deaktiviertem Display diese Apps automatisch beendet, auch wenn der Schalter in den Eingabehilfen auf „An“ gestellt ist.

Damit diese Apps trotzdem weiterhin problemlos funktionieren, muss man zusätzlich unter Einstellungen -> Apps -> Die-gewünschte-App -> Akku einen Haken bei der Option „Bildschirm aus: Weiter ausführen“ setzen. Erst dann bleiben Apps mit Zugriff auf die Eingabehilfen und Widgets komplett aktiv im Speicher, ohne von der eingebauten EMUI Schutzfunktion behelligt zu werden.

 

Fazit zum HUAWEI Mate 8

Mit 599 Euro unverbindlicher Preisempfehlung beweist auch das HUAWEI Mate 8, dass die chinesische Marke längst im Premium-Bereich angekommen ist. Mit einem Metall-Gehäuse, noch immer perfektem Fingerabdruck-Sensor und einem bärenstarken Prozessor der seinesgleichen sucht, zeigt das Phablet aber auch einiges für das Geld. Trotz 6 Zoll großem Display wirkt das Android Smartphone aufgrund maximaler Display-Ausnutzung gar nicht so groß und spielt in diesem Punkt, in einer Liga mit dem Nexus 6 von Motorola.
Enttäuschend ist jedoch die Kamera, denn diese wird dem Preis nicht gerecht. Hier bleibt nur zu hoffen, dass HUAWEI umgehend ein Update mit deutlich verbesserter Kamera-Software nach reicht, denn nominell müsste das HUAWEI Mate 8 bessere Bilder machen können. Weiterhin enttäuschend ist der fehlende USB Type-C Port, der im Jahre 2016 sich nun so langsam zum Standard etablieren sollte. Auch das wohl „zu früh“ präsentierte Force Touch Display hätte man in einem HUAWEI Mate 8 erwarten können.
Bei der Software hat es einige sinnvolle Erweiterungen gegeben, die zum Teil auch Android 6.0 Marshmallow zu verdanken sind, sodass das HUAWEI-Phablet mit der sogenannten Doppelfenster-Geste einmal mehr zu einer ernsthaften Alternative zum aktuellen Galaxy Note von Samsung geworden ist – wenn auch nicht mehr im Bezug auf den Preis. Auch wenn einige Erwartungen nicht befriedigt wurden, so ist das HUAWEI Mate 8 nach wie vor eines der Android Spitzen-Smartphones in allen Bereichen.

Positiv
  • Performance
  • Experten Kamera-Modus
  • Design
  • Durchdachte Funktionen
  • Display
  • Verarbeitung
  • Akkuleistung
Negativ
  • Fotoqualität
  • Kein USB Typ-C
  • Kein Force Touch Display
  • Kein Double Tap 2 Wake

huawei-mate-8-testurteil-androidtv

Wertung
Geschwindigkeit 5/5
Display 5/5
Funktionalität 4/5
Verarbeitung 5/5
Preis 4/5

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Mann mit Bart und Faible für Smartphones und Tablets jeder Plattform, doch eindeutig bekennender Androidliebhaber.

5 Kommentare

  1. Markus schreibt:

    „Leider hat HUAWEI die praktischen Funktionen zum Scrollen durch die Galerie, Listen und andere Touch-Gesten nicht komplett übernommen. “

    Wieso? Kann ich nicht verstehen, genau das macht so ein Phablet doch wieder besser benutzbar, auch mit einer Hand, zum Beispiel das anschauen der Benachrichtigungsleiste fand ich extrem nützlich.

  2. Dieter Schneid schreibt:

    Vielen Dank für den tollen und so wie ic finde besten Test vom Mate 8. Fair und unvoreingenommen beurteilt.
    Für michbedetet day ich dann doch eher zum mate s greifen werde. Mal sehen was das mit dem iPhone Display kostet.
    Habt ihr da schon infos, auch wann es kommt?

  3. USB NICHT TypC. Das habe ich jetzt 4x gelesen.
    Welcher Typ ist es denn jetzt?

    • Hallo Jan,

      Das Huawei Mate 8 hat wie alle Smartphones die keinen USB Type-C haben, einen Micro USB Type-B nach europäischer Norm EN 62684:2011.

      Entschuldigung, wir dachten das sei klar.

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