[Test] Huawei P9 Lite – Einmal ohne Leica bitte schön

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huawei-p9-lite-testAuf der internationalen Präsentation der Huawei P9 Generation, stellte der chinesische Hersteller in London lediglich das Huawei P9 und P9 Plus Smartphone vor. Aufgrund der Premiumklasse und deren nach oben angepassten Preisen, dürfte für viele jedoch das Huawei P9 Lite das interessantere Android Smartphone sein. Wir haben uns einmal getestet inwieweit die „leichte“ Version des P9 Trio auch ohne Leica Dual-Kamera überzeugen kann.

Vermutlich war auch genau das Fehlen der Leica Kamera der Grund für ein ausbleiben der offiziellen Präsentation des Huawei P9 Leichtgewicht in London. Sei es drum, nun ist auch das P9 Lite zu einem UVP von 299 Euro käuflich zu erwerben, weswegen wir uns doch einmal genauer anschauen wollen inwiefern denn zu dem P9 (zum Test) oder gar P9 Plus gegriffen werden muss.

Design und Verarbeitung

Da wir als Presse-Teststellung nur eine blasse Pappschachtel erhalten haben, in der mehr oder weniger das Android Smartphone lieblos verpackt ist, können wir auch wenig Auskunft über das handelsübliche Erlebnis des „unboxing“ wiedergeben. Doch zu der eigentlichen Verarbeitung des Smartphone lasst mich ein paar Worte verlieren.

Huawei hat bei seinem P9 Lite – anders als bei den beiden größeren Modellen – Kunststoff als Gehäusematerial verwendet, was bei der Gewichtsreduzierung zu glatten 147 Gramm geführt hat. Lediglich der Rahmen ist aus Metall und liefert so eine hochwertigen Haptik. Die Kunststoff-Rückseite deutet eine Metallmaserung an, ist aber bis auf die obere Kamera-Abdeckung stumpf verarbeitet und bietet so einen sicheren Halt in der Hand.

Auch Kanten, Antennenführungen und Übergänge sind wie bei Huawei gewohnt sauber verarbeitet und geben samt Tastendruck und Sitz derer keinen Grund zu Klagen.

Display

Alle 3 Huawei P9 Modelle verfügen über eine Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixel unterscheiden sich dennoch deutlich in der Qualität. Während das Plus Modell nicht nur 5,5 Zoll einen größeres Display hat, verwendet es anders als das Lite und das normale P9 ein Super AMOLED Display zuzüglich der Press Touch Technologie.

Über dessen Mehrwert kann man aufgrund wenig Unterstützung vortrefflich streiten, dennoch nutze ich bei meinem Plus Modell Tag täglich das Druck sensitive Display für die 3 „unsichtbaren“ Buttons der Navigationsleiste.

Weiterhin hat das Plus als auch das Standard P9 ein 2.5 curved Display, welches zusätzlich für ein positives Benutzer-Erlebnis führt. Aber was ist mit den Farbwerten als  auch der Darstellung. Auch hier muss ich gestehen hat das Display gegenüber dem P9 (zum Test) das Nachsehen. Blickwinkel, als auch Farbtemperatur sind jetzt nicht schlecht – eher im Gegenteil – aber gegenüber dem P9 oder P9 Plus schlechter. Der dominante Blauwert lässt sich jedoch Software-seitig korrigieren.

Während das In-Cell Display auch in den Kontrastwerten noch Spielraum zur Optimierung hat, sind die Werte für die Helligkeit (432 cd/m²) wieder überragend.

CPU und GPU

Neben dem Display und dem Akku – zu dem wir gleich noch kommen – ist natürlich heute mehr denn je der verbaute Prozessor eine wichtige Kaufentscheidung. Zumindest wenn der Nutzer immer grafisch aufwendigere Spiele auf dem Android Smartphone spielen möchte.

Huawei verbaut traditionell Prozessoren aus der eigenen HiSilicon Fertigung. Während im P9 (zum Test) und P9 Plus mit dem Kirin 955 das Beste vom Besten verbaut ist, muss die Lite Version mit dem Kirin 650 Vorlieb nehmen.
Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine 64-Bit Octa-Core-CPU auf Basis der Cortex A53, doch takten diese mit 4 x 2,0 und 4 x 1,7 GHz was sich natürlich auch in einem entsprechenden AnTuTu Benchmarktest und 53.035 Punkten bemerkbar macht. Weit entfernt von einem 100-Tausender Wert.

Doch was sich natürlich bei echten Hardcore-Games trotz Mali-T830 MP2 und 3 GB Arbeitsspeicher bemerkbar macht, im Alltag ist zu keinen Zeitpunkt ein Unterschied zu den deutlich teureren Modellen zu verspüren. App-Start, Nutzung und Wechsel zwischen mehreren Anwendungen laufen geschmeidig und ohne Ruckler über die Bühne.

Technische Daten des Huawei P9 Lite

Technische Daten


Prozessor

64-Bit HiSilicon Kirin 650 Octa-Core-CPU
mit 4 x 2,0 + 4 x 1,7 GHz
GPU: ARM Mali-T830 MP2

Betriebssystem

Android 6.0.1 Marshmallow mit Emotion UI 4.1

Interner Speicher

16 GB Interner Speicher (erweiterbar per MicroSD)

RAM

3 GB

Modellbezeichnung

VNS-L31

Display

5,2 Zoll IPS LCD Display mit 1.920 x 1.080 Pixel, 424 ppi

Anschlüsse

MicroUSB, 3,5mm Audio Klinkenanschluss

Sensoren

Beschleunigung, Gyroskop, Annäherung, Licht, HALL, eKompass und Fingerabdruck

Abmessungen (HxBxT mm)

146,8 x 72,6 x 7,5 mm

Gewicht

147 Gramm

Gehäusematerial

Kunststoff, Metallrahmen

Kamera

13 Megapixel Hauptkamera BSI AF, 8 Megapixel Frontkamera

Internet

WLAN b/g/n

Bluetooth

4.1

Akkutyp

Fest verbauter Li-Ion

Kapazität

3,8 V/3.000 mAh

Gesprächszeit

n/a

Standby-Zeit

610 Stunden

Netz

GSM 850/900/1800/1900,
UMTS 900/2100 MHz,
LTE 800/1.800/2.600 MHz

Preis

UVP 299 Euro
Besonderheit NFC, Fingerabdruck-Sensor, Touch Knuckle 2.0, Kamera mit Pro-Modus

Akku

Ein, zwei Worte zu dem 3.000 mAh starken Akku, der für viele inzwischen zu einem wichtigen Kriterium mutiert ist. Die Zeiten eines Nokia Handys, bei dem man sich selten Gedanken über die nächste Steckdose machen musste sind im Zeitalter der Taschen-Computer mit großen Display schon lang vorbei.

Auch wenn man aufgrund der Vielfalt von Funktionen nahezu sein Smartphone den ganzen Tag lang nicht aus der Hand legt, hat Huawei es geschafft das P9 Lite einen Tag lang von der Steckdose entfernt zu halten. Ein Umstand den die Vorgänger leider nicht teilten.
Wer nicht zu den Dauerchatter via WhatsApp Messenger gehört, kann sogar 2 Tage am Stück hinlegen. Saubere Arbeit Huawei!

Der Akku lässt sich ohne entsprechendes Spezialwerkzeug nicht wechseln und ist auch nicht mithilfe der Qi-Technologie kabellos zu laden. War aber auch in der Preisklasse nicht zu erwarten.

Konnektivität

Telefon- und Datentechnisch ist das Huawei P9 Lite mit allen nötigen Frequenzbändern ausgestattet, welche wir hierzulande so nutzen, inklusive dem Band 20 (800 MHz) welches uns chinesische Hersteller ab und an nicht gönnen. Das Ganze in einer Geschwindigkeit von Cat 6, was bei entsprechender Unterstützung 300 MBit/s ermöglichen könnte.

Die Telefon-Sprachqualität ist für beide Seiten ohne Klage und von guter Qualität. Auch die Software-seitige Geräuschunterdrückung verrichtet zuverlässig seinen Dienst.

Etwas schade ist zum einen der fehlende USB Type-C Port der aber im P9 auch nur die 2.0 Geschwindigkeit erreicht und zum anderen die fehlenden a und ac Wi-Fi-Bänder samt schneller 5 GHz Frequenz. Diese haben die beiden größeren P9 Modelle beide an Bord.

Kamera

Ein ganz großes Thema ist in der Geschichte des Huawei P9, die Kooperation zu dem deutschen Traditionsunternehmen Leica und dessen resultierend Dual-Kamera. Auf diese verzichtet das Huawei P9 Lite komplett. Wobei das nicht so ganz stimmt. Zumindest die Pro-Kamera-Software hat das Unternehmen übernommen, was ein wenig verwundert, da hier ebenfalls Leica seine Finger im Spiel hatte.

Durch diesen lassen sich mit etwas Ahnung wieder die zugegeben etwas schlechteren Ergebnisse der 13 Megapixel Kamera samt Sony Exmor BSI (back side illumination) Sensor kompensieren. Auch bei dem P9 Lite hat man bei einem optischen Bildstabilisator zugunsten des flach abschließenden Modul verzichtet.
Apropos abschließend – keine Ahnung ob dies nur bei unserem Smartphone so war, aber das Objektiv ist leicht nach unten geneigt. Ein Umstand den man aber nur bei sehr genauen Hinschauen entdeckt. Sinn oder Unsinn ist mir aber nicht geläufig.

Während es bei den Fotoergebnissen zum Rand hin leichtes Rauschen gibt, ist die Farb-Dynamik und – Treue sehr realistisch und kann auch mit sehr guten Smartphone Kameras mithalten.

Als Frontkamera hat Huawei dem P9 Lite eine 8 Megapixel Kamera verbaut, die wie inzwischen bei vielen chinesischen Herstellern mit einem Beauty-Modus verfügt, der wohl im Heimatland traditionell dazu gehört und hierzulande eher zu erschreckenden Entstellungen im Ergebnis führen.

Software

Womit wir eigentlich auch schon bei dem nächsten Thema – der Software angekommen sind. Huawei spendiert auch dem P9 Lite Smartphone die „noch“ aktuellste Version Android 6.0.1 Marshmallow. Darüber gibt es die hauseigene Benutzeroberfläche Emotion UI ebenfalls als neueste 4.1 Version.
Diese zeichnet sich in der Regel augenscheinlich aufgrund des fehlenden App-Drawer aus, welchen man aber mit der Installation eines alternativen Launcher aus dem Weg gehen kann. Auch was die Icon Auswahl und das Design im allgemeinen anbelangt zeigt sich das Unternehmen erfreulich variabel und stellt eine Design Anwendung zur Verfügung mit der man seiner Individualität Ausdruck verleihen kann.

Unangenehm fällt gerade bei dem fehlenden App-Drawer die Kooperation zu Gameloft auf, gleich einmal 7 Spiele sind vorinstalliert, welche sich zu allerlei anderer Software wie unserem Kooperationspartner News Republic, WPS Office, Todoist und weitere. Diese lassen sich zwar deinstallieren – schöner wäre jedoch wenn man diese Entscheidung dem Kunden überlässt.

Auch die hauseigenen Anwendungen wie Kompass, Fitness, Rechner, Spiegel, Taschenlampe, Radio oder der Musik-Player der auch Texte erkennt und anzeigt ist mit an Bord.

 

Multimedia

Was uns nun unweigerlich zum letzten Punkt unseres ausführlichen Testbericht des Huawei P9 Lite bringt: Der Multimedia-Qualitäten des Android Smartphones. Das P9 Plus verfügt ja über 2 Frontlautsprecher, die eine Art Stereo-Klangbild im Quermodus liefern sollen. Ich habe das Smartphone vorzuliegen und kann euch mitteilen: Das ist nichts was ihr dringend in eurem P9 Lite braucht.
Der unten positionierte Lautsprecher ist für den normalen Gebrauch vollkommen ausreichend.
Im übrigen – auch wenn unter rechts und links den Eindruck vermitteln 2 Lautsprecher verbaut zu haben, so muss ich euch enttäuschen, es kommt nur rechts Musik raus.

Für das Radio benötigt ihr ein Headset als Antenne – zu etwas anderem ist das mitgelieferte Headset auch nicht zu gebrauchen. Der Klang ist einer weiteren Bewertung nicht würdig.

Auch das P9 Lite verfügt über einen Fingerabdrucksensor der sogar noch einen Tick besser als der vom P9 sein soll. Da der aber schon sehr gut ist, weiß ich auch nicht wie ich dem noch eine bessere Bewertung vergeben soll.

Eine nicht ganz unwesentliche Sache ist natürlich noch der verbaute Speicher. Das Huawei P9 Lite verfügt leider nur über knappe 16 GB internen Programmspeicher, von dem bei Auslieferung noch knapp 9,50 GB frei sind. Nach Entfernung der Bloatware kommt man wahrscheinlich über die 10 GB Grenze. Dennoch ist die Verwendung einer MicroSD-Speicherkarte nahezu eine Pflichtkür, die laut Herstellerangaben bis zu 128 GB groß sein darf.

Fazit zum Huawei P9 Lite

Huawei hat einmal wieder erwartungsgemäß positiv für ein Mittelklasse Smartphone abgeliefert. Größter Konkurrent dürfte in der Preisklasse von 299 Euro mit Sicherheit das eigene Tochterunternehmen Honor sein, welches aber nur Online seine Produkte vertreibt.
DAs Huawei P9 Lite hat keine echten Highlights – einmal von dem überragenden Fingerabdrucksensor abgesehen – gibt aber andererseits auch keinen Grund zu Klagen. Eben ein echtes Mittelklasse Smartphone, welches Dank 13 Megapixel Kamera gute Fotos liefert und seinen Besitzer mit einem 3.000 mAh starken Akku sicher über den Tag bringt.
Stellt sich also die Frage ob P9 Lite, P9 oder gar P9 Plus, so reicht dem Durchschnittsanwender das P9 Lite allemal. Gamer sollten zum P9 greifen und Early Adopter zum P9 Plus.
Bewertet man ein Android 6.0.1 Marshmallow Smartphone ohne Fehl und Tadel mit der Gesamtnote Sehr gut? Ich denke ja.

Positiv

  • Displayauflösung
  • Verarbeitung
  • Zusatz Funktionen
  • Akkuleistung
  • Deinstallierbare Bloatware
  • Kamera Pro-Modus
Negativ

  • 16 GB Speicher
  • USB Type-B
  • Bloatware

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Wertung
Geschwindigkeit 4/5
Display 4/5
Funktionalität 5/5
Verarbeitung 5/5
Preis 5/5

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Schon immer ein Kind der kreativen Künste hat MaTT nun nach einer 15-jährigen Karriere als Musikproduzent die Liebe zur Videoproduktion gefunden. Android in seiner Individualität begeisterte MaTT schon von Beginn an, wie einige Arbeiten aus dem Jahre 2006 und folgend, heute noch bei den XDA Developers Zeugnis tragen.

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