[Test] LG G5 – Innovation und Stillstand in einem Modul

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LG G5 Test

Den mit Abstand mutigsten Schritt im Smartphone-Bereich hat dieses Jahr LG mit dem LG G5 gewagt. Dual-Kamera, kleineres Display als der Vorgänger und dazu noch einen Schacht, der sich mit verschiedenen Modulen erweitern lässt. Kann dies und eine grundlegend überarbeitete Oberfläche gegen die Konkurrenz bestehen, die lieber auf eine Verfeinerung der Geräte setzt? Unser Test soll dies klären.

Spätestens mit dem LG Optimus G als Begründer er aktuellen G-Serie hat sich der südkoreanische Hersteller zu einer festen Größe im Android-Bereich hochgearbeitet. Aktuell stellt das LG G5 die Speerspitze dar, die nicht nur mit der sonst üblichen maximalen Hardware-Power aufwarten will, sondern auch mit einer echten technischen Innovation.

Nein, nicht die Dual-Kamera auf der Rückseite ist das Highlight des Gerätes, sondern der Modulschacht. Wo die ATAP-Group von Google noch immer am Project Ara Smartphone forscht, hat LG Nägel mit Köpfen gemacht. Was für etliche Wow-Momente noch zu seiner Vorstellung sorgte, muss sich nun bei uns im Test auch im Alltag behaupten. Jedoch patzt genau da das Android Smartphone aus Südkorea.

Technische Daten des LG G5

Technische Daten


Prozessor

Snapdragon 820 Quad-Core mit 2 x 2,15+1,6 GHz und 64-Bit
GPU: Adreno 530

Betriebssystem

Android 6.0.1 Marshmallow mit LG UX 5.0

Interner Speicher

32 GB Interner Speicher (erweiterbar per MicroSD)

RAM

4 GB LPDDR4

Modellbezeichnung

G5

Display

5,3 Zoll Quantum-IPS Display mit 2.560 x 1.440 Pixel

Anschlüsse

MicroUSB Typ-C, 3,5mm Audio Klinkenanschluss

Sensoren

Beschleunigung, Gyroskop, Annäherung, Licht, HALL und Fingerabdruck

Abmessungen (HxBxT mm)

149,4 x 73,9 x 7,7 mm

Gewicht

159 Gramm

Gehäusematerial

Metall mit Kunststoffbeschichtung

Kamera

16+8 Megapixel Kamera, 8 Megapixel Frontkamera

Internet

WLAN a/b/g/n/ac

Bluetooth

4.2 HS BLE

Akkutyp

Wechselbarer Li-Ion

Kapazität

3,85 V/2.800 mAh

Gesprächszeit

bis zu 1.740 Min. (2G)/1.260 Min. (3G)/720 Min. (4G)

Standby-Zeit

bis zu 400 Std. (2G, 3G, 4G)

Netz

GSM 850/900/1800/1900,
UMTS 900/2100 MHz,
LTE 800/1.800/2.600 MHz

Preis

UVP 699 Euro
Besonderheit Fingerabdruck-Sensor, Laser-Autofokus, USB Typ-C, Magic Slot, Dual-Kamera, Weitwinkelkamera, LG Friends

 

Zubehör

Eine weiße Pappschachtel mit der Silhouette des Smartphones, auf der linken Seite der Schachtel die üblichen Seriennummern nebst Strichcodes plus Modellnummer, auf der rechten Seite das Smartphone-Logo und auf der Rückseite das Logo des gewonnenen GSMA GLOMO Award plus technische Eckdaten:
Die Verpackung des LG G5 kommt auf den ersten Blick wenig spektakulär daher – wenn da nicht der untere Neon-grüne Teil auffallen würde. Zieht man diesen nach unten heraus, kommt eine Abbildung des Akku-Moduls zum Vorschein und symbolisiert das Herausziehen des neuen Moduls. Gelungener erster Einstieg zum LG G5.

Erst diese aufklappbare innere Pappschachtel gibt das ungewöhnliche Android Smartphone preis, zusammen mit seinem Zubehör. Das umfasst ein USB-Kabel mit USB Typ-C für das LG G5 selbst, ein USB-Netzteil mit Quick Charge 3.0 Unterstützung – und weiter nichts. Ein Headset fehlt dieses Mal im Lieferumfang, was angesichts der bisher beigelegten hochwertigen Kabel-Headsets der Premium-Modelle von LG durchaus zu bedauern ist.

Jedoch liegt das nur daran, dass wir ein Testgerät von LG selbst hatten, sodass in der frei im Handel erhältlichen Variante neben einem Kabel-gebundenen Headset auch der sonst übliche Papierkram – eine Schnellstartanleitung und die Garantie-Informationen – mit dabei sind.

 

Design und Verarbeitung

2013 stellte LG mit dem G2 sein erstes Smartphone vor, bei welchem die ikonischen Rear Keys zum Einsatz kamen. Diese hat der Konzern nun nach etlichen Modellen eingestellt und setzt wieder auf klassische Tasten im seitlichen Gehäuserahmen. Man könnte fast meinen, dass LG mit dem LG G5 das Design-Merkmal schlechthin über Bord geworfen hat. Denn auch so hat das G5 nur noch wenig gemeinsam in Sachen Design mit seinen Vorgängern, sieht man von einem kompakten Äußeren mit schmalen Rändern um das Display herum ab.

Insgesamt wirkt das LG G5 rundlicher und deutlich flacher als noch das kantigere und in der Mitte dicker wirkende LG G4 (zu unserem Test). Sowohl Kamera als auch Fingerabdruck-Sensor mit integrierter Power-Taste stehen minimal aus dem Gehäuse hervor und sind dennoch mit einem sanften Übergang zur Rückseite hin geschickt kaschiert. Zumal das Smartphone deswegen nicht wackelt, wenn man es auf eine ebene Fläche legt. Aber warum um Himmels Willen hat das Unternehmen auf einer seiner besten Innovationen, dem Rear-Button verzichtet?

Auch bei den Materialien geht das LG G5 neue Wege: Den Kunststoff hat der Konzern gegen Metall getauscht, wobei sich darum in den letzten Wochen auch etliche Aufregung herrschte. Denn was LG verschwiegen hat: Die Oberfläche des Metalls hat der Konzern mit einer Art Kunststoffbeschichtung als Schutz versehen (zum Beitrag). Insofern kann man nicht wirklich von einem Aluminium Unibody-Gehäuse sprechen – zumal der Magic Slot für die Modulerweiterungen dem ebenfalls widerspricht. Es fehlt ganz einfach das haptische Gefühl für Metall, um das G5 auch als Metall-Smartphone zu betrachten.

Auf der Front dominiert einmal mehr das Display, welches zur Überraschung vieler mit 5,3 Zoll sogar minimal kleiner geworden ist im Vergleich zu den 5,5 Zoll des Vorgängers. Dennoch nimmt es den Großteil der Front ein und kann mit einem eher unerwarteten Detail aufwarten. Denn die LG-Ingenieure lassen es sowohl an der Stirn- als auch Unterseite nach hinten abfallen, anstelle auf das sonst mittlerweile nahezu überall anzutreffende 2.5D Glas zu setzen. Ein kleines Design-Merkmal, mit dem sich das LG G5 angenehm von der Konkurrenz abhebt.

Oberhalb des Panels sitzt wie gewohnt ein länglicher Lautsprecher für Telefonate, welcher direkt links von den beiden Sensoren für Helligkeit sowie Annäherung flankiert wird und von einer 8 Megapixel Frontkamera. Eine mehrfarbige Status-LED befindet sich hingegen auf der rechten Seite.

Der Rahmen wiederum ist deutlich rundlicher gestaltet und beherbergt auch die Lautstärke-Wippe auf der linken Seite, wenn man von vorne auf das LG G5 schaut Sie sitzt einigermaßen stabil im Rahmen, aber im Bezug auf den Druckpunkt reagiert die Lautstärke-Wippe etwas zu schwammig. Der Druckpunkt ist zwar direkt, aber eben auch nicht so knackig wie man es von einem Premium-Smartphone vermuten würde. Die Power-Taste zum ein- sowie ausschalten des Gerätes ist hingegen auf der Rückseite geblieben.

Und das sogar mit einer erweiterten Funktion in Form eines Fingerabdruck-Sensors. Dieser ist von einem kleinen silbernen und leicht erhöhten  Rahmen eingefasst, sodass man diesen auch relativ blind ertasten kann. Behilflich dabei ist auch die bereits angesprochene Erhöhung aus dem Gehäuse des LG G5 selbst. Der Sensor selbst erkennt gespeicherte Fingerabdrücke sehr zuverlässig und auch angenehm schnell selbst im Standby. Sprich, man muss den Power-Button nicht erst drücken, um das LG G5 zu entsperren.

Direkt darüber ist die Dual-Kamera verbaut, die mit ihrer schwarzen Farbgebung ein ansonsten sehr zurückhaltendes und klares Design ein wenig stört. Zwischen den beiden unterschiedlichen Kamera-Sensoren sitzt der zweifarbige LED-Blitz und der Laser-Autofokus, den LG seinerzeit mit dem LG G3 in der Smartphone-Welt einführte.
Mit etwas Fantasie könnte man die Kamera in Kombination mit dem Fingerabdruck-Sensor auch als einen überraschend schauendes Roboter-Gesicht deuten.

Auf der Stirnseite des LG G5 sitzt weiterhin eine 3,5 mm Audio-Buchse für entsprechendes Audio-Zubehör sowie direkt daneben ein Infrarot-Blaster. Im Gegensatz zum direkten Konkurrenten Samsung Galaxy S7 (zu unserem Test) kann man mit dem G5 auch die heimische Multimedia-Technik steuern.

Innovation mit großer Schwäche

Einen USB Typ-C Anschluss besitzt das LG G5 auch. Allerdings kommt hier die große Innovation von LG zum Tragen: Der Teil unterhalb des Displays lässt sich per Push-Taste abnehmen und zum Vorschein kommt ein wechselbarer Akku. Die Taste selbst ist etwas schwammig und wenig direkt, sodass man mitunter relativ fest drücken muss, damit das Modul überhaupt heraus kommt. Immerhin steckt der Akku selbst sehr stabil in der Abdeckung. Sehr ärgerlich ist, dass bei dem Entfernen des Moduls für einen Akkuwechsel alle Daten auf der eingelegten MicroSD-Speicherkarte gelöscht wurden. Entweder hat man eine aktuelle Sicherungskopie der Daten oder man muss das LG G5 vor dem Wechsel komplett ausschalten.

Leider zeigt sich in dem Magic Slot getauften Modulschacht auch die große Schwäche hinter der Idee: Ausschließlich von LG genehmigte Ideen für neue Module dürfen für das LG G5 entwickelt werden (zum Beitrag), was einer breiten und vor allem schnell verfügbaren Modulvielfalt im Wege steht. Insofern könnte die Idee mit den optionalen Modulen zum Nachrüsten schon mit dem G5 ihr Ende gefunden haben.

Bisher sind nur zwei Module verfügbar: Das LG CAM Plus Modul mit einem 1.200 mAh großen Zusatz-Akku, Auslöser-Taste und einem Jogdial für den digitalen Zoom, sowie dem HiFi Sound Modul von Bang&Olufson. Letzteres bietet einen 32-Bit Hi-Res-Audio Digital-Analog-Konverter kurz DAC, womit hochauflösende Musik vom LG G5 an eine entsprechende HiFi-Anlage weitergereicht werden kann. Warum LG den Chip nicht gleich selbst im Smartphone selbst verbaut hat, weiß vermutlich nur der Hersteller selbst.

Überhaupt ist die Qualität im Bezug auf die Verarbeitung des Gehäuses für ein 700 Euro Gerät unerwartet schlecht. Gut, die geschliffene Kante um das Gehäuse herum mit der zu scharfen Kante könnte man als bewusstes Design-Element noch verstehen, aber dass die Magic-Slot-Abdeckung nicht bündig mit dem Rest des Gehäuses abschließt – und das auch noch nicht einmal gleichmäßig auf beiden Seiten – ist gelinde gesagt enttäuschend für ein Premium-Smartphone. Unabhängig davon das sensible Frauenhände das Smartphone meiden sollten, da die scharfen Kanten in der Tat im Laufe der Zeit, Schmerzen bereiten können.

Hinzu kommt, dass LG von einem Aluminium Unibody-Gehäuse spricht, aber die Kunststoffbeschichtung sich gar nicht danach anfühlt. LG begründet dies damit, dass man dadurch die Antennen quasi unsichtbar im Gehäuse verstecken konnte. Da fragt man sich, wieso der metallische Zierstreifen dann auf der Stirnseite in Höhe der Kopfhörer-Buchse sowie auf der gegenüberliegenden Seite trotzdem unterbrochen ist. Vor allem wenn diese Stellen so aussehen, als ob dort das Metall abgeblättert sei.

Kurzum: Für ein Top-Smartphone wie es das LG G5 sein will, sind erstaunlich viele Dinge bei der Verarbeitung und Haptik zu bemängeln. Bleibt eigentlich nur die Hoffnung, dass es sich in der Tat um Vorseriengeräte für Tester handelt wie gegenüber einigen US-Kollegen angedeutet, sodass die für den Verkauf produzierten Modelle nicht diese Fehler aufweisen.

 

Display

Mit 5,3 Zoll ist das Display des LG G5 wie schon erwähnt kleiner im Vergleich zu seinem direkten Vorgänger. Die Quantum IPS Technologie hat LG indes weiter verbessert und auch die Auflösung von 2.560 x 1.440 Pixel beibehalten, sodass die Pixeldichte mit 554 ppi höher ist.

Einen enormen Sprung nach vorne macht das Display im Bezug auf leuchtende Farben und den Kontrasten sowie Schwarzwerten. In diesen Disziplinen liegt derzeit keine andere IPS-Abwandlung so nah bei den optimalen Werten eines OLED-Displays wie das Quantum IPS Panel des LG G5. Leider büßt die maximale Helligkeit dadurch etwas ein, was sich insbesondere im direkten Sonnenlicht bemerkbar macht. Im normalen Alltag lässt sich nur im direkten Vergleich mit anderen Smartphones ein Unterschied bemerken.
Die Blickwinkel wiederum sind IPS-typisch sehr hoch, neigen jedoch zu einer deutlichen Abdunklung je spitzer der Winkel wird.

Interessant ist, dass LG trotz der IPS-Technologie eine Always-On-Funktion implementiert hat. Da äußert sich die Befürchtung, dass das LG G5 gegenüber dem Samsung Galaxy S7 mit seinem AMOLED-Panel das Nachsehen hat im Bezug auf den Energieverbrauch. Dem ist aber nicht so: LG gibt etwa 0,8 Prozent verbrauchter Energie pro Stunde an.

Auch wenn man lediglich Uhrzeit oder eine persönliche Nachricht einstellen kann, zeigt sich das LG G5 bei dieser Funktion um einiges informativer. Denn im Gegensatz zum Samsung-Modell werden auch Benachrichtigungen abseits verpasster Anrufe und SMS-Nachrichten angezeigt. Trotzdem ist die Funktion nicht allzu ausgereift, da einfach der Umfang der Anpassbarkeit fehlt und das Display selbst auch eher schwer ablesbar ist, wenn man nicht direkt drauf schaut. Außerdem könnte man eine fehlende Abschalt-Automatik bemängeln, sobald sich das LG G5 in einer Tasche befindet.

 

CPU und GPU

Im Bereich der Leistung geht LG mit dem G5 keinerlei Kompromisse ein. Der Snapdragon 820 mit seinen vier Qualcomm Kryo-Kernen, die jeweils im Tandem mit bis zu 2,15 und 1,6 GHz arbeiten, sorgen für eine jederzeit flüssige Bedienung des Gerätes. Was sich bereits beim Öffnen von Apps und der allgemeinen Bedienung abzeichnet, untermauert auch der AnTuTu-Benchmark mit satten 126.159 Punkten. Dabei wird das Android Smartphone nicht einmal merklich wärmer, wie es noch in der Regel bei dem Snapdragon 810 zu beobachten – und zu fühlen – war.

Die verbauten 4 GB RAM nach dem LPDDR4-Standard sorgen zudem selbst bei vielen offenen Apps für keine merklichen Gedenkpausen. Der Wechsel zwischen den Apps ist schnell, zwei gleichzeitig geöffnete Apps bringen das LG G5 nicht ins Schwitzen.

Von der Adreno 530 getauften GPU kann man ebenfalls Bestwerte erwarten. Rein von den synthetischen Benchmark-Werten her ist sie zum Teil leicht vor einer ARM Mali T880 MP12 in einem Exynos 8890 der Galaxy S7 Familie. Aktuelle Spiele bringen das LG G5 jedenfalls derzeit nicht an den Rand der Leistungsfähigkeit.

 

Akku

Sorgte das Gehäuse noch für so manche Überraschung im negativen Sinne, sieht es bei dem verbauten Akku nicht viel anders aus, nur eben im positiven Sinne. Denn mit den 2.800 mAh ist das LG G5 zwar nominell 200 mAh schwächer als so mancher direkter Konkurrent, kann aber trotzdem auf ähnliche Werte kommen. Ein normaler Arbeitstag von morgens 7 Uhr bis abends 20 Uhr ist da problemlos drin. Geht man etwas sparsamer um, zum Beispiel ohne Always-On-Display und wenig Nutzung, ist ein kompletter zweiter keine Utopie. Hinzu kommt, dass sich der Akku bei Bedarf auch noch wechseln lässt.

Bei der dauerhaften Videowiedergabe bei eingeschaltetem WLAN und halber Display-Helligkeit, machte das LG G5 nach etwa fünfeinhalb Stunden schlapp. Mittels Quick Charge 3.0 ist der Akku innerhalb kürzester Zeit wieder aufgeladen. Jedoch muss man dafür zwingend auf offiziell für Qualcomms Quick-Charge-zertifizierte Netzteile zurückgreifen: Grund ist der proprietäre Standard von Qualcomm, der zum USB 3.1 eigenen Schnelllade-Standard inkompatibel ist.

 

Konnektivität

WLAN-ac, LTE Cat6, WiFi Direct, NFC, Bluetooth 4.2, SlimPort, Miracast, DLNA, GPS mit GLONASS-Unterstützung: Es gibt so gut wie nichts was man am LG G5 in Sachen Kommunikationstechnik vermissen würde. Selbst ein Infrarot-Blaster ist auf der Stirnseite verbaut, ebenso wie ein FM Radio das funktioniert, wenn man ein Kabel-Headset verwendet.
Selbst eine USB-Buchse nach dem USB Typ-C Standard ist verbaut, die zudem den schnellen USB 3.1 Standard unterstützt. Das heißt bis zu 10 Gbit/Sekunde Datenübertragung und bis zu 5A Stromstärke zum Aufladen des Akkus.

Allerdings nutzt LG den Quick Charge 3.0 Standard von Qualcomm, welcher inkompatibel zu USB 3.1 und dessen eigenen Schnelllade-Standard ist. Dieser sieht maximal 15 Watt Leistung für mobile Geräte vor, während die Qualcomm-Technologie durch einen erhöhte Stromstärke über den sogenannten Vbus von bis 18 Watt außerhalb der offiziellen USB 3.1 Spezifikationen agiert. Bedeutet nichts anderes, dass ausschließlich Quick Charge zertifizierte Netzteile den Akku des LG G5 schneller aufladen können.

Auch im Bereich er Telefonie zeigt sich das Android Smartphone von ÖLG etwas zwiespältig. Während man selbst den Gesprächspartner klar und auch angenehm laut ohne Störgeräusche im Hintergrund versteht, klagt der Gesprächspartner selbst mitunter über eine etwas flache Wiedergabe der Stimme. So ist die Gesprächsqualität des LG G5 als zufriedenstellend zu bezeichnen, aber mehr auch nicht.

 

Kamera

Neben dem Magic Slot ist die Kamera das zweite Highlight des LG G5. Auch wenn ähnlich dem HUAWEI P9 zwei Kameras verbaut sind, so funktionieren diese doch gänzlich anders. Die Hauptkamera hat LG quasi vom Vorgänger LG G4 übernommen: Sie nimmt Fotos mit 16 Megapixel Auflösung im Breitbildformat auf, besitzt einen optischen Bildstabilisator, eine mit f/1.8 lichtstarke Blende, zweifarbiger LED-Blitz und ein Autofokus-System mit Infrarot-Laser.

Insofern könnte man davon ausgehen, dass die Bildqualität mit der des LG G4 mindestens identisch wäre. Auf den ersten Blick mag dies auch mit einer subjektiv höheren Schärfe, größerem Detailgrad und auch stärkeren Kontrasten. Zoomt man jedoch in die Fotos hinein, macht sich unerwartet starkes Nachzeichnen einzelner Objekte bemerkbar, was ein Zeichen dafür ist, dass die Kamera-Software des LG G5 stärker als im G4 in die Fotos eingreift. Auch bei niedrigem Licht ist die Bildqualität auffällig schlechter, was sich vornehmlich in einem stärkeren Bildrauschen und größerem Pixelmatsch bei dunklen Flächen zeigt.

Womöglich liegt das in einer anderen Kamera-Software selbst, denn mit der sekundären Hauptkamera direkt neben der primären Hauptkamera liegt diese Vermutung am nächsten. Sie zeichnet sich mit 8 Megapixel Auflösung und einem besonders großem 135-Grad-Weitwinkelobjektiv aus, welches ohne optischer Bildstabilisierung und einer Blende mit f/2.4 auskommen muss. Der Wechsel zwischen beiden erfolgt dabei entweder über ein kleines Icon in der Kamera-App oder per herauszoomen des Bildausschnitts über die Pinch-to-Zoom-Geste.

Von daher sei an dieser Stelle unser nachfolgender Artikel für Testfotos empfohlen, in welchem wir uns der ungewöhnlichen Technik näher widmen, einschließlich diverser Testaufnahmen.

LG G5: Ein Blick auf die Kamera bei Tag und Nacht

Aber auch der normale Fotovergleich mit einer Canon EOS 600D, einem Samsung Galaxy S5 und dem HUAWEI P8 darf nicht fehlen:

Videos nimmt das LG G5 auch weiterhin mit 4K UHD-Qualität auf, sprich 3.840 x 2.160 Pixel. Deren Bildqualität lässt sich als hervorragend für ein Android Smartphone bezeichnen, da auch der optische Bildstabilisator sehr effektiv Wackler ausgleichen kann. Man merkt es nur schwer wenn der Filmende tatsächlich geht. Allerdings sind manchmal kleinere Framedrops zu bemerken. Vorbildich dagegen ist das nahezu komplette Fehlen von Verzerrungen bei schnelleren Schwenks der LG G5 Kamera. Lediglich bei langsamen Kamera-Schwenks können sich mitunter Artefakte durch die Kompression einschleichen. Auch der aufgenommene Ton könnte einen Ticken besser ausfallen, da er zu blechern klingt.

Sieht man von deutlich überarbeiteten Icons und durch die zweite Linse bedingte neue Aufnahme-Modi ab, hat sich die Kamera-Software auf dem LG G5 gegenüber dem Vorgänger quasi nicht verändert. Noch immer gibt es eine Vielzahl an Modi inklusive des starken manuellen Profi-Modus. Neu ist unter anderem der Bild-in-Bild Modus, welchen wir euch im weiter oben verlinkten Artikel zur Kamera-Technik als Beispielfotos drin haben.

Im Bezug auf die Bildqualität lässt sich allerdings hoffen, denn LG hatte isch letztes Jahr sehr zügig im Beheben von Kamera-Fehlern per Update hervor getan. Insofern dürfte sich die Qualität in Zukunft noch steigern.

 

Multimedia

Wie schon dessen Vorgänger und zahlreiche Kontrahenten besitzt das LG G5 einen internen Speicher mit 32 GB. Davon stehen dem Nutzer lediglich 22,6 GB zur freien Verfügung, was für manchen schon etwas knauserig sein könnte. Um die Konkurrenz zum Vergleich heranzuziehen: Das Galaxy S7 hat etwa 24 GB freien Speicher und das HUAWEI P9 sogar nur etwa 20 GB. Insofern stellt das LG G5 einen guten Mittelweg zwischen diesen Geräten dar.
Eine größere Variante mit 64 GB ist nicht vorgesehen, sodass man bei knappem Speicher auf eine MicroSD-Speicherkarte zurückgreifen muss. Diese kann man mit einem Trick zudem als internen Speicher um formatiert werden.

Gerade wer viel fotografiert, filmt und auch Musik hören will, wird daher um eine MicroSD nicht drum herum kommen. Apropos Musik: LG installiert einen eigenen Musikplayer vor, der neben den Standardfunktionen auch einen eingebauten Equalizer inklusive diverser Presets besitzt.
Auch einen eigenen Videoplayer und eine eigene Galerie installiert LG vor, neben den jeweiligen Google-Apps Google Play Music, Google Filme & Serien sowie Google Fotos.

Musik selbst ist durchaus als sehr laut und klar zu bezeichnen, wenn man diese über den internen Lautsprecher wieder gibt. Dennoch neigt das LG G5 dazu die Mitten stärker zu betonen, was zum Teil einen leicht schrilleren sowie blechernen Ton im direkten Vergleich mit anderen Top-Smartphones verursacht. Trotzdem muss man sagen, dass der Mono-Lautsprecher mit zu den besseren Vertretern im Smartphone-Bereich gehört.

 

Software

Zusammen mit dem LG G5 feiert auch die neue LG UX 5.0 ihre Premiere, welche bei künftigen Android Geräten vorinstalliert sein wird. Mit einem frischen und deutlich stärker am nackten Android angelehnten Farbgebung sieht die Oberfläche, die LG über das zugrunde liegende Android 6.0.1 Marshmallow legt, wirkt das G5 nicht mehr so bunt wie dessen Vorgänger. Dennoch ist all das was man bisher von LG kannte weiterhin mit dabei.

Verwirrend ist, dass LG nun auch mit der fünften Generation seiner Oberfläche auf den App-Drawer verzichtet. Will heißen, alle installierten Apps landen auf dem Homescreen und müssen der Übersichtlichkeit zwangsweise in Ordnern sortiert werden. Wer die klassische Oberfläche zurück haben will, muss aus der LG SmartWorld die kostenlose App „Home (UX 4.0)“ herunterladen – was wiederum einen LG-Account erfordert. Hätte man auch anders lösen können, denn der EasyHome-Modus ist ja auch fest integriert.

Gewissermaßen schade ist, dass zwar die QSlide-Apps nach wie vor vorhanden sind, aber der Dual-Window-Modus mit zwei gleichzeitig aktiven Apps gestrichen wurde. Erst mit dem Update auf Android N wird dieser zurückkommen, da Android N diesen selbst ab Werk unterstützt. Weiterhin ist das Smart Bulletin Widget ab Werk deaktiviert, womit smarte Vorhersagen zum aktuellen Wetter und andere Dinge angezeigt werden. Man kann sie allerdings auf Wunsch auch einzeln wieder aktivieren in den Einstellungen.

Im Großen und Ganzen ist die neue LG-Oberfläche tatsächlich am ehesten als ein Neuanstrich zu bewerten und weniger als ein großer Sprung bei den Funktionen. Sieht man auch daran, dass die Quick Settings nun per Drag&Drop neu sortiert werden können anstelle einer Liste.

In den Einstellungen des LG G5 selbst hat LG ein wenig aufgeräumt, was man positiv werten kann. Zum einen sind doppelte Funktionen zugunsten der Android-eigenen Lösungen verschwunden (Android Beam anstelle von LG SmartShare Beam) und die Funktionsweise wurde ebenfalls optimiert. Letzteres ist auf Bluetooth zu beziehen: Anstelle einen Schalter zum sichtbar machen des Gerätes zu aktivieren, ist das LG G5 automatisch sichtbar, wenn man die Bluetooth-Einstellungen aufruft.

Vorinstalliert sind auch wieder etliche LG-eigenen Apps, zu denen ein erweitertes LG Health mit mehr genutzten Fitness-Sensoren gehört, QuickMemo+ zum schnellen Notieren von Dingen mit einfachen Bearbeitungsmöglichkeiten, Quick Remote zum Steuern von Multimedia-Geräten über den Infrarot-Blaster, eine Backup-Lösung für LG-Smartphones oder auch eine einfache Automatisierung mit vorgefertigten Profilen. Selbst KnockOn und Knock Code sind wieder mit dabei.

Neu ist hingegen der Smart Doctor, bei dem es sich um nichts anderes als ein RAM-Management-Tool, Akkuverwaltung und andere Helferlein in dieser Richtung handelt. Außerdem kann es nach temporären zu löschenden Dateien suchen und so das LG G5 schneller machen. Wer sich jedoch ein wenig mit der Materie beschäftigt weiß, dass Android schon ab Werk selbst ein brauchbares RAM-Management besitzt, womit solche Tools eher sinnfrei sind. Zumal bei aus dem RAM entfernten Apps einige sich selbst wieder laden, um schneller gestartet werden zu können.

Neu ist auch der LG Friends Manager, welcher im LG G5 eine besondere Funktion hat: Er ist für die zentrale Verwaltung der sogenannten Friends Zubehör-Produkte, von denen LG bereits einige vorgestellt hat. Neben den beiden Magic-Slot-Modulen LG CAM Plus und LG HiFi Plus with B&O PLAY gibt es noch externes Zubehör wie die LG 360 Cam mit zwei Kamera-Linsen für eigene 360-Grad-Videos, der LG Rolling Bot als fernsteuerbare Überwachungskamera mit 8 Megapixel Auflösung. Außerdem gibt es noch die LG 360 VR, wo das LG G5 nur angeschlossen aber nicht eingelegt wird. Nicht zu vergessen die beiden Bluetooth-Headsets LG Tone Platinum und H3 by B&O PLAY.

So bleibt unterm Strich festzuhalten, dass LG mit der LG UX 5.0 die Oberfläche optisch gefälliger und konsistenter mit den Material-Design-Vorgaben Googles vereint hat. Auch ist der Wegfall einiger doppelter Funktionen sehr zu begrüßen, sowie das Reduzieren vorinstallierter Apps. Nur die Auslagerung des App-Drawer-Modus in den LG-eigenen App Store ist nicht nachvollziehbar.

 

Fazit zum LG G5

Mit der aktuellsten Technik, (außer der 16 MP Hauptkamera) einem neuen Ansatz bei der Kamera mit Weitwinkel-Objektiv und dem Magic Slot getauften Modul-Schacht, ist das LG G5 zweifelsohne das innovativste Android Smartphone seit langem. Allerdings trüben eben dieser Magic Slot und eine unerwartet mangelhafte Verarbeitung in Form von scharfen Kanten den Eindruck eines möglichen Premium Smartphone. Die Sekundär-Kamera ist im Grunde genommen eine witzige Sache, findet aber im Alltag nur selten Verwendung.

Für 699 Euro ist das LG G5 derzeit für das Gebotene tatsächlich zu teuer und müsste im Grunde als Gesamturteil ein „Befriedigend“ erhalten.
Doch wollen wir hier in unserem Test auch die Innovation des Magic-Slot Tribut zollen, bei dem die Zukunft erst zeigen wird wie effektiv dieser wirklich ist.
Im Vergleich zu dem erst letzte Woche getesteten Huawei P9 (zum Test), muss sich das LG G5 dann leider doch hinten anstellen.

Positiv
  • Kamera
  • Schnellladefunktion
  • Innovativer Magic Slot
Negativ
  • Zu teuer
  • Verarbeitungsmängel
  • Ungewisse Zukunft der Module

lg-g5-testurteil-androidtv

Wertung
Geschwindigkeit 5/5
Display 4/5
Funktionalität 5/5
Verarbeitung 2/5
Preis 4/5

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Mann mit Bart und Faible für Smartphones und Tablets jeder Plattform, doch eindeutig bekennender Androidliebhaber.

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