[Test] LG Optimus L7 P700

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Auf dem Mobile World Congress 2012 in Barcelona stellte LG neben Highend-Modellen wie dem Optimus 4X HD auch eine neue Low-End-Reihe vor, welche über Design und Preis ihre Käufer finden soll. Neben den Modellen L3 und L5 bildet das Optimus L7 das Topmodell dieser Reihe, welches mich gut 2 Wochen in meinem täglichen Leben begleitet hat.

Natürlich stellt sich erst mal die Frage, ob ein Smartphone der 200-bis-250-Euro-Klasse gut ist. Dass das geht, hat nicht zuletzt bereits das Huawei Honor U8660 bewiesen, dass wir kürzlich im Test hatten. Den gleichen Beweis will LG mit dem Optimus L7 antreten und was man anfangs nicht erwartet, ist zum einen das 4,3″ NOVA-Display und zum anderen die Nahfunktechnologie NFC. Über NFC verfügen bisher nur die hochpreisigen Smartphones wie Samsung Galaxy S III oder HTC One X, womit NFC auch im Niedrigpreissegment eingetroffen ist. Darüber hinaus ist das Optimus L7 unerwartet gut verarbeitet, der Akkudeckel sitzt rutschfest, Spaltmaße sind wenig bis gar keine vorhanden und auch die restliche Ausstattung weiß durchaus zu gefallen. Dennoch ist die langsame MSM7227A CPU der größte Minuspunkt am Optimus L7, aber dazu später mehr. Wer einen ersten kurzen Eindruck vom LG Optimus L7 haben will, dem sie das First touch & view Video von MaTT nahe gelegt.

Optimus L7 im Vergleich zum Galaxy S II

Die technische Ausstattung des LG P700 Optimus L7:

  • Qualcomm MSM7227A mit 1 GHz
  • 4,3″ NOVA-Display mit 800 x 480 Pixel Auflösung
  • 512 MB RAM
  • 4 GB interner Speicher
  • WLAN 802.11 b/g/n, Bluetooth 3.0, GPS, FM Radio
  • Quadband GSM, EDGE, Triband UMTS, HSDPA, HSUPA
  • 5 Megapixel Kamera mit LED Blitzlicht, 1,3 Megapixel Frontkamera
  • MicroUSB, MicroSD
  • 69 x 127.5 x 8.7mm
  • 121 Gramm
  • 1.700 mAh Akku
  • Android 4.0.3 Ice Cream Sandwich mit LG Optimus UI 2.0 Lite

Zubehör

Auch beim LG Optimus L7 findet sich das normale und bekannte Zubehör wieder. Dazu zählen der Netzadapter mit einem USB-Port, ein USB-Datenkabel für die Datenübertragung und zum laden in Kombination mit dem Netzteiladapter, ein Headset, eine Kurzanleitung und eine NFC-Chipkarte. Weiteres Zubehör wie eine Schutztasche oder ein bei dem Display wirklich nötigem Putztuch sucht man vergebens, allerdings darf man in der Preisklasse kein allzu üppiges Zubehör erwarten.

 

Verarbeitung

Obwohl das Optimus L7 in der Einsteigerklasse zu Hause ist, kann sich die Verarbeitung wirklich sehen lassen. Zwar setzt man wie nicht anders zu erwarten auf Kunststoff für das Gehäuse, dennoch macht dieses einen haptisch hochwertigen Eindruck. Alles sitzt da wo es soll, nichts knarzt und die Silberstreifen an den Seitenrändern sowie der Oberseite geben dem Smartphone in der von uns getesteten weißen Version einen richtig noblen Eindruck. Etwas ungewöhnlich ist hingegen das öffnen des Gerätes, um an den Akku, die SIM-Karte und den MicroSD Slot heran zu kommen. Dazu muss man vom MicroUSB Port aus den Deckel anheben, was anfangs etwas ungewohnt, nach kurzer Zeit aber schnell und einfach von statten geht. Der Deckel ist übrigens angeraut, was für eine bessere Rutschfestigkeit in der Hand sorgt.

Optimus L7 im Vergleich zum Galaxy S II

Rein optisch ist eine Anlehnung an das sehr erfolgreiche Galaxy S II vom südkoreanischen Konkurrenten Samsung nicht zu leugnen. Zwar ist das Gehäuse eckiger designt, dennoch könnte man auf den ersten Blick ein Galaxy S II vermuten, immerhin ist die Displaygröße mit 4,3″ und WVGA-Auflösung quasi identisch. Allerdings muss man, gemessen bei dem Preis, auf ein Super AMOLED Display verzichten.

Wirklich zu bemängeln sind an dieser Stelle die Tasten zum ein- und ausschalten sowie die Lautstärketasten, denn diese ist schlecht erfühl- und drückbar. Zumindest für den Ein-/Ausschalter gilt das, der Druckpunkt ist gelinde gesagt Mist. Die Lautstärketasten hingegen reagierten mit einem ordentlich fühlbaren Druckpunkt, was wie schon gesagt bei der Powertaste nicht wirklich gegeben ist. Besser ist wiederum die Home-Taste gelungen, obwohl diese durchaus etwas größer sein könnte. Das ist allerdings wiederum eher persönliche Vorliebe denn wirklicher Kritikpunkt, wollte ich nur mal an dieser Stelle erwähnt haben. Neben der Home-Taste gesellen sich noch zwei Sensortasten für Zurück und Menü, welche allerdings nicht immer sofort reagieren. Das dürfte eher am allgemein trägen System liegen.

 

Display

Wie schon erwähnt verfügt das Optimus L7 über ein 4,3″ Display mit einer Auflösung von 800 x 480 Pixel, was weder für den Preis noch für die anvisierte Zielgruppe selbstverständlich ist. LG hat sich für ein NOVA-Display aus eigener Fertigung entschieden, was vor allem für hohe Leuchtkraft sorgen soll. Mit ca. 600 Nit gelingt das sogar recht gut, was für eine bessere Lesbarkeit des Displays bei Sonnenschein sorgt. Allerdings stört da schon wieder die stark spiegelnde Glasscheibe des NOVA-Displays und der Vorteil durch die Leuchtkraft ist dahin. Vor allem dem surfen im Internet, dem betrachten von Bildern kommt das größere Display und dessen vergleichsweise hohe Auflösung zu Gute, denn üblicherweise sind Displaygrößen von 3″ bis 4″ und einer HVGA-Auflösung von 480 x 320 Pixel üblich. Das lädt schon fast zum Videokonsum ein, wenn da nicht der unterirdisch schwache SoC wäre, was im nächsten Kapitel thematisiert wird.

Optimus L7 im Vergleich zum Galaxy S II

 

CPU & GPU

Dass das LG Optimus L7 in der Einsteigerklasse zu Hause ist, merkt man vor allem auch an der Geschwindigkeit, mit der das System arbeitet. Zwar kommt laut Datenblatt eine 1 GHz zum Einsatz, dennoch ist der Qualcomm MSM7227A hoffnungslos veraltet. Die Snapdragon S1 Generation basiert auf einem ARM Cortex A5 in 45nm Strukturbreite und liefert Taktraten von 600 MHz bis 1 GHz. Für die grafische Ausgabe ist die Adreno 200 GPU zuständig und zugegeben: Exzessiv gespielt wird eher nicht mit dem Smartphone, dafür ist die GPU dann doch zu alt und zu leistungsschwach. Das schlägt sich auch in den Benchmarks nieder, auch wenn solche Werte weniger wichtig für den Alltagsbetrieb sind. Dennoch sind solche Ergebnisse eine gute Grundlage für die Leistungsfähigkeit eines Gerätes.

Die Benchmark-Ergebnisse zeigen das, was ich vom Snapdragon S1 MSM7227A erwartet habe: Schwache Leistung verglichen mit den SoC’s, die in der Mittelklasse mittlerweile zum Einsatz kommen. Als Vergleich haben wir das Huawei Honor U8860 mit einem MSM8255T und 1,4 GHz sowie das Panasonic Eluga mit einem Texas Instruments OMAP 4430 und 2x 1,2 GHz heran gezogen. Bereits das nur unwesentlich teurere Huawei erzielt eine deutlich bessere Leistung, was auf den Snapdragon S2 zurückzuführen ist. Zu beachten bei den Benchmark-Ergebnissen ist jedoch, dass das Panasonic Eluga über einen Dualcore verfügt, während das Huawei Honor U8860 und das LG Optimus L7 über einen Singlecore verfügen. Die Ergebnisse sind somit nur bedingt zu vergleichen.

LG Optimus L7 Huawei Honor U8860 Panasonic Eluga
Linpack v1.2.8, Single Thread 24,359 MFLOPS 53,059 MFLOPS 42,447 MFLOPS
Linpack v1.2.8, Multi Thread 22,129 MFLOPS 46,683 MFLOPS 65,198 MFLOPS
Nenamark v1.4 45,6 FPS 51,8 FPS 47,5 FPS
Nenamark v2.2 18,3 FPS 29,1 FPS stürzt ab
SmartBench 2012 Productivity 898 981 1160
SmartBench 2012 Gaming 1649 2167 2419
Vellamo Mobile Web v1.0.6 989 961 719
AnTuTu v2.7.3, Default Test 2892 3780 5010
SetCPU v2.3.0, Long Bench* 488ms 337ms n.a.
SetCPU v2.3.0, Native Bench* 665,225963ms 440,124512ms n.a.

*Niedriger ist besser

Akku

Standardmäßig liegt dem Optimus L7 ein Akku mit einer Kapazität von 1.700 mAh bei, was in unserem Test für eine überraschend hohe Ausdauer sorgte. So sind Standby-Zeiten von 2-3 Tagen trotz dauerhaft aktiviertem WLAN und NFC kein Thema gewesen, was durchaus als ordentlich bewertet werden kann. Bei der Dauerwiedergabe von Videos bei mittlerer Helligkeit, ging dem Akku erst nach gut 10 Stunden die Puste aus, was ein wirklich gutes Ergebnis ist und sich sehen lassen kann. Allerdings kann sich die Laufzeit je nach Nutzerprofil ändern, weswegen das nur als Richtwert gesehen werden sollte.

Optimus L7 im Vergleich zum Galaxy S II

 

Konnektivität

Das Optimus L7 verfügt über nahezu allen gängigen Schnittstellen zur Kommunikation mit der Außenwelt. WLAN nach den Standards b, g und n, Bluetooth 3.0, ein MicroUSB-Anschluss sowie Quadband GSM, EDGE, Triband UMTS, HSDPA mit bis zu 7,2 MBit/Sekunde  und HSUPA mit bis zu 5,76 MBit/Sekunde laut Datenblatt. Einzig auf das schnellere HSPA+ muss verzichtet werden aber das ist verschmerzbar in der Preisklasse. Ein Novum hingegen ist das eingebaute NFC, mit dessen Hilfe der drahtlose Datenaustausch sehr erleichtert wird. Per Android Beam können Kontakte übertragen werden aber auch Websites, Bilder oder gar digitales Geld, denn NFC soll vor allem im Mobile Payment eingesetzt werden. Ein erstes Pilotprojekt zum Händlerübergreifenden Bezahlen per Smartphone und NFC oder QR-Codes ist Viertel.dollar im Dresdner Stadtteil und Szeneviertel Neustadt. Datenübertragungen via WLAN und HSDPA waren wirklich flott, fast immer wurde über WLAN die volle Bandbreite des Netzes ausgereizt, während es bei HSDPA ortsbedingt teilweise hohe Schwankungen gab.

 

Multimedia

Für Multimedia wie Videos und Fotos ist das Smartphone nur bedingt geeignet, denn für mehr ist die MSM7227A einfach zu Leistungsschwach. Musik hingegen ist kein Problem, zumindest wenn man andere als die beiliegenden Kopfhörer nutzt. Wie kaum anders zu erwarten, legt LG dem Optimus L7 eher minderwertige Kopfhörer bei, denen es an ausgeglichenem und natürlichem Klang fehlt: Bässe sind wenig vorhanden und die Höhen teilweise zu schrill. Abgesehen davon ist der Musikplayer von LG eher Standardkost und macht das was er soll recht zuverlässig: Musik abspielen.

Optimus L7 Sperrbildschirm: Ein bisschen HTC und Samsung

Bilder nimmt das Optimus L7 mit einer 5 Megapixel Kamera auf, die nicht gerade die besten Bilder macht. Die Auslöseverzögerung ist recht hoch, weshalb Schnappschussbilder nur selten wirklich gut sind. Hinzu kommt noch ein starkes Bildrauschen sowie unnatürlich wirkende Farben. Letzterem kann zumindest mit Hilfe der zahlreichen Einstellmöglichkeiten ganz gut entgegen gewirkt werden, was mit Einsatz des LED-Blitzlichtes nochmals gesteigert werden kann. Ebenfalls eher unschön ist die Videofunktion, die maximal Auflösung beträgt hierbei VGA, 640 x 480 Pixel und können nicht wirklich mit den Videoqualitäten höherpreisiger Smartphones verglichen werden.

Hier ein Testvideo des LG Optimus L7:

 

Software

Erfreulich ist allerdings, dass LG bei der Optimus-L-Reihe von Haus aus auf Android 4.0.3 Ice Cream Sandwich als Betriebssystem setzt, was zumindest einige Schwächen der Hardware gut ausbessert. Davon abgesehen setzt LG auf die hauseigene Optimus UI 2.0 in der Lite-Version, was sich nur durch wenige Eingriffe in die Holo UI von Android 4.0 auswirkt. Während HTC quasi das komplette Erscheinungsbild umgestaltet hat, setzt LG hauptsächlich auf eine weiße Farbgebung, ein paar eigene Icons, einen Sperrbildschirm nach HTC-Vorbild mit Anleihen bei Samsung, sowie veränderbare Shortcuts in der Notification Bar, wie die Screenshots zeigen. Die Widget-Auswahl könnte übrigens auch bei Samsung und TouchWiz abgeschaut sein aber das nur am Rande.

LG Optimus UI 2.0 Lite

Abgesehen davon stattet LG das Optimus L7 mit dem hauseigenen SmartShare aus, welches unter anderem Gebrauch von der LG Cloud macht. Damit kann man als Kunde von LG seine Daten in der Cloud ablegen und von jedem unterstützten Client wie zum Beispiel Smart TV’s oder Tablets diese Medien wiedergeben. Aber auch ein Remote-Hilfe-Tool hat LG bereits vorinstalliert. Wenn man Probleme mit seinem Optimus L7 hat, kann man einem Support-Mitarbeiter bei LG den Fernzugriff für diverse Diagnosen gewähren. HTC möchte so eine Funktion auch bei seinen Smartphones und Tablets einführen.

LG SmartShare und RemoteCall

Als Novum in dieser Preis- und Geräteklasse kommt wie schon erwähnt NFC zum Einsatz, was schon eine enorme Aufwertung des Gerätes darstellt. LG liefert immerhin einen NFC-Tag bereits mit, der bei dranhalten des LG Optimus L7 Google Maps Navigation startet. Weitere NFC-Aktionen lassen sich über optional im Handel erwerbbare NFC-Tags einstellen, allerdings braucht es hierfür extra Software aus dem Google Play Store, wie zum Beispiel NFC Aufgaben Launcher. Damit lassen sich NFC-Tags recht problemlos mit neuen Aktionen beschreiben und nutzen.

NFC-Antenne im Akkudeckel

Im Paket enthaltener NFC-Tag

 

Fazit

Wenn die schwachbrünstige Qualcomm MSM7227A nicht wäre, hätte das LG Optimus L7 zu einem echten Geheimtipp werden können. Verarbeitung, Design, Hardware (abgesehen vom SoC) und Software stimmen, zumindest bei letzterem ist das bei LG keine Selbstverständlichkeit. Zudem macht die NFC-Funktion das Smartphone in seiner Klasse einzigartig. Wenn das L7 mal einen Nachfolger erhalten sollte, dann könnte ein Leistungstärkerer SoC wie der Qualcomm MSM8255 oder was dann für die Mittelklasse aktuell sein sollte, zum Durchbruch verhelfen. Schade LG aber so wird das nichts, erst Recht nicht wenn es für knapp 15 Euro mehr bei Amazon das Huwei Honor U8860 mit dem Mehr an spürbarer Leistung gibt.

Trigger
Entwickler: Coleridge Apps LLC
Preis: Kostenlos+
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Mann mit Bart und Faible für Smartphones und Tablets jeder Plattform, doch eindeutig bekennender Androidliebhaber.

Ein Kommentar

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