[Test] MobiWire Taima: Neu ist nicht gleich neu!

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Obwohl der Smartphone-Markt bereits sehr gut bestellt ist mit Dutzenden von Herstellern, wagt sich das französische Unternehmen MobiWire mit dem deutschen Erstlingswerk MobiWire Taima. Denn was Wiko schaffte kann man ja sicherlich wiederholen, wird man sich gedacht haben. Ob dies funktioniert soll unser Test des 5,5 Zoll großen Android Smartphone zeigen.

Wer sich in der Smartphone-Abteilung von Media Markt, Saturn und Co. aufhält, findet meistens die üblichen Verdächtigen. Doch neben Samsung, LG, HTC, Sony oder Wiko will sich nun der ebenfalls aus Frankreich stammende Hersteller MobiWire dazugesellen und schickt dazu zwei neue Android Smartphones ins Rennen. Das größere – und sogleich auch teurere – Modell der beiden ist das MobiWire Taima, welches neben einem günstigen Preis auch mit guter Ausstattung für eben diesen überzeugen will.

Wem MobiWire nichts sagt, steht damit nicht alleine da. Erst seit letztem Jahr ist das Unternehmen unter eigenem Namen aktiv: Vorher war mal als klassischer OEM-Fertiger für diverse Netzbetreiber tätig, darunter auch für Base. So ganz Erfahrungslos ist das Unternehmen damit also nicht, zumal es von ehemaligen Sagem-Mitarbeitern gegründet wurde.

Technische Daten des MobiWire Taima

Technische Daten


Prozessor

MediaTek MT6582 Quad-Core mit 4x 1,3 GHz und 32-Bit
GPU: ARM Mali 400 MP2

Betriebssystem

Android 4.4.2 KitKat

Interner Speicher

4 GB Interner Speicher (erweiterbar)

RAM

1 GB

Modellbezeichnung

Taima

Display

5,5 Zoll IPS Display mit 1.280 x 720 Pixel

Anschlüsse

MicroUSB, 3,5mm Audio Klinkenanschluss

Sensoren

Beschleunigung, Kompass, Annäherung und Licht

Abmessungen (HxBxT mm)

154,5 x 79 x 9,2 mm

Gewicht

178 Gramm

Gehäusematerial

Kunststoff

Kamera

8 Megapixel Kamera, 2 Megapixel Frontkamera

Internet

WLAN b/g/n

Bluetooth

4.0 HS BLE

Akkutyp

Wechselbarer Li-Ion

Kapazität

3,8 V/3.000 mAh

Gesprächszeit

n/a

Standby-Zeit

n/a

Netz

GSM 850/900/1800/1900,
UMTS 900/2100 MHz,
LTE 800/1.800/2.600 MHz

Preis

UVP 199 Euro (ab 192,43 Euro, Stand 18.10.15)
Besonderheit FM Radio, Status-LED, entnehmbarer Akku

 

Zubehör

Auch wenn das MobiWire Taima eines der preiswerteren Smartphones ist, spart der Hersteller nicht am Zubehör. So finden sich neben dem Gerät selbst noch ein USB-Netzteil, ein USB-Kabel und ein einfaches Headset im Karton wieder. Ebenso gibt es eine Schnellstart-Anleitung und Hinweise für einen Garantiefall.

Design und Verarbeitung

In den unteren Preisregionen finden sich für gewöhnlich handliche Smartphones wieder, sodass das MobiWire Taima mit seinen 5,5 Zoll deutlich aus der Masse hervor sticht. Hinzu kommt, dass es ein relativ klobiges Gehäuse ohne merkliche Abrundungen auf der Rückseite besitzt. Ein Handschmeichler ist es damit nicht, zumal es mit 178 Gramm auch ordentlich was auf die Waage bringt und das mit einem Kunststoff-Gehäuse. Dennoch fühlt es sich keinesfalls billig an – wertig auf der anderen Seite jedoch auch nicht.

Schaut man sich das MobiWire Taima von vorne an, nimmt das Display erfreulich viel der Front ein. Vor allem der seitliche Rahmen um das Display herum fällt relativ schmal aus, wie man ihn für gewöhnlich eher bei höher preisigen Smartphones antrifft. Gleiches gilt für den Bereich mit den kapazitiven Sensor-Tasten – Zurück, Home und der Task-Manager – unterhalb des Displays und über den Bereich oberhalb des Displays. Neben dem in kräftigem Blau gehaltenen Lautsprecher für Telefonate gibt es noch eine Front-Kamera sowie zwei Sensoren für Helligkeit und Annäherung. Selbst eine Status-LED findet sich wieder.

Was schon auf der Front für einen bunteren Akzent sorgt, kommt auch im Rahmen des MobiWire Taima zum Einsatz. Die bläulichen Zierleisten sind mal etwas Erfrischendes bei den sonst farblich langweiligen Smartphones. Bis auf die Hardware-Tasten – auf der rechten Seite die Lautstärke-Wippe und links die Power-Taste – hat der Rahmen nichts weiter zu bieten. Immerhin können die Tasten des MobiWire Taima mit einem soliden Druckpunkt sowie Tastenhub aufwarten. Selbst einigermaßen fest sind sie verbaut und wackeln nicht so stark wie es bei anderen Geräten dieser Preisklasse der Fall ist.

Die Rückseite ist bei unserem Testgerät vollkommen in Weiß gehalten, wobei die blauen Zierstreifen des seitlichen Rahmens die Rückseite des MobiWire Taima interessanter machen. Selbiges Blau findet sich zudem in der Einrahmung der leicht hervorstehenden Kamera wieder. Direkt darunter ist der LED-Blitz verbaut, gefolgt vom Logo des Herstellers und am unteren Ende der Rückseite ist der Lautsprecher für Medien und Systemtöne. Das MicroUSB-Kabel findet am üblichen Platz auf der unteren Seite des Rahmens Platz, während ein Headset wie gewohnt auf der Stirnseite des MobiWire Taima angeschlossen wird.

Insgesamt kann man dem Android Smartphone aus Frankreich somit ein solides Zeugnis ausstellen, was die Erscheinung und die Verarbeitung betrifft. Jedoch hat man manchmal das Gefühl, dass die seitlichen Ränder der abnehmbaren Rückseite etwas zu dünn geraten sind. Vor allem in Höhe des MicroUSB-Ports und der Lasche zum Öffnen des Gerätes kommt dieses Gefühl auf.

 

Display

Wie bereits erwähnt ziert die Front des MobiWire Taima ein 5,5 Zoll großes Display. Dessen Auflösung liegt bei nur 1.280 x 720 Pixel, was in einer teilweise deutlich sichtbar pixeligen Darstellung mündet. Helligkeit, Kontraste und auch Farbwiedergabe sind wiederum erfreulich ausgewogen. Bei den Blickwinkeln trifft das wiederum nicht zu, denn diese lassen schon bei leichter Neigung stark nach was die Helligkeit betrifft. Auch die automatische Anpassung der Helligkeit gibt Grund zur Kritik, denn diese arbeitet gefühlt zu stark: Sie stellt das Display viel zu schnell dunkler ein als es nötig wäre.

 

CPU und GPU

Ungewöhnlich für ein Smartphone heutiger Zeit ist der verbaute MediaTek MT6582, bei welchem es sich um einen 32-Bit-fähigen Quad-Core-Prozessor handelt. Dessen vier Cortex A7 Kerne sind bis zu 1,3 GHz schnell und sorgen im Alltag durchaus für eine flüssige Bedienung. Allzu viel mehr sollte man von dem Chip aber auch nicht erwarten, was bereits 18.138 Punkte im AnTuTu Benchmark andeuten.

Für Spieler ist das MobiWire Taima definitiv nichts, denn die ARM Mali 400 MP2 ist bestenfalls für Casual Games und nicht für Blockbuster-Spiele geeignet. Sie ist einfach zu alt, wie der SoC (System-on-a-Chip) allgemein. Da helfen auch die 1 GB RAM nicht viel weiter. Wer mehr als nur ein bisschen browsen, fotografieren, telefonieren und chatten will, ist mit dem MobiWire Taima nicht gut bedient.

 

Akku

Die Ausdauer eines Smartphones ist nicht selten neben dem Design und der übrigen Hardware ein wichtiges Kriterium für oder gegen den Kauf eines bestimmten Modells. Hier kann das MobiWire Taima auf dem Papier definitiv für sich sprechen, denn 3.000 mAh in der 200-Euro-Klasse sind wirklich eine Seltenheit. Leider kann das Smartphone diese Hoffnung nicht immer halten, denn viel länger als die Konkurrenz hält der Akku auch nicht. Ein sehr helles Display und ein technisch veralteter Prozessor lassen die theoretischen Vorteile schnell zusammenschrumpfen und am Ende sind es knapp 4 Stunden im Dauerbetrieb. Immerhin kann das Gerät im reinen Standby Punkte sammeln, indem es gut zweieinhalb Tage durchhält. Lässt man es einfach liegen, kommt die eigentliche Stärke eines MediaTek-Chips zum Tragen: Die Dinger verbrauchen enorm wenig im Leerlauf.

 

Konnektivität

Ansonsten bietet das MobiWire Taima Standardkost was die Verbindung zur Außenwelt betrifft. WLAN nach dem 802.11n-Standard ohne Dualband-Unterstützung, Bluetooth 4.0, GPS und ein Daten-Modem, welches immerhin LTE Cat4 mit bis zu 150 Mbit/Sekunde im Download unterstützt. Weitere Dinge wie NFC oder ein Infrarot-Port sind nicht vorhanden. USB OTG beherrscht der MicroUSB-Anschluss auf der Unterseite ebenso wenig.

Im Telefon-Modus ist das Android Smartphone bemerkenswert unauffällig, was sowohl negativ als auch positiv zu verstehen ist. Einerseits ist die Gesprächslautstärke angenehm hoch und etwas dumpf, auf der anderen Seite hatte der Gesprächspartner immer wieder kleine Aussetzer zu hören bekommen. Von einer fehlerfreien Verbindung kann da nicht die Rede sein. Dual-SIM beherrscht das Gerät im Gegensatz zur Konkurrenz nicht.

 

Kamera

Dass man von günstigen Smartphones der Einsteiger-Klasse keine Kamera-Wunder erwarten darf, zeigt auch das MobiWire Taima. Die 8 Megapixel auflösende Kamera auf der Rückseite produziert zwar natürlich wirkende Fotos, die lediglich an den Bildrändern deutliches Bildrauschen aufweisen, aber den Fotos fehlt es vor allem an Bildschärfe und Details. Der Kontrast ist ordentlich. Die volle Auflösung von 8 Megapixel respektive 3.264 x 2.448 Pixel gibt es nur im 4:3 Modus.

Nimmt man Fotos in Innenräumen bei künstlicher Beleuchtung auf, steigt das Bildrauschen deutlich an und einige Flächen fehlt es noch stärker an Details als ohnehin schon. Der Vergleich mit Pixelbrei ist nicht von der Hand zu weisen. Trotz des niedrigen Preises gibt es einen HDR-Modus, welcher jedoch Aufnahmen zu stark aufhellt und dadurch unnatürlich wirken lässt. Die Option kann man also getrost links liegen lassen.

Trotzdem darf sich das MobiWire Taima wie üblich bei uns gegen eine Canon EOS 600D, einem HUAWEI P8 und dem Samsung Galaxy S5 behaupten. Direkt darunter gibt es eine herbstliche Testaufnahme ohne und mit HDR.

Für Videos, welche das MobiWire Taima immerhin mit FullHD aufnehmen kann, gilt im Großen und Ganzen dasselbe wie bei Fotos. Unterschied ist jedoch, dass die mangelnde Bildschärfe nicht ganz so deutlich zum Vorschein kommt. Trotzdem wirkt das Bild erfreulich natürlich von den Farben her. Leider sind die Verzerrungseffekte respektive das Tearing bei schnelleren Kamera-Schwenks stärker ausgeprägt als bei anderen Smartphones.

In Sachen App hält sich MobiWire stark an die Vorgaben von Google. Die Kamera-App protzt nicht unbedingt mit exotischen Funktionen, kann aber mit Filtern sowie Weißabgleich, ISO-Wert, Belichtung sowie anderen einfacheren Optionen aufwarten. Gesichts- und Lächelerkennung gibt es ebenfalls.

In gewisser Weise kann das MobiWire Taima dennoch überraschen und das ist ein einfacher Video-Editor, mit dessen Hilfe man aufgenommene Videos schneiden und mit einfachen Effekten versehen kann.

Für Musik steht ein in Android selbst enthaltener Musikplayer zur Verfügung und für Videos kommt die Galerie-App zum Einsatz. Alternativ kann man für Musik auch auf Google Play Music zurückgreifen und für Videos auf Google Play Movies. Die letzteren beiden Apps bieten dabei in erster Linie die deutlich hübschere Oberfläche.

 

Multimedia

Das größte Manko am MobiWire Taima ist nicht unbedingt der Prozessor oder die Kamera, sondern eindeutig der interne Speicher. Mickrige 4 GB ist dieser groß, von welchem dem Nutzer für Apps gerade mal gut 2,18 GB zur freien Verfügung stehen. Der Einsatz einer MicroSD ist da Pflicht, zumal ohne diese die Kamera nicht funktioniert. Für andere Medien wie Musik oder Videos gilt das ebenso. Jedoch darf die MicroSD offiziell maximal 32 GB fassen, womit künstliche Grenzen gesetzt werden. Eine umfangreiche Mediensammlung in der Hosentasche ist damit nicht möglich.

Für Musik sollte man möglichst auf vernünftige Kopfhörer zurückgreifen, denn der eingebaute Mono-Lautsprecher ist wie zu erwarten kräftig mit einem starken Hang zu Höhen und wenig Tiefen. In der Spitze kommt es zu einem stark blechernen Klang. Immerhin: Für Musik-Freunde ist ein brauchbarer 5-Band-Equalizer mit diversen Presets vorinstalliert.

 

Software

Jetzt wo bereits die ersten Geräte mit Android 6.0 Marshmallow zu erwarten sind, verwundert das MobiWire Taima mit dem vorinstallierten Android 4.4.2 KitKat umso stärker. Mehr braucht man für das Smartphone auch nicht mehr erwarten, da MediaTek als Lieferant der Hardware-Treiber für den Prozessor kein passendes Paket mehr für neuere Android-Versionen bereitstellt. Immerhin darf man sich über ein nahezu unangetastetes Android erfreuen.

Lediglich in der herunterziehbaren Benachtichtigungsleiste haben die Entwickler des MobiWire Taima ein wenig Hand angelegt und sechs Shortcuts für häufige Funktionen eingebaut. In den Einstellungen gibt es noch eigene Icons in minimalistischem Blau – die mit ihrer runden Erscheinung irgendwie nicht zur kantigen Optik von Android 4.4 KitKat passen wollen – und nur einige wenige Zusatz-Apps abseits der Google-eigenen Apps. Dazu zählen ein Datei Manager, ein FM Radio, Kingsoft Office, eine App zum Anlegen von Notizen, ein Backup-Tool für die wichtigsten Daten und eine Taschenlampen-App.

 

Fazit zum MobiWire Taima

199 Euro will der neu auf dem deutschen Markt agierende Hersteller für das MobiWire Taima Android Smartphone haben. Ungeachtet der erfrischenden Optik ist das Gebotene für diesen Preis einfach zu wenig. Ein stark veraltetes Android KitKat, ein schwacher Prozessor und kaum nennenswerter Speicher sind in unseren Augen nicht mehr zeitgemäß. Für zum Teil schon weniger Geld gibt es bei Honor, HUAWEI und selbst bei Motorola technisch bessere Alternativen. In Sachen Android-Version ist angesichts der großen Sicherheitslücken der letzten Monate sogar von dem Smartphone abzuraten, insofern hier nicht in Kürze ein Update ausgeliefert wird.
Eine Empfehlung für das Smartphone aus Frankreich kann man unter diesen Umständen nicht aussprechen. Es bleibt nur zu hoffen, dass es MobiWire bei seinen künftigen Modellen aus seinen Fehlern lernt und es besser macht.

Positiv
  • Brauchbare Kamera
  • Großer und entnehmbarer Akku
  • Gute Verarbeitung
Negativ
  • Alte Android-Version
  • Schwacher Prozessor
  • Zu kleiner Speicher
  • Display-Auflösung zu niedrig

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Wertung
Geschwindigkeit 2/5
Display 3/5
Funktionalität 3/5
Verarbeitung 4/5
Preis 4/5

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Mann mit Bart und Faible für Smartphones und Tablets jeder Plattform, doch eindeutig bekennender Androidliebhaber.

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