[Test] Motorola Xoom 2 Media Edition

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Das erste Tablet mit Android auf dem Markt ist Motorola gewesen mit dem Xoom. Ausgestattet mit Android 3.0 Honeycomb sollte es antreten, die bis dahin herrschende Vormachtstellung des Apple iPad zu durchbrechen. Wie wir wissen ist daraus nichts geworden und sowas schreit in der Regel nach einem neuen Versuch. Das Motorola Xoom 2 Media Edition ist ein solcher Nachfolger, welchen für für euch die letzte Woche mal etwas genauer unter die Lupe nehmen konnten.

Das mir vorliegende Xoom 2 in der Media Edition (kurz Xoom 2 ME) kommt in einem sehr eigenständigen Design, welches nicht von ungefähr an das Razr erinnert. Mit den leicht abfallenden Ecken möchte man sich klar vom vieldiskutierten und auch von Apple gerichtlich eingesetzten Geschmacksmusterpatent distanzieren können und das hat Motorola zweifelsohne geschafft. Das Design ist sehr eigenständig und beweißt eines: Man kann ein Tablet und Smartphone anders designen wie die extrem erfolgreichen Vorlagen aus Cupertino. Funktionell hat das aber keinen Einfluss, es ist lediglich eine optische Sache.

Eigenes Design

Die technische Ausstattung des Xoom 2 Media Edition:

  • Texas Instruments OMAP4430 mit 2x 1,2 GHz
  • PowerVR SGX540 GPU
  • 8,2″ IPS Display mit 1280 x 800 Pixeln Auflösung
  • 1 GB RAM
  • 16 GB interner Speicher (gibt es auch mit 32 GB)
  • WIFI 802.11 a/b/g/n, Bluetooth 2.1 + EDR Erweiterung, GPS
  • Quadband GSM, EDGE, Quadband UMTS, HSPA, HSPA+
  • 5 Megapixel Kamera mit LED Blitzlicht, 1,3 Megapixel Frontkamera
  • MicroUSB, MiniHDMI (bis zu 1080p)
  • 216 x 139.8 x 8.99 mm
  • 388g
  • 3.900 mAh Akku
  • Android 3.2.2 Honeycomb

Zubehör

Das Xoom 2 ME kommt mit den üblichen Zubehör daher, was ein Netzteil, USB Kabel und Handbücher beinhaltet. Ein HDMI- oder USB-Host-Kabel sucht man wie üblich vergeblichst bei Premium Marken, hier zeigen Hersteller aus China wie es besser geht. Das der USB Host funktioniert habe ich dennoch testen können, da ich mir für das Galaxy S II ein entsprechendes Adapterkabel bereits mein Eigen nennen kann. Interessanterweise weißt das Xoom 2 ME von Haus 8 Mountpunkte für externe USB Medien auf. Den Sinn dahinter sehe ich nicht wirklich abgesehen von einem USB Hub. Andererseits, wer würde einen solchen an ein Tablet anschließen.

 

Verarbeitung

In Sachen Verarbeitung geht Motorola einen anderen Weg als die meisten anderen Hersteller von Tablets, denn das Gehäuse ist überwiegend gummiert und mit einer Aluminiumplatte auf der Rückseite versehen, was mehrere Vorteile mit sich bringt: Das Tablet rutscht nicht so leicht aus den Händen und laut Motorola dringt durch die Gummierung Wasser nicht so schnell in das Innere des Tablets. Deswegen ist das Tablet aber nicht gleich Badewannen- oder Duschgeeignet, Feuchtigkeit kann dem Tablet lediglich nicht so leicht was anhaben. Dennoch habe ich es mir nicht nehmen lassen und das Xoom 2 ME als Badezimmerradio „missbraucht“. Fazit: Test bestanden. Als störend erwiesen sich allerdings die unsauber gearbeiteten Übergänge an den Seitenrändern, was dem Gehäuse einen etwas scharfkantigen Eindruck verpasst. Berichten im Internet zufolge ist das anscheinend kein Produktionsfehler.

Xoom 2 ME unten - darüber das Novo 7 Aurora

Die Tasten zum ein- und ausschalten sowie die beiden Lautstärketasten befinden sich nicht wie üblich am Gehäuserand sondern auf der Rückseite. Anfangs ist das zwar ungewohnt aber im Querformat mit beiden Händen gehalten ist das durchaus praktisch. Wie das Gehäuse selber sind auch die Tasten gummiert, haben allerdings einen sehr unangenehmen und schwammigen Druckpunkt vorzuweisen. Zwar sind die Tasten nach kurzer Zeit der Gewöhnung gut zu erfühlen, benötigen aber etwas mehr Druck als Tablets anderer Hersteller.

Tasten und Kameraoptik nebst LED Blitz

Über 3 Anschlüsse verfügt das Xoom 2 ME, MicroUSB sowie MicroHDMI auf der „Unterseite“ und auf der Stirnseite eine 3,5 Klinkenbuchse für Kopfhörer. Weiterhin befindet sich auf der Unterseite der Slot für die MicroSIM Karte, denn das Xoom 2 ME verfügt über ein UMTS Modem mit HSPA+. Leider ist das Xoom 2 ME nicht mit einem MicroSD Slot ausgestattet, weshalb eine Speichererweiterung nur über die MicroUSB Schnittstelle zu realisieren ist via separat erhältlichem USB Host Adapter.

MicroUSB und MicroHDMI

 

Display

Das Display ist mit 8,2″ eher ungewöhnlich von der Größe her, die Konkurrenz verbaut überwiegend 10,1″ oder 7″ große Displays. Das IPS Panel bietet scharfe 1280×800 Pixeln, im direkten Vergleich mit einem Ainol Novo 7 Aurora ist das Display allerdings etwas dunkler bei voller Helligkeit. Subjektiv gesehen hat das Xoom 2 ME ein leicht gelbstichiges Display im direkten Vergleich mit dem Ainol, getestet mit einem komplett weißen Bild. Ob das allgemein am verbauten Panel der Reihe liegt oder nur bei dem mir vorliegenden Modell so ist, kann ich nicht zweifelsfrei sagen. Dennoch ist das Display des Xoom 2 ME eines der Besseren da im Freien gut ablesbar, im direkten Sonnenlicht ist wenig bis gar nichts zu erkennen aber daran kränkeln alle Tablets mehr oder weniger stark.

Displayvergleich zwischen Xoom 2 ME und Novo 7 Aurora

 

CPU & GPU

Die im Xoom 2 ME verbaute CPU ist ein OMAP4430 von Texas Instruments, dessen zwei Kerne mit bis zu 1,2 GHz zu Werke gehen. Dieser liegt in Benchmarks in der Regel etwas vor dem Tegra2 von NVIDIA, was im Alltagsbetrieb eher weniger zum tragen kommt. Android 3.2.2 Honeycomb läuft angenehm schnell auf dem Tablet, das switchen zwischen mehreren Programmen ist ausreichend fix und auch 3D Spiele stellen den OMAP4430 vor wenig Probleme. Im direkten Vergleich mit dem Galaxy Tab 10.1 und Android 4.0 Ice Cream Sandwich macht sich die flüssigere Bedienung von Android 4.0 Ice Cream Sandwich allerdings schon bemerkbar, was an der verbesserten Hardwarebeschleunigung von Android 4.0 liegt. Nichts desto trotz ist Shadowgun oder GTA 3 flüssig spielbar auf dem Xoom 2 ME.

Zum Vergleich noch ein paar Benchmark Ergebnisse, jeweils im Vergleich zum Samsung Galaxy Tab 10.1 und dem Ainol Novo 7 Aurora. Je höher der erreichte Wert ist, umso besser. Zu beachten ist hierbei, dass das Novo 7 Aurora das einzige Tablet mit einem Singlecore ist, das Galaxy Tab 10.1 und das Xoom 2 Media Edition haben jeweils einen Dualcore!

Novo 7 Aurora Galaxy Tab 10.1 Xoom 2 Media Edition
Linpack v1.2.8, Single Thread 14.88 MFLOPS 31.888 MFLOPS 45.291 MFLOPS
Linpack v1.2.8, Multi Thread 14.538 MFLOPS 60.825 MFLOPS 62.285 MFLOPS
Nenamark v1.4 42,9 FPS 45,8 FPS 47,9 FPS
SmartBench 2012 464 2135 2281
Vellamo Mobile Web v1.0.6 712 909 1153
AnTuTu v2.7.3, Default Test 2178 4895 5991
SetCPU v2.3.0, Long Bench* 526ms 290ms 282ms
SetCPU v2.3.0, Native Bench* 1021.948242ms 895.938965ms 774.749756ms

*Niedriger ist besser

Akku

Das Xoom 2 ME hat einen fest verbauten Akku mit einer Kapazität von 3.900 mAh. Bei halber Displayhelligkeit, WLAN aus, 3G an, eingeschalteten Google Diensten und eBook lesen machte der Akku nach knapp 6 Stunden und 20 Minuten schlapp, das Galaxy Tab 10.1 als auch das Ainol Novo 7 Aurora hielten hier länger durch. Bei der Wiedergabe von HD Filmen ist es eine knappe Stunde weniger, das aufladen des Akkus brauchte ca. 3-4 Stunden. Bei der Wiedergabe von HD Filmen wurde das Tablet etwas wärmer auf der Rückseite. Die Standby Zeit des Xoom 2 ME ist hingegen recht ordentlich. Liegt es einfach so da ohne WLAN, 3G und ohne viel damit was zu machen, sind gute 4-5 Tage realistisch.

 

Konnektivität

Verbindungen stellt das Xoom 2 ME per 3G, WLAN und MicroUSB her. Das 3G Modem beherrscht neben Quadband GSM, EDGE und Quadband UMTS auch den schnelleren Standard HSPA+, der Downloadraten von bis zu 21 MBit pro Sekunde ermöglicht. Sowohl bei WLAN- als auch 3G-Verbindungen ist das Xoom 2 ME  recht zügig. Interessanterweise hatte das Xoom 2 ME öfters HSDPA Empfang als das Galaxy S II

Über ein separat erhältliches MicroHDMI Kabel ist es möglich, den Inhalt des Displays auf einem entsprechenden Fernseher oder PC Monitor wiedergegeben werden, der OMAP4430 ist in der Lage 1080p Filme flüssig darüber auszugeben. Dennoch ein kleiner Vergleich an dieser Stelle: Der Allwinner A10 im Ainol Novo 7 Aurora schafft 2160p, inklusive 3D Filme.

 

Multimedia

Motorola bewirbt das kleinere Xoom als Medientablet, was läge da näher als es auf entsprechende Funktionen zu testen. Filme mit 720p (1280×720 Pixel) Auflösung spielte das Tablet mit hin und wieder leichten Rucklern ab, das dürfte allerdings an dem angeschauten Filmmaterial liegen. Für den Test habe ich Steamboy im MKV Format gewählt, der eine Größe von 4,2 GB besitzt. Der vorinstallierte Videoplayer kommt mit dem Format nicht zurecht, weswegen ich den Film mit dem MX Vider Player im Software Decoding abgespielt habe, ein Hardwaredecoding scheint der OMAP4430 nicht zu bieten. Anzumerken sei hier, dass das Xoom 2 ME auf der Rückseite merklich wärmer wird.

Wie viele andere Tablets verfügt das Xoom 2 ME über Stereolautsprecher. Im Vergleich zum Galaxy Tab 10.1 von Samsung klingen die Lautsprecher des Xoom 2 ME linkslastiger und bassärmer, hier hätte ich mir von einem Medientablet mehr erwartet. Andererseits muss man sich den Verkaufspreis vor Augen halten, es wird kein Spielraum für qualitativ hochwertigere Lautsprecher dagewesen sein.

Was das Xoom 2 ME neben dem eher ungewöhnlichen 8,2″ Display noch von anderen Tablets abhebt, ist der verbaute Infrarot Port auf der Stirnseite des Gehäuses. Leider war es mir nicht möglich diesen auszuprobieren, meine Audio- und TV-Technik  ist für die vorinstallierte Dijit App schlicht und ergreifend zu alt. Dennoch ist die Auswahl an Herstellern für die Kategorien TV, Kabel, Video Zubehör, Satellit, VCR, DVD, Empfänger, Amplifier, CD und Hausautomation recht hoch. Laut App Beschreibung im Google Play Store werden über 200.000 Geräte im Home Entertainment Bereich unterstützt.

Wie bei fast jedem Tablet ist auch beim Xoom 2 ME auf der Rückseite eine Kamera verbaut, die mit 5 Megapixel auflöst. Ich hinterfrage zwar nach wie vor den Sinn einer solchen Kamera an einem Tablet aber es soll Nutzer geben, die eine solche Kamera sinnvoll verwenden können. Wichtiger ist da für mich die Frontkamera, die beim Xoom 2 ME 1,3 Megapixel vorzuweisen hat. Sind die Lichtverhältnisse entsprechend liefert die rückseitige Kamera brauchbare Bilder, mehr aber auch nicht.

Hauptkamera mit LED Blitzlicht

Fotobeispiel Xoom 2 ME
Fotobeispiel HTC One X
Fotobeispiel Galaxy S 2
Fotobeispiel Panasonic Eluga

 

Software

Ein weiteres Merkmal des Xoom 2 ME ist die Ausstattung mit der App Citrix Receiver, eine Remote App für den beruflichen Desktop Computer in der Firma. Die App gibt es zwar im Google Play Store kostenlos aber egal. Passend dazu ist „GoToMeeting“ vorinstalliert, mit dem beispielsweise die nächste Präsentation nochmal mit den Kollegen aus einem Café heraus durchgehen lässt. Insbesondere in Firmen mit Citrix-VPN ist die Software nützlich.

Bildquelle: Google Play Store

Ebenfalls vorinstalliert sind Apps zum lesen der „Bild“ sowie „Die Welt“, für 3 Monate umsonst am Abend zuvor die jeweilige Ausgabe zum lesen. Gerade „Die Welt“ macht auf dem Tablet Spaß. Für Notizen steht dem Benutzer Evernote zur Verfügung, welches die Daten in der Cloud und somit geräteunabhängig speichert. Gibt es im Google Play Store kostenlos. Wem simple Notizen nicht ausreichen,  der dürfte mit dem Tool „Skitch“ glücklicher werden. Damit lassen sich Bilder, Fotos und Notizen kommentieren, ergänzen oder verschönern. Neben dem speichern in Evernote ist das teilen per Facebook machbar. Und wer auf dem Tablet gespeicherte Musik, Fotos und Filme teilen möchte, der kann das mit dem ebenfalls vorinstallierten Twonky diese Medien in einem Netzwerk an andere Geräte streamen, quasi eine Art DLNA via WLAN. Gerade in einem total vernetzten Haushalt ist das praktisch.

 

Fazit

Als Multimedia Tablet beworben von Motorola kann das Xoom 2 Media Edition nicht ganz überzeugen, dazu sind die Lautsprecher zu schlecht für ein Medienplayer mit Touchscreen. Von der Videoperformance hingegen kann man nicht viel meckern, diese ist durchweg gut. Viel besser macht es Motorola dagegen mit dem Gehäuse, das ein eigenständiges Design gepaart mit sehr guter Griffigkeit durch eine gummierte Oberfläche bietet. Ebenfalls zu überzeugen weiß die Performance des Gerätes im Alltag, der OMAP4430 ist für alle Aufgaben gut geeignet. Ebenfalls nicht nachzuvollziehen ist die Verwendung von Android 3.2.2, wenn es Android 4.0 Ice Cream Sandwich seit fast einem halben Jahr gibt. Ein Update auf die neuste Android Version ist für das dritte Quartal vorgesehen und auch das ist eindeutig zu spät. Wie schon bei den Smartphones patzt Motorola auch hier wieder an der Software. Das Manko hätte durch einen offenen Bootloader durch die Community wieder ausgebügelt werden können, doch der Bootloader ist wie Motorola üblich verschlossen. Der Community Support könnte somit noch etwas auf sich warten lassen. Immerhin rooten lässt sich das Gerät, was für Bastler schon mal ein Anfang ist.

Wem 10″ Tablets zu groß sind oder 7″ Tablets wegen der Auflösung zu klein, der könnte mit dem Xoom 2 Media Edition glücklich werden. Insgesamt gesehen bietet Motorola ein wertiges und leichtes Gehäuse mit eigenem Charakter für nicht ganz günstige 499 Euro unverbindliche Preisempfehlung für das 3G Modell mit 16 GB an.

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Mann mit Bart und Faible für Smartphones und Tablets jeder Plattform, doch eindeutig bekennender Androidliebhaber.

Ein Kommentar

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