[Test] Samsung Galaxy S4 – Auf Erfolg programmiert

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Test Samsung Galaxy S4

Als Samsung am 14. März in New York die diesjährige Generation des Galaxy S vorstellte, waren die Reaktionen mehr als nur gespalten. Die einen sahen in ihm lediglich ein Galaxy S3 S und andere wiederum sahen den nächsten Anwärter auf den Android-Thron. Gerade im Blick auf das HTC One scheiden sich die Geister wie sonst eher zwischen Apple und Android selbst, weshalb wir uns einmal selbst ein genaueres Bild der Samsung-Flunder namens Galaxy S4 machen wollen.

Der Weg des Erfolges

Apple revolutionierte Anno 2007 den Smartphone-Markt mit dem iPhone auf eine Art und Weise, die für viele Jahre die Branche absolut prägen sollte. Erst als Samsung im Jahre 2010 das Galaxy S auf den Markt brachte, kam das erste Mal die Bezeichnung „Wahrer iPhone-Killer“ hervor. Zuvor behauptete man das von etlichen Smartphones aber keines verkaufte sich annähernd so gut wie besagtes iPhone. Eben besagtes Galaxy S ging in den ersten 85 Tagen über 3 Millionen Mal über die Ladentheke und avancierte damit aus dem Schlag heraus zum Marktführer der Android-Smartphones. Das Galaxy S2 im folgenden Jahr durchbrach die Marke von 3 Millionen verkaufter Geräte nach bereits 55 Tagen.

130509_4_06Als Samsung letztes Jahr schließlich die dritte Generation auf den Markt brachte, gingen nach nur 2 Monaten über 10 Millionen Geräte in den Besitz glücklicher Käufer über und spätestens mit dieser Marke untermauerte Samsung seinen Anspruch als erfolgreichster Android-Hersteller. Was Anfangs noch wie ein Wettbewerb mehrerer Smartphone-Hersteller aussah, hatte sich im Prinzip zu einem Schlagabtausch von zwei Konkurrenten entwickelt. Während Apple nachgesagt wird, lediglich an einigen Stellen der Hardware behutsam Verbesserungen einzuführen (Prozessor, Display, Gehäuse, usw.), legte Samsung sprichwörtlich an allen Ecken und Enden an und überbot den jeweiligen Vorgänger deutlich. Das Galaxy S4 macht hier keine Ausnahme, geht im Bereich Software jedoch nun ebenfalls diesen Weg.

Technische Daten des Galaxy S4

Technische Daten

Samsung Galaxy S4

Prozessor

Qualcomm Snapdragon 600 Quadcore mit 1,9 GHz
GPU: Adreno 320

Betriebssystem

Android 4.2.2 Jelly Bean / TouchWiz Nature UI 2.0

Interner Speicher

16 GB Interner Speicher
Micro SD Slot

RAM

2 GB

Modellbezeichnung

GT-I9505

Display

4,99″ Super AMOLED FullHD Display mit 1.920 x 1.080 Pixel (441 PPI)
aus Corning Gorilla Glass 3

Anschlüsse

MicroUSB, 3,5mm Audio Klinkenanschluss

Sensoren

Gyrosensor, Beschleunigungssensor, Näherungssensor, Umgebungslichtsensor, Barometer

Abmessungen (HxBxT mm)

131,9 x 68,9 x 8,45 mm

Gewicht

130 Gramm

Gehäusematerial

Glas/Kunststoff

Kamera

13 Megapixel Kamera, 2 Megapixel Frontkamera

Internet

UMTS (850/900/1.900/2.100MHz) + HSPA+ 42 Mbit/s + LTE (800/850/900/1.800/2.100/2.600MHz) + WLAN a/b/g/n/ac

Bluetooth

4.0

Akkutyp

Li-Ion

Kapazität

3,8 V/2.600 mAh

Gesprächszeit

bis zu 17 Std. (3G)

Standby-Zeit

bis zu 370 Std. (3G), bis zu 320 Std. (LTE)

Netz

GSM 850/900/1.800/1.900 MHz, UMTS 850/900/1.900/2.100 MHz

Preis

UVP 729,- Euro (16 GB)
Besonderheit Infrarot, LED, Floating Touch

 

Zubehör

130509_4_46Wenn man den Karton des Galaxy S4 das erste Mal sieht, wundert man sich schon ein wenig über dessen Erscheinung. Statt dem bisher gewohnten Schwarz der bisherigen „Galaxy-S-Verpackungen“ erstrahlt der Pappkarton nun in einem natürlich wirkenden hellen Braunton, der übrigens gefährlich unsichtbar wird auf meinem Schreibtisch. Des Rätsels Lösung: Samsung verwendet nun recycelten Karton, was sich auf die üblichen Beipackzettel, Schnellstart-Anleitung, Garantiekarten und Handbuch, fortsetzt sowie dem gesamten Innenleben der Schachtel. Durchaus eine schöne Abwechslung in all dem Weiß und Schwarz der Branche. Ob dem Naturschutz-geplagten Gewissen damit allerdings ein Dienst erwiesen wird, müsst ihr entscheiden, ein seichtes gutes Gefühl will ich jedenfalls nicht abstreiten.

Hat man das Galaxy S4 selbst aus der Schachtel genommen, den Zwischenboden entfernt und den erwähnten Papierkram herausgenommen, schauen einem ein mit 2 Ampere recht kräftiges Netzteil, Datenkabel und Kopfhörer an. Übrigens allesamt in Weiß, auch beim schwarzen Modell des Galaxy S4. Zu den Kopfhörern gibt es die üblichen Aufsätze für die In-Ear-Kopfhörer in weiteren Größen. Ansonsten lässt sich nichts Auffälliges im Zubehör auffinden, die Kopfhörer beispielsweise sind üblicher Durchschnitt und weder besonders gut noch besonders schlecht in ihrer Klangqualität.

 

Verarbeitung

130509_4_45Einer der größten Kritikpunkte der Samsung-Smartphones ist deren billiger Look, der vom Kunststoff-Gehäuse herführt. Die Samsung’schen Smartphones werden daher gerne mal als „Plastikbomber“ verschrien aber beim Galaxy S4 trifft das keinesfalls zu. Sicherlich, das verwendete Polycarbonat fasst sich vielleicht nicht so wertig an wie der Metallkorpus eines HTC One oder das gläserne Gehäuse eines Xperia Z aber auch das Polycarbonat hat seine Vorzüge. Beispielsweise schlägt sich das im Gesamtgewicht des Smartphones nieder, der Austausch des Gehäuses selbst ist deutlich preiswerter und hässliche Beulen im Gehäuse nach einem Freiflug bleiben ebenfalls aus. Andererseits muss man an dieser Stelle erwähnen, dass Metallgehäuse nicht immer Überbleibsel von Stürzen behalten müssen. Wenn es aber mal passiert, dann ist meistens der gesamte Rahmen verzogen und das könnte so manchen Ästheten dann doch irgendwann stören.

Das auch Polycarbonat nicht fehlerfrei ist will ich an dieser Stelle nicht verschweigen, dass liegt aber eher an der Klavierlack-Optik, auf die Samsung erneut zurück gegriffen hat: Fettflecken sehen einfach nur sch**** aus auf dem Gehäuse des Galaxy S4. Abgesehen von der Materialwahl bleibt Samsung auch seiner mit dem Galaxy S3 eingeführten Design-Linie treu, hier bleiben die Südkoreaner eher konservativ eingestellt. Auch wenn das Gehäuse dem Vorgänger Galaxy S3 verdammt ähnlich sieht, warum sollte man auch mit jeder Generation ein komplett neues Design einführen? Samsungs Erfolg besteht nun einmal nicht ganz unbegründet in einer durch das gesamte Produktportfolio durchgängigen Design-Sprache, die sowohl im Hochpreis- als auch Niedrigpreis-Segment zum Einsatz kommt. Durch den silberfarbenen Gehäuserahmen wirkt das Galaxy S4 dafür ein wenig wertiger, auch wenn es sich dabei nicht um Aluminium oder ein anderes Metall handelt.

Knarzen tut das Gerät beim leichten verbiegen deshalb dennoch nicht, sitzt aber erfreulich rutschfester in der Hand als noch der Vorgänger. Die Spaltmaße sind allesamt sauber und gleichmäßig gearbeitet. Selbst die Hardware-Tasten, namentlich Power und die Lautstärkewippe, sind optisch hervorragend in das Gehäuse eingearbeitet. Dennoch bedarf es ein wenig Gewöhnung, die nur minimal aus dem Gehäuse ragenden Tasten treffsicher zu erfühlen. Der Druckpunkt könnte zudem etwas knackiger ausfallen aber das dürfte fast schon meckern auf hohem Niveau sein. Selbiges gilt übrigens auch für die erneut vorhandene physische Home-Taste, die aber genau den richtigen Druckpunkt hat. Die Kameralinse auf der Rückseite steht kaum aus dem Gehäuse heraus, jedoch fehlt der vom Vorgänger her bekannte Kunststoffring um die Linse herum selbst. Das heißt, dass die Kameralinse mit ihrem Glas fast direkt als Ablagefläche dient und Kratzer in die kleine Glasscheibe viel zu leicht reinkommen. Das hatte Samsung bei der letzten Generation besser gelöst.

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Was Samsung aber vorbildlich gelöst hat, ist das minimal kleinere Gehäuse des Galaxy S4 gegenüber dem Vorgänger, Galaxy S3. Trotz eines auf 4,99″ gewachsenem Displays ist das Galaxy S4 schmaler, kürzer und dünner! Das muss man erst einmal Samsung nachmachen, zumal der südkoreanische Konzern quasi überall in Sachen Hardware noch eine Schippe drauf gelegt hat gegenüber dem Vorgänger. Das gelingt übrigens durch eine bessere Ausnutzung der Front durch das Display aber dazu gleich mehr.

 

Display

130509_4_44Im Galaxy S4 hat Samsung wie erwartet erneut ein AMOLED-Display aus eigener Entwicklung und Produktion verbaut. Beim Vorgänger war es noch ein 4,8″ Display, was prinzipiell eigentlich bereits sehr gut war. Dennoch folgt Samsung dem Trend und vergrößert das Display auf nahezu 5″ und verpasst dem Display eine FullHD-Auflösung, sprich native 1.920 x 1.080 Pixel. Bei den offiziell angegebenen 4,99″ entspricht das einer Pixeldichte von sage und schreibe 441 PPI. Das HTC One hat zwar bei einem 4,7″ großen Display mit ebenfalls FullHD-Auflösung eine höhere Pixeldichte von 468 PPI aber im direkten Vergleich kann man einfach keinen Unterschied erkennen. Wer dennoch einen Unterschied zu erkennen glaubt zwischen beiden Kontrahenten, geht vermutlich nicht allzu objektiv an die Sache heran, denn bei normaler und alltäglicher Nutzung ist einfach kein Unterschied festzustellen: Beide Displays gehören zu den Besten der Branche. Erst unter einem Mikroskop gibt es Unterschiede zu erkennen.
Abgesehen davon verspricht die AMOLED Display-Technologie sattere und kräftigere Farben im Vergleich zur Konkurrenz. Das stimmt so in etwa auch, allerdings wirken die Farben manchmal kräftiger als sie tatsächlich sind, insbesondere wenn man sich mit dem Galaxy S4 aufgenommene Fotos anschaut. Das kann man mögen, muss man aber nicht. Was viele nicht immer bedenken: Man kann die Farbintensität der Darstellung in den Display-Einstellungen des Galaxy S4 etwas beeinflussen, die entsprechende Option ist seit dem Galaxy S2 vorhanden.

130509_4_43Der Betrachtungswinkel des Super AMOLED Displays ist erfreulich hoch, auch wenn sich bei einem extremen Neigungswinkel die Anzeige sichtbar verdunkelt, wenn auch nur leicht. Dennoch kann man dem Gerät eine sehr hohe Sichtbarkeit attestieren, was gerade beim gemeinsamen betrachten von Bildern und Videos erfreulich ist. Aber eine Sache teilt sich Samsung auch hier wieder mit der Konkurrenz: Im Freien bei praller Sonne ist das Display dank spiegelnder Oberfläche mehr schlecht als recht abzulesen, ein Problem, mit dem irgendwie alle Hersteller zu kämpfen haben. Dennoch hat Samsung an der Helligkeit drehen können, denn diese ist im Vergleich zum S3 gefühlt spürbar höher. Dennoch ist mancher Konkurrent noch einen Tacken heller, dass muss man freimütig zugeben.

Eine echte Besonderheit für das Display ist die Möglichkeit, dass Smartphone auch mit Handschuhen bedienen zu können. Dafür muss zwar die Erkennungsempfindlichkeit hochgeschraubt werden in den Display-Einstellungen aber gerade im Winter ist das eine mehr als nur willkommene Funktion. Zudem kann man auf dem Displayglas herumkratzen wie man will, Cornings Gorilla Glass 3 verspricht einen höheren Widerstand als noch bei der letzten Generation. Allerdings will man sowas nicht gerade mutmaßlich mit seinem etliche Hundert Euro teuren Gerät anstellen, weswegen ich auf einen derartigen Test mit Freuden verzichtet habe.

 

CPU & GPU

130509_4_42Eigentlich hatten Samsung-Fans erwartet, dass der auf der Consumer Electronics Show 2013 vorgestellte Exynos 5 Octa aka Exynos 5410 zum Einsatz kommen wird. Dieser Dual-Quadcore ist einer der ersten Chipsätze, die auf ARMs big.LITTLE-Prinzip setzen: Ein Cortex A15 für Leistungsfordernde Anwendungen wie Spiele oder der Wiedergabe von 1080p Videos und ein Cortex A7 für Situationen, wo Energie-Effizienz gefragt ist, der Geräte-Leerlauf und Hintergrund-Aufgaben beispielsweise. Das es dann doch „nur“ ein Snapdragon 600 von Qualcomm geworden ist, liegt an den Produktionsproblemen des Exynos 5 Octa. Dennoch bietet der verbaute Snapdragon 600 ordentlich Power, was sich nicht zuletzt in diversen Benchmarks wiederspiegelt.

Der Quadcore auf Basis von Qualcomms Krait 300 Kernen geht mit bis zu 1,9 GHz ans Werk, was erst einmal verwundert. Schließlich steckt im direkten Konkurrenten HTC One ebenfalls ein Snapdragon 600 drin und der werkelt mit maximal 200 MHz geringerem Takt. Qualcomm selbst hat zwar den Maximaltakt des Snapdragon mit 1,9 GHz beziffert, empfiehlt diesen Takt aber nicht. Warum aber setzt Samsung deshalb auf eben diese 1,9 GHz? Das Geheimnis könnte an einer leichten Modellvariation des Snapdragon 600 liegen, der im Prinzip ein Snapdragon S4 Pro ist. Mehr zu den (möglichen) Hintergründen gibt es in diesem Artikel.

Auf der Grafikseite kommt eine Adreno 320 GPU zum Einsatz, die das derzeitige Spiele-Angebot des Play Store von Google spielend schafft. Es gibt quasi kaum ein Spiel, welches die den Snapdragon 600 in die Knie zwingen kann. Wenn dann ist das die Wärmeentwicklung, die leider etwas negativ zum Tragen kommt aber davon ist das Galaxy S4 nicht alleine betroffen. Auch beim HTC One ist selbst bei relativ geringer Beanspruchung des Quadcores ein leichtes Erwärmen des Gehäuses wahrzunehmen. Ob sich selbiges Verhalten auch beim LTE-surfen einstellt konnte ich leider zwecks mangelnder LTE-Funktion auf Vertragsseite nicht testen.

 

Akku

130509_4_41Hier spielt Samsung eine Trumpfkarte aus, denn der Akku fasst erfreuliche 2.600 mAh an Strom, was sich auch in der Ausdauer des Smartphones bemerkbar macht: Bei moderater Nutzung (eMails, ein wenig WhatsApp, einige Telefonate und Musikhören) sind locker zwei Tage und mehr drin. Im Dauerbetrieb sind gute 8 Stunden möglich, wobei an dieser Stelle erneut das Problem mit dem Hitzkopf Snapdragon 600 zu Tage kommt. Wer mehr Saft braucht, der kann wie bei Samsung üblich den Akku einfach auswechseln, ohne irgendwo Schrauben und dergleichen entfernen zu müssen. Und da der Akku für gewöhnlich eines der ersten Bauteile ist, die ihren Dienst nach etlichen Monaten versagen, ist das eine mehr als nur willkommene Eigenschaft. Zumal dadurch das Galaxy S4 auch für mehrtägige Festivals geeignet ist, sofern man ein oder zwei Wechselakkus mit nimmt. Ein Smartphone wie das HTC One mit seinem fest verbauten Akku ist da nicht sonderlich gut geeignet. Zumindest wenn man Probleme damit hat, einen externen Akku zum aufladen mitzuschleppen.

 

Konnektivität

130509_4_40Samsung verbaut wirklich nahezu alles was an Kommunikationswegen machbar ist. Hexaband-LTE, Quadband UMTS inklusive HSPA+, WLAN nach dem neuen (und schnelleren) ac-Standard inklusive WiFi Direct, Bluetooth 4.0 und selbst NFC: Es gibt quasi nichts was man am Galaxy S4 vermissen würde. Selbst Miracast bietet das Smartphone an, womit drahtlos Inhalte über eine direkte WLAN-Verbindung zu einem Miracast-kompatiblen Fernseher geschickt werden können und DLNA sowie Samsungs AllShare darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben.

Überdies kann das Galaxy S4 MicroSD-Karten mit Kapazitäten bis zu 64 GB aufnehmen, womit der Speichererweiterung nichts im Wege steht. Wem MicroSD-Karten nicht reichen, der kann aber auch dank USB-Host-Modus USB-Sticks und selbst Festplatten, externe Energieversorgung vorausgesetzt, anschließen. Lediglich einen dedizierten HDMI-Ausgang könnte man bemängeln, da Samsung diesen per MHL über die MicroUSB-Buchse realisiert. Einen entsprechenden Adapter bietet Samsung separat an. Muss man aber nicht zwangsläufig verwenden, der Adapter vom Galaxy S2 beispielsweise funktioniert ebenso wie weit günstigere Adapter von ebay aus China.

Selbst einen Infrarot-Sender auf der Stirnseite zum Bedienen der eigenen Heimelektronik bietet das Smartphone, welcher bereits mit dem Galaxy Note 10.1 seine Wiederkehr bei Premium-Modellen der Südkoreaner feierte. Samsung hat mit WatchON eine entsprechende App vorinstalliert, mit welcher neben der eigentlichen Steuerung entsprechender Heimelektronik zudem eine Liste aktuell laufender Sendungen angezeigt wird. Pate dürfte vielleicht HTCs Sense TV gestanden haben, zumindest sind die grundlegenden Funktionen auffällig ähnlich. WatchON selbst ist allerdings nichts weiter als eine für das Galaxy S4 angepasste App von Peel.

 

Multimedia

Eines der ganz großen Merkmale des HTC One ist dessen Stereo-Frontlautsprecher. Samsung verzichtet auf solch ein Feature, auch wenn ich mir den Lautsprecher ebenfalls lieber auf der Vorderseite wünschen würde. Abgesehen von dieser „Kleinigkeit“ ist der Lautsprecher in Sachen Lautstärke und Qualität erneut ein Sprung zum Besseren im direkten Vergleich zum Vorgänger, kommt aber logischerweise bei Weitem nicht an die Qualität des Lautsprechers des HTC One heran, dass muss man einfach zugeben. Abgesehen davon ist der Lautsprecher wirklich brauchbar, auch wenn dieser bei typischer Haltung der Hand von selbiger bisweilen verdeckt wird und daher etwas dumpf klingt.

Eines der Glanzstücke ist die Kamera des Galaxy S4, die mit 13 Megapixel auflöst. Der Sensor kommt übrigens aus dem Hause Sony und hört auf den Namen Exmor R, was unter anderem zu vergleichsweise guten Ergebnissen bei schwierigen Lichtverhältnissen führen soll. Die Technik selber ist aber nicht unbedingt für die sehr gute Bildqualität für Smartphone-Verhältnisse verantwortlich, wie beispielsweise das Xperia Z mit seinem Exmor RS-Sensor zeigt. Vielmehr sind es die Software-Algorithmen von Samsung, die der Kamera zu solch guten Fotos verhelfen. Im Automatik-Modus macht die Kamera vergleichsweise bessere Aufnahmen als HTC One und Xperia Z, die beiden oft herangezogenen Mitbewerber um die Krone der Android-Smartphones. Videos nimmt das Galaxy S4 mit bis zu 1.920 x 1.080 Pixel auf, bei flüssigen 30 Frames pro Sekunde. Die Frontkamera nimmt Fotos mit bis zu 2 Megapixel auf und selbst Videos in 720p-Auflösung sind kein Problem für das Gerät.

Der eigentliche Clou liegt wie schon ansatzweise erwähnt in der Software, die Samsung für das Galaxy S4 entwickelt hat. Das die Ergebnisse der Bilder im Automatik-Modus im Durchschnitt besser ausfallen ist die eine Sache, die vielen Aufnahme-Modi der Kamera-Software sind da schon eine ganz andere. Satte 12 verschiedene Aufnahme-Modi bietet Samsung an, von denen Best Face, Drama, Animiertes Foto, Klangfarbe sowie Radierer die besten sein dürften. Man könnte jetzt erneut mit dem Argument kommen, dass Samsung bei manchen Modi bei HTC abgeschaut hat aber man sollte auch hinzufügen, dass man solch eine Programmfunktion nicht gerade innerhalb einiger Wochen auf die Beine stellen kann. Erst Recht nicht, wenn die gesamte Firmware ausgiebig testen und zertifizieren/ratifizieren lassen muss.

 

Software

Als Betriebssystem kommt die neuste Version von Android, namentlich Android 4.2.2 Jelly Bean zum Einsatz. Damit hat Samsung das Kunststück geschafft, nach den Nexus-Modellen das erste Android-Gerät überhaupt auf den Markt zu bringen, welches mit dieser Version ausgestattet ist. Zumindest wenn man sich auf den Markt außerhalb Chinas beschränkt, denn dort gelten wie bekannt sein dürfte, etwas andere Gesetzmäßigkeiten. Als Aufsatz kommt wie bei Samsung üblich das hauseigene TouchWiz zum Einsatz, hier allerdings in der Nature UX 2.0. Das bietet die bereits gewohnten Schalter für diverse Funktionen in der herunterziehbaren Notificationbar, deren Anordnung man übrigens selbst einstellen kann per Drag&Drop.

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Die von Google mit Android 4.2 eingeführten Quick Settings können in ihrer ganzen Pracht mit einem kleinen Tippser in die rechte obere Ecke zum Vorschein gebracht werden. Dann lassen sich gleich mal satte 20 Funktionen direkt ein-, aus- oder umschalten. Die Erweiterung des CyanogenMod-Teams bei CM10.1 hat Samsung übrigens übernommen: Beim Gedrückthalten des jeweiligen Icons wird man direkt zu den jeweiligen Einstellungen im verschachtelten Einstellungsmenü weitergeleitet. Jedenfalls hat Samsung hier sinnvoll mitgedacht.

Neu am Galaxy S4 sind die erweiterten Smart-Funktionen sowie das neu hinzugekommene Air View und diverse zugehörige Freihand-Gesten. Auf Seiten von Smart Stay, welches mit dem Galaxy S3 eingeführt wurde, sind die Funktionen für Videos (Smart Pause) und das Scrollen (Smart Scroll) hinzugekommen. Leider funktionieren die nur mit den vorinstallierten Samsung Apps, weswegen sie für manche mehr ein Gimmick bleiben werden anstatt eine tagtäglich zu nutzende Funktion. Daher nur ganz kurz zur Erklärung der Funktionen: Bei Smart Pause werden Videos automatisch angehalten, sobald sich vom Bildschirm des Galaxy S4 wegbewegt. Smart Scroll dagegen achtet auf die Kopfhaltung und scrollt dann entsprechend im vorinstallierten Browser, im App Drawer als Internet bezeichnet. Bei letzterem kann man einschalten, ob der Kopf zum Scrollen geneigt werden soll oder das Galaxy S4 selbst. Beides funktioniert nicht immer ganz zuverlässig, weswegen ich diese Funktionen nicht weiter nutze. Das liegt aber auch zum Teil an den Apps, die ich als Alternativen mittlerweile zu schätzen gelernt habe, namentlich der Chrome Browser und der MX Player.

Ebenfalls neu sind diverse Air-View-Funktionen, wie wir sie vom Galaxy Note 2 sowie Galaxy Note 10.1 (dank Update auf Android 4.1.2 Jelly Bean) her kennen. Nur das beim Galaxy S4 der Finger dazu benutzt wird. So gibt es in den Samsung-eigenen Apps für Galerie, SMS oder dem S Planner entsprechende kleine Vorschauen der Inhalte, sobald man seinen Finger etliche Millimeter über das Display hält. In manchen Apps können mittels Air-View-Gesten die Inhalte durchgeblättert werden, am besten kann man das in der Galerie-App ausprobieren: Mittels einfacher Handbewegung über dem Display und schon flutschen die im Album vorhandenen Bilder über das Display. Leider sind diese Gesten erneut nur den Samsung-Apps vorbehalten, die Idee ist aber definitiv ausbaufähig. Gerade beim Essen mit fettigen Fingern sehr willkommene Funktionen, die mich tatsächlich über einen Wechsel zurück zu den Samsung-eigenen Apps überlegen lassen. Zumal es auch irgendwie intuitiv ist, nachdem man das einige Male gemacht hat und ebenfalls richtig cool kommt das berührungslose Annehmen oder Abweisen eines eingehenden Anrufes daher.

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In Sachen Sprachsteuerung ist nichts Ungewöhnliches vorhanden. Der Wecker lässt sich ausstellen oder verlegen, allerdings klappte das alles andere als zuverlässig. Außerdem bin ich morgens nicht gerade gesprächig, was meiner morgendlichen Verständlichkeit und „Sprachausgabe“ ebenfalls eher abträglich ist. Des Weiteren lässt sich in der Kamera mit „Lächeln!“, „Bitte lächeln!“ oder einfach nur „Klick!“ die Aufnahme auslösen. Ein nettes Gimmick, mehr ist es aber auch nicht wirklich. Selbiges gilt für ChatON oder den Samsung Music Player, die ebenfalls mit diversen Sprachbefehlen eher schlecht als recht genutzt werden können. Hier hat Samsung eindeutig Ausbaupotential. Kleiner nerviger Nachteil für aktive Nutzer der Sprachsteuerung: Diese wird deaktiviert, sobald man auf „Vibration“ umstellt.

Weder der TouchWiz Launcher noch der App Drawer selbst haben größere Veränderungen erfahren bekommen. Noch immer können Widgets beliebig auf den Homescreens platziert werden, deren Anzahl auf bis 7 Seiten begrenzt sind. neu ist jedoch, mittels Air-View-Geste die Homescreen-Elemente von einer Seite zur Nächsten bewegen zu können. Sinnvoll ist die Funktion allerdings eher weniger, denn so oft wird man zum einen seine Homescreens nicht umgestalten und zum anderen muss das zu verschiebende Element mit einem Finger festgehalten werden, während mit der anderen Hand über dem Display herumgefuchtelt wird. Darüber hinaus beherrschen Homescreen und App Drawer Ordner für Apps, verändern der Anzeige (Anpassbares Raster, Alphabetisches Raster und Alphabetische Liste), das Ausblenden bestimmter Apps sowie das Anzeigen aller nachinstallierten Apps. Nichts unbedingt Besonderes also.

Einer der Mehrwerte sind einmal mehr die Samsung Apps: AllShare, Group Play, S Health, S Translator, Text & Bildscanner oder WatchON.

  • AllShare: Damit lassen sich Multimedia-Inhalte bequem zwischen diversen DLNA-fähigen Geräten hin und herschieben.
  • Group Play: Damit lassen sich zwischen Group-Play-zertifizierten Geräten Inhalte via WLAN gemeinsam betrachten. Unterstützt werden Fotos, Videos, Musik und Spiele. Die Verbindung wird per NFC initiiert.
  • S Health: Damit lassen sich die eigenen Fortschritte sowie Ziele in Sachen Fitness überwachen, entsprechendes Zubehör vorausgesetzt.
  • S Translator: Übersetzungstool von Samsung, inklusive Sprachausgabe. Erkennt sogar ziemlich gut Gesprochenes und kann dieses, ebenfalls mit Sprachausgabe, übersetzen. Die Wörterbücher belegen je nach Sprache um die 100-150 MB.
  • Text & Bildscanner: Quasi eine OCR-Software, mit der man Text einscannen und übersetzen lassen kann. Erkennt auch QR-Codes zuverlässig.
  • WatchON: Das Samsung’sche Gegenstück zu HTCs Sense TV. Dient neben digitaler Fernsehzeitschrift auch als Fernbedienung-App, mit der sich verschiedene Geräte zu Gruppen („Zimmern“) zusammenfassen lassen und getrennt automatisiert nutzen lassen.

Am meisten angetan haben es mir persönlich WatchON, der Text & Bildscanner in Verbindung mit S Translator sowie die vielen Kamera-Modi. Insbesondere WatchON kann via WLAN und dem auf der Stirnseite verbauten Infrarot-Sensor seine Stärken ausspielen. Neben einer digitalen Fernsehzeitung mit Sendern und laufenden sowie noch kommenden Sendungen, Serien oder Spielfilmen usw., bietet die App gleich noch eine einstellbare Universal-Fernbedienung. Das Besondere dabei ist die Möglichkeit, sich mehrere „Räume“ mit unterschiedlichen Geräten anzulegen. Beispielsweise „Wohnzimmer“ für die Familie mit Fernseher und BluRay-Festplatten-Rekorder oder ein „Arbeitszimmer“ mit HiFi-Anlage und Verstärker.

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Der Text & Bildscanner arbeitet übrigens wirklich gut und vor allem akkurat. Wenn er denn mal etwas erkennt, dass übersetzt werden soll. Leider verhält sich die App ein wenig zickig im Übersetzungsmodus, QR-Codes werden jedoch sehr schnell und fehlerfrei erkannt, zumindest was ich bisher so an QR-Codes ausprobieren konnte. Jedenfalls wird auch an dieser Stelle wieder gefährlich und eine bisher sehr gern genutzte App könnte wieder vom Galaxy S4 verschwinden. Die Übesetzungsfunktion wäre dann ein nettes Gimmick, wenn es mal funktionieren sollte. Das tut S Translator übrigens für sich genommen wirklich hervorragend, egal ob per Text- oder Spracheingabe. Selbst die Audioausgabe, Wörterbücher und Sprachdateien müssen vorher heruntergeladen werden, sind mehr als nur eine „Nebenbei-Dreingabe“. Mit dieser App hat Samsung wirklich etwas geschaffen, dass dem Google Übersetzer ernsthaft gefährlich werden könnte. Zumindest in der Samsung-Welt.

Und zuletzt darf die Kamera-App selbst nicht fehlen, die fast keine Wünsche eines mobilen Gelegenheitsfotografen offen lässt. Egal ob Automatik-Modus oder spezielle Aufnahme-Modi wie „Radierer“, „HDR“ oder „Drama-Shot“: Überall reagiert das Galaxy S4 flott und die Aufnahme bzw. Nachbearbeitung der Aufnahmen gehen wunderbar flüssig und intuitiv von der Hand. Einzig bei dunklen Lichtverhältnissen ohne LED-Blitz zeigt das Galaxy S4 bzw. dessen Kamera einige Schwächen, hier haben Konkurrenten wie das One von HTC die Nase einfach vorn.

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Fazit

130509_4_39Tja, was soll man zu einem Smartphone wie dem Galaxy S4 schreiben als Fazit? Lohnt sich der Umstieg vom Galaxy S3, kann es das HTC One schlagen und überhaupt: Ist es DAS Überphone des Jahres? Schwierig zu sagen, denn jeder legt nun mal auf verschiedene Kleinigkeiten Wert und jedem kann man es eben auch nicht Recht machen. Von daher versuche ich es mal so anzugehen:

Wer mit vielen Daten lokal hantiert, nicht auf den internen Speicher begrenzt bleiben will und keine Lust hat, all seine Daten in die Cloud auszulagern (egal ob wegen Datenschutzbedenken oder wegen den immensen Mobilfunkpreisen), der sollte sich das Galaxy S4 ernsthaft anschauen. Und wer zudem sich mit dem Polycarbonat als

Gehäusematerial anfreunden kann, dass gegenüber dem Vorgänger sich erfreulich besser anfühlt, der sollte das Galaxy S4 in die engere Auswahl ziehen. Wer zudem ein wirklich gutes Display, eine sehr gute Kamera für schnelle Schnappschüsse sucht UND noch eine Menge an wirklich nützlichen Zusatzfunktionen Out-of-the-Box haben will, der sollte zum Galaxy S4 greifen. Wer mit seinem Galaxy S3 noch zufrieden ist, muss allerdings nicht zwangsweise wechseln, denn Samsung hat bekanntlich schon angekündigt, etliche neue Funktionen für die „alte Garde“ per Update nachzureichen. Andererseits sind die Air-View-Gesten sowie der IR-Sender mehr als reizvoll.

In Sachen reiner Systemleistung jedenfalls liegen das Galaxy S4 und das HTC One definitiv auf gleichem Niveau, sodass es die Software-Unterschiede und besagte Möglichkeit der Speichererweiterung sind, die den Ausschlag Für oder Wider S4 machen. Und eines ist sicher: Das Galaxy S4 ist definitiv eines der besten Smartphone-Komplettpakete des noch jungen Jahres. Pluspunkte sind aber definitiv die Möglichkeit der (zumindest beim „kleinen“ Modell notwendige) Speichererweiterung und der wechselbare Akku. Denn statistisch gesehen macht der Akku als erstes Bauteil die Grätsche, was bei Smartphones wie dem One ein teures „Vergnügen“ werden kann.

Wertung
Geschwindigkeit 5/5
Display 5/5
Funktionalität 5/5
Verarbeitung 4/5
Preis 4/5

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Mann mit Bart und Faible für Smartphones und Tablets jeder Plattform, doch eindeutig bekennender Androidliebhaber.

Ein Kommentar

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