Was kann ich mit NFC alles anstellen? [Android für Anfänger]

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Android für Anfänger: NFC

Das OnePlus 2 stellt derzeit eine kleine Besonderheit im Bereich der Oberklasse-Smartphones dar, denn es ist eines der ganz wenigen Top-Modelle, welches über kein NFC verfügt. Die Kritik am Unternehmen für diesen Schritt ist nicht ganz ungerechtfertigt, aber braucht man NFC überhaupt und was kann man mit dieser Technologie überhaupt alles anstellen? Dieser Frage wollen wir ein wenig nachgehen.

Zunächst einmal sollte man sich im Klaren sein, um was für eine Technologie es sich dabei überhaupt handelt. NFC ist das gebräuchliche Kürzel für Near Field Communication, respektive Nahfeld-Kommunikation im Deutschen. Dabei handelt es sich um einen internationalen Standard, welcher mehr Einsatzmöglichkeiten vorweisen kann als man vielleicht zunächst glauben mag. Denn: Das bargeldlose Bezahlen mit dem Smartphone ist bei weitem nicht das einzige Einsatzgebiet für diese Technik, wie MaTT 2012 schon in unserem ersten Android für Anfänger zu berichten wusste:

Bezahlen mit NFC

Das drahtlose Bezahlen mit dem Smartphone ist dennoch die vielleicht bekannteste Nutzungsart für NFC. Dabei wird auf dem Smartphone in einer virtuellen Geldbörse die Kredit- oder Debitkarte digital gespeichert, welche für den eigentlichen Bezahlvorgang belastet wird. Der Vorgang wird in der Regel fast immer nach demselben Muster initiiert:

  1. Smartphone entsperren und NFC einschalten (wenn nicht permanent aktiv)
  2. Wallet-App starten
  3. Smartphone über das Terminal halten
  4. PIN-Code eingeben zur Bestätigung

Bei manchen Systemen wie zum Beispiel Apple Pay reicht es sogar aus, dass Smartphone an das Terminal zu halten, um den Bezahlvorgang auszulösen. Jedoch ist es fraglich wann in Europa und auch Deutschland diese Technologie an sich ihren großen Durchbruch feiern wird. Insbesondere in Deutschland weigern sich Banken bisher noch im größeren Stil gegen das mobile Bezahlen mit dem Smartphone, auch wenn Anbieter entsprechende Lösungen – was die Gebühren anbelangt – den Banken entgegen kommen (zum Beitrag).

Allerdings ist die Sache etwas komplizierter als man denkt, denn fast jede größere Bank will ihren eigenen Standard durchdrücken, weswegen manche Banken wie der Sparkassen-Verbund mit girogo die eigene und zumeist auf eine überschaubare Anzahl an Partner-Geschäften basierende Lösung anbieten. Gerade Apple Pay wird hier als der aussichtsreichste Wegbereiter in Deutschland betrachtet, wo Bargeld noch immer einen sehr hohen Stellenwert besitzt.

Trotzdem bieten immer mehr Discounter die Möglichkeit, per NFC-fähigem Smartphone seinen Einkauf zu bezahlen. Zu nennen seien hier Aldi als jüngster Teilnehmer, Netto, REWE, Penny, Galeria Kaufhof, Douglas und weitere. Jedoch ist zu beachten, dass nicht jeder Markt teilnimmt und manche wie REWE sowie Penny sich nur auf den Berliner Raum beschränken. Bis sich das mobile Bezahlen über ein NFC-fähiges Smartphone in Deutschland wirklich durchsetzt wird daher noch viel Zeit vergehen.

Automatisierung am Smartphone

Eine weitere beliebte Möglichkeit für NFC ist das Automatisieren bestimmter Vorgänge. Dazu kommen sogenannte NFC-Tags zum Tragen, welche man mit speziellen Apps beschreiben kann. Zu beachten ist dabei, dass diese NFC-Tags verschieden große Speicher besitzen, was auch der Anzahl sowie Komplexität von Aktionen gewisse Grenzen setzt. Mit zu den beliebtesten Apps zum Beschreiben solcher Tags gehört die Freeware NFC Tools, welche das einfache Programmieren eines Tags erlaubt.

NFC Tools
Entwickler: wakdev
Preis: Kostenlos
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Um einen NFC-Tag zu beschreiben, muss dieser zunächst vom NFC-fähigen Smartphone eingelesen werden. Ist der Tag leer und eine passende NFC-App installiert, kann man nun diesen Tag mit verschiedenen beschreiben. Zum Beispiel kann man GPS aktivieren lassen und dazu eine Navi-App starten sowie die Lautstärke des Gerätes auf Maximum setzen. Diesen programmierten Tag kann man nun im Auto liegen lassen und jedes Mal wenn man sein Smartphone drauf hält, werden genau diese Aktionen gestartet.

Wer will kann sich mehrere NFC-Tags nach ähnlichem Schema mit anderen Aktionen anlegen und überall platzieren. Zum Beispiel mit Profilen für Zuhause (Laut + WLAN an), Arbeit (Vibrieren + WLAN aus + niedrige Helligkeit) oder was auch immer einem einfällt. Je nachdem was für Dinge man mit den Tags vor hat, muss man sich wie bereits erwähnt Gedanken um deren Speichergröße machen. Empfehlenswert sind Tags – egal ob als Anhänger oder Sticker – mit mindestens 512 Byte, da man so auch umfangreichere Sachen ausprobieren kann.

Das sich NFC auch auf andere Weise einsetzen lässt, zeigt die kostenlose App InstaWiFi. Mit dieser kleinen App kann man einen NFC-Tag so programmieren, dass dieser automatisch die nötigen Informationen für den Zugriff auf ein WLAN-Netz bereitstellen. Sprich die SSID (=Netzwerkname) und ein Passwort zum verbinden. Zu beachten ist, dass das WLAN-Netzwerk keinen Mac-Filter nutzt.

InstaWifi
Entwickler: Jesse chen
Preis: Kostenlos+
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NFC bei Zubehör

Eine weitere Sache, wozu man NFC sehr gut nutzen kann, ist das einfache Verbindung mit Zubehör. Vielleicht ist dem ein oder anderen ja schon mal aufgefallen, dass immer mehr Fernseher, Radios und auch Lautsprecher mit NFC ausgerüstet werden. Dies hat einen simplen Grund: Anstelle nach neuen Geräten in der unmittelbaren Umgebung zu suchen, sich mit diesen verbinden und dabei einen PIN-Code einzugeben, hält man lediglich das Smartphone auf das NFC-Logo des jeweiligen Gerätes und schon wird das Koppeln inklusive PIN-Code automatisch durchgeführt. Voraussetzung dafür ist lediglich, dass das NFC des Smartphones eingeschaltet ist. Den Rest inklusive Einschalten von Bluetooth übernimmt dabei die Software des Smartphones, wie man es bei unserem Test des Parrot Zik BT / NFC Kopfhörer ab Minute 20:07 sehen kann.

Wie man vielleicht schon an diesem Beispiel sieht, dient NFC bei Bluetooth-fähigen Geräten wie eben Kopfhörern, Lautsprechern und im Fall von Sony auch bei den Ansteck-Kameras der QX-Reihe zur unkomplizierten Kopplung. Gerade dafür ist die Nahfunk-Technologie hervorragend geeignet, da NFC selbst nur eine maximale Reichweite von bis zu 4 cm besitzt, sodass keine anderen Geräte „in die Quere“ kommen können.

Datenaustausch und mehr

Zusammen mit dem Samsung Nexus S und Android 2.3 Gingerbread wurde NFC erstmals standardmäßig von Android unterstützt, was Google direkt auch in die entsprechende Funktionalität umsetzte. So lassen sich mit Android Beam – eingeführt mit Android 4.0 Ice Cream Sandwich – kleinere Dateien zwischen zwei NFC-fähigen Geräten austauschen. Damit auf diese Weise der Datenaustausch klappt, muss Android Beam unter Einstellungen – Drahtlos & Netzwerke – Android Beam zunächst aktiviert werden. Nur bei Samsung-Geräten wird Android Beam als S Beam bezeichnet, da die Südkoreaner ein paar zusätzliche Funktionen implementiert haben.

Um beispielsweise ein Bild zu übertragen, muss man nicht viel tun. Man öffnet das zu übertragende Foto mit der Galerie-App, halte beide Geräte jeweils mit dem Rücken aneinander und halte nun das Bild gedrückt. Nun wird per NFC eine Bluetooth-Verbindung aufgebaut und das Bild übertragen. Auf dieselbe Weise lassen sich in der Theorie her auch andere Dateien wie Musik, Filme und Dokumente übertragen. Einschränkung ist, dass die jeweilige App dies auch tatsächlich unterstützen muss.

Alternativ kann man auch eine Android-App installieren, um jede beliebige – auch offiziell nicht unterstützte – Dateien per Kontext-Menü aus dem Datei Explorer oder einer Drittanbieter-App heraus zu verschicken. Beam File macht es möglich.

File Beam (Touch to Send)
Preis: Kostenlos
  • File Beam (Touch to Send) Screenshot
  • File Beam (Touch to Send) Screenshot
  • File Beam (Touch to Send) Screenshot

Eine andere und vor allem auf Messen oder anderen Großveranstaltungen genutzte Variante sind Smartposter, welche einen integrierten NFC-Chip besitzen. Auf diese Weise kann man diverse Zusatzinformationen zu einem Produkt oder was auch immer bequem verteilen. Zu den möglichen Informationen gehören zum Beispiel Kontaktadressen, Websites zu einem Kinofilm, ein Link zum Download von exklusiven Promo-Material oder auch einfach nur Öffnungszeiten eines Ladengeschäfts. Wie ein solches Smart Poster funktioniert, zeigt der folgende Clip:

Smart im Alltag

Man kann die Nahfunk-Technologie aber auch für gänzlich andere Dinge nutzen, als nur für Multimedia-Geräte oder zum Datenaustausch zwischen zwei Smartphones. Zum Beispiel kann man ein NFC-Smartphone auch als digitalen Türschlüssel nutzen, wie diverse Crowdfunding-Projekte a la Noki (zum Beitrag) zeigen. In exakt dieselbe Richtung geht auch BMW, nur das hier das Smartphone zum Autoschlüssel wird. Nur mit dem richtigen Smartphone kommt man in sein Auto rein. Der BMW i8 zum Beispiel ist ein solches Fahrzeug – Ab Herbst diesen Jahres auch mit dem optionalen BMW Key Fob, einem Autoschlüssel mit NFC und Touchscreen-Display.

Neben solchen Schlüsseln steckt NFC noch in einer Vielzahl an weiteren Dingen wie zum Beispiel Ringen für Sie und Ihn. Damit hat es eine etwas besondere Bewandtnis auf sich. Denn mit Hilfe solcher Ringe kann man sein Android Smartphone vor unbefugtem Zugriff schützen – Stichwort Smartphone entsperren. Nur wenn man den Ring mit NFC-Chip in der Nähe des Gerätes hat, wird dieses entsperrt und lässt sich nutzen (zum Beitrag). Ansonsten wird eine zuvor festgelegte PIN fällig.

Ist bis einschließlich Android 4.4 KitKat dafür noch eine spezielle App nötig, ist ab Android 5.0 Lollipop diese Funktion fest eingebaut. Sobald man das erste Mal einen solchen Ring mit seinem Android Smartphone verbindet, kommt eine Abfrage mit welcher man diesen als vertrauenswürdig einstufen kann, was wiederum die PIN-Abfrage deaktiviert, wenn der Ring über den NFC-Chip erkannt wird.

Apropos Sicherheit: Wer einen aktuellen Personalausweis besitzt, welcher seit dem 1. November 2010 bei Neuanträgen und Verlängerungen ausgegeben wird, besitzt ebenfalls die NFC-Technologie im Portmonnaie. Das sich die Sicherheit einfacher als einem lieb ist aushebeln lässt, bewies der Chaos Computer Club. Die Antworten der Bundesregierung hat man erneut entkräften können.

Unverschlüsselt aber trotzdem sicher?

Leider hat die für sich genommene praktische Technik auch einen riesen Nachteil: Die Daten, welche bei einer Verbindung ausgetauscht werden, sind nicht verschlüsselt. In der Theorie ist ein Stehlen der Daten damit sehr leicht, sofern der Angreifer überhaupt nah genug heran kommt. Da NFC eine maximale Reichweite von knapp 4 cm besitzt ist ein direktes Auslesen schon mal schwierig. Jedoch lassen sich Lesegeräte technisch so kompromittieren, dass die ausgelesenen Daten an einen Dritten übermittelt werden können. Der Chip im Smartphone selbst hat jedoch keinen direkten Zugriff auf die Daten im internen Speicher. Hinzu kommt, dass Wallet-Apps grundsätzlich die gespeicherten Daten einer Kreditkarte in einem gesonderten und verschlüsselten Speicher ablegen.

Aus diesem Grund sollte man prinzipiell vorsichtig mit Lesegeräten, Smartposter und andere Dingen umgehen, welche man mit einem NFC-fähigen Smartphone auslesen kann. Von daher ist die Technologie an sich ein durchaus streitbares Thema, was wir in einer älteren Folge von anDROID talk aus dem Jahre 2012 einmal aufgegriffen hatten:

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Mann mit Bart und Faible für Smartphones und Tablets jeder Plattform, doch eindeutig bekennender Androidliebhaber.

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