Windows 10 Updates: Microsoft holt sich die Daten von eurem PC

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windows_10_wallpaper_download_flashnewsVor fast genau einer Woche hat Microsoft den offiziellen Startschuss für Windows 10 gegeben, welches erstmals auch als kostenloses Update für Besitzer von Windows 7 und Windows 8 angeboten wird. Mit der neuen Generation verändert sich so einiges, was auf den ersten Blick seine Vorteile bietet, aber auch seine Schattenseiten besitzt.

Unter anderem feiert das von vielen bei Windows 8 vermisste Startmenü seine Rückkehr, auch wenn es mit den nicht allzu beliebten Metro-Kacheln kombiniert wird. Diese Entscheidung der verantwortlichen Entwickler wird zwar nicht jeder restlos akzeptieren können, aber damit ist Windows 10 wieder für zahlreiche Umsteiger attraktiver geworden. Leider gilt das nicht für alle Dinge, die auf den ersten Blick eine technisch interessante Lösung darstellen. So wie die Windows Update-Funktion, welche nun gänzlich anders funktioniert.

Windows 10 und das P2P-Update

Bisher war es so, dass neue Updates für die Software-Produkte von Microsoft direkt über die Konzern-eigenen Server bezogen wurden. Von daher hat der Download neuer Updates mit unter auch mal längere Zeit in Anspruch genommen. Gerade wenn mal wieder ein Patch-Day ist und Millionen von Windows-Nutzer auf die Server zugreifen. Dass dabei die 40 Terabit/Sekunde nicht immer in ihrer vollen Bandbreite zur Verfügung stehen, ist nachvollziehbar. Daher setzt Windows 10 ab Werk auf das sogenannte Peer2Peer-Prinzip (P2P) zum Verteilen von Updates.

Vereinfacht gesagt wird dabei jeder Windows 10 PC zu einem kleinen Server umgewandelt, welcher Updates für andere Windows 10 PCs bereitstellen kann. Anstelle also auf die Microsoft-Server zuzugreifen und von dort die Updates zu beziehen, werden kurzerhand andere private Heim-Rechner in der Nähe aus Netzwerk-Sicht angefragt, ob die benötigten Updates bereitgestellt werden. Ist dies der Fall, beginnen die PCs der jeweiligen Nutzer ihre Dateien über das P2P-Netzwerk zu verteilen.

Was Microsoft eine erhebliche Erleichterung für die Server beschert, ist auf der anderen Seite für die Nutzer nicht gerade optimal. Vor allem Kunden mit einem Volumen-Tarif, welcher ab einer gewissen Grenze an übertragenen Daten den Anschluss spürbar drosselt, ist dieses Prinzip fatal. Schließlich werden hoch geladene Daten ebenfalls in das Inklusiv-Volumen mit einbezogen. Hinzu kommt, dass die Upload-Geschwindigkeit in der Regel um ein Vielfaches niedriger ist als die Geschwindigkeit für einen Download.

Theorie und Praxis

Das eigentliche Risiko liegt jedoch woanders: Nämlich in der Verbreitung von Malware durch dieses P2P-Update-System. Aber nur auf den ersten Blick, denn bei genauerer Betrachtung ist diese Gefahr nicht so groß wie vorerst befürchtet.

Malware ist in der Regel relativ klein was die Dateigröße anbelangt, was gerade bei größeren Updates für Windows 10 im zweistelligen MB-Bereich kaum verschleiern lässt. Außerdem müssten Malware-Entwickler ihre Schadsoftware per Blaupause in das Update-Netzwerk von Windows 10 einschleusen und das ist mit die größte Hürde. Gott sei Dank! Die erste und vielleicht auch effektivste Hürde für das Einschleusen von Malware hingegen ist die Prüfsumme einer Datei.

Zu den Standard-Methoden zur Verifizierung von Dateien dient die MD5-Prüfsumme. Diese Ziffer besteht in der Regel aus einer 128-Bit langen Zeichenkette, welche zwar nicht einmalig ist, aber mit 3,4 * 10 38 Möglichkeiten – eine Zahl mit über 39 Stellen vor dem Komma – in der Praxis mit nahezu schwindend geringer Wahrscheinlichkeit gefälscht werden kann. Vor allem wenn man ein bestimmtes Windows 10 Update imitieren will.

Eine weitere Hürde stellt dar, dass im klassischen P2P-Netzwerk jeder einzelne Teilnehmer dieselbe Blaupause für eine Datei haben muss, damit diese Datei auch als das Original identifiziert und heruntergeladen werden kann. Von daher ist die Möglichkeit zwar theoretisch vorhanden, dürfte aber praktisch kaum ausgenutzt werden.

P2P-Update ausschalten

Dennoch kann man auf Nummer sicher gehen um beispielsweise ein Internet abhängiges Spiel ohne Bandbreitenverlust spielen möchte und diese Peer to Peer-Update-Funktion in Windows 10 deaktivieren oder so einschränken, dass nur PCs im eigenen lokalen Netzwerk untereinander Updates verteilen können. Dazu öffnet man die Systemsteuerung von Windows 10, geht dann zu dem Punkt „Update und Sicherheit“, daraufhin in die „Erweiterten Optionen“ von Windows Update und öffnet schließlich „Übermittlung von Updates“.

In diesem Fenster kann man die P2P-Funktion für Windows 10 Updates wie bereits erwähnt entweder komplett deaktivieren – was sich bei Volumen-Tarifen für LTE-Nutzer besonders empfiehlt – oder eben auf Rechner im lokalen Netzwerk einschränken.

Microsoft legt das Netz lahm

Kurz nach dem offiziellen Start von Windows 10 berichtete das Blog Streaming Media, dass Microsoft mit der Verteilung des Betriebssystems erstmals wirklich das weltweite Netz lahmlegen könnte. So ganz von der Hand zu weisen ist dies nicht, immerhin wollten Millionen von Nutzern direkt nach dem Start das Update haben, welches mit gut 3,7 GB nicht gerade klein ausfällt. Zusätzlich kommt noch ein etwa 500 MB großer Zero-Day-Patch hinzu, weswegen sich Microsoft zum Start bei den Providern auf der Welt eine zugesicherte Bandbreite von vorsorglich 40 Terabit/Sekunde reserviert hat.

Man kann sich das vielleicht besser vorstellen, wenn man eine andere Zahl nutzt: Microsoft hat für die erste Woche dafür Sorge getragen, dass bis zu 5 Terabyte pro Sekunde über das Internet verteilt werden können und das nur für Windows 10. Zum Vergleich: Die letzten Events von Apple, bei denen erstmals seit langer Zeit wieder Livestreams geschaltet wurden, hatten jeweils eine Bandbreite von bis zu 8 Terabit/Sekunde in Anspruch genommen.

Am ersten Tag soll diese gesamte Bandbreite von 40 Terabit/Sekunde schon zu einem Viertel ausgereizt worden sein, weswegen das Internet im Allgemeinen spürbar langsamer agierte als man es vielleicht gewohnt war. Von daher ist die Behauptung, dass Microsoft mit dem Start von Windows 10 das Internet lahmlegt gar nicht mal so verkehrt, wenn auch nur in begrenzter Weise. Dennoch dürfte es ein ziemlich einmaliges Erlebnis gewesen sein, welches das Internet tatsächlich kurz vor den Zusammenbruch brachte.

[Quellen: Streaming Media | Caschys Blog]

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Mann mit Bart und Faible für Smartphones und Tablets jeder Plattform, doch eindeutig bekennender Androidliebhaber.

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