Wird ZTE nun von den USA mit Sanktionen hart bestraft?

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In den letzten Jahren spielte ZTE außerhalb Chinas nur eine untergeordnete Rolle und war teilweise so gut wie überhaupt nicht mehr am Smartphone-Markt vertreten. Mit den Modellen der Axon-Familie hat sich das Blatt gewendet und auch das Tochterunternehmen Nubia kann mit seinen nahezu Randlosen Android Smartphones für Aufmerksamkeit sorgen, wenngleich diese bei uns nach wie vor offiziell nicht erhältlich sind. Da kommt ein ein US-amerikanisches Handelsverbot zu einem denkbar ungünstigen Augenblick.

Genauer gesagt verbietet das US-Handelsministerium jeglichen Export von US-amerikanischen Produkten nach China, was ZTE als einer der größten Netzwerkausrüster der Welt hart treffen wird. Gerade in der Smartphone-Sparte ist der Konzern mit dem ZTE Axon und dessen Modellvarianten zuletzt sehr stark aufgetreten. In denen kommen US-amerikanische Produkte zum Einsatz – Stichwort Snapdragon 810.

Laut einem Bericht von Reuters, welche entsprechende Dokumente des US-Handelsministerium vorliegen haben, darf kein einziges in den USA entwickelte oder hergestellte Produkt exportiert werden. Das Handelsembargo soll ab Dienstag in Kraft treten wie es heißt.

Schwerer wirtschaftlicher Schlag für ZTE

Den Informationen zufolge liegt der Grund für das Exportverbot zu dem chinesischen Konzern darin begründet, dass ZTE 2012 das Handelsembargo gegen den Iran missachtet und Netzwerktechnik an den größten iranischen Netzbetreiber Telecommunication Co of Iran kurz TCI verkauft hat. Bestandteil der Handelsverträge in Höhe mehrerer Hundert Millionen US-Dollar war auch technische Ausrüstung großer US-amerikanischer Firmen wie es heißt. Genau dieser Punkt hat zu der Untersuchung des US-amerikanischen Handelsministeriums und dem ab morgen gültigen Exportverbot geführt.

Auch wenn der Konzern mit Sitz in der chinesischen Elektronik-Metropole Shenzhen seine umfassende Unterstützung zur Aufklärung der Vorwürfe zugesichert hat, wird das Handelsembargo ZTE auf mittelfristige Sicht schwer treffen.

Wie schwer ist allerdings nicht abzusehen. Das Unternehmen selbst hat in einem aus dem Jahre 2012 stammenden internen Dokument zu Protokoll gegeben, dass man eine ganze Reihe US-amerikanischer Technologie und auch Software in den eigenen Produkten einsetzen würde. Vor allem diverse Chips sollen sich darunter befinden, wie eben die Snapdragon-Prozessoren von Qualcomm. Heißt letzten Endes, dass das Smartphone-Geschäft von ZTE einen deutlich spürbaren Dämpfer zu verkraften hat und der rasante Aufstieg der letzten Monate wieder um Jahre zurückgeworfen werden könnte.

Immerhin waren wir sehr angetan vom preiswerten Top-Modell Axon Elite, wie der nachfolgende Test zeigt:

[Test] ZTE Axon Elite: Safety first durch Irisscanner

In demselben Dokument soll auch die Rede davon sein, wie man trotz des Handelsembargos mit dem Iran die Waren über Dutzende Scheinfirmen exportieren und das Embargo umgehen könnte. Darauf fußt auch die Untersuchung des US-Handelsministeriums. Unklar ist, ob die Pläne nur theoretisiert oder auch tatsächlich praktisch umgesetzt wurden.

Handelspartner hatten keine Ahnung

In ersten Stellungnahmen diverser US-Unternehmen zeigte man sich überrascht von den Verträgen, die ZTE mit dem Iran abgeschlossen hatte. Zu diesen Unternehmen gehören neben Microsoft auch IBM, Oracle und Dell. Unbekannt ist, ob die Geschäftsbeziehungen noch immer zu ZTE bestehen oder nicht.

Das sich der chinesische Konzern der Risiken bewusst war zeigt ein weiteres als „Top secret“ deklariertes Dokument. Darin werden unter anderem die möglichen Risiken eines US-Handelsverbotes erörtert als auch darauf hingewiesen, dass man in den Ländern Iran, Sudan, Nordkorea, Syrien und Kuba Projekte laufen hat. Alle fünf Nationen sind zum damaligen Zeitpunkt bereits mit einem US-amerikanischen Handelsembargo belegt worden.

Auch hatte ZTE bereits damals die Möglichkeit in Betracht gezogen, aufgrund seiner Geschäftsbeziehungen zum Iran auf die schwarze Liste des US-Handelsministeriums gesetzt zu werden. Selbst der Verlust der US-Zuliefererkette wichtiger Komponenten wurde in dem Dokument angesprochen, welches an die Führungskräfte des Konzerns gerichtet ist. Unter anderem gehört Konzern-Präsident Shi Lirong zu den Unterzeichnern des Dokumentes.

Schwere Zeiten für ZTE

Unterm Strich lässt sich derzeit nur festhalten, dass ZTE sich mit einem großen Problem konfrontiert sieht, welches man aus geschäftlichen Gründen bereits vor gut vier Jahren hat kommen sehen. Wie der Konzern darauf reagiert und wie schnell man die zugesicherte Hilfe zum klären etwaiger Missverständnisse leisten kann, bleibt offen.

Fakt ist, dass ZTE nicht das erste Mal mit der US-amerikanischen Wirtschaft sowie Politik in Konflikt geraten ist. Im Oktober 2012 war unter anderem mal der Vorwurf von Spionage-Aktivitäten durch eingesetzte Netzwerktechnik geäußert worden, was allerdings das Weiße Haus damals nicht bestätigen konnte (zum Beitrag).

Spannend wird es aber auch für die US-Abteilung des Konzerns: Fünf Teams der NBA – darunter die Golden State Warriors sowie Chicago Bulls – unterstützt der Konzern mit einem ausgedehnten Sponsoring, um die eigene Marke bekannter zu machen in den USA. Sollten die Bemühungen nun vergebens gewesen sein?

[Quelle: Reuters]

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Mann mit Bart und Faible für Smartphones und Tablets jeder Plattform, doch eindeutig bekennender Androidliebhaber.

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