TicWatch Pro 3 Ultra GPS im Test: Jetzt vom US-Militär zertifiziert

Mitte Oktober hatte der chinesische Wearable-Hersteller Mobvoi mit der TicWatch Pro 3 Ultra GPS die dritte Generation seiner bekannten Google Wear Smartwatch mit dualen Display vorgestellt. Wir haben uns die knapp 300 Euro teure smarte Uhr einmal genauer angeschaut und circa 2 Wochen lang im täglichen Einsatz getestet. Hier nun unsere Erkenntnisse, Eindrücke und ob wir eine Kaufempfehlung aussprechen oder nicht.

TicWatch Pro 3 Ultra im Test

Seit der ersten TicWatch Pro (zum Test) Anfang 2019 sind wir ein großer Fan der Smartwatch mit dem Konzept des „dualen Displays“. An dieser Technologie hält Mobvoi auch bei der dritten Generation seiner smarten Uhr im Interesse einer langen Akkulaufzeit fest. Was darunter exakt  zu verstehen ist werden wir im Kapitel Display noch einmal detaillierter thematisieren. Doch was hat sich in der Zwischenzeit an der TicWatch Pro 3 Ultra getan? Dazu haben wir uns ein Exemplar (ohne LTE) in die GO2mobile-Redaktion kommen lassen, welches wie immer bei uns zuerst in einem Unboxing-Video ausgepackt wird.

Design und Verarbeitung

Exakt dieser Punkt könnte jetzt recht kurz werden. Denn wer mit der ersten und auch zweiten TicWatch Pro und ihrem Aussehen vertraut ist, wird bereits beim Unboxing-Video festgestellt haben dass optisch kaum Unterschiede auszumachen sind. Wer aber etwas genauer hinschaut wird sie dennoch finden. Es gibt weiterhin zwei Hardwarebuttons auf der rechten Seite, welche durch eine Öffnung für ein Mikrofon getrennt werden.

Auf der linken Seite gibt es nun zwei längliche Öffnungen die dem verbauten Lautsprecher zur freien Entfaltung seiner Schallwellen dienen. Die TicWatch Pro 3 Ultra wirkt nach wir vor sehr dominant und bedarf gerade bei schlanken Handgelenken ein entsprechendes Selbstbewusstsein. Auf der Innenseite findet man weiterhin eine Reihe an magnetischer Pogo-Pins, welche weiterhin zum Kontakt zu dem mitgelieferten Ladekabel mit einem USB-Class-A-Stecker dienen. Ein Netzgerät legt der Hersteller der 299 Euro teuren Uhr nicht bei. Daneben gibt es die Sensoren für den Sauerstoffgehalt im Blut und der Herzfrequenz.

Auf der Front erwartet uns ein recht martialisches Design, welches sich der oberen und unteren Schräge entledigt hat um den Fokus auf eine runde Lünette mit fest aufgedruckter Minutenangabe zu lenken. Drehen lässt sich diese jedoch nicht, um beispielsweise wie bei anderen Herstellern eine Menüwahl vorzunehmen. In diesem Zusammenhang sei euch erwähnt das keiner der beiden seitlichen Tasten die Funktion einer drehbaren Krone übernimmt.

Hier würde ich tatsächlich mehr Innovation vom chinesischen Hersteller Mobvoi erwarten. Die Verarbeitung ist im Allgemeinen hervorragend. Dennoch wirkt das Edelstahl-Gehäuse in matt schwarz lackierte Nylon/Glasfasergemisch nicht hochwertig. Wo genau ist hier „Edelstahl“? Der Wechsel des 22 Millimeter Flurelastomere-Armband ist ohne Probleme möglich, was wir auch umgehend getan haben. Das hier teilweise abgebildete Silicon-Armband mit dem orangefarbenen Streifen ist also keine Serienausstattung. Neu hingegen ist neben der IP68 Zertifizierung, dass die smarte Uhr nach Militär-Standard 810G verschiedenen Tests unterzogen wurde. Darunter unter anderem extreme Temperaturen, Feuchtigkeit, Sonneneinstrahlung, Stöße, Unterdruck und der Schutz gegen das Eindringen von Wasser.

TicWatch Pro 3 Ultra im Test

Display und Akku

Die Mobvoi TicWatch Pro 3 Ultra GPS (was für ein Zungenbrecher) gibt es nur mit einer Displaydiagonale von 1,4 Zoll. Dafür dann aber auch gleich zweimal. Ein monochromes FSTN-LCD-Display und darunter ein typisches farbiges OLED-Panel mit einer Auflösung von 454 x 454 Pixel bei 326 ppi. Neu ist dass nicht nur das AMOLED-Display Farben darstellen kann, sondern mehr oder weniger auch die monochrome Hintergrundbeleuchtung für die Always-On-Funktion kann nun aus einer Farbpalette wählen. Es bleibt aber weiterhin nur eine darzustellende Farbe.

Diese Art der übereinanderliegenden Displays ist auch das ganze Geheimnis der langen Laufzeit, die der Hersteller mit bis zu 45 Tagen angibt. Im sogenannten Essential-Modus verliert der Nutzer jedoch zum größten Teil den Zugang zu den smarten Funktionen seiner Uhr. Wichtige Daten wie die Uhrzeit, Datum, gelaufene Schritte und Kilometer, Herzfrequenz und Akkukapazität bleiben aber erhalten. Ein Zugriff auf das vorinstallierte Google Wear OS gehen nur im Smart-Modus.

TicWatch Pro 3 Ultra im Test

Aber auch hier kann der 577 mAh starke Akku durchaus mit Werten von bis zu drei getesteten Tagen glänzen. Wir waren überrascht und würden auch an dieser Stelle den größten Mehrwert definieren. Hier gibt es einige Einstellungen welche diesen Wert beeinflussen können. Unter anderem ob die Uhr bei einer „Drehgeste“ des Handgelenkes das Display einschalten soll. Auch die verschiedenen 24h-Messungen (siehe Software) können den Akkuverbrauch beeinträchtigen. Eine vollständige Ladung ist in der Regel unter drei Stunden erledigt.

Prozessor und Speicher

Eine weitere deutliche Veränderung ist beim verbauten Prozessor zu spüren. Im Detail handelt es sich hier ähnlich wie beim Snapdragon Wear 4100 Plus sogar um zwei Prozessoren. Dem Snapdragon Wear 4100 und einem hauseigenen und uns namentlich unbekannten Co-Prozessor mit einer maximalen Taktrate von bis zu 2 GHz. Der ist gegenüber der originalen Qualcomm-Co-CPU (Central Processing Unit) sogar überlegen und ist praktisch für die Energie effizienten Arbeiten wie der Anzeige des FSTN-LCD-Displays verantwortlich. Mobvoi redet hier von einer Energieeinsparung von bis zu 25 Prozent zum Vorgänger.

Die gesamte Bedienung der Uhr ist deutlich schneller und Apps reagieren nun direkt. Auch Wartezeiten beim Starten von Anwendungen gehören nun der Vergangenheit an. In Sachen Speicher ist man dem 1 GB RAM treu geblieben, der Programmspeicher hat sich von 4 auf 8 GB verdoppelt. Der Vorgänger hatte hier jedoch auch schon 8 GB Flash-NAND verbaut. Macht auch Sinn, da Mobvoi als eines der neuen Funktionen Spotify in autarker Nutzung anbietet. Sprich die Titel eurer Playlist sollten bereits vor dem Training auf der smarten Uhr  gespeichert sein. Die Wiedergabe erfolgt aber nur über gekoppelte BT-Geräte und nicht über den verbauten Lautsprecher. Das bringt uns auch unmittelbar zur nächsten Kategorie.

Software & Sensoren

Mobvoi durfte sich wie andere Smartwatch-Hersteller auch (siehe Fossil) bei der Anfrage zu dem neuen Wear OS 3.0 eine blutige Nase abholt haben. Denn im Gegenzug, dass Google Samsung für die Galaxy Watch4 und Watch4 Classic gewinnen konnte, sodass Samsung von dem hauseigenen Tizen OS Abstand nahm, musste man dem südkoreanischen Konzern eine Exklusivität für 2021 gewähren. Bedeutet im Umkehrschluss, die TicWatch Pro 3 Ultra ist mit Wear OS by Google in der Version 2.33 ausgestattet und kein Wear OS 3.0. Ein solches Update soll es aber noch im kommenden Jahr geben, verspricht Mobvoi.

TicWatch Pro 3 Ultra im Test

In diesem Zusammenhang sei auch das letzte Sicherheitsupdate vom 5. Mai 2021 genannt. Hier hat sich in unserem gesamten Testzeitraum nichts getan. Sicherlich ist hier nicht mit dem gleichem Maß eines Smartphones zu messen, aber dank Bluetooth 5.0, WLAN b/g/n und einem verbauten NFC-Chip (Near Field Communication) zum kontaktlosen Bezahlen, ist ein Datenaustausch mit der Außenwelt auch ohne ein verbundenes Smartphone möglich. Also Sicherheit spielt auch bei der TicWatch eine Rolex. Außerdem wissen wir von anderen Herstellern, dass Google bereits für smarte Uhren ein Sicherheitspatch im Juli verteilt hat.

TicWatch Pro 3 Ultra im Test

Die TicWatch Pro 3 Ultra GPS ist mit einer Reihe von Sensoren ausgestattet. Darunter der bereits genannte „HD PPG“-Herzfrequenz- und SpO2-Sensor. Aber auch der Beschleunigungsmesser, Gyro-, „Low Latency Off-Body“-Sensor, ein Barometer, sowie ein Kompass wären hier zu benennen. Wobei letzterer laut Pressemitteilung von Mobvoi per Update wieder entfernt wurde. Auf Nachfragen der GO2mobile-Redaktion, was denn dieser genau bewirkt habe, wodurch diese Funktion ersetzt wurde und ob ein verletztes Patent der Grund dafür sei, antwortete man uns lediglich mit einem sogenannten „Kompatibilitätsproblem“ des Kompass. Eine wohl in China übliche Handhabe auf kompromittierende Redaktions-Fragen zu reagieren. Auch  Huawei und Honor reagierten auf direkte Anfragen sehr kurz angebunden. Um nicht das Wort „ablehnend“ zu benutzen.

TicWatch Pro 3 Ultra im Test

In Sachen vorinstallierten Anwendungen ist die neueste smarte Uhr von Mobvoi trotz Google Play Store Zugriff bereits gut ausgestattet. Gerade im Fall des passenden Watchface (digitale Zifferblatt) bietet dieser eine schier unüberschaubare Auswahl. Btw – unser Watchface nennt sich „Swift“ vom Entwickler „thema“. Dank Satelliten-Ortung durch GPS, Beidou, Glonass, Galileo und QZSS ist auch das Tracken von bis zu 21 Workout-Modi wie das Laufen, Radfahren, Bergsteigen, Geländelauf oder Wandern ziemlich genau möglich und kann entsprechend am Smartphone mit der installierten Mobvoi-App ausgewertet werden. Selbstredend lässt sich auch Google Fit installieren und nutzt die TicWatch-Sensoren. Zu erwähnen wäre, dass bei der ersten Verbindung zu den Satelliten auch gut und gern 2 Minuten vergehen können. Also nicht ungeduldig werden.

Neue Funktionen sind durch den verbesserten Sensor möglich, der nun auch die 24-Stunden Herzfrequenz-Beobachtung gewährt, welche nun auch Vorhofflimmern erkennen kann (Beta-Stadium). Ebenfalls gibt es eine Warnung bei einer vom Nutzer definierten Über- oder Unterschreitung der Pulsfrequenz. Neben der Schlafüberwachung gibt es mit TicAtmung, TicZen und TicLärm weitere Gesundheitsanwendungen vom Hersteller. Letztere ist beispielsweise eine App die Umgebungsgeräusche zwischen 30 dB und 120 dB misst und weist bei Gefahr auf mögliche Schäden an euren Hörorganen und dem Nervensystem hin.

Ein großer Pluspunkt: Die von der Uhr vorgenommenen Messungen der Blutsauerstoffsättigung waren bei einer Gegenkontrolle mit einem medizinisch zertifizierten Gerät überraschend korrekt. Gleiches gilt auch für den Puls, welchen wir mit einem „teuren“ Bluetooth-Brustgurt verglichen haben. Beide Werte waren ziemlich deckungsgleich.

Pro und Contra

Pro

  • Lange Laufzeiten
  • Schneller Prozessor
  • Google Play Store Anbindung
  • Vielfalt der Sensoren
  • Akkurate Messwerte
  • Wear OS 3.0 kompatibel
  • Verarbeitung und Zertifizierungen

Contra

  • Klobiges Design
  • Keine drehbare Lünette oder Krone
  • Eine verfügbare Displaygröße

Das Fazit der TicWatch Pro 3 Ultra

Besitzer einer TicWatch Pro 3 (ohne Ultra) brauchen sich keine Gedanken über einen Wechsel machen. Der Mehrwert rechtfertigt nicht die Neuanschaffung. Wer von einer früheren Version, einer Uhr eines anderen Herstellers oder sich gar seine erste Smartwatch zulegen will wird mit der TicWatch Pro 3 Ultra nichts verkehrt machen.

TicWatch Pro 3 Ultra im Test

Ganz im Gegenteil: Im Preisleistungsverhältnis bekommt man hier das beste Angebot für seine knapp 300 Euro. Samsung und Apple bewegen sich hier preislich in ganz anderen Regionen. Und nur weil dort die Bedienung besser gefällt, wäre das in meinen Augen noch keine Empfehlung zur Konkurrenz wert. Die Akkuwerte hat Mobvoi erfreulich gut in den Griff bekommen und auch die Bedienung ist weit von Gedenksekunden entfernt, wie man sie noch aus früheren Zeiten her kennt. Das Dual-Display hat sich im Laufe der Jahre bewährt und überzeugt weiterhin. Gerade wenn man einmal weit von einer Steckdose entfernt ist und dank dem „Wesentlichen Modus“ noch lange über die aktuelle Zeit informiert bleibt.

Entsprechende Zertifizierungen nach IP68 und Militär-Standard, sowie das schnelle wechseln der Armbänder machen das Gesamtpaket mehr als rund.

*Hinweis: Der Artikel beinhaltet Affiliate-Links zu Händlern. Bei einem Kauf eines Geräts über einen solchen Link unterstützt ihr GO2mobile. Für euch entstehen dabei keine zusätzlichen Kosten.
Test der TicWatch Pro 3 Ultra
  • 8.6/10
    Hardware - 8.6/10
  • 9.2/10
    Verarbeitung - 9.2/10
  • 9/10
    Software - 9/10
  • 8.9/10
    Performance - 8.9/10
  • 9.1/10
    Akku - 9.1/10
  • 8.9/10
    Preis/Leistung - 8.9/10
9/10

Kurzfassung

Vergleicht man die TicWatch Pro 3 Ultra zu seinem unmittelbaren Vorgänger, dürften die Militär-Standards ein bisschen wenig Mehrwert sein. Stand-alone betrachtet ist die aktuelle Google Wear Smartwatch von Mobvoi mit seinem Dual-Display-Konzept ein echter Geheimtipp. Lange Laufzeiten, Zugriff auf den Play Store, alle erdenklichen Sensoren und ein schneller Prozessor. Mehr kann man von einer Smartwatch für knapp 300 Euro nicht verlangen.

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MaTT

Schon immer ein Kind der kreativen Künste hat MaTT nun nach einer 15-jährigen Karriere als Musikproduzent die Liebe zur Videoproduktion gefunden. Android in seiner Individualität begeisterte MaTT schon von Beginn an, wie einige Arbeiten aus dem Jahre 2006 und folgend, heute noch bei den XDA Developers Zeugnis tragen.

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