Die Nachrichten der letzten Wochen hatte Apple nicht nur mit seiner gestrigen Keynote öfters beherrscht, sondern auch mit dem Streit des FBI. Auch wenn man gestern den eingeschlagenen Kurs und den prinzipiellen Schutz der Kundendaten bekräftigte, gibt es eine unerwartete Wendung. Anscheinend braucht die Bundespolizei der USA doch keine Hilfe.
Denn genau danach sieht es aus, da eine für heute angesetzte Anhörung von Apple vor Gericht im Rechtsstreit mit dem FBI kurzfristig abgesagt wurde. Laut den Angaben der US-amerikanischen Bundespolizei sei man aktuell damit beschäftigt, andere Wege ohne die Hilfe des iPhone-Herstellers auszuloten.
So ganz auf eigene Kompetenzen scheint die Wendung in dem Fall rund um das zu entschlüsselnde iPhone eines der Attentäter vom San-Bernandino-Anschlag letztes Jahr allerdings nicht zu basieren. Wie es heißt sei eine namentlich nicht näher genannte „dritte Partei“ im Laufe des Sonntag an das FBI herangetreten und hat eine potentielle Methode gezeigt, wie man das fragliche iPhone auch ohne die Hilfe von Apple knacken könnte.
Der zuständige Richter habe der verschobenen Anhörung bereits zugestimmt, sodass der Gerichtstermin für Apple-CEO Tim Cook heute ausfällt. In den kommenden Tagen will das FBI nun die vorgeschlagene Methode ausprobieren und Prozessbeobachter rechnen damit, dass bei einem Erfolg das Verfahren eingestellt wird. Es wurde vorher damit gerechnet, dass beide Parteien auf ihren Standpunkten beharren und notfalls bis vor das oberste US-Gericht ziehen würden.
Laut den ersten Stellungnahmen der US-Behörden dauert es allerdings einige Zeit um die vorgeschlagene Methode zu testen. Bis zum 5. April will man sich Zeit lassen, um das zuständige Gericht über die Fortschritte und den eventuell daraus resultierenden weiteren Schritten zu informieren.
Welche „dritte Partei“ sich nun in den weltweit für Schlagzeilen sorgenden Fall eingemischt hat, ist bisher unklar. Zuvor haben etliche Sicherheitsexperten die Vermutung geäußert, dass der US-amerikanische Inlandsgeheimdienst NSA technisch in der Lage wäre, die iOS-Verschlüsselung des iPhone zu knacken. Apple selbst wurde vom FBI weder über diese Wendung im Vorfeld in Kenntnis gesetzt noch wisse man, um welche „dritte Partei“ es sich handeln könnte.
In jedem Fall werden die Ingenieure von Apple die Wendung als Herausforderung sehen, um die Sicherheit für die nächste größere Version des Betriebssystems zu erhöhen. Denn wenn iOS 9 geknackt werden kann, ließe sich eine noch bessere Absicherung von iOS 10 bestens als Marketing-Mittel für das iPhone 7 nutzen.
Unterm Strich ist das eigentliche Problem damit aber keinesfalls aus der Welt geschafft: Die US-Regierung sucht nach einer Möglichkeit, eine Hintertür für Regierungsorgane in den Betriebssystemen von Smartphones zu implementieren, die jedoch genauso gut von fähigen Hackern und anderen Angreifern für ihre Machenschaften missbraucht werden kann.
Genau dagegen versucht sich Apple zu wehren und bekommt dafür Unterstützung von nahezu allen größeren Unternehmen der US-amerikanischen IT-Industrie, allen voran Facebook, Intel, IBM, Google, Microsoft und selbst AT&T haben ihre Sympathien zu Apple bekundet (zum Beitrag).
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