Auslöser des Verfahrens und der nun verhängten Strafe durch russische Kartellbehörden, ist das vor allem in Russland stark vertretene Unternehmen Yandex, welches eine Kartellbeschwerde bei den zuständigen Behörden gegen Google einreichte. Von daher ist die Kartellrechtsklage umso aufsehen erregender, da sie sich aufgrund der Marktanteile im Suchmaschinengeschäft nicht auf die Google-Suchmaschine bezieht, sondern auf die vorinstallierten Anwendungen auf Android-Geräten.
Zwar kann sich jedes Unternehmen den Quellcode von Android herunterladen und auf die eigenen Smartphones sowie Tablets bringen, aber wenn man den Zugriff zum Google Play Store will, muss fast die gesamte App-Palette von Google auf den Geräten vorinstalliert sein. Dies ist Teil des Mobile Application Distribution Agreement oder kurz MADA (zum Beitrag) genannt, die noch mit anderen Dingen wie eine vorgegebene Platzierung der App-Verknüpfungen oder der Google-Suche, für gute Verkäufe ein wichtiges Puzzlestück ist. Denn ohne offiziellen Zugriff auf den Play Store ist ein Android Smartphone deutlich weniger gefragt.
Eben diese prominente Platzierung stört Yandex, welches in Russland mit Abstand der führende Anbieter für Online-Suchen ist. Mit 60 Prozent aller Suchanfragen im Gegensatz zu Google, die gerade mal bei 30 Prozent liegen, führte eine Beschwerde entsprechend auch zu einer schnellen Untersuchung seitens der russischen Behörden. Was an der Geschichte jedoch arg stört ist die Art und Weise, wie Google einerseits von der Untersuchung und andererseits von dem vorläufigen Ausgang erfahren hat.
Weder wurde die russische Abteilung des US-Konzerns von der Untersuchung unterrichtet, noch von dem vorläufigen Schuldspruch in Kenntnis gesetzt. Lediglich die Presse war die zielführende Informationsquelle für das US-amerikanische Unternehmen. Hilft aber alles nichts, denn innerhalb von 10 Tagen muss Google auf das vorläufige Urteil reagieren indem die Strategie dahinter erklärt oder explizit für den russischen Markt angepasst wird. Sollte sich Google nicht erfolgreich wehren können, droht eine Strafe in Milliardenhöhe, die maximal 15 Prozent des gesamten in Russland erzielten Umsatzes betragen kann. Ohne die nötigen Unterlagen ist eine vernünftige Verteidigung jedoch nahezu unmöglich, sodass die Sache noch einige Zeit die Medien beschäftigen dürfte.
Gerade weil Yandex seine Dominanz auf dem russischen Suchmaschinen-Markt auch auf mobilen Geräten sehen will (dort wird aufgrund der vorinstallierten Apps und Dienste fast nur Google genutzt), war der abzusehender nächste Schritt die Kartellklage.
Allerdings darf man nicht vergessen, dass Russland derzeit sowieso nicht sonderlich gut zu sprechen ist auf die westliche Welt, wovon als einer der Auslöser die Krise rund um die Annektion der ukrainischen Halbinsel Krim gilt. Von daher ist die schnelle Entscheidung ohne Benachrichtigung an Google fast schon als willkürlich beziehungsweise pro-russisch zu betrachten.
Andererseits sind die Vorwürfe von Yandex auch nicht ganz von der Hand zu weisen: Will man den Zugriff auf Google Play (Store) ab Werk anbieten, muss man den Vorgaben Googles nachkommen. Konkurrenten haben es da sehr schwer überhaupt wahrgenommen zu werden, selbst wenn deren Apps ebenfalls vorinstalliert sind. Von daher dürfte der Fall noch einiges an Brisanz bieten, bevor die Sache aus der Welt geschaffen wird. Aber tendenziell sieht es aufgrund der Sachlage – soweit sie tatsächlich der Wahrheit entspricht – eher schlecht für Google in Russland aus.
Yandex indes hat sich in einem Statement logischerweise sehr über die Entscheidung gefreut und zeigt sich bereits siegessicher, den Prozess auch in letzter Instanz zu gewinnen. Aufgrund der wachsenden Popularität hatte Yandex in den letzten Monaten einiges an Marktanteilen an die Konkurrenz aus den USA verloren, die man nun wieder mit rechtlichen Mitteln zurück gewinnen will.
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