Der Vorstoß von Intel in neue Gefilde wird von einigen mit gemischten Gefühlen betrachtet. Noch ist die ARM-Architektur der gleichnamigen Designschmiede omnipräsent auf dem Smartphone-Markt. Quasi jedes Smartphone und jedes Tablet läuft mit einem ARM-Chip, Konkurrenz ist zumindest hierzulande kaum bekannt. Das will Intel mit seiner Medfield-Plattform ändern, stößt dabei aber auf unerwartete (App)Hindernisse.
Gestern stellten Motorola und Intel ein neues Smartphone für den europäischen Markt vor: Das Motorola Razr i. Das ist im Prinzip ein Droid Razr M mit Intel-Innenleben und nebenbei das erste Smartphone, welches die 2-GHz-Marke offiziell durchbricht. Mit seinem 4,3″ qHD Display und den restlichen technischen Eckdaten will das Razr i in der Mittelklasse mitmischen, was bei einem Verkaufspreis von 399 Euro ohne Vertrag vielleicht sogar gelingen könnte. Immerhin hat es ein wirklich wertiges Gehäuse aus widerstandsfähigem Kevlar, was manchem wichtiger sein dürfte als die Leistungskrone in irgendwelchen Benchmarks. Das setzt aber wiederum voraus, dass die App-Kompatibilität zur Medfield-Plattform gegeben ist.
Intel selbst portiert das Android-System auf seine x86-Plattform, auf der Medfield ja letzten Endes basiert. Das umfasst auch die Dalvik Virtual Maschine, für die die meisten Anwendungen programmiert werden, womit von der Theorie her Apps plattformunabhängig laufen sollten. Denn praktisch sieht die Sache wieder anders aus, wie nun Google’s eigener Browser Chrome beweist: Die App ist schlichtweg inkompatibel mit Intels Atom Z2480 im Razr i. Auf Nachfragen bei Motorola gab es nur die Antwort, dass eine angepasste Version des Chrome Browser zum Marktstart des Razr i verfügbar sein werde oder kurz danach.
Schwach ist es dennoch, immerhin gehört Motorola seit einigen Monaten zu Google und beide Unternehmen rühmten sich damit, besonders eng mit Intel zusammen gearbeitet zu haben. Abgesehen davon wirft der Fall eine weitere, viel weitreichendere Frage auf: Wenn schon Google’s eigene Apps nicht vollständig auf die x86-Plattform von Intel portiert wurden, wie sieht es dann bei Drittanbieter-Apps aus dem Google Play Store aus? Werden die Apps überhaupt laufen und wenn nein: Werden sich die Entwickler die Arbeit machen und ihre Apps auf eine sehr gering verbreitete Hardware-Plattform anpassen? Den größeren Entwicklerstudios könnte man das zutrauen aber bei kleineren Entwicklern sieht das schon wieder ganz anders aus.
Ob es sich bei Google’s Chrome nur um einen pikanten Einzelfall handelt, ist an dieser Stelle noch nicht zweifelsfrei zu klären, denn noch gibt es kaum Smartphones mit Intel-CPUs auf dem Markt. Wer also nicht zum unfreiwilligen Tester für Intels zweiten Anlauf im Smartphone-Bereich Fuß zu fassen werden will, sollte noch mit dem Kauf des Razr i warten. Spätestens wenn es das Razr i im Handel gibt, wird sich die App-Kompatibilität schnell offenbaren und eine klare Empfehlung ausgesprochen werden, ob das Smartphone in Sachen installierbarer Apps was taugt oder nicht.
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