Dieses Jahr will Qualcomm mit dem Snapdragon 810 genannten Kraftpaket auch in der Oberklasse der Android Smartphones das 64-Bit Zeitalter einläuten. Nur halten sich seit Wochen hartnäckig Gerüchte, dass der Prozessor aufgrund einer zu großen Wärme-Entwicklung unter Last verschoben wird. Nun gibt es handfeste Beweise dafür.
Das im sonnigen Kalifornien beheimatete Unternehmen Qualcomm gilt als einer der Giganten in der Branche für Smartphone-Prozessoren. Der Großteil aller hierzulande erhältlichen Modelle wird einem Vertreter der Snapdragon-Familie angetrieben und eines der neusten Android Smartphones ist das erst kürzlich angekündigte LG G Flex 2. Dieses Smartphone ist das erste Modell überhaupt, welches offiziell einen Snapdragon 810 Octa-Core beherbergt. Schon im Februar soll der Verkauf beginnen, sofern LG diesen nicht kurzfristig verschieben muss wegen Qualcomm.
Denn wie nun drei Analysten der renommierten Investmentfirma J.P. Morgan berichten, wird Qualcomm die Einführung seines Snapdragon 810 trotz aller anders lautenden Beteuerungen (zum Beitrag) verschieben müssen. Oder der Chip muss künstlich stark in seiner Leistungsfähigkeit beschnitten werden, damit er nicht zu warm wird. Von den Problemen mit der Überhitzung ist dem Bericht zufolge auch der Snapdragon 615 betroffen, aber bei weitem nicht so stark wie der Top-Chip des Unternehmens.
Den technischen Informationen des Benchmark-Tools GeekBench zufolge treten die Wärme-Probleme hauptsächlich dann auf, wenn die vier leistungsstarken Cortex A57 Kerne die Grenze von 1,4 GHz überschreiten und in den „Performance Beast“-Modus wechseln. In dieser Situation soll es arge Probleme mit der Drosselung geben, was selbst die Leistung des Grafikchips negativ beeinflussen soll. Die Performance des Snapdragon 810 insgesamt sinkt damit anscheinend dramatisch.
Als Folge dessen prophezeien die drei Analysten von J.P. Morgan, dass Qualcomm zusammen mit seinem Fertigungspartner TSMC die Massenproduktion des Snapdragon 810 um ein ganzes Quartal verschieben muss. In dieser Zeit wollen beide Unternehmen an neuen Prototypen mit einem optimierten und verbesserten Design der einzelnen Metallschichten auf dem Chip selbst arbeiten, sodass die Cortex-Kerne nicht mehr so stark überhitzen, wenn sie richtig gefordert werden.
Was genau das nun für geplante Smartphones wie dem Samsung Galaxy S6, LG G4 oder dem HTC Hima bedeutet lässt sich noch nicht abschätzen. Sollte sich das Gerücht mit dem Aufschub von einem Quartal als wahr herausstellen, dann ist mit einer breiteren Verfügbarkeit des Snapdragon 810 nicht vor Mai 2015 zu rechnen. Die offizielle Vorstellung der Android Smartphones selbst dürfte das vermutlich nicht im Wege stehen, aber das Warten bis sie dann endlich zu haben sind, könnte ihnen das Genick brechen.
Zumindest Samsung könnte für sein Flaggschiff einen Plan B in Petto haben und der hört auf den Namen Samsung Exynos 7420. Die Südkoreaner setzen seit dem Samsung Galaxy S4 vermehrt auf Prozessoren aus der eigenen Fertigung, welche mit jeder Generation an Leistung und Performance stark zugelegt haben. Insofern ist Samsung nicht ganz so stark von Qualcomm abhängig wie der Rest der Branche. Aber für Qualcomm könnte eine solche Verzögerung einen nicht absehbaren Image- und sogar finanziellen Schaden bedeuten.
Was übrigens witzig an der Geschichte ist: Qualcomm hatte schon seinerzeit mit dem Snapdragon S4 Pro Quad-Core erhebliche Probleme bei der Produktion.
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