Konkret hat Qualcomm gegenüber unseren Kollegen von Caschys Blog erklärt, dass man mit der proprietären Quick Charge Technologie sehr wohl innerhalb der Spezifikationen des USB Typ-C Standards liegen würde. Man räumt seinen Lizenznehmern mit Snapdragon-Prozessoren sogar die Möglichkeit ein, die offiziell vom USB Implementers Forum verabschiedeten Spannungen zu verwenden und auf eine Erhöhung zu verzichten.
Qualcomm weist also Anschuldigungen von sich, dass man bewusst und grundsätzlich die offiziellen Spezifikationen für den USB-Standard aushebeln würde. Ein Vorwurf, den Google-Entwickler Benson Leung vor wenigen Tagen ins Netz stellte.
Leung selbst dürfte einigen Lesern bereits bekannt sein, da er sich vor etlichen Monaten mit diversen USB Typ-C Kabeln für mobile Geräte beschäftigte. Seine damalige Erkenntnis: Weder OnePlus noch die bei Amazon USA verkauften USB Typ-C Kabel entsprachen den offiziellen Spezifikationen, was beide Unternehmen unter Zugzwang setzte. OnePlus rief die nicht den Spezifikationen entsprechenden Kabel zurück (zum Beitrag) und auch Amazon US hat den Verkauf solcher Kabel eingestellt (zum Beitrag).
Nun hatte sich Benson Leung einmal mehr zu dem Thema gemeldet, nur das dieses Mal Qualcomm mit seiner Quick Charge Technologie „das Opfer“ war.
Seinen Erkenntnissen und Untersuchen nach nutzt Qualcomm für das schnellere Aufladen eine variable Stromstärke auf dem Vbus, indem je nach Bedarf die Datenleitungen von USB Typ-A und Typ-B zum Übertragen von Strom genutzt werden. Entsprechend ist Quick Charge nicht verfügbar, wenn das Smartphone oder Tablet gerade Daten überträgt.
Auf eben diese Praxis greift Qualcomm auch bei Quick Charge 3.0 für USB Typ-C Kabel zurück, was aber laut den Spezifikationen für USB 3.1 und USB Typ-C nicht mehr nötig ist. Typ-C unterstützt bereits ab Werk den sogenannten „Power Delivery“-Modus, womit bis zu 100 Watt resultierend aus 20 Volt bei 5 Ampere möglich sind. USB Typ-C beherrscht quasi von Haus aus einen Schnelllade-Modus.
Allerdings wird vom USB Implementers Forum gleichzeitig auch die Nutzung proprietärer Lösungen verboten, welche den Vbus verändern – was Qualcomm munter weiter praktiziert mit besagtem Quick Charge 3.0 Standard. Das ist auch mit der Grund, warum nicht jedes USB Typ-C Netzteil auch tatsächlich den Akku schneller als normal auflädt, weil Power Delivery und Quick Charge inkompatibel zueinander sind. Das eine kann sozusagen nicht mit dem anderen und umgekehrt.
Die Diskussion, die von Benson Leung angestoßen wurde, hat vor allem dadurch an Popularität gewonnen und eine kontroverse Diskussion verursacht, da Leung indirekt das HTC 10 und LG G5 (zu unserem Test) als Power Delivery inkompatibel bezeichnete, eben weil sie Quick Charge 3.0 unterstützen. Wäre noch interessant zu wissen, wie sich die Sache bei dem HTC One A9 verhält, welches den proprietären Qualcomm-Standard per Software-Update verpasst bekommen hat (zum Beitrag).
Jedoch räumt Benson Leung selbst die Möglichkeit ein, dass es trotz der abweichenden Spezifikationen für USB Typ-C bei Verwendung von Qualcomm Quick Charge 3.0 nicht zwingend auch zu Problemen kommen muss. Er spricht mittlerweile nur von der theoretischen Möglichkeit, basierend auf den physikalischen Rahmenbedingungen.
Unterm Strich steht also noch gar nicht wirklich fest, ob der Verstoß von Qualcomm gegen die offiziellen USB 3.1 Spezifikationen überhaupt einen Nachteil hat, abgesehen von inkompatiblen Schnelllade-Netzteilen, wenn diese nicht offiziell Quick Charge 3.0 unterstützen.
Zumal bereits das Gerücht umgeht, dass schon relativ bald mit Qualcomm Quick Charge 4.0 ein zu USB 3.1 voll kompatibler Standard bevor steht.
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