Das Nothing Phone (1) vom Marketing-Großmeister und ehemaligen OnePlus-Mitgründer Carl Pei ist seit der vergangenen Woche Dienstag offiziell präsentiert. Zu kaufen wird das mit 900 und einer LED ausgestattete Mittelklasse-Smartphone ab dem 21. Juli 2022 ab 469 Euro in den Farben Schwarz und Weiß sein. Erste Tests des mit „Instinkt entworfenen Freudenbringer“ geben Auskunft darüber ob Pei seine Versprechungen halten kann. Wir nennen euch die technischen Daten und durchleuchten die öffentliche Resonanz.
Nein – wir haben nicht am 12. Juli 2022 über den Launch des Nothing Phone (1) berichtet. Grund dafür war nicht, dass wir trotz direkten Londoner Kontakt und der in Berlin beauftragten Agentur keine Pressenachricht und auch kein versprochenes Test-Sample bekommen haben, sondern vielmehr die ersten Reaktionen abwarten wollten. Gut – das Nothing Phone (1) wird erst ab kommende Woche Donnerstag (21/07/22 – 8:00 Uhr) ab 469 Euro (8/128 GB) in den Handel kommen, doch erstes Feedback gibt es jetzt schon umfänglich.
Unangenehmer war da schon die Blockierung eines bekannten Tippgebers, der lediglich vor dem Launch Pei via Twitter fragte, ob er nicht doch ein Netzteil in den Lieferumfang mit beilegen könne, da dieses ja schließlich gemeinsam mit dem Smartphone mit einer 33-Watt-Schnellladung entsprechend beworben wird. Nun – alles Themen über die wir bereits berichtet hatten und vermutlich der Grund sind, warum wir als einzige Redaktion kein Nothing Phone (1) samt entsprechender Pressemeldung bekommen haben.
Doch kommen wir zu dem hier und heute. Das unter dem Motto „Pure instinct.“ vermarktete Android-Smartphone kann ab dem kommenden Donnerstag in den Farben Schwarz und Weiß mit einem Vertrag exklusiv bei der deutschen Telekom oder ohne Bindung an ein Netz bei Amazon ab den genannten 469 Euro gekauft werden. Wer mehr Speicher will, da eine optionale Erweiterung via microSD-Karte ausgeschlossen ist, zahlt für 8/256 GB 499 Euro oder der maximalen Ausstattung mit 12 GB LPDDR5 RAM und internen 256 GB UFS 3.1 Programmspeicher 549 Euro (kommt jedoch später auf den Markt). Aber warum so umständlich, hier eine übersichtliche Tabelle:
| Technische Daten | Phone 1 |
| Display | 6,55 Zoll AMOLED 2.400 x 1.080 Pixel (FHD+) bei 402 ppi 60-120 Hz adaptive Bildwiederholrate 240 Hz Touch-Abtastrate HDR10+ Corning Gorilla Glass 5 max. Helligkeit 1.200 nits |
| Prozessor | Snapdragon 778G+ Octa-Core (6 nm) 1x ARM Cortex A78 max 2,5 GHz 3x ARM Cortex A78 max 2,4 GHz 4x ARM Cortex A55 max 1,8 GHz Adreno 642L GPU |
| Speicher | 8/12 GB GB LPDDR5 RAM 128/256 GB UFS 3.1 interner Speicher nicht erweiterbar via microSD-Card |
| Abmessungen | 159,2 x 75,8 x 8,3 mm 193,5 g |
| Akku | 4.500 mAh 33 Watt (Netzteil optional für 35 Euro) 15 Watt Wireless Charging 5 Watt Reverse Wireless Charging |
| Kamera | Dual-Kamera: 50 MP Hauptkamera (Sony IMX766, 1/1.56 Zoll, f/1.88, OIS) 50 MP Weitwinkelkamera (Samsung ISOCELL JN1, 114 Grad, 1/2,76 Zoll, f/2.2 EIS) Frontkamera (Punch Hole links oben): |
| Anschlüsse | USB Type C, keine 3,5 mm Klinke |
| Sonstiges | LTE 4G/5G Dual-SIM WiFi 802.11 a/b/g/n/ac/ax, 2.4 GHz / 5 GHz, 2×2 MIMO WiFi 6 Bluetooth 5.2, NFC GPS, A-GPS, BEIDOU, Galileo, Glonass, BDS Fingerprintsensor (unter dem Display) Stereo-Lautsprecher IP53-Zertifikation |
| Besonderheiten | Glyph Interface (900 weiße LEDs) 1 rote LED (Videoaufzeichnung) Haptic-Touch-Motor aus 100%-recyceltem Aluminium |
| Betriebssystem | Nothing OS auf Basis von Android 12 3 Jahre Android-Updates 4 Jahre Sicherheit-Patches |
| Farben | Schwarz (transparente Rückseite) Weiß (transparente Rückseite) |
| UVP Verfügbarkeit |
8 GB/128 GB – 469 Euro (ab 21/07/22) 8 GB/256 GB – 499 Euro (ab 21/07/22) 12 GB/256 GB – 549 Euro (ab Herbst 2022) |
Lassen wir den über die Maßen künstlich erzeugten Hype außen vor, dann stellt das Nothing Phone (1) ein durchschnittliches Mittelklasse-Smartphone dar, welches vom Preisleistungsverhältnis nicht besonders günstig, aber auch nicht zu teuer daherkommt. Das Killer-Feature ist die durchsichtige Rückseite und das „Glyph Interface“. Hier hagelt es natürlich Kritik. Dir Rückseite gibt so gut wie gar keine Sicht auf die einzelnen Komponenten frei. Da habe ich persönlich mehr erwartet. Warum sind es keine 900 RGB-LEDs, sondern nur weiße? Logisch das auf der Rückseite der meiste Platz für die Beleuchtung ist, doch wer legt sein Smartphone auf das Display ab? Ihr? Damit ist diese vom Ansatz gute Idee auch gleich weg vom Tisch.
Das fehlende Netzteil kann man Pei ankreiden – muss man aber nicht, da er keinen eigenen Standard verwendet, sondern jedes Netzteil verwendet werden kann, was Power Delivery 3.0, beziehungsweise Quick Charge 4.0 verwendet. Das Kamera-Setup scheint ersten Berichten zufolge gute Fotos zu liefern. Lediglich im Nachtmodus schmiert das Ergebnis ein wenig ab. In der Mittelklasse aber auch keine Ausnahme. Dagegen deutlich ärgerlich der aufgetretene Software-Bug mit Google Pay. Mountain View stuft das Smartphone nicht für ausreichend sicher ein, um das Einbinden von Kreditkarten und das einhergehende kontaktlose Bezahlen zu ermöglichen.
Die im Grunde bei jedem neuen Smartphone gefundenen Displayfehler wie ein Grünstich und ausbleibende Pixel rund um die Frontkamera sollten zum jetzigen Zeitpunkt vernachlässigt werden. Wir behalten das aber im Auge. Anders sieht es mit Berichten aus, wo sich angeblich Wasser im Inneren des Nothing-Phone sammelt. Dazu sollte man aber auch wissen, dass die IP53-Zertifizierung lediglich gegen Sprühwasser schützt. Nothing hat sich zu dem Vorfall noch nicht offiziell geäußert.
GlobalData-Analyst wie Ardit Ballhysa glauben nicht daran, dass sich das Nothing Phone (1) im harten Wettbewerb der Mittelklasse durchsetzen wird. Das Gegenteil zu beweisen gilt nun als nächste Hürde für Carl Pei. Den Launch hat er zumindest schon einmal gut gemeistert.
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