Nokia 8.1 im Test: Die Mittelklasse lässt Fragen offen

Seit Anfang Februar 2019 lässt sich auch hierzulande das neue Nokia 8.1 für 449 Euro kaufen. Doch ist es ein Nachfolger des Nokia 8 Flaggschiffs oder doch eher ein Nokia 7.1 Plus Mittelklasse-Smartphone, wie es in China verkauft wird? Wir haben das Smartphone mit dem ausdauernden Akku wie folgt getestet.

 

Das Nokia 8 war bis zur Präsentation des Nokia 9 PureView das Flaggschiff von HMD Global. Laut Nomenklatur ist das Nokia 8.1 also der Nachfolger. Ein Blick auf das technische Datenblatt zeigt uns jedoch ein klassisches Mittelklassen-Smartphone. Das erklärt auch, warum die Finnen das Gerät in China unter dem Namen Nokia 7.1 Plus verkaufen. Denn das kommt dem Android One Smartphone am nächsten. Doch das bleibt nicht die einzige Frage, vor die uns das Nokia 8.1 stellt.

Lieferumfang

Das Nokia 8.1 kommt in einem gewohnt unspektakulären Pappkarton mit einem farbigen Aufdruck und den wichtigsten technischen Daten auf der Rückseite daher. Im Karton befindet sich neben dem eigentlichen Star, ein umfangreiches Konvolut an Kurzanleitungen in vielen Sprachen, das SIM-Tool, ein Stereo-Headset, ein 18-Watt-Netzteil inklusive passenden USB-Class-A auf Class-C-Kabel.

Wir haben uns für die Farbe Stahl mit einem Kupfer-eloxierten Rahmen entscheiden. Alternativ bietet Nokia noch die Farbe Blau-Silber zur Auswahl.

Verarbeitung

Das Nokia 8.1 begeistert mit seinen klaren Linien und dem minimalistischen Design. Der glatte Aluminiumrahmen im eloxierten Kupfer ist natürlich ein Hingucker. Dieser geht Sandwich-mäßig in einem abgerundeten matten silberfarbigen Rahmen nahtlos in eine Corning Gorilla Glass 3 Vorder- und Rückseite über.

Auf der rechten Seite befindet sich die Lautstärkewippe sowie der Power- und Standby-Button. Die Erreichbarkeit der Tasten ist trotz einer Größe von 154,8 x 75,76 x 7,97 Millimeter gegeben. Auf der linken Seite befindet sich der Hybrid-SIM-Tray für zwei Nano-SIM-Karten oder wahlweise einer microSD- und einer Nano-Karte.

Unten befindet sich von rechts nach links der Mono-Lautsprecher, ein USB-Typ-C-Port (2.0) und eine Öffnung, wohinter sich ein Mikrofon befindet. Oben wiederum zeigt sich zur Freude vieler eine 3,5 Millimeter Klinkenbuchse, für den Betrieb eines analogen Stereo-Kopfhörer oder Headset.

Die Verarbeitung ist erwartungsgemäß sehr gut. Keine scharfen Kanten und alle Übergänge sind kaum bis gar nicht spürbar. Tatsächlich haben wir mit mehr sichtbaren Fingerabdrücke auf der Glas-Rückseite gerechnet. Doch das matte Silber scheint diese gut zu Kaschieren. Die Größe, die das Nokia 8.1 aufgrund des 6,18 Zoll großem Display mit sich bringt, bietet im Alltag keine Probleme. Das Smartphone liegt sicher in der Hand. Für eine komplette Bedienung in alle Ecken bedarf es aber das Umsetzen oder die Nutzung der zweiten Hand.

Display

HMD Global verbaut im Nokia 8.1 ein 6,18 Zoll großes PureDisplay im 18,7:9 Seitenverhältnis und einer Auflösung von 2.280 x 1.080 Pixel bei 408 ppi. Im direkten Vergleich wird schnell der Unterschied des IPS-LCD-Panel zu einem AMOLED-Display sichtbar. Bei den intensiven Farb- und Schwarzwerten kann das Nokia-Smartphone nicht mithalten. Das wird dem Nutzer im Alltag aber nicht auffallen, da der Bildschirm einen guten Neigungswinkel, Bildschärfe und Kontrast bietet.

Wer es ein wenig „poppiger“ mag, darf in den Einstellungen zwischen Dynamisch, Lebhaft, Kino und Grundlegend wählen. Ebenfalls lässt sich das gesamte Geräte-Design auf Hell, Dunkel oder Automatisch einstellen. Zu bemängeln hatten wir jedoch die Automatik der Helligkeitsregulierung. Diese war unserem Empfinden in manchen Situation ein wenig zu hektisch. Ein sanftere Regulierung wäre hier von Vorteil.

Eine weitere unbeantwortete Frage stellt sich uns bei einem genaueren Blick auf die Frontkamera und dem Telefon-Lautsprecher. Hier erkennen wir eine Notch, die aber allen Anschein nach dauerhaft mit einem schwarzen Balken getarnt ist. Auch nach Freischaltung der Entwickleroptionen finden wir zwar Optionen für den Ausschnitt, nur bekommen wir den schwarzen Balken rechts und links von der Notch nicht weg. Bei dem chinesischen Pendant ist das jedoch möglich. Gerüchten zufolge hat HMD Global diese Einstellung hierzulande aufgrund Patentklagen gesperrt.

Im Großen und Ganzen würden wir das PureDisplay im Wettbewerb als Durchschnitt beurteilen. Es sit nicht schlecht und reicht komplett für den Tag täglichen Einsatz aus, aber es ist eben kein AMOLED-Display.

CPU, GPU und Speicher

HMD Global verbaut in dem Nokia 8.1 keinen SoC (System on a Chip) der Spitzenklasse. Vielmehr ist der Snapdragon 710 Octa-Core-Prozessor im oberen Mittelfeld anzufinden. Ohne diese Information wird der Nutzer keinen Unterschied spüren. So stehen der CPU neben sechs Cortex A55 Kernen (1,7 GHz), zwei schnelle ARM Cortex A75 Kerne mit einer maximalen Taktfrequenz von 2,2 GHz zur Seite. Grafisch wird der im 10-nm-Prozess gefertigte Snapdragon 710 von einer Adreno 512 GPU unterstützt.

Diese Werte bieten im Alltag eine schnelle und ruckelfreie Menü-Nutzung. Anwendungen werden schnell geöffnet und auch mehrere Apps gleichzeitig bereiten der CPU keine Probleme. Selbst PUPG ließ sich in unserem Test auf den höchsten grafischen Einstellungen spielen.

Erst ein Benchmark-Test holte uns mit knapp 170.00 erreichten Punkten auf den Boden der Tatsachen zurück. Bei aktuellen Top-Werten über 300.000 AnTuTu-Punkten, ist noch Luft nach oben. Mit dem Wert befindet das Nokia 8.1 auf einem Level mit dem Apple iPhone 7 oder OnePlus 3T.

Der finnische Hersteller verbaut in dem Nokia 8.1 an Arbeitsspeicher 4 GB. Der interne Programmspeicher bietet eine Kapazität von 64 GB e-MMC 5.1. Hier gehen aber von Hause aus knapp 15 GB für das System und die vorinstallierten Google-Anwendungen ab. Während der Arbeitsspeicher komplett ausreichend ist, sehen wir die 64 GB nicht mehr als zeitgemäß. Selbstverständlich lassen sich diese mithilfe einer microSD-Speicherkarte bis zu 400 GB erweitern, jedoch unter Verlust der zweiten Nano-SIM-Karte. Chinesische Mitbewerber bieten in der Mittelklasse inzwischen 128 GB als Standard.

Software

Das Nokia 8.1 ist ein Android-One-Smartphone mit all seinen Vorteilen die Google gewährleistet. Das bedeuten zwei garantierte Jahre alle Android-System-Updates und sogar 3 Jahre Google Sicherheits-Patches. Weiterhin geht dies bei Nokia mit einem nahezu Vanilla typischen Android 9.0 Pie einher. Keine Bloatware, Digital Wellbeeing und die neue Gestensteuerung sind nur einige Vorzüge.

Allerdings gibt es hier auch „kleinere“ Probleme. Denn ganz ohne den Einsatz von zusätzlichen Anwendungen wird der Kunde des Nokia 8.1 nicht auskommen. So lässt sich beispielsweise nur über Umwege die eigene Musik abspielen. Die Google-Play-App weigert sich den internen Speicher nach Musik abzusuchen und zur Verfügung zu stellen. Viel lieber möchte man hier dem Anwender ein kostenpflichtiges Abo aufs Auge drücken. Nur der Weg über den Datei-Manager lässt via Google-App den qualitativ durchschnittlichen Mono-Lautsprecher erklingen.

Lediglich an der Kamera-Software legt Nokia selbst Hand an. Und das hätte man meiner Meinung nach besser lassen sollen.

Kamera

Ist im Nokia 8 noch eine 2 x 13-Megapixel-Hauptkamera verbaut, so ist es beim Nokia 8.1 zwar ebenfalls eine Zeiss-Dual-Kamera, allerdings mit einem 12- und einem 13-Megapixel-Sensor. Ungewöhnlich, aber der Sensor mit den 13 Megapixel ist hauptsächlich für die Tiefenmessung vorgesehen. Der 1/2,55 Zoll große Hauptsensor hingegen kann mit einer Pixelgröße von 1,4 Mikrometer und einer Blende von f/1.8 aufwarten. Das ermöglicht deutlich mehr Lichteinlass und erhält somit auch einen optischen Bildstabilisator.

Die Bildergebnisse sind mit dem Nokia 8 durchaus vergleichbar. Die Farbwiedergabe ist sehr natürlich und hat nicht die typischen Anleihen anderer Mitbewerber zu übertreiben. Auch ein Zoom in das Bildmaterial zeigt eine gute Schärfe und stabilen Kontrast. Auch der Bokeh-Effekt neigt nicht zur Übertreibung sondern setzt ganz geschmeidig ein.

Nachtaufnahmen gehören nicht zur Parade-Disziplin des Nokia 8.1, sind aber deutlich besser als manch andere Mittelklasse. Gerade bei dem Foto der City-Toilette ist schön zu sehen das der Hintergrund nicht gänzlich im Pixelmatsch versinkt.

Das Nokia 8.1 verfügt über eine Dual-Sight-Funktion. Das bedeutet wir können Bilder von der 20-Megapixel-Front- und der Dual-Hauptkamera gleichzeitig erstellen. Über den Mehrwert der Funktion enthalten wir uns. Leider führt das zu einer sehr unaufgeräumten Menüführung. Viele Symbole lassen den Nutzer nicht gleich verstehen was wo zu finden ist. Hier sollte Nokia noch einmal nachbessern. Positiv ist aber zu vermerken das der Pro-Modus auch für die Selfie-Kamera verfügbar ist.

Akku

Die große Überraschung ist der 3.500 mAh (nicht Qi-fähige) starke Akku. Die Kapazität lässt auf dem Datenblatt nicht automatisch die sehr guten Test-Ergebnissen erahnen. Dabei reden wir gar nicht von den „angeblichen“ Schnelllade-Leistungen mit denen Nokia aufgrund eines mitgelieferten 18-Watt-Netzteil wirbt. Denn die Ladezeiten sind mit fast 2 Stunden auch nicht bedeutend schneller als bei anderen Smartphones ohne „Fast Charging“-Funktion.

Nein, der Clou ist die Laufzeit des Nokia 8.1. Egal ob im Video-Dauerstreaming-Test oder im täglichen Gebrauch, der 3.500 mAh starke Akku ist ein Geheimtipp. Im normalen Gebrauch sollte eine Laufzeit von zwei Tagen mit nur einer vollen Ladung durchaus möglich sein. Das hätten wir so jetzt nicht erwartet.

Fazit des Nokia 8.1

Das Nokia 8.1 bietet keine nennenswerte Highlights bis auf das Design bei der Kupfer-Wahl. Auch wenn sich Fragen zu der gesperrten Notch und ob es sich hier um einen Nachfolger des Nokia 8 handelt, nach wie vor unbeantwortet bleiben, bietet es für 449 Euro* einen soliden Durchschnitt. Trotz großem 6,2 Zoll großem LC-Display, hat uns die Leistung des 3.500 mAh starken Akkus positiv überrascht.

Die Dual-Hauptkamera von Zeiss ist nicht überragend, kann sich aber getrost mit der Konkurrenz messen. Das Android-One-Versprechen, keine Bloatware und eine vollkommen ausreichende Snapdragon 710 CPU, lassen das Nokia-Smartphone bei der Suche in der Mittelklasse in die engere Wahl kommen.

*Hinweis: Der Artikel beinhaltet Affiliate-Links zu Händlern. Bei einem Kauf eines Geräts über einen solchen Link unterstützt ihr GO2mobile. Für euch entstehen dabei keine zusätzlichen Kosten.

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Test Nokia 8.1
  • 6.3/10
    Hardware - 6.3/10
  • 8.6/10
    Verarbeitung - 8.6/10
  • 8/10
    Software - 8/10
  • 7.2/10
    Performance - 7.2/10
  • 5.3/10
    Kamera - 5.3/10
  • 9.1/10
    Akku - 9.1/10
  • 8.3/10
    Preis/Leistung - 8.3/10
7.5/10

Kurzfassung

Das Nokia 8.1 ist ein solides Mittelklasse-Smartphone mit einem großen LC-Display und einem interessantem Design. Der ausdauernde Akku überrascht positiv im Test. Die Zeiss Dual-Kamera kann mit der Konkurrenz getrost mithalten, bietet aber außer „zweifelhaften“ Dual-Sight-Funktion keine Besonderheiten. Die UVP von 449 Euro ist durchaus gerechtfertigt und für Freunde von Android One ist das Nokia 8.1 eine echte Kauf-Überlegung wert.

MaTT

Schon immer ein Kind der kreativen Künste hat MaTT nun nach einer 15-jährigen Karriere als Musikproduzent die Liebe zur Videoproduktion gefunden. Android in seiner Individualität begeisterte MaTT schon von Beginn an, wie einige Arbeiten aus dem Jahre 2006 und folgend, heute noch bei den XDA Developers Zeugnis tragen.

Ein Gedanke zu „Nokia 8.1 im Test: Die Mittelklasse lässt Fragen offen

  • 7. März 2019 um 18:17
    Permalink

    7.1 Plus oder aber eben auch X7 wäre auch EHRLICHER gewesen. So wollte man der „doofen“ Kundschaft suggerieren, einen „Flaggschiff“ – Nachfolger in der Hand zu haben (was es nun auf jeden Fall NICHT IST). Ob HMD damit die „Hoffnung“ verbunden hat, dass „endlich“ die Rufe nach dem schon laaaaaange „versprochenen“ Update für die unerträgliche Kamera-Firmware des „8“ verhallen, will ich mal dahingestellt sein lassen.
    Mit Beschwerden/ Kritik hat es HMD eh nicht so. Beschwerden/ Mängelanzeigen bleiben in der Regel ja sowieso unbeantwortet. Dafür strotzt der „bewusste“ Twitter-Account von „Lobgesängen“ über die „großartigen“ und innovativen „Nokia’s“. Nun ja.

    Antwort

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