Oppo Find X2 Pro im Test: Alles drin, alles dran, aber teuer!

Oppo als OnePlus-Schwester und BBK-Tochter-Unternehmen ist hierzulande noch nicht so bekannt wie Samsung oder Huawei. Doch die Ambitionen sind stark, was auch das Oppo Find X2 Pro deutlich unter Beweis stellt. Ein Flaggschiff-Smartphone dem es an nichts mangelt. Doch der Preis von knapp 1.200 Euro bereitet Bauchschmerzen. Wir haben das Android-Smartphone ausgiebig getestet und bringen euch auf den neuesten Stand.

Oppo wird nicht jedem in Deutschland etwas sagen. Dabei hat der Hersteller in der Vergangenheit bereits den Vorgänger – das Oppo Find X im Pariser Louvre vorgestellt aber nie offiziell in Deutschland verkauft. Das soll sich nun mit dem Oppo Find X2 Pro ändern. Stolze 1.199 Euro will der chinesische Hersteller ab Mai 2020 haben. Angesichts der hauseigenen Konkurrenz wie dem OnePlus 8 Pro für 999 Euro in der maximalen Ausstattung, ein recht ungewöhnlicher Weg für einen Newcomer, um auf sich aufmerksam zu machen und Marktanteile zu gewinnen.

Design und Verarbeitung

Das nach IP68 zertifizierte Oppo Find X2 Pro ist zugegeben optisch eine Augenweide. 165,2 x 74,4 x 9,5 Millimeter groß und in unserer veganen Ledervariante auf den Punkt 200 Gramm schwer. Ja ich musste bei der Bezeichnung auch ein wenig schmunzeln, Kunstleder sagt man wohl nicht mehr. Es sieht in seinem Orange nicht nur endlich mal anders aus, sondern es gibt keine sichtbaren Fingerabdrücke und liegt auch noch sehr gut in der Hand. Es gibt aber auch eine schwarze Keramik-Version. Der Gold- oder Messing-farbende Metallrahmen ist jetzt nicht so meine Farbe, passt aber optisch gut ins Gesamtbild.

Oppo Find X2 Pro im Test

Die Verarbeitung ist hervorragend. Nichts knarzt, keine scharfen Kanten oder Übergänge und auch die Tasten sind hervorragend positioniert. Mittig eben – da wo die Finger ohne Probleme rankommen. Links die Lautstärketasten und rechts der Power- und Standby-Button.

Oppo Find X2 Pro im Test

Auf der Unterseite befindet sich von rechts nach links der SIM-Slot für zwei Nano-SIM-Karten, eine Öffnung hinter der sich ein Mikrofon befindet, ein USB-Type-C-Port und drei Öffnungen für einen der Stereo-Lautsprecher. Eine Erweiterung des Speichers via microSD-Karte sieht Oppo bei dem Find X2 Pro nicht vor. Doch dazu später mehr. Die Oberseite begrenzt sich auf eine weitere Öffnung für ein Mikrofon. Eine analoge Audio-Klinkenbuchse gibt es nicht.

Auf der Rückseite oben links ordnet Oppo vertikal die Triple-Kamera an, dessen Array ein weinig aus dem Gehäuse ragt, aber nicht wirklich stört, außer dass das Smartphone eben auf dem Tisch auf dieser liegt und bei Nutzung kippelt. Das Oppo Metallschild unten links ist mir persönlich ein wenig „to much“. Ist aber auch sehr subjektiv.

Display

Das 6,78 Zoll große Ultra Vision Display ist in meinen Augen das Highlight am Oppo Find X2. Es löst mit 3.168 x 1.440 Pixel bei 513 ppi auf und bietet eine Bildwiederholrate von 120 Hertz. Oppo gibt eine 8+2-bit Farbtiefe an, unterstützt den DCI-P3 Farbraum und HDR10+. Die Touch-Erkennung beträgt 240 Hertz und wird von einem Corning Gorilla Glass 6 geschützt.

Oppo Find X2 Pro im Test

Der OLED-Bildschirm bietet eine Helligkeit von 800 Nits, kann aber bei direkter Sonneneinstrahlung oder beim Genießen von Blockbustern auf 1.200 Nits hochgeschraubt werden. Am besten mit eingeschaltetem „Ultra Vision Engine“-Chip für eine optimierte Video-Bewegung. Soviel zu den Fakten.

Auch Oppo bedient sich einem Display was rechts und links über den Rand gebogen ist. Damit erweckt es den Eindruck ohne einen Rand aus zukommen. Haptisch kann es Nachteile mit sich bringen, wenn es darum geht Dinge am Rand nicht aktivieren zu können (Klassiker der Mikrofon-Button bei WhatsApp) oder aus Versehen etwas zu drücken was man eigentlich nicht wollte.

Oppo Find X2 Pro im Test

Das Display selbst ist der Hammer! Anders als bei dem Samsung S20 Ultra sind die 120 Frames per Second in jeder Auflösung möglich. Und obwohl das menschliche Auge nur 25 Bilder pro Sekunde einzeln wahrnehmen kann, ist die Darstellung sichtlich flüssiger – kontrastreich – farbdynamisch und knacken scharf. Das gilt auch für den Blickwinkel. Selbstredend bietet das Oppo ein Always-on-Display mit einem umfangreichen Portfolio an „Bildschirm-Aus-Uhren“ wie es Oppo unglücklich übersetzt hat.

Oppo Find X2 Pro im Test

Prozessor und Speicher

In Sachen Prozessor und Speicher hat Oppo ganz oben in das Regal gegriffen. An Bord der gerüchteweise preistreibende Snapdragon 865 Octa-Core-SoC mit einer maximalen Taktfrequenz von 2,85 GHz, einem 5G-tauglichen X55-Modem und einem Adreno 650 Grafik-Chip mit maximalen 587 MHz. Auch beim Speicher wurden keine Kosten gespart. Satte 12 GB LPDDRS Arbeitsspeicher und 512 GB schnellen UFS 3.0 Programmspeicher. Das bei dieser Größenordnung das Unternehmen keinen microSD-Karten-Support mehr vorsieht, ist nachvollziehbar.

Oppo Find X2 Pro im Test

Damit zählt das Oppo Find X2 Pro zu den aktuell Leistungsstärksten Smartphones und könnte auch komplett unproblematisch als Gaming-Smartphone durchgehen.

Quad-Kamera mit Potential zur Überraschung

Oppo spendiert dem Find X2 Pro eine überraschend gut bestückte Triple-Kamera. Überraschend daher, da das Schwester-Unternehmen OnePlus auf dem Sektor bis dato immer ein wenig das Nachsehen zur Premium-Klasse von Samsung und Huawei hatte. Oppo selbst tituliert sie als „Ultra Vision Kamera System“. Hier sind es nun von oben nach unten eine 13-Megapixel-Periskop-Telekamera mit einer optischen Bildstabilisierung und einer Blende von f/3.0.

Oppo Find X2 Pro im Test
Weiter geht es mit einer 48 Megapixel und 120 Grad Ultraweitwinkel-Kamera, welche auch für die Makroaufnahmen mit einer Blende von f/2.2 durch einen Sony IMX586 Sensor dient. Den Abschluss bildet die ebenfalls mit 48 Megapixel ausgestattet Hauptkamera durch einen 1 ¼ Zoll großen Sony IMX689 Sensor. Auch er bietet eine optische Bildstabilisierung, einen PDAF – also Autofokus und eine Blende von f/1.7.

Oppo Find X2 Pro im Test

Was bedeutet das jetzt aber in der Praxis?  Vorab das Negative: Der 60-fache Digitalzoom ist auch hier eher als Spielerei anzusehen. Sinnvolle Foto-Ergebnisse jenseits des 10-fachen Hybrid-Zoom sind nicht mehr möglich.


Dafür lässt es Oppo bei Tageslicht-, Nah-, Selfie- und auch Nacht-Aufnahmen ordentlich krachen. Dem zugutekommt die sogenannte „Dual Native ISO“. Wie der Name schon vermuten lässt, nimmt die Weitwinkelkamera mit zwei unterschiedlichen ISO-Werten je nach Szenario auf und gewährleistet so einen optimalen Dynamikumfang und geringes Bildrauschen. Gerade die Makro-Aufnahmen gefallen uns sehr, bei der eine Entfernung von nur 3 Zentimetern zum Objekt möglich sind. Klar, im Experten-Modus sind auch RAW-Aufnahmen möglich, um später das Rohmaterial entsprechend bearbeiten zu können.

Oppo Find X2 Pro im Test

Auf der Front verbaut das Unternehmen eine Punch-Hole-Kamera oben links im Display. Diese bietet eine 32-Megapixel-Kamera mit einer 5-Linsen-Objektiv und einer Blende von f/2.4. Die Foto-Ergebnisse wissen zu gefallen. Der intelligente Fülllichtmodus und die Unterstützung des Nachtmodus-Algorithmus können so auch bei schlechten Lichtverhältnissen zu guten Aufnahmen führen. Auch hier gibt es die AI-Verschönerung über dessen Einsatz bitte jeder selbst entscheiden möge.

Sicherheit und Software

Zum Entsperren bietet auch das X2 Pro einen Fingerabdrucksensor unter dem Display, welcher absolut zuverlässig und schnell funktioniert. Auch der Face-Unlock funktioniert schnell und zuverlässig. In meinem Fall fast zu schnell, da sich das Smartphone bereits beim einfache Transport sofort entriegelt.

Oppo Find X2 Pro im Test

Das Oppo Find X2 hat Android 10 mit hauseigenem Überzug ColorOS in der Version 7.1 vorinstalliert. Es gibt keine Bloatware an Bord und auch die Anwendungen, die uns der Konzern spendiert ergeben in unseren Augen einen Sinn. Verwundert waren wir über den zwar installierten Theme Store, der aber nicht auf dem Smartphone mit einem Icon verknüpft ist oder sich sonst irgendwie öffnen lässt.

Oppo Find X2 Pro im Test

Fraglich wird sein, wie zuverlässig Oppo mit Updates um die Ecke kommt. Zum Zeitpunkt des Tests ist das Smartphone noch nicht auf dem Markt.
Von daher verwundert das Sicherheitsupdate vom 5. Februar nicht, obwohl der Mai-Patch von Google schon verfügbar ist. Auch sonst bietet Oppo einige nützliche Zusatzfunktionen wie die intelligente Seitenleiste, dem App-Cloner oder die Bildschirm-Videoaufzeichnung. Unterm Strich kommt es aber an das bis dato einmalige OxygenOS der Schwester OnePlus nicht ganz ran.

Das Oppo Find X2 Pro hat gleich 2 Akkus

Oppo ist von jeher für seiner schnellen Lade-Technologie VOOC bekannt, von der auch OnePlus partizipiert. Mit dem Find X2 Pro bietet der Hersteller als einer der wenigen Hersteller ein 65 Watt Netzteil direkt ab Werk mit. Um soviel Energie in das Smartphone zu pumpen bedient sich das Unternehmen eines Tricks.

Es sind zwei 2.130 mAh Akkus verbaut. Warum zwei in Reihe geschaltete Akkus? Das hat mit der Ladetechnik zu tun. Der eine mit Low- und der andere mit High-Spannung. Natürlich alles zertifiziert vom TÜV Rheinland. Das gehört ja heutzutage zum guten Ton dazu. Damit ist das Smartphone von 0 auf 100 unter 40 Minuten vollgetankt.

Ist bei der Geschwindigkeit auch das fehlende kabellose Laden verschmerzbar? Ich sage mal ja – aber nicht bei dem Preis.

Fazit des Oppo Find X2 Pro

Oppo Find X2 Pro im Test

Das Fazit des Oppo Find X2 Pro fällt mir wirklich schwer. Im Grunde gibt es nur eine Sache, die mich wirklich stört und das ist der Preis von knapp 1.200 Euro. Für einen Newcomer, der Oppo hierzulande einfach ist, dürfte das Angesichts der Konkurrenz eine schlechte Entscheidung sein. Nur wenige werden Oppo gegenüber das selbe Vertrauen haben, wie es sich Samsung über viele Jahre erarbeitet hat. Zumal das Schwester-Unternehmen starke Konkurrenz mit dem OnePlus 8 Pro bietet.

Dem gegenüber steht ein überragendes Display mit hoher Auflösung, guten Kontrast und hoher Farbdynamik von Samsung mit durchweg 120 Hertz Bildwiederholrate, wenn gewünscht. Eine Performance aller erster Güte, dank Snapdragon 865 und 12 GB RAM. Mit 512 GB Speicher wird nie der Wunsch nach einer microSD-Karte aufkommen. Die Triple-Kamera hat uns wirklich überrascht. Ist sie noch nicht auf dem Niveau von Huawei, aber wirklich nah dran.

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Test Oppo Find X2 Pro
  • 8.6/10
    Hardware - 8.6/10
  • 9.5/10
    Verarbeitung - 9.5/10
  • 9.1/10
    Software - 9.1/10
  • 9.2/10
    Performance - 9.2/10
  • 8/10
    Kamera - 8/10
  • 9.3/10
    Akku - 9.3/10
  • 4.9/10
    Preis/Leistung - 4.9/10
8.4/10

Kurzfassung

Zwei kleine Minuspunkte muss das Oppo Find X2 Pro am Ende doch von uns kassieren: Zum einen der relativ hohe Preis von 1.200 Euro für einen „Newcomer“ und die fehlende Funktion des kabellosen Ladens. Das macht das Unternehmen aber mit dem wahnsinnig schnellen 65-Watt-VOOC-Ladestandard wieder gut.

Bei den restlichen Komponenten wie dem Display, Prozessor und Speicherkapazität gibt es nur Lob. Auch die Triple-Kamera konnte überzeugen, wenngleich sie noch einen Hauch von Huawei entfernt ist, aber durchaus wettbewerbsfähig mit Samsung.

MaTT

Schon immer ein Kind der kreativen Künste hat MaTT nun nach einer 15-jährigen Karriere als Musikproduzent die Liebe zur Videoproduktion gefunden. Android in seiner Individualität begeisterte MaTT schon von Beginn an, wie einige Arbeiten aus dem Jahre 2006 und folgend, heute noch bei den XDA Developers Zeugnis tragen.

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