Realme 6 Pro im Test: Ehemaliges Oppo-Label emanzipiert sich

Das ehemalige Oppo-Label Realme dürfte hierzulande nur wenigen bekannt sein. Versucht doch die BBK-Tochter erst seit diesem Jahr in Deutschland auf eigenen Beinen zu stehen. Mit der Realme-6-Serie hat das chinesische Unternehmen durchaus preiswerte Mittelklasse-Smartphones im Angebot. Wir haben uns einmal das Realme 6 Pro – praktisch als Flaggschiff der Serie – etwas genauer angeschaut.

Oppo selbst ist vielen hierzulande als OnePlus Schwester nicht wirklich bekannt. Da werden viele auch nichts mit dem ehemaligen Sub-Label Realme anfangen können. Doch nehmen wir das Beispiel Huawei und die inzwischen eigenständige Marke Honor, dann verhält es sich bei Oppo und Realme seit Anfang diesen Jahres hierzulande genauso. Das Realme 6 Pro ist im Zuge des Realme C3, Realme 6 und 6i Ende April 2020 offiziell in Deutschland vorgestellt worden. Es kann als einziges Smartphone anstelle einer MediaTek-CPU, einen Snapdragon-Prozessor von Qualcomm vorweisen. Schauen wir uns doch einmal das knapp 350 Euro teure Android-10-Smartphone ein wenig genauer an.

Design und Verarbeitung

Das Realme 6 Pro lässt sich auf den ersten Blick kaum von den vielen neuen Smartphones unterscheiden. Eine Rückseite aus Glas mit einer links oben vertikal angeordneten Quad-Kamera. Neben dem knapp 2 Millimeter herausstehenden Kamera-Array ein LED-Blitzlicht. Je nachdem wie man das Smartphone in das Licht hält, verändert sich unser „Lightning Blue“-Modell. Fingerabdruck sind erkennbar, werden aber durch den wandernden Blitz gut kaschiert.

Auf der linken Seite befindet sich ganz oben der SIM-Tray, der zu unserer Überraschung zwei Nano-SIM-Karten und eine microSD-Speicherkarte gleichzeitig verarbeiten kann. Darunter gut erreichbar die zwei Lautstärketasten. Auf der rechten Seite erkennen wie einen leicht eingelassenen Power- und Standby-Button, der zugleich als Fingerabdruckscanner dient. Die Unterseite bietet uns von links nach rechts eine analoge Audio-Buchse, eine Öffnung für das Mikrofon bei Telefonaten, einen USB-Typ-C-Port und vier weitere Öffnungen für den Mono-Lautsprecher des Realme 6 Pro.

Auf der Vorderseite gibt es ein planes und nicht an den Seiten abgerundetes 6,6 Zoll großes Display, welches oben links eine Dual-Frontkamera im Punch-Hole-Design beherbergt. Geschützt wird der Bildschirm durch ein Corning Gorilla Glas 5. Das Realme 6 Pro ist sehr gut verarbeitet, bietet keine scharfen Kanten, liegt gut in der Hand und ist bei einem Gewicht von 195 Gramm gerade so an der Grenze von einem Schwergewicht.

Realme 6 Pro im Test

Das Display spaltet die Gemüter

Die OnePlus-Schwester Realme verbaut im 6 Pro einen 6,6 Zoll großen IPS-LCD-Bildschirm. Seine Auflösung beträgt 2.400 x 1.080 Pixel in einem Seitenverhältnis von 20:9. Die gemessene maximale Helligkeit beträgt 470 nits, was nicht wirklich viel ist. Das macht sich sowohl bei direkter Sonneneinstrahlung als auch in der Blinkwinkel-Stabilität bemerkbar. Farbintensität und Kontrast gefällt.

Realme 6 Pro im Test

Ein wenig getrübt wird das Display durch kleine Lichthöfe über der Dual-Frontkamera. Ist aber für ein LCD-Panel nicht ungewöhnlich. Das Highlight ist mit Sicherheit die Bildwiederholrate von 90 Hertz, welche ein flüssiges Bild, gerade beim Spielen oder scrollen von Text positiv in Erscheinung tritt. Wer seinen Akku schonen möchte, kann aber auch auf 60 Hertz umschalten.

Realme 6 Pro im Test

Ein Always-on-Display oder eine Benachrichtigungs-LED hat das 6 Pro nicht.

Prozessor und Speicher

Für ein Mittelklasse-Smartphone ist das Realme 6 Pro recht gut ausgestattet. Mit 8 GB LPDDR4x Arbeitsspeicher und 128 GB internen UFS 2.1 Programmspeicher sollte der Durchschnittskunde recht gut bedient sein. Fasst schon zu gut. Fehlt denn noch Speicherplatz für Fotos, Video oder anderen Medien, dann gibt es ja noch die zusätzliche Option eine microSD-Speicherkarte zu nutzen.

Realme 6 Pro im Test

Während die anderen Smartphones der 6er-Serie mit einem MediaTek-Prozessor auskommen müssen, ist es im Fall des Realme 6 Pro ein Snapdragon 720G Octa-Core-SoC. Seine maximale Taktfrequenz beträgt 2,3 GHz, realisiert durch zwei ARM Cortex-A76 Kerne. Grafische Unterstützung gibt es durch Adreno 618 GPU mit 500 MHz. Das „G“ steht im Übrigen nicht für den schnellen LTE-5G-Standard – den beherrscht das Smartphone leider nicht – sondern für Gaming. Selbst Performance-Giganten wie PUBG und COD Mobile lassen sich in hoher Detailstufe und HD-Auflösung noch gut spielen. Im AnTuTu leistet der SoC 280.380 Punkte und liegt mit diesem Ergebnis weit über einem Samsung Galaxy A51 oder einem Xiaomi Redmi Note 8 Pro.

Realme 6 Pro im Test

Gleich 6 Kameras für das Realme 6 Pro

Ganze sechs Kameras hat das Mittelklasse-Smartphone verbaut. Zwei auf der Front und vier auf der Rückseite als Hauptkamera. Während die Kamera für Selbstverliebte schon mit einem 16-Megapixel-IMX471 Sensor von Sony und einem 8-Megapixel Weitwinkel-Objektiv (FOV 105 Grad) schon recht gute Fotos macht, kann die „64MP AI Quad Camera“ dem noch einen oben drauf setzen.

Realme 6 Pro im Test

Dieser von Samsung gefertigte GW1-Sensor mit einer Blende von f/1.8 findet man in vielen Realme-Smartphones wieder. Generell scheint das Setup mit einer weiteren 8-Megapixel-Ultra-Weitwinkel-Kamera (FOV 119 Grad), einem 12-Megapixel Teleobjektiv und einem 2-Megapixel Makro-Kamera dem von uns vorab getesteten Realme X50 Pro ziemlich ähnlich zu sein. Auch hier waren die Ergebnisse recht überzeugend.

Bei Tageslicht liefert die Hauptkamera in der Preisklasse sehr gute Ergebnisse. Detailreich mit ausreichender Dynamik. Natürlich verschwimmt auch hier Bildmaterial mit viel Tiefe. Der 20-fache Zoom ist am Ende aber eher zum Erkennen der Objekte geeignet, die das menschliche Auge nicht mehr erkennen kann. Fotos ergeben nur bis zur 5-fachen, beziehungsweise 2-fachen verlustfreien Vergrößerung Sinn.

Natürlich bietet die Quad-Kamera des Realme 6 Pro einen Expertenmodus, der es zulässt Fotos im RAV-Format zur späteren Bearbeitung am PC aufzunehmen. Auch der spezielle „Ultra-Makro“-Mode wusste zu gefallen, wenngleich wir schon mit Smartphone-Kameras gearbeitet haben, bei denen eine noch höhere Nahaufnahme möglich war, ohne dass das Motiv unscharf wurde. Doch für eine Kamera der Mittelklasse sind die Ergebnisse über den Erwartungen.

Akku mit Premium-Eigenschaften

Die BBK-Tochter verbaut in dem 6 Pro einen 4.300 mAh starken Akku. Das hört sich erst einmal nach Standard an. Tatsächlich zeigte sich die Energie-Quelle in unserem Test als ungewöhnlich langlebig. Mein Verdacht ist, dass die 8-Nanometer-FinFET-Technologie des Snapdragon SoC (System on a Chip) für die Werte um die zwei Tage bei normaler Nutzung verantwortlich ist. Denn das Realme 6 ohne Pro schaffte diese Werte trotz identischen Akku nicht.

Realme 6 Pro im Test

Als kleinen Extra-Bonbon packt das Unternehmen im Lieferumfang auch noch ein 30-Watt-Netzteil mit VOOC-Schnelllade-Technologie hinzu. Keine 30 Minuten und das Smartphone ist über die Hälfte geladen. Zum Ende hin wird es zur Schonung des Akkus ein wenig langsamer, sodass die gesamte Ladedauer in etwa 70 Minuten beansprucht. In der Mittelklasse dennoch Rekord verdächtige Werte.

Sicherheit und Software

Realme liefert für das Realme 6 Pro Android 10 mit der hauseigenen Realme UI aus. In meinen Augen nichts anderes als ColorOS von Oppo. Doch ähnliche Verhalten kennt man auch von Honor und Huawei. Knapp 50 vorinstallierte Anwendungen wären vermutlich nicht unbedingt nötig gewesen. Echte Bloatware befindet sich jedoch nicht darunter, wenngleich sich mir vier installierte Browser nicht so recht erschließen. Einer davon ausschließlich in der russischen Sprache.

Großen Gefallen fanden wir an der nützlichen Seitenleiste, die sich an jede Position unterbringen lässt und so den Zugriff auf die wichtigsten Anwendungen komfortabel ermöglicht. Kennen wir aber bereits von dem Oppo Find X2 Pro auch schon.

Realme hat den Fingerabdrucksensor nicht unter dem Display verbaut, sondern an der rechten Seite. Das muss nicht zwingend von Nachteil sein, zwingt einem aber bei Nutzung das Smartphone in die Hand zu nehmen. Alternativ bleibt natürlich das Eintippen des 6-stelligen PIN. Dafür funktionierte dieser in unserem Test auch schnell und zuverlässig. Eine Entsperrung mit dem Gesicht ist ebenfalls möglich.

Pro und Contra

Pro

  • 90 Hertz Display
  • Gute Akku-Performance
  • Gute Quad-Kamera
  • Triple-Slot

Contras

  • Zu geringe maximale Helligkeit des LCD-Panels
  • Lichthöfe rund um die Frontkamera
  • Kein Always-on-Display oder Benachrichtigungs-LED

Fazit des Realme 6 Pro

Realme 6 Pro im Test

Die ehemalige Oppo-Tochter hat sich innerhalb der kurzen Zeit einen Namen für preiswerte Smartphones mit guter Ausstattung und Verarbeitungs-Qualität gemacht. Da ist das Realme 6 Pro für unter 350 Euro in der Farbe Lightning Blue oder Red keine Ausnahme. Die Quad-Kamera weiß in dem Mittelklasse-Segment durchaus zu gefallen. Auch der Akku begeistert mit der 30-Watt-VOOC-Technologie. Der Snapdragon 720G SoC liefert was von ihm verlangt wird und steht mit 8 GB RAM und 128 GB internen Speicher gut im Futter. Sollte das nicht reichen, gibt es ja noch den Triple-Slot für zwei Nano- und eine microSD-Karte.

Abzug gibt es für das IPS-Display, welches mit den Lichthöfen und der zu geringen Helligkeit nicht überzeugen kann. Dennoch kompensiert das Realme dieses Manko wieder mit einer Bildwiederholrate von 90 Hertz, die in der Mittelklasse auch nicht zwingend üblich ist. Alles in Allem bekommt das Realme 6 Pro von uns eine Empfehlung.

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Test Realme 6 Pro
  • 8.7/10
    Hardware - 8.7/10
  • 8.9/10
    Verarbeitung - 8.9/10
  • 7.6/10
    Software - 7.6/10
  • 7.3/10
    Performance - 7.3/10
  • 8.1/10
    Kamera - 8.1/10
  • 8.9/10
    Akku - 8.9/10
  • 8.9/10
    Preis/Leistung - 8.9/10
8.3/10

Kurzfassung

Angesichts dessen, das Realme weder als ehemaliges Oppo-Sublabel noch als eigenständiger Smartphone-Hersteller hierzulande bekannt ist, kann das Realme 6 Pro in der Mittelklasse durchaus überzeugen. Preis-Leistung stimmen nicht zuletzt durch die VOCC-Technologie von Oppo, der 64 MP AI Quad-Camera und einem Triple-Slot. Das Display bietet zwar schon eine Bildwiederholrate von 90 Hertz, doch die maximale Helligkeit war uns einfach noch zu gering. Dennoch bei einem Preis von knapp 350 Euro durchaus eine Empfehlung wert.

MaTT

Schon immer ein Kind der kreativen Künste hat MaTT nun nach einer 15-jährigen Karriere als Musikproduzent die Liebe zur Videoproduktion gefunden. Android in seiner Individualität begeisterte MaTT schon von Beginn an, wie einige Arbeiten aus dem Jahre 2006 und folgend, heute noch bei den XDA Developers Zeugnis tragen.

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