Xiaomi 11T Pro im Test: Beam me up, Lei Jun

Das Xiaomi 11T und Xiaomi 11T Pro haben nicht nur technisch einige Leckerbissen zu bieten, sondern unterscheiden sich mit einer weiteren Besonderheit von dem recht mannigfaltigen Angebot des chinesischen Herstellers. Denn diese beiden Exemplare gibt es im Heimatland schlichtweg nicht. Ein Grund mehr sich das Flaggschiff der aktuellen T-Serie in einem Test genauer unter die Lupe zu nehmen.

Xiaomi 11T Pro im Test

Mit knapp 650 Euro für das Xiaomi 11T Pro, gehört das Smartphone durchaus zu einer der preiswerteren Snapdragon 888 Vertreter dieses Jahr. Ein Xiaomi Mi 11 hingegen kostet zum Verkaufsstart mit der identischen Speicherausstattung satte 800 Euro. Fragt sich der geneigte Kunde wo denn genau die Unterschiede bestehen und an welcher Stelle der chinesische Nimmersatt gespart hat. Schauen wir doch als erstes einmal in den Verpackungsinhalt.

Design und Verarbeitung

Mag man denken, dieser sei gewohnt unspektakulär, so läuft man vermutlich bereits in die erste Falle. Klar – der typische Papierkram, das SIM-Eject-Tool, eine flexible Schutzhülle, ein USB-Class-A auf Class-C-Kabel und ein Netzteil. Aber nicht irgendein Netzteil, sondern ein 120 Watt „HyperCharge“ Power-Transformator, der im regulären Handel auch noch einmal ein ordentliches Loch in die Geldbörse reißen kann. Zu der deutschen Premiere später aber mehr.

Bei der Farbwahl hatten wir jedoch keinen Glücksgriff. Von Moonlight White, Celestial Blue oder Meteorite Gray mussten wir ausgerechnet das Fingerabdruck freundliche Grau mit angedeuteter Metallmaserung als Teststellung bekommen. Diese Art von Glasrückseite wäre mit Sicherheit nicht unsere Wahl. Dennoch ist die Verarbeitung Xiaomi gewohnt hochwertig was die Position und Drucksensitivität der Tasten anbelangt. Außer der seitliche Fingerabdrucksensor verwundert.

Das Smartphone an sich ist für meinen Geschmack mit 164,1 x 76,9 x 9 Millimeter und satten 203 Gramm ein wenig unhandlich. Die Ursache finden wir in dem 5.000 mAh starken Akku. Cool für die Laufzeit – schlecht für die Haptik. Auch der Rahmen fühlt sich nicht an wie Aluminium, wie Xiaomi auf Nachfragen der GO2mobile Redaktion jedoch beteuert.

Ein Wort noch zu den im Pro verbauten Harman Kardon Lautsprechern. Diese sind in der Tat so untergebracht, dass sie im Quermodus nicht verdeckt werden und haben durch die eigenen Hände erzeugten Schallumleitung einen hervorragenden Klang.

Display

Auf der Vorderseite begrüßt uns ein 6,67 Zoll großes AMOLED-Display, welches an dieser Stelle betont nicht seitlich die typischen Abrundungen besitzt. Doch Umfragen zufolge erfreut es euch, wenn kein Curved-Display geboten wird. Warum das Xiaomi 11T Pro trotzt eines OLED-Panels einen seitlichen Fingerabdrucksensor bekommen hat, konnte uns niemand erklären.

Die Auflösung beträgt 2.400 x 1.080 Pixel bei 400 ppi. Die Helligkeit kann bei intensiven Sonneneinstrahlungen bis auf 1.000 nits hochgezogen werden. Top, wenngleich unsere Messungen nie auf diesen hohen Wert kamen. Dolby Vision und HDR10+ sorgen für ein knackiges, kontrastreiches und Blickwinkel stabiles Display, welches Dank 120 Hertz Bildwiederholrate auch noch richtig schön smooth bei schnellen Animationen reagiert.

Xiaomi 11T Pro im Test

Natürlich wird auch das beliebte Always-on-Display im Sperrmodus unterstützt. Widevine Level 1 für Videostreaming in Full HD wird ebenfalls unterstützt. Eine unsichtbare Under-Display-Camera wie im MIX 4 wird uns im 11T Pro nicht geboten. Stattdessen nehmen wir mit der noch deutlich besseren 16 Megapixel auflösenden Punch-Hole-Kamera hinter dem Corning Gorilla Glass 7 (Victus) vorlieb.

Xiaomi 11T Pro im Test

Prozessor und Speicher

Das Pro-Modell kommt anders als das Basismodell welches mit einem MediaTek Dimensity 1200 ausgestattet ist, mit einem Snapdragon 888 Octa-Core-SoC (System on a Chip) von Qualcomm. Wir dürfen gespannt sein, wie sich diese Entscheidung auf die aktuelle Halbleiterkriese auswirkt. Samsung hat nun zumindest genau wegen diesem Chip mehrfach den Launch des Galaxy S21 FE verschoben.

Xiaomi 11T Pro im Test

Weiterhin ist fraglich, ob ein Snapdragon 870 am Ende nicht die bessere Wahl gewesen wäre. Denn auch hier gerät die CPU (Central Processing Unit) schnell über 45 Grad Celsius, was umgehend zu einer softwareseitigen Drosselung führt. Das spüren wir auch bei einem AnTuTu-Vergleich mit anderen 888-Kandidaten. Während das 11T Pro unter 670.000 Punkten rangiert, befinden sich gleich eine Armada an Smartphones wie das Mi 11, Realme GT, Mi 11 Ultra und das OnePlus 9 Pro bis hoch zu 810.000 Punkten deutlich darüber.

Im Alltag spielt das natürlich keine Rolle, da das Android-Smartphone in allen Belangen Pfeilschnell ist. Bei einem ESL-Liga-Game würde ich es dennoch nicht einsetzen.

Speichertechnisch ist unser 11T Pro mit 8 GB DDR5 RAM und 256 GB UFS 3.1 Programmspeicher ausgestattet. Eine Erweiterung via microSD-Karte sieht Xiaomi nicht vor. Sehr wohl aber den Kauf einer 8/256 GB-Variante, welche dann 50 Euro mehr, also knapp 700 Euro kostet.

Kamera des Xiaomi 11T Pro

Zu unser Überraschung ist das Triple-Setup zu dem 11T-Basismodel 1:1 identisch. Es gibt also bei beiden Modellen einen 108 Megapixel ISOCELL S5kHM2 Sensor von Samsung als Primär-Shooter. Die Pixelgröße beträgt 0,7 μm und bietet die Möglichkeit dank 9:1 Pixel-Binning diese auf 2,1 μm zu erhöhen. Die Lichtempfindlichkeit liegt bei einer Blende von f/1.75. Keine Spitzenwerte, aber okay.

Xiaomi 11T Pro im Test

Die Weitwinkelaufnahmen werden von einem 8 Megapixel IMX355 Sony-Sensor übernommen, welcher ein Sichtfeld von 120 Grad bietet. Seine maximale Blende liegt bei f/2.2. Für die Telefoto- und Makro-Aufnahmen greift Xiaomi auf einen kombinierten Sensor von Samsung. Im Detail handelt es sich um den ISOCELL S5K5E9. Seine maximale Auflösung beträgt nur noch schwache 5 Megapixel bei einer Blende von f/2.4. Hier muss die Software die mindere Wahl des Sensors kompensieren.

Frontkamera

Xiaomi 11T Pro im Test

Als Frontkamera kommt noch ein dritter Hersteller auf die Lieferantenliste. In dem Fall OmniVision, welche den 16-Megapixel-OV16A1Q-Sensor mit einem fixen Fokus und einer Blende von f/2.45 liefern. In der Regel wissen die Ergebnisse mit der Selfie-Knipse zu gefallen. Da ist auch das 11T Pro keine Ausnahme. Gerade die ehrliche Farbwiedergabe fällt immer wieder positiv in der Bewertung auf.

Tagesaufnahmen

Es scheint fast so als lese China unsere Testbeiträge. Nicht das Tagesaufnahmen ein Problem im Zusammenhang mit dem 108-Megapixel-Sensor waren. Eher im Gegenteil. Sobald aber die natürliche Lichtquellen kein ausreichendes Potential lieferten, ging es auch mit der Detailtreue, die guten Kontrastwerte und vor allen die Farbtreue flöten. Doch trotz altem Sensor, scheint der Konzern ordentlich an der Software gearbeitet zu haben. Denn die sorgt nun auch bei Low-Light-Aufnahmen für einen scharfen Fokus und ein schönes Bokeh.

Ein großes Thema war bei der Berliner Veranstaltung das Motto „Cinematic“. Damit geht das Unternehmen auch aktuell in die Werbung. Doch die Video-Effekte, welche damit im Grunde gemeint sind, haben wir bereits beim Xiaomi Mi 11 vorgestellt. Hier zur Playlist der Effekte.

Zoom-Aufnahmen

Wir hatten es bereits bei der Hardware verraten: Xiaomi verwendet für Zoom- und Makro-Aufnahmen ein und den selben 5-Megapixel-Sensor. Was gleich bei den Fotos der Nahaufnahmen von 3 bis 5 Zentimeter gefällt, wird dem Telefotos zum Verhängnis. Hier fällt am deutlichsten die fehlende optische Bildstabilisierung auf. Meiner Meinung nach ein „no go“ für ein Pro-Modell. Ansonsten gilt das was immer bei diesem Thema gilt, alles über eine 3-fache Vergrößerung ist nichts für das Fotoalbum.

Makro-Aufnahmen

Wie bereits erwähnt: ich mag die Nahaufnahmen einfach.

Kamera-Fazit

Xiaomi 11T Pro im Test

Reden wir nicht um den heißen Brei herum. Das Xiaomi 11T Pro ist die preiswerte Version des Mi 11 Pro. Und das merkt man tatsächlich nur bei der Hauptkamera. Versteht mich nicht verkehrt, diese ist nicht grottenschlecht, gehört aber auch nicht zu den Besten. Gerade das Thema fehlendes OIS ärgert doch schon ungemein. Dennoch würde ich die Fotoergebnisse in der oberen Mittelklasse verorten. Ob euch das am Ende reicht, obliegt euren Vorlieben.

Akku

Kommen wir endlich zu meiner Lieblingskategorie im ausführlichen Tests des Xiaomi 11T Pro. Es wurde bereits thematisiert: verbaut ist ein 5.000 mAh starker Akku. Und! Dem Lieferumfang liegt ein 120-Watt-Netzteil bei, welches fast mehr wiegt als das Smartphone (200 g). Ist eigentlich komplett egal, als FunFact aber unvermeidlich.

Xiaomi 11T Pro im Test

Mit dem „HyperCharge“ kann das Smartphone tatsächlich von 0 auf 100 Prozent in unter 20 Minuten geladen werden. Ich weiß ich mach hier ein riesen Tamtam obwohl ich diese Fähigkeiten bereits von dem Test mit dem Xiaomi 10 Ultra kenne, und das ist jetzt auch schon über ein Jahr her. Doch das Xiaomi 11T Pro ist das erste Smartphone wo sich dieses Hardcore-Netzteil auch in deutsche Verpackung verirrt. Also eine echte Premiere. Das wird vermutlich in Zukunft nicht mehr soviel Dopamin freisetzen, aber dieses eine Mal sei es mir noch vergönnt.

Und was bringen die beiden festverbaute 2.500 mAh Akku sonst noch so? Der Benchmark sagt eine Laufzeit von über 11 Stunden. In seiner natürlichen Umgebung kann das Smartphone durchaus zwei Tage ohne Nahrung überleben. Einziges Handicap der Litanei ist, dass auch bei dem Xiaomi 11 Pro die Alternative des kabellosen Ladens nicht unterstützt wird.

Xiaomi 11T Pro im Test

Pro und Contra

Pro

  • Eigentlich günstig
  • Update-Versprechen
    (3 System- und 4 Jahre Sicherheits-Updates)
  • Sehr gutes Display
  • Sehr guter Stereo-Sound
    by Harman Kardon
  • 120 Watt HyperCharge
  • Gute Akku-Laufzeit

Contra

  • Unbefriedigende Haptik
  • Keine 3,5 mm Audioklinke?!
  • Keine IP-Zertifizierung
  • kein kabelloses Laden

Das Fazit des Xiaomi 11T Pro

Die Pro- & Contra-Liste zeigt es eigentlich schon recht deutlich. Das Xiaomi 11T Pro ist seit langem mal wieder eine echte Empfehlung wert. Die Beanstandungen sind gegenüber der Liste an Vorteile verschwindend gering. Zugegeben sind 650 Euro kein Schnäppchen, zumal Realme mit dem GT einen echt heftigen Angriff gestartet hat. Aber gerade was die neue Update-Garantie anbelangt, sorgt das Xiaomi 11T Pro für deutlich mehr Nachhaltigkeit.

Xiaomi 11T Pro im Test

Der Snapdragon 888 hätte nicht sein müssen, am Ende ist man aber dennoch dankbar dafür. Lediglich das Kamera-Setup ist jetzt nicht auf Flaggschiff-Niveau. Kann aber mit der Konkurrenz problemlos mithalten. Kein kabelloses Laden – okay. Doch angesichts der 120 Watt wird das eh niemand nutzen. Bereits 10 Minuten Druckbedanken reichen für einen ganzen Tag Energie. Wollt ihr euch das Xiaomi 11T Pro kaufen, meinen Segen habt ihr. Aber bitte nicht in Meteorite Gray.

*Hinweis: Der Artikel beinhaltet Affiliate-Links zu Händlern. Bei einem Kauf eines Geräts über einen solchen Link unterstützt ihr GO2mobile. Für euch entstehen dabei keine zusätzlichen Kosten.
Test des Xiaomi 11T Pro
  • 9.4/10
    Hardware - 9.4/10
  • 8.5/10
    Verarbeitung - 8.5/10
  • 8.2/10
    Software - 8.2/10
  • 8.9/10
    Performance - 8.9/10
  • 7.1/10
    Kamera - 7.1/10
  • 8.8/10
    Akku - 8.8/10
  • 8.7/10
    Preis/Leistung - 8.7/10
8.5/10

Kurzfassung

Im Test des Xiaomi 11T Pro (ohne „Mi“) gibt es tatsächlich nur wenig Kritik. Außer der fehlenden IP-Zertifizierung, mittelprächtigen Kamera-Qualitäten und dem fehlenden Qi-Support gibt es im Grunde nur Positives über das „Semi-Flaggschiff“ zu berichten.
Angefangen vom brillanten und nicht seitlich abgerundeten Display, dem Preis, dem schnellen SoC, der neuen Update-Garantie und dem sehr guten Stereo-Klang, schwebt über allem der 120-Watt-HyperCharge, welcher das Smartphone unter 20 Minuten von 0 auf 100% katapultiert. Klare Kaufempfehlung!

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MaTT

Schon immer ein Kind der kreativen Künste hat MaTT nun nach einer 15-jährigen Karriere als Musikproduzent die Liebe zur Videoproduktion gefunden. Android in seiner Individualität begeisterte MaTT schon von Beginn an, wie einige Arbeiten aus dem Jahre 2006 und folgend, heute noch bei den XDA Developers Zeugnis tragen.

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