Generation Selfiestick: Braucht man das oder kann das weg?

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selfiestickMan sieht sie überall, im Café, vor Sehenswürdigkeiten oder in der U-Bahn: Menschen, die mit seltsamen Alu-Stangen hantieren, sich in Pose werfen und dann wild drauf los klicken. Es hat uns endgültig erreicht, das Phänomen Selfiestick. Man könnte fast behaupten, die Mensch-Maschine sei zum Alltag geworden, denn fast verschmolzen sind manche Selfie-Queens (und -Kings) mit ihrem silbrigen Smartphone-Assistenten. Als ferner Betrachter fragt man sich dennoch: Braucht man tatsächlich für jedes Foto eine künstliche Verlängerung für den Arm? Klar, halbe Schulklassen kommen so auf ein Erinnerungsfoto, aber was ist aus dem guten alten „Könnten Sie vielleicht ein Foto von uns machen?“ geworden?

Die gleiche Frage stellt sich offenbar auch Betreibern von Museen, Vergnügungsparks und großen Sportveranstaltungen, denn hier gilt immer öfter die Regel: Selfiesticks müssen leider draußen bleiben. Die Teleskopstangen werden an solchen Orten vor allem als zunehmendes Sicherheitsrisiko gesehen. Und um die Foto-Junkies selbst und auch ihr Umfeld zu schützen, wird dem verlängerten Arm der Selbstinszenierung an vielen öffentlichen Orten der Garaus gemacht. Bei Sportveranstaltungen, Festivals oder Konzerten wird beispielsweise befürchtet, dass der Stick zum Schlagstock umfunktioniert wird und gewaltbereite Besucher ihn als Waffe verwenden. Ebenso wie Stative stehen Selfie-Sticks im Olympiastadion in Berlin deshalb auf der Liste der verbotenen Gegenstände.

Nicht ohne meinen Selfie-Stick

Eine ganz andere Befürchtung hat man in Museen und Kunstausstellungen. Dort werden die Teleskoparme als sperrige und scharfkantige Gegenstände klassifiziert, die wertvolle Kunstwerke beschädigen könnten. Somit hat das Gadget in den Ausstellungsräumen, wo ohnehin vielerorts ein striktes Fotoverbot herrscht, nichts verloren und ein Selfie mit der Monas Lisa bleibt ein Wunschtraum. Schon länger verboten sind die Stangen in allen Disney-Vergnügungsparks. Zunächst hatte sich das Verbot nur auf die Fahrgeschäfte beschränkt, doch nach einem Vorfall, bei dem ein Besucher seinen Stick bei einer Fahrt mit der Achterbahn ausgefahren hatte, sind die gesamten Parkanlagen selfiestickfrei. Damit uneinsichtige Besucher keine Gefahr mehr darstellen können, hat sich auch der Europa-Park Rust bei Freiburg für ein Selfiestick-Verbot entschieden. Das Ziel, die Freunde des Selbstportraits vor sich selbst zu schützen, kommt nicht von ungefähr. Glaubt man aktuellen Zahlen, starben im Jahr 2015 bis jetzt mehr Menschen infolge unkluger Handlungen beim Schießen von Selfies als durch Hai-Attacken.

Ein bisschen Spaß muss sein

Man darf jedoch nicht vergessen, dass jede Erfindung, so unsinnig sie erscheinen mag, auch ihre Vorteile hat. Und Fakt ist, dass der Selfiestick das Fotografieren mit dem Smartphone erleichtert und dem Nutzer viele Möglichkeiten bietet, die er vorher nicht hatte. Zum einen läuft man so nicht mehr in Gefahr eine falsche Person um ein Foto mit dem eigenen Smartphone gebeten zu haben und der anstelle des Auslöseknopf eher Fersengeld mit unserem 800 Euro Android Smartphone gibt.
Für wenige Euro kann man sich in Shops wie Fyndiq sozusagen einen verlängerten Arm zum Auslösen der Smartphone Kamera kaufen und bekommt so einen größeren Bildausschnitt und mehr Hintergrund auf seine Fotos. Die Sticks reichen weit über die einfache Teleskopstange hinaus und sind mit Bluetooth, Fernbedienung und Universal-Smartphone-Adapter kleine Technikwunder. Und was für viele natürlich der ausschlaggebende Punkt ist: der Spaßfaktor. Mittlerweile nutzt auch Samsung das Phänomen „möglichst viele Menschen auf einem Selfie“, um für eine neue Weitwinkelkamera der Modelle zu werben. Und wer kennt nicht das wohl berühmteste Gruppen-Selfie der Welt, entstanden bei der Oskar-Verleihung 2014? Kaum auszumalen welche Hochkaräter noch aufs Bild gepasst hätten, hätte Moderatorin Ellen DeGeneres einen Selfiestick verwendet.

Oscar-Gruppen-Selfie mit Galaxy Note 3

Der Selfie-Stick ist ein lustiges (wenn auch oft nerviges) Gadget, kein Must-have, aber eine nette Spielerei. Wie jeder Trend wird auch dieser vorbeigehen und wir sind gespannt, womit uns die Selfie-Gemeinde im nächsten Jahr überrascht. Vielleicht ist der „Headflat“ das nächste große Ding, welches euer Smartphone über ein Gestänge am Kopf befestigt und euch so – ähnlich der Moorrübe vor dem Esel – dauerhaft vor dem Gesicht schwebt. Den Gamern unter euch würde das sicherlich gefallen. In anderen Ländern, zum Beispiel Indien, scheint der Hype um den Stab schon abgeflacht zu sein. Nur so erklären sich die kreativen Überlegungen wie man den Stick anderweitig nutzen könnte: als Rückenkratzer, Bierhalter oder zum Entfernen von Spinnenweben.

[Quelle: WIRED]

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Schon immer ein Kind der kreativen Künste hat MaTT nun nach einer 15-jährigen Karriere als Musikproduzent die Liebe zur Videoproduktion gefunden. Android in seiner Individualität begeisterte MaTT schon von Beginn an, wie einige Arbeiten aus dem Jahre 2006 und folgend, heute noch bei den XDA Developers Zeugnis tragen.

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