Mobvoi TicWatch Pro im Test: 30 Tage ohne Steckdose!

Der hierzulande eher unbekannte chinesische Smartwatch-Hersteller Mobvoi hat vor kurzem mit seinem Versprechen, eine Wear OS Uhr mit einer Laufzeit von 30 Tagen zu bieten, für große Furore gesorgt. Doch ist das überhaupt möglich? Wir haben die Mobvoi TicWatch Pro getestet.

Es klingt zu gut um wahr zu sein. Das Hauptproblem der Smartwatches mit dem Wear OS by Google Betriebssystem scheint gelöst. Die eine bis maximal zwei Tage Laufzeit mit nur einer Akku-Ladung. Mobvoi wirbt mit bis zu 30 Tagen Laufzeit mit einer Aufladung. Das ist fast wie ein Mittel gegen Krebs gefunden zu haben. Doch stimmt die Aussage oder steckt da nur eine leere Versprechung dahinter. Ohne euch den Spaß am Lesen zu nehmen, die Antwort lautet ja und nein.

Lieferumfang

Der Verpackungsinhalt ist überraschend gering. Vielleicht weil die quadratische Verpackung unsere Erwartungen ein wenig höher schraubt. Am Ende befindet sich aber neben der TicWatch Pro, eine kleine Lektüre und ein magnetisches Ladegerät mit fest verkabelten USB-Class A-Kabel. Auf das passende Netzgerät hat Mobvoi wohl aus Kostengründen verzichtet. Denn eines muss man der Uhr vorweg zugutehalten: 249 Euro unverbindliche Preisempfehlung ist ein echt günstiger Preis für das was die smarte Uhr bietet.

Verarbeitung

Die TicWatch Pro von Mobvoi kommt in einem IP67-zertifizierten Gehäuse aus Polyamid-Nylon-Gemisch und auf der Rückseite aus Edelstahl daher. Der Kunde kann zwischen einer schwarzen und silbernen, fest verbauten Lünette wählen. Das Armand besteht auf der Außenseite aus italienischen Leder und innen aus hautfreundlichem Silikon mit einer im Grätenmuster angeordneten Textur. Das mag zwar für einen guten Halt – gerade bei sportlichen Aktivitäten – sorgen, doch ist es zugleich ein Fundgrube für Schmutzablagerungen.

Die Armbänder lassen sich mit handelsüblichen 22-Millimeter-Armbänder auswechseln. Mobvoi selbst bietet einen Schnellverschluss. Die Smartwatch ist mit ihren 77 Gramm sehr angenehm zu tragen. Auf der rechten Seite befindet sich ein Mikrofon zwischen den beiden Hardware-Tasten. Denn die TicWatch Pro ist auf der Unterseite mit einem Lautsprecher ausgestattet und erlaubt dem Nutzer so auch unter anderem die Nutzung des Google Assistant.

Weiterhin auf der Unterseite ein Puls- beziehungsweise Herzfrequenz-Sensor und die 4 Pogo-Pins zum Laden des 415 mAh starken Akkus. Die Uhr lässt sich über 4 Torx-Schrauben öffnen. Wir empfehlen das jedoch aufgrund des bestehenden Wasserschutzes nicht.

Display und Funktion

Bei dem Thema Display kommen wir auch bereits zu des Rätsels Lösung, warum Mobvoi bei der TicWatch Pro mit einer Laufzeit von 30 Tagen wirbt. Es gibt zwei übereinander verbaute Displays. Ein 1,39 Zoll monochromes FSTN-LCD-Display und darunter ein typisches farbiges OLED-Panel mit einer Auflösung von 400 x 400 Pixel.

Demzufolge unterscheidet der Hersteller auch zwischen zwei Modi: dem Essential- und dem Smart-Mode. Das Display mit der Flüssigkristallanzeige, welches besonders gut bei Sonnenlicht abzulesen ist und im dunkeln gar nicht, gewährt dem Unternehmen das 30-Tage-Versprechen. In dem Essential – in den Einstellungen auch als „wesentlicher Modus“ bezeichnet – zeigt dabei die Uhrzeit, das Datum, Akku-Leistung, Herzschlag und Schrittzahl des Tages an. Es werden dabei nur die Daten aktualisiert, welche die Uhr autark sammeln kann. Das beinhaltet auch den Puls, durch drücken der unteren Taste. Mit Wear OS by Google hat das Ganze aber nur wenig zu tun. Eine Verbindung zu dem gekoppelten Smartphone besteht ebenfalls nicht.

Das sind Dinge die dem Smart-Mode vorbehalten bleiben. Hier gibt es in Farbe die Google typischen Anwendungen. Zwar kann auch hier Mobvoi mit einigen Einstellungen wie dem Energiesparmodus, Display-Helligkeit, Aktivierung durch Bewegung, Gesten, Touch oder Button die Effizienz des Akkuverbrauchs maximieren, doch über 5 Tage Laufzeit mit nur einer Akku-Ladung haben wir es nicht geschafft. Stark abhängig ist dabei auch die Menge an zu synchronisierenden Benachrichtigungen die auf der Uhr angezeigt werden sollen. Hier hätten wir bestimmt noch etwas rauskitzeln können, nur erschließt sich uns dann der Sinn einer Smartwatch nicht.

CPU, GPU und Speicher

Die TicWatch Pro ist leider noch mit einem Snapdragon Wear 2100 ausgestattet. Bestehend aus vier ARM Cortex A7 Kernen, die eine maximale Taktfrequenz von 1,2 GHz zu leisten vermögen. Mit dem in die Jahre gekommenen SoC (System on a Chip) geht ein Adreno 304 Grafikprozessor einher. Ob der Nachfolger – der Wear 3100 – wirklich soviel Energie effizienter ist, wie Qualcomm vollmundig verspricht, muss sich erst noch zeigen. Wir haben da so unsere Zweifel.

Auf Seiten des Speichers finden wir auch in der TicWatch Pro die typischen 512 MB RAM und 4 GB an internen Speicher für die inzwischen im Play Store reichlich vorhandenen Anwendungen. Auch Musik lässt sich auf der Uhr speichern um unterwegs oder beim Sport akustisch unterhalten zu werden.

Zu der technischen Ausstattung gehört weiterhin Bluetooth 4.2, WLAN 802.11 b/g/n 2,4 GHz, der Empfang von Satelliten wie GPS, GLONASS, Galileo und Beidou, sowie NFC (Near Field Communication) um ordentlich über Google Pay und PayPal shoppen zu gehen. Nicht zu vergessen ein buntes Sortiment an Sensoren, wie ein Beschleunigungsmesser, Magnetsensor, PPG-Herzschlagrate und Umgebungslichtsensor.

Software

Ab Werk ist auf der Uhr Wear OS by Google in der Version 1.5 vorinstalliert. Via OTA-Update sind wir aktuell bei der Version 2.2. Es können also Android- (ab Version 4.4) und iOS-Smartphones (ab Version 9.3) gekoppelt und synchronisiert werden. Wie soeben schon ausgeführt, hat sich das Angebot an Anwendungen und Watchfaces für Wear OS by Google erheblich ausgeweitet. Darunter die meisten kostenlos.

 

Mobvoi lässt es sich aber nicht nehmen auch eigene Anwendungen wie eine „TicÜbung“, „TicGesundheit“, „Schritt-Rangliste“ und „TicPuls“ zu installieren. Neben der Google Fit, Fit-Atemübung und Fit-Training. Diese werden inzwischen auch automatisch mit zu den von Mobvoi erfassten Daten synchronisiert. Die passende Smartphone-App zur Auswertung der sportlichen Daten gibt es natürlich auch im kostenlosen Download.

‎Mobvoi
‎Mobvoi
Preis: Kostenlos

Fazit der Mobvoi TicWatch Pro

Was bleibt am Ende übrig von dem großen 30-Tage-Versprechen was Mobvoi seinen Kunden gibt? Die Uhr schafft die 30 Tage mit nur einer Akku-Ladung. Jedoch unter Verlust der smarten Eigenschaften von Wear OS by Google. Das ist nicht geflunkert, aber schon ein wenig Vortäuschung falscher Tatsachen. Doch jedem von uns war im Grunde klar, dass dies mit Wear OS by Google nicht gehen kann.

Insofern ist es bei einem Preis von 249 Euro, dem was die Uhr zu leisten vermag und der Möglichkeit im Notfall eine LCD-Uhr am Arm zu tragen, die mir die wichtigsten Informationen 30 Tage lang ohne eine Aufladung anzeigen kann, für uns aktuell die beste Alternative einer Smartwatch. Insgeheim muss ich dem zweiten monochromen LCD-Display assistieren, dass ich es draußen beim Sport besser ablesen kann, als es ein OLED-Display jemals zuvor vermochte. Ich glaube die TicWatch Pro von Mobvoi könnte in Zukunft mein dauerhafter Begleiter werden. Denn schlechter als andere Smartwatches ist die Uhr auf keinen Fall – im Gegenteil. Und on top bekommen ich noch eine LCD-Uhr mit einem Monat Laufzeit pro Akku-Ladung.


*Hinweis: Der Artikel beinhaltet Affiliate-Links zu Händlern. Bei einem Kauf eines Geräts über einen solchen Link unterstützt ihr GO2mobile. Für euch entstehen dabei keine zusätzlichen Kosten.

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Test Mobvoi TicWatch Pro
  • 7.5/10
    Hardware - 7.5/10
  • 7.9/10
    Verarbeitung - 7.9/10
  • 8.6/10
    Software - 8.6/10
  • 6.6/10
    Performance - 6.6/10
  • 9/10
    Akku - 9/10
  • 9.1/10
    Preis/Leistung - 9.1/10
8.1/10

Kurzfassung

Obwohl uns Mobvoi für die TicWatch Pro 30 Tage Wear OS Laufzeit suggeriert, ist es tatsächlich „nur“ das 2. LCD-Display was dazu in der Lage ist. Am Ende stört uns das nicht, denn ein OLED-Display hat die Smartwatch auch und da funktioniert alles was wir bis dato von einer solchen Uhr erwartet haben. Bei dem Preis von 249 Euro * eine gute Wahl.

Lino Bentzin

Hallo, ich bin Lino. Ich studiere Medienwissenschaft an der Humboldt-Universität in Berlin und nutze aktuell ein OnePlus 6T. Meine Freundin nutzt ein iPhone 8, sodass ich auch einiges auf dem Gebiet mitbekomme. Mein Hobbys sind neben Technik-Kram, das Kochen, Eishockey, HipHop und die PS4.

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