Oppo Watch LTE im Test: Apple Watch trifft auf Wear OS by Google

Oppo – einer der vielen BBK-Geschwister, welche ab sofort auch in Deutschland agieren – hat nun auch hierzulande die 46 Millimeter große Oppo Watch LTE für 399 Euro in den Handel geschickt. Optisch hat man sich mit dem rechteckigen Design von der Apple Watch inspirieren lassen. Als Betriebssystem vertraut man auf Wear OS by Google. Klingt nach einer spannenden Kombination, die es einmal ausführlich zu testen gilt.

Die Apple Oppo Watch LTE ist nicht die Erste ihrer Art. Bereits Anfang März hatte der chinesische Hersteller seine erste Smartwatch in zwei Größen im Heimatland präsentiert. Hierzulande machte die optisch stark an eine Apple Watch orientierte Uhr ihren Einstand erst am 20. Juli mit einem 1,6 Zoll großem Display (41 mm Gehäuse) für 249 Euro*. Das größere Modell (46 mm Gehäuse) brauchte noch einmal ein paar Monate, bis es dann auch nur als LTE-Modell und zum Preis von 399 Euro* „Vodafone only“ ab sofort zu kaufen gibt. Das scheinen nicht die besten Voraussetzungen für einen Erfolg zu sein. Doch greifen wir unserem ausführlichen Test nicht vor.

Design und Verarbeitung

Die Oppo Smartwatch – das haben wir nun schon einige Male erwähnt – erinnert auf den ersten flüchtigen Blick hin an eine Apple Watch. Das aber auch nur aufgrund des rechteckigen Gehäuses samt 1,91 Zoll großem „Dual-Curved“-Displays. Wer einen zweiten Blick riskiert sieht auf der rechten Seite zwei Tasten in unterschiedlicher Länge. Zuzüglich ist der untere Button grün markiert. Die Apple Watch hat an dieser Stelle bekanntlich eine rot markierte drehbare Krone. Also Verwechslung erfolgreich ausgeschlossen.

Oppo Watch LTE

Auf der linken Seite sucht man vergebens einen Slot für eine SIM-Karte, denn die Oppo Watch kann nur mit einer eSIM betrieben werden. Aktuell auch nur mit einem Vodafone-Tarif (4,95 Euro monatlich) – dazu aber später mehr. Stattdessen gibt es zwei Schlitze, welche als Schallöffnungen für den verbauten Lautsprecher dienen. Das Mikrofon hat seine Öffnung zwischen den beiden Hardwaretasten gefunden. Der Sound ist für eine Uhr ausstreichend laut und verständlich.

Oppo Watch LTE

Das Armband ist aus schwarzen Fluorkautschuk, welches eine antiallergische Eigenschaft bietet. Es bietet eine etwas ungewöhnliche Schließe, welche nur mit einem Dorn auf die andere Seite des Bandes gedrückt wird. Hält Bombe, ist aber unter Umständen eine Fummelei. Noch dazu bietet es eher einen sportlichen Charakter. Ein Standardlederband lässt sich mal nicht so einfach anbringen, da Oppo hier einen eigenen Mechanismus mithilfe zweier „Auswurfbuttons“ direkt an dem Gehäuse untergebracht hat. Das gibt Abzug in der B-Note.

Dafür zeichnet sich die allgemeine Verarbeitung des 46 × 39 × 11,35 Millimeter großem Aluminium-Gehäuse als sehr hochwertig aus. Durch die Polycarbonat-Rückseite konnte das Gewicht auf 40 Gramm reduziert werden und bietet so auch einen hervorragenden Tragekomfort. Zwischen den beiden „Auswurfbuttons“ auf der Innenseite befinden sich zum einen die Lade-Pins und der Herzfrequenzsensor, der für einen besseren Körperkontakt aus dem Gehäuse steht. Die Werte zeigten sich als sehr zuverlässig.

Die Oppo Watch LTE bietet Schutz gegen das Eindringen von Wasser nach ATM 5. Damit ist sie geeignet für den täglichen Gebrauch wie z. B. Baden, Duschen oder Händewaschen. Keinesfalls wie oft falsch interpretiert zu Tauchgängen bis zu 50 Metern Tiefe. Das macht ja nicht mal die menschliche Lunge ohne Tauchpausen mit.

Das Display

Oppo verbaut in seiner smarten Uhr mit LTE-Funktion ein 1,91 Zoll (4,85 cm) großes AMOLED „Dual-Curved“-Display, mit einer Auflösung von 402 × 476 Pixel bei 326 ppi. Nicht zuletzt durch die 100 prozentige Unterstützung von dem DCI-P3-Farbraum ist die Darstellung vom Feinsten und kann mit hoher Farbbrillanz, Kontrast und Blickwinkel-Stabilität aufwarten.

Oppo Watch LTE

Beim Handling hatte ich jedoch den Eindruck, dass das Display nicht immer auf meinen Gestenwunsch reagierte. Kann aber auch an dem leicht zu allen Seiten abgerundeten fettabweisenden Glas liegen. Anders als das preiswertere Modell gibt es ein Always-on-Display. Doch jenes scheint ein echter Energie-Killer zu sein. Doch dazu mehr beim Thema Akku.

Oppo Watch LTE

Prozessor und Speicher

Als Antrieb dient der der smarten Oppo-Uhr ein Snapdragon Wear 3100 in Kombination mit dem Apollo 3 Chipsatz. Der aktuelle 4100, beziehungsweise 4100 Plus SoC von Qualcomm hat es nicht geschafft, da die Oppo Watch LTE wie eingangs schon erwähnt, in China bereits seit Anfang März verfügbar war. Da war von dem neuen Wear-Prozessors der kalifonischen Chip-Schmiede noch nicht zu denken.

Aber auch der Wear 3100 bietet der Smartwatch gute Dienste. Kein ruckeln, nachdenken oder andere Querelen, die so manch einer der ersten Stunde von Android Wear her kennt. Also Arbeitsspeicher gibt es 1 GB RAM. Da alles zackig reagiert und anderer Hersteller wie die zuletzt getestete Mobvoi TicWatch Pro 4G auch nicht mehr bietet, gibt es hier auch keine weiteren Forderungen. Gleiches gilt für die 8 GB internen Speicher.

Oppo Watch LTE

Akku

So jetzt aber: Die Oppo Watch LTE hat einen Akku mit einer Kapazität von 430 mAh verbaut. Und der ist meiner Meinung nach alles andere als ausreichend. Ich würde hier gar nicht wie ein Zäpfchen auf Durchreise abgehen, wenn Oppo selbst nicht so sehr die Werbetrommel für den Akku rühren würde.

So heißt es:

„Das Dual-Chip-Endurance-System versorgt deine Watch bis zu 36 Stunden und bis zu 21 Tage mit Energie. Zwei Ausdauermodi maximieren die Akkuleistung. Das brandneue Watch VOOC Flash Charging bringt deine Watch in nur 75 Minuten von 0 % auf 100 %.“

Also zum einen habe ich nur einen Energiesparmodus gefunden und nicht zwei. Und zum anderen schaltet der das Google Wear Betriebssystem komplett ab. Eine Reaktivierung ist nur mittels eines Neustarts möglich. Dann läuft die Uhr auch mit dem leistungsschwächeren Ambiq Micro Apollo 3 Prozessor. Hier gibt es lediglich die Anzeige der Uhrzeit und eingehende Benachrichtigungen. Herzfrequenz und Schritte werden noch getrackt, müssen aber an dem Smartphone ausgewertet werden.

Gut – Butter bei die Fische: Wie lang hält die Oppo Watch LTE bei der Anwendung eines Durchschnittsusers, wie ich einer bin. Die Angaben von 36 Stunden sind komplett fernab von jeder Realität. Ich würde vermutlich bei sparsamen Umgang mit einer Ladung einen und einen viertel Tag hinkommen. Doch wer will die Uhr schon auf niedriger Helligkeit, ohne eingehende Nachrichten und einem Always-on-Display nutzen? Ich nicht.

Das ist schon deutlich mehr als die kleinere Oppo Watch ohne LTE. Da hatte man Glück wenn es ein Tag wurde. Ebenso bin ich natürlich von dem Ladedauer extrem enttäuscht. Die tiefen Fußstapfen des Markennamen VOOC Flash Charge kann die Uhr nicht erfüllen. Eine Stunde und 15 Minuten dauert eine komplette Ladung eines 430 mAh starken Akkus. Hallo?

Software

Auf unserer Oppo Watch ist im Testzeitraum Wear OS by Google in der Version 2.19 installiert. Der Sicherheitspatch ist vom 1. August 2020. Soweit die Fakten. Oppo hat der Uhr ein paar eigene Fitness-Anwendungen spendiert. Darunter eine Anwendung, die den Träger nach zu langem sitzen zu einem kleinen Workout mit entsprechenden Videos animiert. Das lässt sich auch auf 5 Minuten Workouts – mit einprägenden Titeln wie „Morning Energizer“, „Get Moving“ oder „Fat Blaster“ ausdehnen.

Wer die Fitness-App der Oppo-Uhr nutzt, wird gezwungen die Auswertung an der auf dem Smartphone zu installierenden Health-App „HeyTap“ vorzunehmen. Diese unterliegt den Gesetzen der Volksrepublik China, wie im Kleingedruckten der Benutzervereinbarung zu lesen ist.

HeyTap Health
HeyTap Health
Entwickler: ColorOS
Preis: Kostenlos

Die Oppo Watch ist auch mit einem Schlaftracker ausgestattet. Auch dessen Ergebnisse lassen sich übersichtlich am Smartphone auswerten. Auch hier scheint der Hersteller nachgebessert zu haben. Während früher die Erkennung der Wachphase bereits als Schlaf gewertet wurde, funktioniert diese Differenzierung inzwischen einwandfrei.

Ansonsten bietet der vorinstallierte Google Play Store alle bekannten Freiheiten und umfangreiches App-Angebot. Lediglich bei den Watchfaces (Zifferblätter) wird es knapp, da Wear OS doch primär auf Uhren mit rundem Display zu finden ist.

Sonstiges

Ein jeder Besitzer einer Smartwatch fragt sich natürlich, wie sehr er dem angezeigten Puls, den gelaufenen Schritten oder den verbrannten Kalorien nach einer erfolgreichen Trainingsstunde trauen darf. Wir haben die Werte parallel mit anderen Trackern verglichen und können zumindest bestätigen, dass diese Werte nahezu deckungsgleich sind. Natürlich handelt es sich hier nicht um medizinische Geräte. Das dürfte aber auch jedem klar sein.

Was der Oppo Watch komplett fehlt und bei der Konkurrenz inzwischen Standard ist, sind Auswertungen von EKG (Elektrokardiogramm) oder SpO2 – der Sauerstoffsättigung. Meiner Meinung nach kann man das bei einem Preis von 399 Euro schon erwarten.

Zu guter Letzt will ich noch auf die LTE-Funktion der Oppo Watch eingehen. Sie ist ausschließlich – und das scheint sich auch auf nachfragen in naher Zukunft nicht zu ändern – nur mit einer Vodafone eSIM-Karte möglich. Monatlich Preise sind hier in zwei optionalen Tarifen 5 Euro. Kunden der Telekom oder O2 haben halt einfach Pech gehabt. Wir haben auch zu unserem Test-Sample keine eSIM erhalten, sodass wir diese Funktion gar nicht erst testen konnten. Wie dann aber der satte Aufpreis zu rechtfertige ist, bleibt mir schleierhaft.

Selbstredend kann die Uhr auch ohne Vodafone-Tarif bei Amazon bezogen werden, wenngleich die Artikel-Beschreibung etwas anderes vermuten lässt. Die Uhr ist neben NFC zum kontaktlosen Bezahlen via Google Pay mit Bluetooth 4.2 und WLAN 802.11/b/g/n ausgestattet. Die Kopplung zu unserem OnePlus 8T verlief reibungslos und schnell.

Pro und Contra

Pro

  • Hervorragende Verarbeitung
  • Helles und gut ablesbares Display
  • Wear OS by Google
  • NFC mit Google Pay
  • ATM 5

Contra

  • Schlechte Akkulaufzeit
  • Unzureichende Ladegeschwindigkeit
  • Keine Standard-Armbänder
  • Kein Bluetooth 5.0 oder höher
  • Wenige Watchfaces zur Auswahl

Fazit der Oppo Watch LTE

Die Oppo Watch LTE macht optisch einiges her, wenngleich man sich vermutlich häufiger den Vorwurf einer Apple Watch Kopie anhören muss. Die Verarbeitung ist überragend und die Geschwindigkeit ist trotz ausbleibenden Wear 4100 Prozessor ausreichend.

Oppo Watch LTE

 

Abstriche muss die smarte Uhr bei Ihrer Exklusivität zu Vodafone hinnehmen und ihrer Akku-Leistung. Nicht nur das wir von der Laufzeit mit nur einer Ladung enttäuscht sind – das wäre ja noch angesichts der negativen Vergangenheit von Wear OS aka Android Wear nachvollziehbar – auch der für wirklich schnelles Laden bekannte VOOC Flash Charge macht mit 75 Minuten Ladezeit seinem Namen keine Ehre.

Allein diese beiden Faktoren, gepaart mit einem Preis von 399 Euro, lassen keine Kauf-Empfehlung unsererseits zu. Dann doch lieber eine TicWatch Pro 4G für 100 Euro weniger, längerer Laufzeit und einer freien Wahl der Waffen der eSIM-Provider.

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Test Oppo Watch LTE
  • 8.2/10
    Hardware - 8.2/10
  • 8.5/10
    Verarbeitung - 8.5/10
  • 8/10
    Software - 8/10
  • 7.7/10
    Performance - 7.7/10
  • 9.2/10
    Display - 9.2/10
  • 6.5/10
    Akku - 6.5/10
  • 7.2/10
    Preis/Leistung - 7.2/10
7.9/10

Kurzfassung

Die Oppo Watch in der LTE-Version ist leider nur mit einem Vodafone-Vertrag im vollen Umfang nutzbar. Das allein ist schon ein Ausschlusskriterium. Leider kommt auch noch das alte leidige Wear OS by Google Problem mit der Akku-Laufzeit hinzu. Das zu einem Preis von 399 Euro ist leider keine Empfehlung wert.
Schade, denn Verarbeitung, Display und Performance der Oppo Watch LTE konnten durchaus überzeugen.

MaTT

Schon immer ein Kind der kreativen Künste hat MaTT nun nach einer 15-jährigen Karriere als Musikproduzent die Liebe zur Videoproduktion gefunden. Android in seiner Individualität begeisterte MaTT schon von Beginn an, wie einige Arbeiten aus dem Jahre 2006 und folgend, heute noch bei den XDA Developers Zeugnis tragen.

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