Mobvoi TicWatch Pro 4G im Test: Zweiter Frühling der Wear-OS-Uhr

Der chinesischer Hersteller Mobvoi hatte uns vor genau einem Jahr die wohl erste Wear OS Smartwatch präsentiert, welche 30 Tage ohne Steckdose auskommt. Eine Sensation! Doch wie unser ausführliche Test bewies, nur mit einem kleinen Trick. Nun liefert das Unternehmen die TicWatch Pro 4G mit kleinen Modifikationen aus. Zeit für ein Test-Update.

Bereits vor knapp einem Jahr durften wir bereits die Mobvoi TicWatch Pro Uhr testen (zum Test). Der bis dahin unbekannte chinesische Hersteller sorgte für große Aufmerksamkeit, da die Smartwatch – auf der das Betriebssystem Wear OS by Google läuft – 30 Tage Laufzeit mit nur einer Akku-Ladung realisieren sollte. Und das mit einem durchschnittlichen 415 mAh starkem Akku. Und in der Tat hat unser Test ergeben, dass die unter bestimmten Umständen tatsächlich möglich ist.

Die Displays sind das Geheimnis

Des Rätsels Lösung sind zwei übereinander verbaute Displays. Ein 1,39 Zoll monochromes FSTN-LCD-Display und darunter ein typisches farbiges OLED-Panel mit einer Auflösung von 400 x 400 Pixel. Das LCD-Display zeigt jedoch nicht die Wear-OS-Funktionen von Google an. Vielmehr handelt es sich um eine begrenzte Anzeige der Uhrzeit, das Datum, Akku-Leistung, Herzschlag und die Schrittzahl des Tages. Mobvoi nennt es den  „wesentlicher Modus“ (Essential-Mode).

Die Alternative ist der Smart-Mode mit dem OLED-Display. Diese ist genauso Strom intensiv, wie bei jeder anderen Smartwatch mit Wear OS. Soll heißen, wer tatsächlich die 30 Tage forcieren will, muss die TicWatch Pro im Essential-Mode nutzen. Das ist bei dem neuen LTE-4G-Modell nicht anders.

Die Unterschiede

Kommen wir zu dem vermutlich wichtigsten Punkt in unserem Test. Was unterscheidet tatsächlich die beiden Uhren voneinander? Zu allererst natürlich der Preis. Die Movoi TicWatch Pro war zum Verkaufsstart für 249 Euro verfügbar. Das LTE-4G-Modell kostet hingegen 330 Euro. Das ist schon einmal eine ordentliche Differenz.

Weiterhin hat Mobvoi der neuesten Smartwatch anstelle von 512 MB RAM gleich die doppelte Menge (1 GB) Arbeitsspeicher spendiert. Und klar – wie der Name schon vermuten lässt – die LTE-4G-Funktion, welche durch eine eSIM (aktuell O2, Vodafone, Telekom) realisiert wird. Die restlichen technischen Daten – inklusive 4 GB interner Programmspeicher – sind gleich geblieben.

Prozessor

Das schließt leider auch den Snapdragon Wear 2100 Prozessor von Qualcomm ein. Das mag auf den ersten Eindruck verwundern. Denn der Wear 3100 ist bereits seit einer Weile verfügbar und wird auch schon von anderen Herstellern genutzt. Beispiel „Diesel On Fadelite„. Den Grund für diese Entscheidung kennen wir nicht. Doch können wir bestätigen, dass der 1 GB RAM ordentlich für einen Performance-Schub bei der Bedienung der Smartwatch sorgt.

Technische Daten der TicWatch Pro 4G

Model
TicWatch Pro 4G/LTE
Maße (mm)
45,15 x 52,8 x 12,6
Farbe
Schwarz
Display
Corning® Gorilla® Glass 3
Uhrengehäuse
Polyamid & Glasfaser, Edelstahl-Lünette, Aluminium-Rückwand
Armband
Silikon (austauschbar), 22 mm
Betriebssystem
Wear OS by Google
Kompatibilität
Android™, iPhone
Chipsatz
Qualcomm® Snapdragon Wear™ 2100
 Speicherkapazität
 1 GB RAM; 4 GB ROM
Netzwerk
3G WCDMA,4G LTE FDD**
Display
1.39 Zoll AMOLED (400 x 400 px) + FSTN LCD
Konnektivität
Bluetooth v4.2 + BLE, WiFi 802.11 b/g/n
GPS
GPS + GLONASS + Beidou
Sensoren
PPG Herzfrequenzsensor, Beschleunigungssensor, Gyroskop, E-Kompass, Umgebungslichtsensor, Off-Body-Sensor mit niedriger Latenzzeit
NFC-Zahlungen
Google Pay via NFC
Akkukapazität
415 mAh
Sim
Embedded SIM
Militärstandard 810G
Hält Temperaturen zwischen -30°C und 70°C stand; in Betrieb zwischen -20°C und 55°C; 57kpa Druck; 44°C Sonneneinstrahlung; 95% Luftfeuchtigkeit; Salznebel; Sand und Staub
Wasserdichte
IP68 + staub- und wasserdicht

Design-Änderungen

Auch optisch gibt es minimale Veränderungen. Die Lünette ist schmaler geworden, stellt keine Zahlen mehr dar und ist nun geriffelt. Sie wirkt dadurch ein wenig unauffälliger. Gefühlt ist das aus  Polyamid und Glasfaser, Edelstahl, sowie der Rückseite aus Aluminium gefertigte Modell ein wenig leichter. Überprüfen können wir das jedoch nicht, da wir das „alte“ Modell nach dem Test zurücksenden mussten.

Mobvoi TicWatch Pro 4G im Test

Software

Auch in Sachen Software hat sich innerhalb des Jahres etwas getan. Prominent sei dabei TicPulse, TicMotion 2.0 und TicSleep genannt, womit ab sofort auch der Schlaf getrackt und ausgewertet werden kann. Alle Anwendungen lassen sich jedoch auch auf das reguläre Pro-Modell installieren.

Mobvoi TicWatch Pro 4G im Test

Die LTE-Funktion der TicWatch Pro 4G

Lasst mich noch ein zwei Worte zu der LTE-Funktion der Smartwatch verlieren, da es ja im Grunde den wichtigsten Unterschied zum Basis-Modell liefert. Die Freischaltung der eSIM, welche über die Mobvoi-Anwendung auf dem Smartphone mithilfe eines QR-Codes erfolgen muss, funktionierte bei uns leider nicht auf Anhieb. Wir vermuten jedoch das Verschulden bei Vodafone, da Kollegen keinerlei Probleme bei der Einrichtung gehabt haben. Mobvoi hat hier jedoch schnell gehandelt und uns unterstützt, sodass es am Ende dann doch noch funktionierte.

Mobvoi TicWatch Pro 4G im Test

Ab sofort ist die Smartwatch auch ohne eine Smartphone-Verbindung, autark nutzbar. Soll bedeuten, dank verbauten Mikrofon und Lautsprecher ist das führen von Telefonaten möglich. Auch zum joggen um den See, kann das Handy zu Hause liegen gelassen werden und der Musikgenuss von Spotify ist weiterhin im Stream gewährleistet.

Auch das Bezahlen via NFC (Near Field Communication) ist bei vergessenen Smartphone möglich. Aber wie oft passiert das wirklich? Auch wenn alles gut funktioniert. Ich brauche es in der Tat nicht. Es ist ein „nice to have“ – mir jedoch nicht eine zusätzliche Investition wert. Das ist aber tatsächlich von Nutzer zu Nutzer unterschiedlich und sehr subjektiv.

Akku

Wir haben es bereits verraten: Die Kapazität vom 415 mAh starken Akku hat sich nicht verändert. Hält nun die Mobvoi TicWatch Pro 4G nicht mehr so lang wie ohne eSIM? Das wäre ja zu vermuten, da so ein 4G-Modem auch nicht mit Luft und Liebe funktioniert. Und in der Tat war der Akku nach der Ersteinrichtung noch am selben Abend bereits leer.

Die Enttäuschung dementsprechend groß. Doch dieser Energie-Verlust war einzig und allein der automatischen Aktualisierung der installierten Apps geschuldet. Einen Tag später, ließ sich mit den von mir gewählten Einstellungen zwischen Smart- und Essential-Mode vier ganze Tage ohne Aufladung auskommen. Das finde ich schon sehr gut und ist nur geringfügig weniger als mit der von uns bereits getesteten TicWatch Pro (zum Test).

Fazit der Mobvoi TicWatch Pro 4G

Mobvoi spendiert der TicWatch Pro LTE-4G und den doppelten Arbeitsspeicher mit filigraner optischer Veränderung. Ist der Aufpreis von knapp 70 Euro (330 Euro UVP) die Investition wert?

Mobvoi TicWatch Pro 4G im Test

Meiner subjektiven Meinung nach nicht. Zu selten bin ich nur mit Smartwatch und ohne Smartphone unterwegs. Klar das joggen und das Tracken der sportlichen Aktivitäten ist deutlich komfortabler. Doch mich wird niemand in der Öffentlichkeit sehen, wie aller Michael Knight in meine Smartwatch quatsche und meine Umgebung an dem Gespräch teilhaben lasse.

Gefallen hat mir aber definitiv der Geschwindigkeitsschub durch die doppelte Menge an Arbeitsspeicher. Wäre jedoch das gesamte Paket für 200 Euro zu schnappen, wäre ich direkt dabei. Ist vielleicht ein wenig frech, aber andere chinesische Mitbewerber zeigen das es geht. Doch um in der Samsung-Liga Preis mäßig mitspielen zu können, ist das chinesische Unternehmen hierzulande für mich noch zu unbekannt.

Wer sich für die Mobvoi TicWatch Pro 4G interessiert, erhält diese aktuell auf 299 Euro reduziert beim Hersteller direkt: Mobvoi

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Test Mobvoi TicWatch Pro 4G
  • 8.2/10
    Hardware - 8.2/10
  • 7.9/10
    Verarbeitung - 7.9/10
  • 8.9/10
    Software - 8.9/10
  • 7.5/10
    Performance - 7.5/10
  • 8.9/10
    Akku - 8.9/10
  • 7.8/10
    Preis/Leistung - 7.8/10
8.2/10

Kurzfassung

Die Mobvoi TicWatch Pro 4G bringt die eSIM-Funktionalität und damit die autarke Nutzung auf die Wear-OS-Smartwatch. Doch ist uns das – zusammen mit der doppelten Menge an RAM (1 GB) – einen Preisaufschlag von 70 Euro wert (UVP 330 Euro)?
Nein. Dazu ist der Erstgeborene zu gut. Teilweise für 200 Euro erhältlich, sind die Unterschiede uns nicht groß genug.

MaTT

Schon immer ein Kind der kreativen Künste hat MaTT nun nach einer 15-jährigen Karriere als Musikproduzent die Liebe zur Videoproduktion gefunden. Android in seiner Individualität begeisterte MaTT schon von Beginn an, wie einige Arbeiten aus dem Jahre 2006 und folgend, heute noch bei den XDA Developers Zeugnis tragen.

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