Xiaomi Poco M3 im Test: Cyberpunk-Smartphone zum schmalen Taler

Bei dem Poco M3 von Xiaomi handelt es sich um Liebe auf den ersten Blick. Wobei die Farbkombination aus dem schwarzen Display, sowie Kamera-Array und der gelben Gehäusefarbe den Auslöser gab. Erinnert es doch stark an die Cyberpunk 2077 Edition des OnePlus 8T. Doch hält die Liebe auch auf den zweiten Blick? Das soll unser ausführliche Testbericht nun klären.

Das Poco M3 von Xiaomi soll wieder ein Preisknaller werden. Das wurde bereits lang im Vorfeld klar. Und genau so sollte es auch am Ende kommen. Im Vorverkauf war das Mittelklasse-Smartphone bereits ab 129 Euro zu bekommen. Wir haben uns das M3 in POCO Yellow und der maximalen Speicher-Ausstattung 4 GB RAM und 128 GB internen Programmspeicher gegönnt. Leider noch zum Preis von 169 Euro. Inzwischen kostet es nur noch 149 Euro, beziehungsweise 129 Euro (4/64GB). Zwischenzeitliche Aktionen wie der Winter-Sale, ließen den Smartphone-Preis sogar schon für einen Tag auf 89 Euro schrumpfen.

Ehrlicherweise muss ich gestehen, das ein solcher Preisrutsch innerhalb so kurzer Zeit schon ein wenig in der Geldbörse schmerzt. Zumal das Poco M3 in der Farbe Gelb lange Zeit gar nicht verfügbar war. Nun ist es da und wir gehen über zu unseren ausführlichen Test.

Design und Verarbeitung

Wer schon den einen oder anderen Smartphone-Test von mir gelesen hat, weiß das ich schnell von einem schicken Design überzeugt werden kann. So ist es auch bei dem Xiaomi Poco M3 der Fall. Als ich ein erstes geleaktes Foto von der Rückseite gesehen habe, war es um mich geschehen. Das außergewöhnliche schwarze Kamera-Array aus Glas, welches im oberen Drittel über die komplette Breite des Smartphone geht, im krassen Kontrast zu der gelben Rückseite – ein Traum. Es erinnert unweigerlich an die Cyberpunk 2077 Edition des OnePlus 8T. Insofern musste auch direkt bei der Ersteinrichtung ein Cyberpunk 2077 Wallpaper her.

Xiaomi Poco M3 im Test

Das M3 liegt mit seiner leicht angerauten Kunststoff-Rückseite und einer Größe von 162,3 x 77,3 x 9,6 Millimeter sicher in der Hand. Der Fingerabdruck-Sensor in der Power- und Standby-Taste, sowie die darüberliegende Lautstärkewippe lassen sich auf der rechten Seite gut erreichen.

Auf der Oberseite haben wir neben einer Mikrofonöffnung und einer 3,5 Millimeter große Audio-Klinkenbuchse, drei Bohrungen die auf einen zweiten Lautsprecher neben dem auf der Unterseite hindeuten. In der Tat hat das Poco M3 auch oben und unten einen verbauten Lautsprecher für Stereosound, jedoch kommt der oben aus einer Öffnung über dem Display. Nahezu unsichtbar aber nicht unhörbar. Meine Vermutung ist, dass hinter der äußersten Öffnung sich ein Infrarot-Blaster befindet.

Auf der Unterseite ein weiteres Mikrofon, der bereits genannte Lautsprecher und mittig ein USB-Typ-C-Port. Auf der linken Seite befindet sich im oberen Bereich der SIM-Tray, der erfreulicherweise für zwei Nano-SIM-, zuzüglich einer microSD-Speicherkarte Platz bietet.

Auch die Verarbeitung gibt keinen Anlass zu Klagen. Keine scharfen Kanten und auch kein Knarzen durch drücken oder verwinden des Gehäuses. Ungewöhnlich ist, dass das Gehäuse seitlich ein wenig über das Display ragt. Es wirkt fast wie ein Prallschutz für das Displayglas, falls das Smartphone einmal auf den Boden fallen sollte. Das Display selbst ist plan verarbeitet und bietet ein akzeptablen Rand. Oben und unten ein wenig mehr als an der rechten und linken Seite.

Display

Die Diagonale des IPS-Displays beträgt 6,53 Zoll, bei einer Auflösung von 2.340 x 1.080 Pixel (FHD+). Das Seitenverhältnis beträgt 19,5:9 und wird durch ein Corning Gorilla Glass 3 vor ungewollten Kratzern geschützt.

Xiaomi Poco M3 im Test

Etwas schade, die Bildwiederholrate beträgt die standardisierten 60 Hertz. Das wäre dann vielleicht aber bei dem Preis auch ein wenig zu viel des Guten. Denn trotz LCD-Panel und 400 nits Helligkeit sind die Farben knackig, bieten einen hohen Kontrast und auch die Blickwinkelstabilität hat uns im Test überzeugt. Bei den Schwarzwerten, lässt sich der Unterschied zu einem AMOLED-Panel nur schwer erkennen. Ein Always-on-Display gibt es aber dennoch nicht.

Ungewöhnlich wie hell der Bildschirm eingestellt werden kann. Wir sind uns sicher, der Bildschirm lässt sich auch unter direkten Sonnenlicht gut ablesen. Als einzigen Schwachpunkt würde ich die Touch-Sensitivität bemängeln, die nicht immer zuverlässig arbeitete.

Prozessor und Speicher

Das Poco M3 hat natürlich keinen Snapdragon 888 verbaut. Jedoch einen Prozessor der kalifornischen Chip-Schmiede Qualcomm. Der Snapdragon 662 ist ein im 11-Nanometer-Prozess gefertigter Octa-Core-Prozessor. Davon takten vier ARM Cortex A73-Kerne mit maximalen 2,0 GHz. Bei weniger Performance abhängigen Anwendungen kommen die vier Energie effizienten ARM Cortex A53-Kerne zum Einsatz. Deren maximale Taktrate liegt bei 1,8 GHz.

Xiaomi Poco M3 im Test

Für die grafischen Belange steht die Adreno 610 GPU (Graphics Processing Unit) zur Verfügung. Der SoC (System on a Chip) ist seit Januar 2020 verfügbar und kann in der unteren Mittelklasse eingeordnet werden. Einen LTE-5G-Unterstützung, bietet der Prozessor noch nicht. Das ist erst mit dem Snapdragon 690, vier Generationen weiter möglich.

Speicher technisch ist das M3 mit 4 GB LPDDR4x Arbeitsspeicher ausgestattet. In Sachen internen Programmspeicher hat der Kunde die Wahl zwischen 64 (UFS 2.1) oder 128 GB (UFS 2.2). Wenngleich der Speicher mithilfe einer microSD-Karte zusätzlich zum Betrieb von zwei Nano-SIM-Karten bis zu 512 GB optional erweitert werden kann, haben wir uns für die 128 GB-Version entschieden. Nicht zuletzt weil er einen Tick schneller ist.

Xiaomi Poco M3 im Test

Ich hatte in den vergangenen Monaten eigentlich immer nur Flaggschiff-Smartphones in den Fingern, sodass ich doch überrascht war, dass die Performance-Unterschiede bei der Tag täglichen Nutzung so deutlich spürbar waren. Wäre aber irgendwie komisch wenn nicht. Zuzüglich zu den genannten zeitweisen Touch-Problemen, tauchen also noch kleine Micro-Ruckler und Denkpausen auf. Keine Ahnung ob Xiaomi da noch etwas mit einem Update fixen kann. Auf eine gewisse Trägheit sollten sich Kunden also einstellen. Aufwendige 3D-Spiele wie PUBG oder Fortnite sollte man meiden. Weniger Performance abhängige Games wie Candy Crush lassen sich für Bodo Ramelow & Friends aber problemlos zocken.

Kamera

Die Hardware

Wie immer in unserem Testbericht, nennen wir bei unserer Kamera-Kategorie die technischen Daten, bevor wir auf die Foto-Qualität eingehen. Das Poco M3 hat auf der Front einen 8-Megapixel-OV8856-Sensor von OmniVision verbaut. Dieser ist oben mittig in einer tropfenförmigen Notch im Display positioniert. Die maximale Blende beträgt f/2.05.

Auf der Rückseite befindet sich links oben eine vertikal angeordnete Triple-Kamera, wenngleich das schicke Glas-Array quer über die gesamte Smartphone-Breite etwas anderes suggeriert. Von oben nach unten handelt es sich dabei um eine 2-Megapixel-Makro-Kamera. Als Sensor verbaut Xiaomi einen Hynix Hi259 mit einer Blende von f/2.4.

Xiaomi Poco M3 im Test

Mittig sitzt die 48-Megapixel-Hauptkamera, mit einem Samsung GM1 und einer Blende von f/1.79. Ganz unten befindet sich eine weitere 2-Megapixel-Kamera für Portrait-Aufnahmen. Der Tiefensensor ist ein OmniVision OV02B1B, ebenfalls eine Blende von f/2.4.

Wenngleich es sich hier ja um ein echt preiswertes Mittelklasse-Smartphone handelt, nietet Xiaomi Funktionen wie Panorama-, Portrait-, Zeitlupen- und Zeitraffer-Aufnahmen, sowie Nacht-Fotografie. Einen Pro-Modus für manuelle Einstellungen, Schärfe-Peaking, bis hin zur Speicherung im RAW-Format. Video-Aufnahmen sind bis zu einer 1080p-Auflösung mit 30 Bildern pro Sekunde möglich.

Frontkamera

Die Frontkamera bietet für die Preisklasse keine großen Überraschungen. Tagesaufnahmen wissen zu gefallen, Low-Light-Aufnahmen sollte man sich verkneifen. Ist das Licht aber in ausreichenden Maße vorhanden, gefällt uns sogar der dezent eingesetzte Portraiteffekt (Schärfentiefe).

Tagesaufnahmen

Auch der 48-Megapixel-Sensor fotografiert eigentlich mit 12 Megapixel. Also das sogenannte 4 in 1 Pixel-Binning, welches vier Bilder zu einem Foto vereint und daher auch recht gute Tagesaufnahmen zaubert. Zumindest wenn man sich einmal wieder der Preiskategorie besinnt, in der man sich hier gerade bewegt. Es lassen sich natürlich auch manuell die 48 Megapixel forcieren. Dann aber mit 8.000 x 6.000 Pixel im 4:3-Format.

Bei Portraitaufnahmen kann der Nutzer des Poco M3 den Grad der Unschärfe selbst bestimmen. Hier reicht das Angebot von komplett übertrieben, bis hin zu einem dezenten Bokeh-Effekt. Auch die Randerkennung funktioniert bei dem günstigen Preis überraschend gut. Somit macht sich der verbaute Portrait-Sensor durchaus einen Sinn.

Das können wir leider von dem 2-Megapixel-Makro-Sensor nicht sagen. Nahaufnahmen benötigen zwingend eine gute Ausleuchtung. Das sich der Sensor dann auch tatsächlich scharf stellt, hat ein wenig mit Glück zu tun. Wirklich reproduzierbar sind unsere Ergebnisse leider nicht.

Nachtaufnahmen

Überrascht waren wir in der Tat von den Nachtaufnahmen. Das Poco M3 macht bereits im normalen Kamera-Modus schon gute Aufnahmen. Deutlich mehr holt der Nutzer aber im Nacht-Modus heraus. Die Dynamik und höhere Belichtung nimmt erkennbar zu. Dafür nimmt das Rauschen ab. Versteht mich nicht verkehrt, natürlich gibt es hier deutliche Unterschiede zu einem Flaggschiff wie dem Huawei Mate 40 Pro, doch angesichts der verbauten Technikgefallen uns die Aufnahmen recht gut.

Akku

Das M3 hat einen 6.000 mAh starken Akku verbaut. Wenngleich auch andere Hersteller in der Mittelklasse mit einer ungewöhnlich großen Energiequelle um die Ecke kommen, kristallisiert sich das Poco M3 zum echten Dauerläufer. Zwei Tage ohne eine Steckdose sind kein Problem. Bei einem kompletten dritten Tag, werden dann aber von dem Nutzer entsprechende Einschränkungen abverlangt.

Xiaomi legt entgegen dem Mi 11 ein 22,5-Watt-Netzteil dem Lieferumfang mit bei. Laut den technischen Daten wird das M3 aber „nur“ 18 Watt geladen. das dauert dann von 0 auf 100 Prozent knappe 160 Minuten. Kabelloses Laden ist mit unserem Mittelklasse-Smartphone jedoch nicht möglich.

Xiaomi Poco M3 im Test

Sicherheit und Software

Das Xiaomi Poco M3 kommt mit der hauseigenen Benutzeroberfläche MIUI 12.0.5 auf Basis von Android 10. Unser Google-Sicherheitsupdate war Ende Januar auf dem Stand von November 2020. Hier wird man sich darauf einstellen müssen, dass man bei den OTA-Updates nicht ganz oben auf der Favoritenliste stehen wird. Widevine L1 DRM wird ebenfalls unterstützt.

Xiaomi Poco M3 im Test

Das Poco M3 bietet die AI-Unterstützte Gesichtserkennung an. Diese funktionierte bei uns sehr zuverlässig und schnell. Der seitliche Fingerabdrucksensor ist hingegen nicht ganz so treffsicher. Das liegt vermutlich aber auch daran, dass die Scanfläche einfach geringer ist als bei der Position auf der Rückseite oder unter dem Display. Ich bin prinzipiell kein Fan des seitlichen Fingerprint-Sensors. Doch das sieht vermutlich jeder anders.

Xiaomi macht schnell bei der Menge an vorinstallierten Anwendungen schnell deutlich, warum man das Smartphone so günstig anbieten kann. Man subventioniert das Smartphone durch eine Menge an Games, Tools, Social Media Anwendungen und Online-Shops. Insgesamt sind es 89 Anwendungen, von denen sich überwiegend alle deinstallieren lassen.

Unverständlich ist jedoch, dass beim umfangreichen Google-Konvolut auch Google Pay dabei ist, obwohl das Smartphone kein NFC (Near Field Communication) zum kontaktlosen Bezahlen unterstützt. Das ist tatsächlich ein Feature, von dem ich der Meinung bin, dass man in Zeiten von Corona nicht verzichten sollte.

Pro und Contra

Pro

  • Dual-SIM und microSD-Card
  • Stereo-Lautsprecher
  • Gutes Display für die Preisklasse
  • Gute Kamera für den Preis
  • Sehr gute Akku-Laufzeit

Contra

  • Kein NFC
  • Keine Benachrichtigungs-LED oder Always-on-Display
  • Keine 90 Hertz (oder höher) Bildwiederholrate

Das Fazit des Xiaomi Poco M3

Wer das Poco M3 von Xiaomi unter 100 Euro bei einen der vielen Aktionen schnappen kann, darf sich glücklich schätzen. Das Mittelklasse-Smartphone sieht nicht nur in Blau oder Gelb außergewöhnlich aus, sondern bietet auch recht viel. Ich würde sogar soweit gehen, dass es aktuell das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bietet.

Xiaomi Poco M3 im Test

Die Kamera macht nicht immer das perfekte Foto, dürfte aber auch hier in der Preisklasse zu den Besten zählen. Das Sahnehäubchen ist natürlich der 6.000 mAh starke Akku, der das M3 zu einem echten Dauerläufer mutieren lässt. Auch das Display weiß in seiner Qualität durchaus zu gefallen.

Wenn wir kritisieren müssen, dann sollte man auf jeden Fall das fehlende NFC zum kontaktlosen Bezahlen bemängeln. Auch der verbaute Prozessor ist nicht zum Ego-Shooter zocken geeignet. Das sollte aber bei dem Preis irgendwie klar sein. Stereo-Lautsprecher und der Triple-Slot für zwei Nano-SIM-Karten zuzüglich microSD-Speicherkarte, lassen das Manko aber wieder schnell vergessen.

Xiaomi Poco M3 im Test

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Test Xiaomi Poco M3
  • 8.3/10
    Hardware - 8.3/10
  • 9.1/10
    Verarbeitung - 9.1/10
  • 7.9/10
    Software - 7.9/10
  • 5.1/10
    Performance - 5.1/10
  • 7.2/10
    Kamera - 7.2/10
  • 9.2/10
    Akku - 9.2/10
  • 9/10
    Preis/Leistung - 9/10
8/10

Kurzfassung

Das Poco M3 von Xiaomi scheint für Leute die ein Smartphone in der Mittelklasse suchen die aktuell beste Kaufoption zu sein. Noch dazu, wenn man zu den Glücklichen gehört, die das M3 in einer der vielen Aktionen für nur 89 Euro bekommen konnte. Hinzu kommt das Cyberpunk 2077 Design in Gelb, welche für uns ein muss war. Einziges Handicap ist das fehlende NFC zum kontaktlosen Bezahlen. Das macht das Poco-Smartphone jedoch mit einem gewaltigen Akku der bis zu 3 Tage halten kann wieder wett.

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MaTT

Schon immer ein Kind der kreativen Künste hat MaTT nun nach einer 15-jährigen Karriere als Musikproduzent die Liebe zur Videoproduktion gefunden. Android in seiner Individualität begeisterte MaTT schon von Beginn an, wie einige Arbeiten aus dem Jahre 2006 und folgend, heute noch bei den XDA Developers Zeugnis tragen.

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