[Test] Sanei N10

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Vor einiger Zeit hatten wir ein China-Tablet im Test gehabt, dass alles andere als billig war, zumindest was die erlebte Performance betrifft. Da 7″ nicht bei jedem auf Gegenliebe stoßen, haben wir in den zurückliegenden Wochen quasi die 10,1″ große Version des Ainol Novo 7 Aurora testen können, in Form des Sanei N10. Quasi nur deshalb, da sich beide Tablets fast dieselbe Hardware teilen. Ob das ebenfalls zu einem guten Tablet angesichts des Verkaufspreises führt, soll der heutige Test zeigen.

Chinesische Hersteller sind im Kommen

Bereits beim Ainol Novo 7 Aurora ist aufgefallen, dass die chinesischen Hersteller nicht nur kopieren sondern auch selbst gute Geräte herstellen können. Die erlebte Performance stimmt überhaupt nicht mit dem überein, was man bisher von chinesischen Billig-Produkten her kannte. Zwar ist die reine CPU-Leistung wie Benchmarks beweisen eher bescheiden, da Android 4.0 Ice Cream Sandwich aber eine GPU-Beschleunigung bietet, kommt der fast immer verbaute ARM Mali400 Grafikchip voll zur Geltung. Trotzdem wird der Markt fast geflutet von günstigen Tablets aus China, die allesamt auf ähnliche und vor allem billige Hardware setzen, aber dennoch über eine gute Performance verfügen. Während bisher überwiegend 7″ Tablets wie eben das Ainol Novo7 Aurora oder das Odys Xelios hierzulande zu haben waren, öffnet sich der Markt langsam in Richtung der 10,1″ Tablets.

 

Verbaute Technik im Sanei N10

  • Allwinner A10 mit 1 GHz
  • ARM Mali400
  • 10,1″ IPS Display mit 1.280 x 800 Pixel Auflösung
  • 1 GB RAM
  • 16 GB interner Speicher
  • MicroSD (bis zu 32 GB)
  • WLAN b/g/n, Bluetooth 2.0
  • 2 Megapixel Kamera, 2 Megapixel Frontkamera
  • MicroUSB, USB Host per Adapter, MicroHDMI (bis zu 2160p)
  • 267 x 178 x 10 mm
  • 590g
  • 7.000 mAh Akku
  • Android 4.0.3 Ice Cream Sandwich mit Sanei UI

 

Zubehör

Im Karton, sofern er beim Käufer ankommt, beinhaltet neben dem Tablet das Netzteil mit US-amerikanischem Stecker zum aufladen des Akkus. Sanei legt dem Paket allerdings einen Adapter für europäische Steckdosen bei, sodass dem Käufer keine unnötigen Steine in den Weg gelegt werden. Nebenbei hat man somit schon eine halbe Reiseausrüstung, einzig ein Adapter für britische und kanadische Steckdosen würde noch fehlen. Hinzu kommen MicroUSB-Kabel sowie USB-Host-Adapter, allerdings fehlt diesmal ein MicroHDMI-Kabel. Wie ich allerdings mitbekommen habe, packen manche Online-Händler dennoch ein HDMI-Kabel bei. And Last but not Least die obligatorischen Kopfhörer und die üblichen papiernen Schnellstartanleitung sowie Garantiebestimmungen. Eher ungewöhnlich für einen Lieferumfang, zumindest verglichen mit früher, ist eine Display-Schutzfolie für das Tablet.

 

Verarbeitung

Bei einem Tablet der 200-Euro-Klasse darf man keine allzu hohe Qualität in Sachen Verarbeitung erwarten, dennoch ist das Sanei N10 hochwertiger als zunächst gedacht. Das weiße und schwarze Modell haben ein Gehäuse aus Kunststoff, die schwarze Version gibt es aber auch mit einem Gehäuse aus Aluminium. Letzteres macht sich dann vor allem im Gewicht bemerkbar. Der Unterschied zwischen Kunststoff- und Aluminium-Gehäuse lässt sich zwar erfühlen, ist aber nicht ganz so groß wie gedacht. Allerdings merkt man an der Rückseite, dass es sich um eines der günstigeren Tablets handeln muss. Beim ausüben von Druck gibt diese leicht nach. Das Gehäuse besteht demnach nicht aus einem ähnlich hochwertigem Kunststoff wie die deutlich teureren Tablets von ASUS, Samsung und Co., was sich auch in dem schnellen Einfangen von Kratzern reflektiert. Zudem ist die Rückseite, zumindest bei dem weißen Modell, in einer Klavierlackoptik gehalten, was besonders empfänglich für Fettabdrücke aller Art ist.

Anfällig für Fingerabdrücke: Klavierlack-Rückseite

Auf der Oberseite des Tablets finden sich die üblichen Tasten zur Regelung der Lautstärke wieder sowie die Power-Taste. Allerdings befinden sich die nicht wie üblich auf der linken Seite sondern auf der rechten Seite. Anfangs doch etwas ungewohnt, kommt man nach ein paar Tagen recht gut damit klar. Die Tasten sind sehr gut erfühlbar, da sie sehr deutlich aus dem Gehäuse herausragen. Der Druckpunkt ist ziemlich knackig, man weiß sofort wann die Taste wirklich gedrückt wurde. Das können manche Premium-Hersteller nicht so gut, siehe unser Test des Motorola Xoom 2 Media Edition. Wie die Position der Tasten ist auch deren Druckpunkt reine Gewöhnungssache.

Tasten auf der rechten Seite

Auf der rechten Seite des Tablets stehen von oben nach unten Anschlüsse für Kopfhörer, MicroHDMI, MicroUSB und das Netzteil bereit. Zwischen Kopfhörer und MicroHDMI befindet sich noch ein MicroSD-Slot. Dieser verträgt offiziell MicroSD Karten bis 32 GB, dennoch lief die 64 GB MicroSD von SanDisk problemlos in dem Tablet. Was mich allerdings schon etwas störte, ist die MicroUSB-Buchse des Sanei N10. Diese ist ein klein wenig speziell, weshalb ich das an dieser Stelle mal mit erwähnt haben möchte: Die Buchse ist geringfügig tiefer und der Stecker des beiliegenden MicroUSB-Kabels sowie OTG-Kabels geringfügig länger. Aus diesem Grund ist die Verwendung der beiliegenden Kabel wirklich empfehlenswert, da das MicroUSB-Kabel meines Galaxy S2 für meinen Geschmack arg locker in der Buchse saß. Manchmal hat es mehrere Anläufe gebraucht, bis das Tablet vom PC erkannt wurde.

Die bekannten Tablet-Anschlüsse

 

Display

Das Display kann als eines der Highlights angesehen werden, denn das 10,1″ große Display bietet die Android-Tablet-übliche Auflösung von 1.280 x 800 Pixel. Dank IPS-Technologie ist es zudem recht Leuchtstark und hat einen sehr guten Betrachtungswinkel von bis zu 160°, laut Datenblatt. Ich habe das zwar nicht ausgemessen aber gefühlt waren noch einige Grad mehr drin. Allerdings hat das Display ein ganz großes Manko, dass einen manchmal echt zur Weißglut treiben kann: Die Glasscheibe spiegelt extremst. Vor allem beim betrachten unter freiem Himmel und Sonnenlicht ist das mehr als nur störend. Abgesehen davon reagiert das Display recht zügig, genau und auf bis zu 5 gleichzeitige Berührungen. Ich frage mich zwar immer wieder aufs Neue wozu man sowas braucht, Nice to have ist es dennoch. Verglichen mit dem Ainol ist die Leuchtkraft subjektiv gesehen quasi identisch, eine Farbverfälschung ist ebenfalls nicht zu erkennen gewesen. Das die Qualität des Displays selbst bei Premium-Herstellern schlechter sein kann, hat sich im Test des zuvor schon erwähnten Xoom 2 Media Edition herausgestellt.

Ein Spiegel für den Rucksack

 

CPU & GPU

Der Allwinner A10 ist für uns kein Unbekannter mehr, kommt er doch in nahezu gleicher Ausführung auch im Ainol Novo7 Aurora zum Einsatz. Bereits da wusste der Chipsatz auf Basis des ARM Cortex A8 als CPU und einer Mali400 als GPU zu überzeugen. In der reinen Rechenleistung zählt der Chipsatz zwar zu den Leistungschwächeren Vertretern seiner Zunft, trotzdem ist das System fast überall angenehm flüssig zu bedienen. Das liegt nicht zuletzt mit an der Taktrate von 1 GHz, welche sogar die flüssige Wiedergabe von 1080p Videomaterial erlaubt. Der Tegra2 von NVIDIA beispielsweise, welcher in einem Großteil der „westlichen Tablets“ verbaut wird, hat mit solchen Filmen gerne mal so seine Probleme gehabt. Leider spiegelt sich die schwache CPU-Leistung besonders beim surfen wieder, denn hier braucht das Tab öfters mal ein paar Gedenksekunden, vor allem wenn man mehrere Tabs offen hat im Browser. Auch wenn die Performance an sich akzeptabel ist und die UI als flüssig wahrgenommen wird, hatte das Sanei N10 hin und wieder einige Gedenkminuten an den Tag gelegt.

Wer seine Technik lieber nach der messbaren Leistungsfähigkeit aussucht, für den habe ich hier ein paar Benchmarkergebnisse. Zum Vergleich habe ich das Motorola Xoom 2 Media Edition und das leistungsmäßig fast identische Ainol Novo 7 Aurora heran gezogen. Das Xoom 2 Media Edition besitzt allerdings eine Dualcore-CPU, weswegen die Ergebnisse nur bedingt vergleichbar sind. Das Novo 7 Aurora und das N10 haben durch den Allwinner A10 fast die gleiche Hardware. Je höher der erreichte Wert ist, umso besser.

Sanei N10 Novo 7 Aurora Xoom 2 Media Edition
Displayauflösung 1.280×800 1.024×600 1.280×800
Linpack, Single Thread 15,348 MFLOPS 14,88 MFLOPS 45,291 MFLOPS
Linpack, Multi Thread 15,068 14,538 MFLOPS 62,285 MFLOPS
Nenamark 38,6 FPS 42,9 FPS 47,9 FPS
SmartBench 2012 Productiviy 467 464 2281
SmartBench 2012 Gaming 1299 1084 1825
Vellamo Mobile Web 667 712 1153
AnTuTu, Default Test 2691 2178 5991
SetCPU, Long Bench* 611ms 526ms 282ms
SetCPU, Native Bench* 1123,653564ms 1021,948242ms 774,749756ms

*Niedriger ist besser

Akku

Für ein Tablet ist die Ausdauer des Akkus von essentieller Bedeutung, immerhin werden diese Geräte überwiegend für den Medienkonsum gekauft. Nichts ist nerviger, wenn das Tablet mitten im Film plötzlich sich von selbst wegen zu schwachem Akku herunter fährt. Ein Blick in das Datenblatt verrät einen Akku mit einer Kapazität von 7.000 mAh, was eigentlich zu einer ordentlichen Laufzeit verhelfen müsste. Das tut es in der Regel auch. Wenn das Tablet nicht oder nur wenig genutzt wird, sind Laufzeiten von mehreren Tagen problemlos drin. Bei der Wiedergabe von Filmen hielt das Tablet gar bis zu 6 Stunden durch, was gar nicht mal so schlecht ist. Verglichen mit früheren China-Tablets vor vielleicht gut 2 Jahren ist das ein wirklich sehr guter Wert. Nur bei aktiviertem WLAN und maximaler Helligkeit meldet sich bereits nach knapp 3 Stunden das erste Mal die Warnung vor einem zu niedrigen Akku.

 

Konnektivität

Wie die meisten Tablets verfügt auch das Sanei N10 über WLAN, sogar über den schnelleren n-Standard. Bei China-Tablets nicht immer der Fall und deswegen umso erfreulicher, ist das Vorhandensein von Bluetooth. Zwar kommt noch der alte Bluetooth 2.0 Standard zum Einsatz aber hey, es hat Bluetooth! Der verbaute Chip gehört zwar mitnichten zu den schnelleren Vertretern aber für das verschicken kleinerer Dateien reicht es allemal. Schneller ist hingegen der verbaute WLAN-Chip, der laut Datenblatt WLAN n  beherrscht. Ich habe zwar nicht den effektiven Datendurchsatz gemessen, dennoch ist die Geschwindigkeit geringer als beim Samsung Galaxy S II. Naja, wir reden hier schließlich über ein China-Tablet, da ist so etwas zu erwarten. Dennoch bekommt man ordentlich was an Technik mittlerweile geboten. Die MicroUSB-Buchse beherrscht wie üblich den USB 2.0 Standard, überträgt die Daten also recht zügig.

 

Multimedia

Ein 10,1″ Tablet eignet sich besonders gut für die Wiedergabe von Filmen, die entweder im internen Speicher, auf der MicroSD bzw. auf einem per WLAN oder USB angeschlossenen Laufwerk liegen. Die verbaute Mali 400 GPU spielte immerhin entsprechend codierte 1080p Filme flüssig ab, was nicht gerade selbstverständlich ist für ein günstiges Tablet. Über den Videoausgang sollen sogar 2160p Filme mühelos gestemmt werden, was ich allerdings mangels Gegenstelle nicht ausprobieren konnte. Wird wirklich Zeit, meine Unterhaltungstechnik zu erneuern. Diese Art der Wiedergabe ist übrigens auch sehr zu empfehlen, denn die eingebauten Lautsprecher des N10 klingen ungeheuer blechern und bassarm. Selbst die mitgelieferten Kopfhörer lassen einen eher verzweifeln.

Kleiner Lautsprecher für sehr kleinen Sound

Ebenfalls nur mittelmäßig sind die Ergebnisse der verbauten 2 Megapixel Kamera, die gerade so für (teils verrauschte) Schnappschüsse taugt. Sofern mit einem 10,1″ Tablet überhaupt fotografiert wird. Für Videochats ist dagegen die 2 Megapixel Frontkamera gedacht, die ebenfalls eher mäßige Bilder liefert. Für Skype sollte es aber problemlos reichen.

 

Software

Das Sanei N10 wird von Haus aus mit Android 4.0.3 ausgeliefert, über das Sanei eine eigene Oberfläche drüberlegt. Diese weiß vor allem durch ihre Schnelligkeit und, man höre und staune, über eine Theme-Engine verfügt. Ganze 6 Themen gibt es zur Auswahl die neben dem Hintergrund zusätzlich noch das ganze Erscheinungsbild inklusive Farben der Menüs und so weiter ändert. Selbst die Animation beim Wechsel der Homescreen-Seiten lässt sich einstellen. Abgesehen davon installiert Sanei lediglich einen chinesischen App Shop vor sowie einen Datei Manager, ansonsten findet sich nichts zusätzliches an Apps auf dem Tablet wieder. Sehr löblich. Sogar beim Sperrbildschirm hat Sanei Hand angelegt und ihn ein wenig aufgewertet, was im simplen entsperren und zwei Verknüpfungen für den Browser und Gmail fußt.

Sperrbildschirm mit Zusatzfunktionen

 

Fazit

Das Sanei N10 zeigt wie das Ainol Novo7 Aurora, dass brauchbare Tablets nicht immer 400 und mehr Euro kosten müssen. Zwar ist das N10 kein Leistungswunder das mit einem Tegra2 mithalten kann, dennoch dürfte das N10 für die meisten Aufgaben ausreichend sein. Allerdings kann mit Custom ROMs wie CyanogenMod 9 oder AOKP die Leistung spürbar verbessert werden, weshalb ich das flashen einer Custom ROM wirklich empfehle. Zwar ist das Tablet bereits im Auslieferungszustand gut, verglichen mit dem Ainol Novo7 Aurora allerdings schon eine ganze Spur langsamer. Liegt mit am größeren Display, denn der Allwinner A10 hat mehr Pixel anzusteuern. Dennoch kann man das Tablet in der 10,1″ Klasse empfehlen, wenn man einiges für wenig Geld haben will und bereit ist, gewisse Kompromisse einzugehen.

Wertung
Leistung 2/5
Grafik 3/5
Verarbeitung 3/5
Zubehör 4/5
Preis 4/5

 

 

 

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Mann mit Bart und Faible für Smartphones und Tablets jeder Plattform, doch eindeutig bekennender Androidliebhaber.

Ein Kommentar

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