Cat S62 Pro im Test: Sei schlau und teste auf dem Bau!

Das Cat S62 Pro ist das neueste und technisch stärkste Smartphone des Radlader-, Bagger- und Baumaschinen-Herstellers Caterpillar Inc. aus Deerfield Illinois USA. Dessen Smartphones stehen somit auch automatisch mit Robustheit und Minimalismus im Einklang. Wir haben uns das aktuelle Flaggschiff mit FLIR-Wärmebildkamera einmal genauer angeschaut. Nicht nur das, wir haben es in seinem bekannten Habitat – dem Bau – ausführlich getestet.

Caterpillar Inc. wird zumindest was Smartphones anbelangt von der englische Bullitt Group in Europa vertreten. Das Unternehmen konnte in der Vergangenheit schon reichlich Erfahrung sammeln was Outdoor- und Rugged-Smartphones anbelangt. Und um nichts anderes handelt es sich auch bei den Cat-Phones. Auf dem Bau fühlen sich die robusten Smartphones zuhause und wurden auch für entsprechende Umgebung geschaffen. Ein Territorium welches andere Smartphone-Hersteller eher meiden.

Cat S62 Pro im Test

Das Cat S62 Pro ist aktuell das Flaggschiff seiner Zunft und kostet 649 Euro. Wer auf die FLIR-Wärmebildkamera (Forward Looking Infrared) verzichten will und kann, wird auch schon bei dem 249 Euro günstigen Cat S42 fündig. Und soviel sei bei unseren Test schon einmal vorweg genommen. Auf das Feature des FLIR Lepton 3.5 Sensor wollt ihr nicht verzichten.

Design und Verarbeitung

Keine Frage, einen Schönheitspreis gewinnt das Cat S62 Pro nicht. Es ist klobig, mit knapp 12 Millimeter echt dick und mit den 248 Gramm schon hart an der Grenze für eine Waffenschein-Pflicht. Auf der Rückseite finden wir eine strapazierfähige, rutschfeste und gummierte TPU-Rückseite (Thermoplastisches Polyurethan).

Cat S62 Pro im Test

Es ist mit einem breiten Metallrahmen versehen, der durch seine seitlichen 6 Verschraubungen noch einmal seinen martialischen Ersteindruck bestätigt. Auf der rechten Seite befindet sich zwei Lautstärke-Tasten sowie ein Power und Standby-Button. Auf der linken Seite der SIM- und microSD-Speicherkarten-Slot. Darunter, mittig positioniert die programmierbare Taste mit PTT Modus. Alle Tasten sind aufgrund der Gesamtgröße von 158,5 x 76,7 x 11,9 Millimeter gut erreichbar.

Oben gibt es nur eine Öffnung für ein Mikrofon, welches meist für die Geräuschunterdrückung bei Telefonaten verwendet wird. Unten ein weiteres Mikrofon, die Öffnung für den Lautsprecher und ein USB-Typ-C-Port (2.0). Wasserdicht versteht sich. Denn das gesamte Smartphone erfüllt im Grunde die gesamte Palette an möglichen Zertifikaten, so scheint es. Hier mal ein Auszug:
Nach der Schutzklasse IP68 und IP69 Sand-, Staub- und Schmutz abweisend. Wasserdicht bis zu 1,5 Meter Tiefe für satte 35 Minuten. Sturz sicher bis zu einer Höhe von 1,8 Meter auf puren Stahl. Erfüllt den Militär-Standard nach Mil-Spec 810G und kann Temperaturunterschiede zwischen Minus 25 Grad Celsius und 55 Grad Celsius für bis zu 24 Stunden ohne Schaden überstehen. Hat jemand noch Fragen? Das Smartphone ist praktisch unzerstörbar. Wir haben es direkt auf dem Bau getestet.

Das „superhelle“ Display des Cat S62 Pro

Die Front des Cat S62 Pro erinnert an längst vergessene Zeiten. Oben und unten ein dicker Rand. Das 5,7 Zoll große TFT-Display ist auch rechts und links von einem jeweils 5 Millimeter schwarzen Streifen eingerahmt. Die Auflösung beträgt 2.160 x 1.080 Pixel und kann sogar mit nassen Fingern oder Handschuhen bedient werden.

Cat S62 Pro im Test

Der Bildschirm ist mit einem Corning Gorilla Glass 6 geschützt. Zusätzlich steht der Rahmen leicht über dem Display, was vermutlich zusätzlich das Panel bei einem Sturz vor Glasbruch schützt. Der Bildschirm des Cat S62 Pro wird ab Werk mit einer Schutzfolie ausgeliefert, die uns ein wenig von der Haptik her gestört hat. Und obwohl wir die Erlaubnis zum Entfernen dieser Folie hatten, haben wir es nicht geschafft.

Cat S62 Pro im Test

Cat-Phones bewirbt das Display als „Superhell„. Das können wir leider nicht bestätigen. Im direkten Sonnenlicht ist das Display nur schwer abzulesen. Das ist jetzt nicht ungewöhnlich und kennen wir so auch von anderen Smartphones, doch bei einem Gerät, welches vermutlich überwiegend draußen genutzt wird und auch das Flaggschiff kennzeichnet, hätte ich mehr erwartet.

Die Darstellung an sich ist kontrastreich und mit einer hohen Blickwinkel-Stabilität versehen. Spezielle Einstellungen für Dynamik oder Farbintensität gibt es nicht. Ebenso kein „Always on Display“. Dafür aber eine dreifarbige Benachrichtigungs-LED.

Prozessor und Speicher

Das Cat S62 Pro hat einen Snapdragon 660 Octa-Core-Prozessor im 14 nm-Verfahren verbaut. Damit ist im Grunde schon alles gesagt. Denn Geschwindigkeitsrekorde will das Smartphone ebenfalls nicht gewinnen. Und wenn der Polier seine Mitarbeiter bei zocken erwischt, können die sich eh die Papiere holen.

Dennoch sei der Vollständigkeit halber die grafische Unterstützung der Adreno 512 genannt, welche eine maximale Taktrate von 860 MHz beträgt. Bei der CPU sind es maximale 2,2 GHz der vier Performance-Kerne (Cortex A73) und 1,8 GHz der Energie effizienten Kerne (Cortex A53).

Speicher technisch gibt es 6 GB RAM und 128 GB internen Programmspeicher.Davon sind ab Werk knapp 106 GB frei. Der Speicher lässt sich unter Verlust einer zweiten SIM-Karte mithilfe einer microSD-Karte bis auf 256 GB erweitern. Ich denke mit der Kapazität wird man gut auskommen, selbst wenn viele Fotos zur Dokumentation auf dem Bau gemacht werden müssen.

Kamera mit Agenten-Funktion

Schaut man auf die technischen Daten der Kamera des Cat S62 Pro, so wird der Hobby-Fotograf vermutlich in eine tiefe Depressionen fallen. Es gibt lediglich eine 8-Megapixel-Frontkamera und eine 12 Megapixel Hauptkamera, mit einer Blende von f/1.8. Der Sensor soll voll Sony sein, welcher IMX-Sensor dafür jedoch in Frage kommt, bleibt ein wohl gehütetes Geheimnis.

Cat S62 Pro im Test

Die Foto-Ergebnisse bei Tageslicht können sich jedoch dennoch sehen lassen. Warum auch nicht? Schließlich beweist Google seit Jahren bei seinen Pixel-Kameras das es nicht immer zwingend viele Sensoren für ein gutes Bild nötig sind. Zwar würden wir die Ergebnisse jetzt nicht auf ein Niveau heben wollen, aber für das Foto zur Dokumentation des Fortschritts auf der Baustelle reicht es alle Male.

Beim Thema Nachtaufnahmen scheiden sich dann aber die Geister. Waren bei Tage schon Kontrast- und Struktur-Mangel bei einer Vergrößerung zu erkennen, so wird es bei wenig Licht im Schwarz-Bereich schnell matschig und Details sind nur schwer auszumachen. Einen speziellen Nacht-Modus bietet das Baustellen-Handy nicht. Aber!

Die Wärmebildkamera mit FLIR-Sensor

Da war doch noch was! Richtig. Das Cat S62 Pro ist mit einer Wärmebildkamera ausgestattet. Und diese wurde noch einmal in Sachen Qualität und Auflösung (1.440 x 1.080 Pixel) verbessert. Dafür verantwortlich die VividIR-Technologie und der FLIR Lepton 3.5-Sensor der viermal mehr Thermalpunkte (20.000) als sein Vorgänger analysiert. Das Temperatur-Spektrum liegt dabei bei Minus 20 und Plus 400 Grad.

Und wer jetzt glaubt die FLIR-Kamera sei nur eine Spielerei der irrt gewaltig. Das US-Unternehmen FLIR-Systems liefert seit 1978 seine Technologie an Industrie, öffentliche Einrichtungen und die US-Streitkräfte. Somit ist die Lokalisierung und Diagnose von Feuchtigkeit, Zugluft, Brandherden, elektrischen Kurzschlüssen oder erhöhten Temperaturen möglich. Selbst in der stockfinsteren Nacht kann Dank der Wärmebildkamera die Umgebung erkundet und überwacht werden.

Die Einsatzgebiete müssen auch nicht nur auf dem Bau eingegrenzt werden sondern können auch bei der Such des entlaufenden Haustier behilflich sein. Der Berliner Zoo nutzt ebenfalls die Kamera um die Temperatur der Tiere und somit ihr Wohlbefinden zu analysieren.

FLIR Testfoto

Ein Einstellungsmenü bietet viel nützliche Zusatzfunktionen, wie beispielsweise durch das tippen auf dem Display die aktuelle Temperatur (Messpunkt) anzeigen zu lassen. Dabei kann das Verhältnis zur Thermal- und Original-Aufnahme frei eingestellt werden und per Foto, Video oder Zeitraffer-Aufnahmen abgespeichert werden. Im Übrigen auch im Nachhinein (sofern es die originale FLIR-Aufnahme ist). Es ist sogar möglich einen Alarm ausführen zu lassen, wenn die Temperatur einen vorher bestimmten Bereich verlässt.

Mit dieser professionellen Wärmebildkamera dürfte sich auch der satte Aufpreis für das sonst sehr Minimal gehaltene Smartphone erklären.

Akku

Das Cat S62 Pro hat einen Akku mit einer Kapazität von 4.000 mAh verbaut. Fest verbaut, falls die Frage aufgrund des alten Designs des Smartphones aufkommen sollte. Das hört sich erst einmal nach ganz normalen Durchschnitt an. Ist es aber gar nicht. Denn in unserem Test hat sich das Cat S62 Pro als absoluter Dauerläufer herausgestellt. In der gesamten Testphase von knapp 2 Wochen, habe ich das Smartphone gerade viermal aufgeladen.

Zugegeben – ab und an wurde es beim Überspielen von Fotos und FLIR-Bilder am PC automatisch geladen. Allerdings sind auf unserem Test-Sample keine typischen Anwendungen wie Facebook, Gmail oder andere ständig am Akku-saugende Apps installiert.

Sicherheit und Software

Mit einem Fingerabdruck-Sensor auf der Rückseite ausgestattet, bedient das Cat auch das Thema Sicherheit. Dieser funktioniert schnell und zuverlässig. Aber nicht wenn es draußen regnet, was ja eigentlich gewährleistet sein sollte. Aber hat der Bauarbeiter seine verpflichtenden Handschuhe an, hat es sich eh mit dem Fingerabdruck erledigt.

[Beispielfotos folgen in Kürze]

Ärgerlicher fand ich da schon das Thema Software. Denn bei einem so speziellen Smartphone erwarte ich in der Tat das genaue Gegenteil von dem, was wir sonst in einem Test erwarten. Es sind im Grunde „nur“ die Google Apps von Android 10 vorinstalliert. Ein Update auf Android 11 wird vom Hersteller zugesagt. Im Übrigen auch GPay, denn das Smartphone hat NFC (Near Field Communication) zum kontaktlosen Bezahlen verbaut.

Cat S62 Pro im Test

Es gibt eine App die nennt sich Toolbox. Dahinter verbirgt sich aber nur ein Sammelsurium von eben jener Anwendungen die ich vorinstalliert erwartet hätte. Und hier keine Dritt-Anbieter Anwendungen mit Werbung oder wofür man noch bezahlen muss, sondern von Cat direkt. Sowas wie eine Wasserwaage, ein Umrechner von Einheiten oder ein Entfernungs- oder Schall-Messtool. Bei einem Preis von 649 Euro hätte ich da schon ein wenig mehr Eigeninitiative erwartet.

Positiv möchte ich noch das mit zwei Fingern hoch ziehbare Menü benennen, das sich mit seinen besonders großen Icons für Anwendungen oder Einstellungen als sehr nützlich erwies.

Cat S62 Pro im Test

Pro und Contra des Cat S62 Pro

Pro

  • FLIR-Wärmebildkamera
  • Sehr gute Akku-Performance
  • Programmierbare PTT-Taste
  • Nahezu unzerstörbar

Contras

  • Zu geringe maximale Helligkeit des LCD-Panels
  • Keine hauseigenen Werkzeug-Anwendungen
  • Optik & Haptik

Fazit des Cat S62 Pro

Zugegeben – das Cat S62 Pro ist mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 649 Euro* kein Schnäppchen. Dafür bietet es aber eine professionelle Wärmebildkamera mit einem FLIR-Sensor an Bord, welcher noch einmal zum Vorgänger verbessert wurde. Wer auf diese verzichten kann und einfach nur ein nahezu unzerstörbares Smartphone für die Arbeit sucht, wird vermutlich auch mit dem Cat S42 für nur 249 Euro klar kommen.

Cat S62 Pro im Test

Das Flaggschiff vom Baumaschinen-Herstellers Caterpillar wirkt ein wenig „Old school“, was es hauptsächlich seiner robusten Bauweise zu verdanken hat. Wer sein Smartphone mit Bau-Handschuhen, unter widrigsten Bedingungen wie Regen, Schnee und starken Temperatur-Schwankungen zuverlässig nutzen möchte, muss halt dieses Kompromiss eingehen.

Die Laufzeit mit nur einer Akku-Ladung hat uns geradewegs vom Hocker gehauen. Zu bemängeln gab es lediglich die fehlenden Software-Tools und die erwartungsgemäße Mittelklasse-Kamera. Dafür gleicht die Wärmebildkamera dieses Handikap locker wieder aus.

Cat S62 Pro im Test

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Test Cat S62 Pro
  • 7.7/10
    Hardware - 7.7/10
  • 9.2/10
    Verarbeitung - 9.2/10
  • 6.1/10
    Software - 6.1/10
  • 7.1/10
    Performance - 7.1/10
  • 5.5/10
    Kamera (ohne Wärmebild) - 5.5/10
  • 9.7/10
    Akku - 9.7/10
  • 8.6/10
    Preis/Leistung - 8.6/10
7.7/10

Kurzfassung

Leider fließt die außerordentlich professionelle und auch sehr nützliche Wärmebildkamera nicht in die Punktewertung mit ein, da sie ein Alleinstellungsmerkmal ist und somit nicht mit anderen Smartphones vergleichbar. Denn mit dem FLIR-Sensor bietet das Cat S62 Pro einen echten Mehrwert, der auch den hohen Preis des überaus robusten Smartphones gerechtfertigt.
Klar ist das Rugged-Phone ein echter Klotz – doch dafür nahezu unzerstörbar.

MaTT

Schon immer ein Kind der kreativen Künste hat MaTT nun nach einer 15-jährigen Karriere als Musikproduzent die Liebe zur Videoproduktion gefunden. Android in seiner Individualität begeisterte MaTT schon von Beginn an, wie einige Arbeiten aus dem Jahre 2006 und folgend, heute noch bei den XDA Developers Zeugnis tragen.

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