Honor View 20 im Test: Die Huawei-Tochter will auf Platz 3

Vorbei sind die Zeiten wo die Huawei-Tochter ausschließlich online Einsteiger- und Mittelklasse-Smartphones verkauft hat. Mit dem Honor View 20 ist das Unternehmen im Premiumbereich angekommen und fordert offiziell Platz 3 der Smartphone-Verkäufe. Lehnt sich da der chinesische Hersteller ein wenig weit aus dem Fenster oder folgen den großen Worten auch große Taten? Wir haben das Honor View 20 getestet.

Honor hatte am 22. Januar 2019 nach Paris geladen und international das Honor View 20 vorgestellt, nachdem es in China schon ein wenig früher bekannt wurde. Schnell wird deutlich, die Huawei-Tochter will es wissen. Eine 48-Megapixel und  3D-TOF-Hauptkamera, ein Kirin 980 und ein 6,4 Zoll großes Display mit einer 25 Megapixel „In-Screen-Frontkamera“ lassen keinen Raum für Zweifel. Wir waren gespannt was die 3D-Spielkonsole für die Hosentasche zu bieten hat.

Lieferumfang

Die Verpackung ist ein weißer schlicht gehaltener recycelbarer Karton, farblich bedruckt mit Soja-Tinte. Honor packt neben dem eigentlichen View 20 ein Schnelllade-Netzteil mit entsprechenden USB-Class-A auf USB-Typ-C-Kabel, ein Quickguide zuzüglich Garantiekarte und das typische SIM-Werkzeug dazu.
Einen In-Ear-Kopfhörer, beziehungsweise Headset, wie bei manch anderen Hersteller gibt es nicht. Auch die flexible durchsichtige Silikonhülle ist laut Honor nicht überall dabei. Am besten schaut oder fragt ihr vor dem Kauf.

Verarbeitung

Das Honor View 20 ist insgesamt sehr stimmig und liegt gut in der Hand. Anders als das Huawei Mate 20 Pro bietet das View 20 kein seitliches Edge-Display, was vermutlich viele gut finden werden. Ich persönlich habe die abgerundeten Seiten des Mate gemocht, da so das Smartphone schmaler ist. Dennoch ist das Honor View 20 mit 75 Millimetern nicht zu breit. Der Metallrahmen bietet einen sauber verarbeiten Übergang zum Glas des Displays und der Rückseite.

Diese ist bei dem neuen Honor-Flaggschiff ein besonderer Eyecatcher! Honor nennt es „Aurora Nano-Design mit Glanz-Effekt“. Und die V-förmige Reflektion bei unserer Phantom Blue Version weiß zu gefallen. Weitere Farben sind Phantom Red, Midnight Black und Sapphire Blue.

Die 48-Megapixel Kamera ragt ein wenig mehr aus dem Gehäuse, als die Einheit mit der 3D-Kamera und dem LED-Blitzlicht. Stört aber tatsächlich nicht weiter im Alltag. Einen Fingerabdrucksensor im Display gibt es wie bei der großen Schwester nicht. Dieser ist nach wie vor gut erreichbar auf der Rückseite positioniert, funktioniert schnell sowie zuverlässig und unterstützt einige Gesten für das Benachrichtigungsfenster.

Der leicht geriffelte Power- und Standby-Button als auch die Lautstärkewippe lassen sich auf der rechten Seite gut erreichen und bieten einen optimalen Druckpunkt. Auf der linken Seite befindet sich der SIM-Tray, der Platz für zwei Nano-SIM-Karten bieten. Eine Speichererweiterung – auch nicht via Huawei NM-Card – ist nicht vorgesehen.

Eine IP-Zertifizierung gegen das Eindringen von Staub oder Wasser, besitzt das Smartphone leider nicht. Dafür aber neben dem Mono-Lautsprecher und dem USB-Type-C-Port auf der Unterseite, eine 3,5 Millimeter Klinke an der Oberseite für Stereo-Kopfhörer oder einem Headset.

Display

Ab Werk hat das Honor View 20 eine Schutzfolie auf dem 6,39 Zoll großen Bildschirm montiert, die für Kunden die das mögen gern drauf gelassen werden kann. Mir persönlich ist diese am Rand des Displays zu scharfkantig, sodass ich sie direkt entfernt habe.

Sofort fällt dem Nutzer die ausgesprochen große Displayfläche auf, die durch die 25 Megapixel In-Screen-Frontkamera ermöglicht wird. Das Loch ist oben links nur 4,5 Millimeter klein und ermöglicht so eine „Display-zu-Gehäuse“-Größe von 91,82 Prozent. Wer sich dennoch dran stört, kann diese mit einem schwarzen Balken tarnen.

Honor verbaut ein „low temperature poly silicon“-Display (LTPS) mit einer Auflösung von 2.310 x 1.080 Pixel bei 398 ppi. Dieses ist eine Weiterentwicklung des bekannten TFT-Displays und zeichnet sich durch seinen niedrigen Stromverbrauch und einer geringeren Hintergrundbeleuchtung aus.

Der Kontrast, Schärfe und die Farbintensität sind überraschend gut. Auch mit der maximalen Helligkeit kommen wir gut zurecht. Der Schwarzwert lässt sich natürlich nicht mit einem OLED-Display vergleichen, was sich auch in einem geringeren Blickwinkel bemerkbar macht. Dennoch ist es für den allgemeinen Gebrauch mehr als ausreichend. Auf Wunsch kann in den Einstellungen der Farbmodus und die Temperatur manuell eingestellt werden.

CPU, GPU und Speicher

Honor verbaut in dem View 20 den stärksten Prozessor, den der Huawei Konzern aktuell zu bieten hat. Das verwundert ein wenig, würde man doch vermuten, dass der Mutterkonzern diesen erst einmal für seine eigenen Spitzen-Smartphones wie dem Mate 20 Pro exklusiv vorhalten möchte. Doch die Huawei Strategie ist für Außenstehende sowie so ein Geheimnis.

Der HiSilicon Kirin 980 ist ein Octa-Core-Prozessor, gefertigt im 7-Nanometer-Verfahren. Ihm zur Seite steht ein Mali G76 Grafikprozessor mit 16 Kernen und eine neuronale duale Prozessoreinheit. Diese dient hauptsächlich der Verarbeitung von KI-Algorithmen der Kamera oder der Bereitstellung von Prozessorleistung bei Ressourcen intensiven Anwendungen. In einem solchen Fall tritt auch das S-förmige „NINE Liquid Kühlsystem“ in Kraft, um dauerhafte Spitzenleistung zu garantieren.

Das Honor View 20 hat insgesamt 6 GB an Arbeitsspeicher und 128 GB an internen Programmspeicher verbaut. Es sei denn ihr entscheidet euch für eine Moschino-Edition, dann sind es wie bei unserem Modell 8 GB RAM und 256 GB interner Speicher. Bei soviel Platz für Anwendungen, Dokumenten und Mediendaten braucht es auch keinen Support für eine Speicherkarte, den das Smartphone eben auch nicht bietet.

Software

Auf dem Smartphone ist Android 9.0 Pie vorinstalliert. Ihm zur Seite stellt Honor erstmalig nicht die bekannte EMUI sondern Magic UI in der Version 2.0.1. Einen Unterschied zu Huawei seiner Benutzeroberfläche erkennen wir jedoch nicht. Auch der aus China bekannte Sprachassistent „Yoyo“ bleibt hierzulande fern.

Dafür gibt es die obligatorische Bloatware wie den Amazon Shop, Booking.com oder Facebook, wenn man das als Bloatware bezeichnen möchte. Auch hauseigene Anwendungen sind gegenüber einem Android One Smartphone reichlich installiert. Einige wie die Galerie, Health, HiCare, der Kalender, Smart Infrarot Controller oder Rechner sind ganz sinnvoll, andere wie die AppGallery, der Spiegel, Phone Clone oder der Partymodus eher nicht. Manche lassen sich deinstallieren, andere nicht.

Bei der Präsentation war auch von einem speziellen Honor Guard Skin für Fortnite die Rede, dass sich als erstes Android-Smartphone mit 60 Bildern pro Sekunde spielen lässt. Nach leichten Start-Problemen ist das Outfit unter Nutzung der Seriennummer inzwischen auch für alle verfügbar.

Kamera

Große Aufmerksamkeit wurde jedoch auf die Hauptkamera gelenkt. Verbaut ist ein hochauflösender Sony IMX586-Sensor mit 48 Megapixel und einer Blende von f/1.8. Daneben eine Time-of-Flight 3D-Kamera mit 5 Megapixel, wie man sie von der Xbox Kinect oder dem Huawei Mate 20 Pro her kennt.

Obwohl sich 48 Megapixel erst einmal viel anhören, bedient sich Honor einem kleinen Trick Namens Pixel-Binning. Hierbei werden vier einzelne Pixel zu einem zusammengerechnet, womit wir dann am Ende „nur“ auf 12 Megapixel kommen. Jedoch mit einer deutlich höheren Lichtempfindlichkeit.
Das macht sich auch durchaus positiv bei Nachtaufnahmen bemerkbar. Deutlich weniger Bildrauschen ist zu erkennen, wenngleich das Ergebnis nicht mit der Triple-Kamera des Mate 20 mithalten kann.

Für statische Motive empfehlen wir den „48 Megapixel AI Ultra Clarity“-Mode. Hier werden fünf Aufnahmen hintereinander gefertigt und ergeben mittels künstlicher Intelligenz, ein besonders scharfes Foto.

Die Nah- als auch Landschaftsaufnahmen erzielen durchweg ein gutes Ergebnis. Der fehlende optische Bildstabilisator führt jedoch zu einer Minderung in der Gesamtwertung.

Der zweite Sensor ist nicht nur für die Tiefenmessung bei Aufnahmen mit tollem Bokeh-Effekt verantwortlich. Durch den 3D-TOF-Sensor ist es auch möglich Bewegungen in Echtzeit zu erfassen. Das sorgt in Verbindung mit einem optionalen Dock für viel interaktiven Spielspaß.

Akku

Auch Honor kleckert nicht was die Kapazität des fest verbauten Akku anbelangt. Satte 4.000 mAh spendiert das Unternehmen dem View 20, die sich zwar nicht kabellos aber mithilfe von SuperCharge-Technologie besonders schnell wieder aufladen lassen. Selbst bei intensiver Tagesnutzung verliert das Smartphone gerade einmal 37 Prozent seiner maximalen Energie.

Fazit des Honor View 20

Das Honor View 20 ist bei einem Preis ab 569 Euro schwer einzuordnen. Es ist nicht teuer aber auch nicht wirklich preiswert. Es ist optisch als auch haptisch über jeden Zweifel erhaben. Liebhaber des Designs eines Smartphones werden mit der Zunge schnalzen über den tollen Glanzeffekt der Rückseite und dem 6,4 Zoll großen AllView-Bildschirm mit der 25 Megapixel-Kamera oben links im Display.

Zu kritisieren sind der fehlende Qi-Ladestandard und die ausbleibende IP-Zertifizierung. Das wir keinen Speicherkarten-Support erhalten, ist bei 128 oder 256 GB internen Speicher (649 Euro) zu verkraften.

Die 48 Megapixel Kamera ist nicht die Beste am Markt, macht aber trotzdem großartige Fotos und hält mit dem 3D-TOF-Sensor spielerisch noch einige Zusatzfeatures bereit. Der 4.000 mAh starke Akku und der flüssig gekühlte Kirin 980 Prozessor machen ihre Besitzer jeden Tag aufs Neue glücklich.

Echte Konkurrenz hat das Honor View 20 so gut wie gar nicht. Lediglich das OnePlus 6T (zum Test) bietet ähnliche Ausstattung zum gleichen Preis.

Der Honor View 20 Review als Podcast bei Soundcloud:

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Test Honor View 20
  • 9/10
    Hardware - 9/10
  • 9/10
    Verarbeitung - 9/10
  • 8/10
    Software - 8/10
  • 9/10
    Performance - 9/10
  • 8/10
    Kamera - 8/10
  • 9/10
    Akku - 9/10
  • 9/10
    Preis/Leistung - 9/10
8.7/10

Kurzfassung

Mit dem Honor View 20 zeigt die Huawei-Tochter das sie nicht länger zuhause wohnen mag. Das Kind ist große geworden und zeigt das mit der stärksten CPU den das Unternehmen aktuell zu bieten hat. Auch das 6,4 Zoll große Display weiß auf Anhieb zu gefallen. Wohl keine OLED aber LTPS mit schicker In-Display-Frontkamera.

Auch die 3D-Kinect-Anleihen durch die TOV-Kamera wissen zu gefallen. Viel gibt es angesichts von mindestens 6 GB RAM und 128 GB internen Speicher nicht. Qi-Technologie und eine IP-Zertifizierung wären toll gewesen. SuperCharge und 4.000 mAh, lassen den Mangel schnell verblassen.

MaTT

Schon immer ein Kind der kreativen Künste hat MaTT nun nach einer 15-jährigen Karriere als Musikproduzent die Liebe zur Videoproduktion gefunden. Android in seiner Individualität begeisterte MaTT schon von Beginn an, wie einige Arbeiten aus dem Jahre 2006 und folgend, heute noch bei den XDA Developers Zeugnis tragen.

2 Gedanken zu „Honor View 20 im Test: Die Huawei-Tochter will auf Platz 3

  • 1. März 2019 um 21:35
    Permalink

    Testet eigentlich irgendjemand auch mal die Telefon-Eigenschaften (Empfang) des Telefons?
    Schließlich will man mit den Ding ja eigentlich in erster Linie telefonieren…
    Verkehrte Welt. 🙁

    Antwort
    • 2. März 2019 um 7:35
      Permalink

      Die bei Areamobile testen die Telefonfunktion. Zumindest war es so als ich da noch gearbeitet habe 😉

      Als Erklärung warum wir das nicht machen: Solang ich mich jetzt mit Smartphones beschäftige gab es noch nie Kritik an der Verbindungsqualität bei Telefonaten. Es sei denn wir reden von so Noname-Geräten wie Ulefone, Elephant oder Umidigi. Prinzipiell testen wir durch kurze Telefonate die Sprachqualität. Fällt uns dort nichts negatives auf, kommt es zur besseren Übersicht nicht in den Test. Für Antennen- und Dämpfungstests fehlt uns die Zeit und das Equipment.
      Vielen Dank für dein Verständnis.

      Antwort

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