SchuFa und HPI stellen Facebook-Vorhaben ein

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Viele von uns nutzen soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Google+ regelmäßig, schreiben darin über Gott und die Welt und kommentieren aktuelle Geschehnisse des täglichen Lebens. Als am Donnerstag die Neuigkeiten um eine Zusammenarbeit zwischen SchuFa und Hasso-Plattner-Institut (HPI) die Runde machten, waren viele Internetnutzer regelrecht aufgebracht: Facebook und Co. sollten Datenquelle für die SchuFa werden.

Das Ganze sollte zwar „nur“ eine Forschungsarbeit sein, in wie weit soziale Netzwerke als Datenquelle für die SchuFa dienlich sein können, die rechtliche Grundlage für derlei wurde allerdings durch den schleswig-holsteinischen Landesdatenschutzbeauftragten Thilo Weichert und Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg mehr als nur angezweifelt. Castelló zum Beispiel nannte das Vorhaben eine „Grenzüberschreitung“. Zurecht löste die Meldung des NDR eine Welle der Empörung bei Datenschützern, Internetnutzern, den Medien und Politikern aus.

Gestern ruderte das HPI der Universität Potsdam zurück und kündigte den Vertrag zum Projekt „SCHUFALab@HPI“. Als Begründung gab das HPI an, dass die Missverständnisse in der Öffentlichkeit eine angemessene wissenschaftliche Durchführung unmöglich machen. Der zwischen SchuFa und HPI ursprünglich vereinbarte Forschungsansatz könne durch die Vorbelastung nicht mit der gebotenen Ruhe und Genauigkeit durchgeführt werden, erklärte der HPI-Direktor Christoph Meinel in einer gestern veröffentlichten Pressemitteilung.

Schufa-Forschungsprojekt gekündigt Potsdam. Den mit der SCHUFA Holding AG bestehenden Vertrag über eine Zusammenarbeit bei der Grundlagenforschung rund um technische Verarbeitung öffentlicher Web-Daten hat das Hasso-Plattner-Institut (HPI) heute gekündigt. Angesichts mancher Missverständnisse in der Öffentlichkeit über den vereinbarten Forschungsansatz und darauf aufbauender Reaktionen könne ein solches wissenschaftliches Projekt nicht unbelastet und mit der nötigen Ruhe durchgeführt werden, erklärte HPI-Direktor Christoph Meinel. Das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik GmbH in Potsdam ist Deutschlands universitäres Exzellenz-Zentrum für IT-Systems Engineering. Es betreibt unter Anderem auch eine Research School mit Forschungsaußenstellen in Kapstadt, Haifa und Nanjing. Im Mittelpunkt der HPI-Lehre und -Forschung stehen die Grundlagen und Anwendungen großer, hoch komplexer und vernetzter IT-Systeme, wie z.B. das World Wide Web. Einer der Forschungsschwerpunkte dort ist die semantische Erschließung und die sichere Verarbeitung von Daten. Das HPI kommt bei den CHE-Hochschulrankings stets auf Spitzenplätze.

Kurz danach erklärte auch die SchuFa Holding AG das Projekt für abgebrochen, „die öffentliche Reaktion auf das Grundlagenforschungsprojekt und die damit verbundenen Missverständnissen“ würden die „wissenschaftliche Zusammenarbeit auf sachlicher Ebene“ unmöglich machen. Ursprünglich erwartete die SchuFa die Diskussion um die Verwendung frei verfügbarer Daten nach Veröffentlichung der Forschungsergebnisse. Peter Villa, der zuständige Projektvorstand erklärte dazu:

„Freunde und Status geben keine Auskunft über die Bonität eines Verbrauchers. Deshalb finden solche Daten auch keine Verwendung in unserem DatenbestandMan darf jedoch vor der Realität des Internet nicht die Augen verschließen. Die grundsätzliche Frage des Umgangs mit öffentlichen Daten im Netz bleibt eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung.“

Fraglich bleibt jetzt nur noch, ob die SchuFa ihre Pläne für die Datenverwertung aus sozialen Netzwerken komplett aufgegeben hat oder aber zu einem späteren Zeitpunkt einen erneuten Anlauf wagt, wenn sich die Wogen wieder geglättet haben. In einem Punkt hat Villa allerdings Recht: Der Umgang mit öffentlich frei verfügbaren Daten wird noch sehr lange ein Streitthema bleiben. Ob nun wegen staatlicher Kontrolle, Missbrauch dieser Daten durch Dritte oder was auch immer, das Thema wird uns noch das eine oder andere Mal beschäftigen.

Was haltet ihr eigentlich davon? Ist der Weg den die SchuFa gehen wollte richtig oder voll daneben? Oder hättet ihr vielleicht sogar Vorschläge wie man mit diesen Daten umgehen sollte? Postet eure Gedanken in den Kommentaren.

[Bildquelle: BZ Berlin/dpa; Quelle: Hasso-Plattner-Institut | via Computerbase.de]
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Mann mit Bart und Faible für Smartphones und Tablets jeder Plattform, doch eindeutig bekennender Androidliebhaber.

4 Kommentare

  1. Marcus schreibt:

    Es ist das Geschäftsmodell von Facebook und Co., mit den Daten ihrer Mitglieder Geld zu verdienen, und jeder Nutzer sich mit diesem Modell einverstanden erklärt. Die jetzige Empörung war zwar zu erwarten, zeugt aber vor allem von der typischen Doppelmoral der Netzgemeinde: Ich erkläre mich einfach mal mit allem einverstanden, aber wehe dem, der es versucht, diese Vereinbarung auch wirklich beim Wort zu nehmen. Alles nehmen, aber ja nichts geben.

    • Nur seien wir mal ehrlich: Wer liest sich schon alles im „Kleingedruckten“ wirklich durch? Wenige bis niemand, weil „es ja toll ist und alle anderen auch mitmachen“. Durch die Gesellschaft wirst du letzten Endes irgendwann dazu gezwungen mitzumachen, egal was in den AGB und Co. steht. Sehe ich aktuell bei meinem Bruder, seine alten Schulfreunde organisieren Treffen, Partys udn was weiß ich nicht alles via Facebook und er als Nicht-Facebook’ler bekommt sowas nur per Zufall mal mit. :-/

      • Marcus schreibt:

        Von Facebook wird ein Service erbracht und für diesen Service verlangt Facebook nun mal eine Gegenleistung. Dass niemand das Kleingedurckte liest, dass glaube ich sofort, das ist aber kein Ausrede, denn wie sagt schon das alte Sprichwort: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.
        Ich persönlich hab das kleingedruckte gelesen und bin deshalb weder bei Facebook noch bei Google+ oder sonst wo mit dabei und ich kann dir sagen, ich habe noch nichts nennenswertes verpasst. Wenn dein Bruder ohne Facebook nichts mehr aus seinem persönlichem Umfeld mitbekommt wäre das vielleicht eher ein Grund dafür, ihn mal vom Computer weg zu kriegen statt wie üblich alles auf den Gruppenzwang zu schieben. Wenn die anderen von der Brücke springen springt er ja schließlich (oder besser hoffentlich) auch nicht mit.

        • Du hast es ziemlich gut auf den Punkt gebracht, genau so schaut’s aus. Im modernen Kapitalismus ist kein Platz für Wohlfahrtsvereine, schon gar nicht wenn man an der Spitze einer Branche stehen will und das tun sowohl Facebook als auch Google.

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