Honor Magic4 Pro im Test: Das Comeback ist perfekt!

Die ehemalige Huawei-Tochter scheint nun mit dem Honor Magic4 Pro ein ernsthaftes Interesse zu haben sich auch global wichtige Marktanteile (zurück) zu erobern. Mit dem aktuellen Flaggschiff tritt das inzwischen autark agierende Unternehmen mit einem Preis von 1.099 Euro selbstsicher auf. Wir stellen uns natürlich die Frage, in wie weit Honor die Kamera-Expertise von Leica und Huawei mitnehmen konnte. Wir testen das Android-Smartphone mit Google Mobile Services und LTE-5G-Support für euch umfassend.

 

Eigentlich ist die Honor Magic4 Series samt Pro-Flaggschiff bereits seit dem Mobile World Congress 2022 in Barcelona global bekannt. Doch als Verkaufsstart gab Honor-CEO George Zhao lapidar den Sommer 2022 bekannt. Nun wissen wir spätestens nach der Honor Magic4 Pro Roadshow in den Filmstudios Babelsberg, dass der offizielle Verkaufsstart der 24. Mai war und die Auslieferung seit dem 30. Mai stattfindet. Beim Preis von 1.099 Euro hat sich jedoch nichts geändert. Außer das die Konkurrenz mit seinen Flaggschiffen schon etwas länger verfügbar ist und so bereits von ersten Rabatten partizipiert.

Machen wir uns nichts vor, dass ist für ein recht junges Unternehmen, das ja Honor im Grunde trotz ehemaliger Huawei-Tochter nach wie vor ist, eine Menge Holz. Hier dürfte es interessant sein ob das Unternehmen die guten Kamera-Gene mitbekommen hat, für die Huawei mit der nun offiziell aufgekündigten Leica-Kooperation all die Jahre stand. Das technische Datenblatt macht zumindest schon einmal einen guten Eindruck. Doch wie immer wird das Flaggschiff-Smartphone erst einmal ausgepackt.

Design und Verarbeitung

Das Honor Magic4 Pro kam in der Farbe Cyan in die GO2mobile-Redaktion. Es gibt außerdem noch die Farbe Schwarz. Sieht man es auf den offiziellen Pressefotos kommt es gar nicht so sehr rüber, dass das Smartphone mehr als Spiegel fungieren könnte, als das man ihm die Farbe Grün zuordnen würde. Es ist also nicht zuletzt durch seine Glasrückseite ein wahrer Fingerabdruckmagnet und in der Farbe nicht wirklich zu empfehlen.

Honor Magic4 Pro im Test

Honor nennt die große kreisrunde Hauptkamera „das Auge der Muse“. Warum konnte uns bislang noch niemand erklären. Fakt ist, dass dort ordentlich Technik verbaut ist, zu der wir aber später noch kommen.

Die Haptik hat tatsächlich überrascht. Für seine 163,6 x 74,7 x 9,15 Millimeter und einem Gewicht von knapp 215 Gramm, liegt es ungewöhnlich gut in der Hand. Auf der rechten Seite befinden sich mittig der Power-, beziehungsweise Standby-Button und darüber die Lautstärkewippe im Aluminiumrahmen. Beide mit guten Druckpunkt und optimal positioniert. Weiterhin möchte ich an dieser Stelle noch einmal explizit auf die IP68-Zertifizierung hinweisen, welche ja auch in der Premiumklasse nicht immer zwingend gegeben ist.

Honor Magic4 Pro im Test

Auf der Vorderseite gibt es ein vierfach gekrümmtes Display, welches vermutlich ebenso dazu beiträgt, dass das Honor Magic4 Pro gut in der Hand liegt. Oben und unten gibt es jeweils Öffnungen, welche je einen Lautsprecher vermuten lassen. Und so ist es auch. Das Honor-Flaggschiff unterstützt Stereo-Sound, der für mich im oberen Sektor einzuordnen ist. Laut (81 dB), aber nicht zu laut. Gute Höhen mit einer leichten Tendenz zur Stimmenoptimierung und für ein Smartphone ausreichenden Bass. Schade dass die Öffnungen nicht beide rechts positioniert sind, um im Quermodus beim zocken das verdecken zu verhindern.

Auf der Oberseite ist dort aber der Infrarot-Blaster positioniert. Ein Stück Technik welches auch nicht mehr Standard ist, aber auch 2022 zum bedienen des TV oder der HiFi-Anlage genutzt werden kann.

Display

Honor Magic4 Pro im TestDie ehemalige Huawei-Tochter verbaut ein 6,81 Zoll großes AMOLED-Display mit einer exakten Auflösung von 2.848 x 1.312 Pixel. Eine recht ungewöhnliche Anzahl an Pixel, welche zwischen 2K und Full-HD+ liegt. Die maximale Bildwiederholrate beträgt 120 Hertz. Diese kann wahlweise fest auf 120, 90 oder 60 Hertz eingestellt werden. Oder man überlässt das der dynamischen künstlichen Intelligenz.

Das Seitenverhältnis beträgt 19,5:9. Es wird der DCI-P3-Farbraum unterstützt und das Panel ist sowohl HDR10+ also auch „IMAX enhanced“ zertifiziert. Die maximale Helligkeit wird mit 1.000 nits angeben. Das reicht komplett aus das Display auch unter der Sonne einwandfrei abzulesen. Der Fairness halber muss man aber erwähnen, dass es auch Hersteller gibt die da deutlich mehr bieten (bis zu 1.500 nits).

Honor Magic4 Pro im Test

Es gibt auf beiden Seiten klare Abrundungen die primär der Optik dienen. Denn so lassen sich mögliche seitliche Ränder schwer oder gar nicht erkennen. Mir gefällts. Dem steht gegenüber, dass es zu Fehleingaben führen kann. Und obwohl wir hier keine Einstellung gefunden haben welche die Intensivität regulieren kann, ist das zumindest in unserem Test nicht zu ungewollten Eingaben gekommen. Im Gegenteil, auch eine provozierte seitliche Bedienung war nicht möglich.

Wie bereits erwähnt handelt es sich hier um ein AMOLED-Panel, welches von Hause aus schon die Farben recht kontrastreich und dynamisch darstellen kann. Die Blickwinkel-Stabilität überzeugt. Wie auch die Bildwiederholrate lässt sich auch die Auflösung manuell oder automatisch einstellen. Der Grund zeigt sich im Stromverbrauch. Wer sich dauerhaft der geringsten Auflösung von 2.136 x 984 Pixel und einer Bildwiederholrate von 60 Hertz hingibt, kann so in etwa zwischen 10 bis zu 15 Prozent zusätzlich an Akku-Kapazität gegenüber einer Einstellung auf dem Maximum sparen.

Display-Fazit

Honor Magic4 Pro im Test

Das Display kann auf ganzer Linie überzeugen. Es war nicht herauszufinden wo das Display eingekauft wurde. Sollte ich raten, würde ich auf Samsung tippen. Zumindest lassen sich selbst im direkten Vergleich keine Unterschiede feststellen. Mir persönlich gefällt auch das sogenannte Waterfall-Design, welches die Icons praktisch um die Ecke gehen lassen und so keine seitlichen Ränder erkennen lassen. Da keine Fehleingaben verzeichnet wurden gibt es eigentlich keinen Grund zur Kritik.

Prozessor und Speicher

Honor Magic4 Pro im TestDie ehemalige Huawei-Tochter verbaut in ihrem aktuellen Flaggschiff-Smartphone einen Snapdragon 8 Gen 1 Octa-Core-Prozessor. Das war zum Zeitpunkt des „ersten“ globalen Release der beste Qualcomm-Prozessor welcher in Kalifornien zur Verfügung stand. Inzwischen – sprich zum zweiten globalen, beziehungsweise deutschen Launch-Event – gibt es den Snapdragon 8+ Gen 1 Prozessor. Wenngleich auch erst im 3. Quartal 2022 in einem Smartphone verfügbar.

Zum Release hatte der Konzern hauptsächlich von 10 Prozent mehr CPU-Performance und 10 Prozent höhere GPU-Taktfrequenzen der Adreno 730 GPU (Graphics Processing Unit) gesprochen. Angesichts eines ARM Cortex-X2 Performance-Kern der nun anstelle der 2,995 GHz ganze 3,2 GHz abliefert, eher eine spärliche Optimierung. Qualcomm begründet sein Upgrade hauptsächlich mit der optimierten Energieeffizienz.

Für uns war natürlich weniger die Geschwindigkeit interessant, sondern hauptsächlich was der SoC unter Volllast so treibt. Wird er wie sein Vorgänger via Software gedrosselt? Hat er eine starke Hitze-Entwicklung und wie macht er sich im Alltag?

Ja, nein und super. Also – er wird trotz starker Belastung nicht heiß. Unser Test zeigte maximale 38,3 Grad. Das liegt einfach daran das Honor den Octa-Core-Prozessor softwareseitig drosselt. Ein zweischneidiges Schwert. Einerseits positiv das man keine „Verbrennungen“ auf der Rückseite zu erwarten hat, einem Framedrops plagen oder im schlimmsten Fall das Smartphone während ressourcenhungrigen Gaming-Sessions einfach mal abschaltet.

Dem gegenübersteht die berechtigte Frage warum dann zwingend der teuerste Qualcomm-Prozessor verbaut werden muss, wenn es beispielweise ein Snapdragon 870 SoC (System on a Chip) genauso tun würde. Nun die Antwort sind vermutlich die Kunden und wir Tester. Ein Flaggschiff mit einem „alten“ Chip würde einfach gesagt eine schlechtere Bewertung bekommen. Also so wirklich lässt sich daraus für Honor kein Strick drehen.

Speicher

Das Honor Magic4 Pro ist auf dem Datenblatt in Sachen Speicher nicht sonderlich heftig ausgestattet. Lediglich 8 GB LPDDR4 RAM und 256 GB interner Programmspeicher werden angegeben. Eine Option auf Erweiterung via microSD-Speicherkarte gibt es nicht. Das könnte man, wenn man so will als Schwachpunkt des Honor Magic4 Pro werten.

Versteht mich nicht verkehrt, die 8 GB RAM werden wohl zu keinem Zeitpunkt ein Problem darstellen. Bei dem internen Programmspeicher bin ich mir nicht so sicher. Für den Durchschnittsanwender sicherlich kein Problem. Hobby-Fotografen und vor allem Filmer werden vermutlich durchaus an ihre Grenzen kommen, insofern sie nicht ab und an ihre Beute anderweitig sichern.

Hier hätte Honor also – so witzig es klingt – mit einem Speicherkarten-Support die so begehrte Besonderheit gegenüber der Konkurrenz bieten können. Denn die kennen die optionale Speicherung auch seit Generationen nicht mehr.

Kamera des Honor Magic4 Pro

Wir testen die Kamera des Honor Magic 4 ProKommen wir nun zu dem „Auge der Muse“. Die Triple-Kamera macht optisch einiges her. Ein im oberen Drittel positioniertes, dominantes und rundes Kamera-Array, welches deutlich mehr als nur drei Kameras suggeriert. Auch Xiaomi tendiert zu derartigen „Auswüchsen“, welche vermutlich an eine „echte“ Kamera erinnern soll. Es gibt aber auch Hersteller wie Samsung, die ihr Ultra-Smartphone-Kamera dezenter präsentieren. Doch am Ende zählen die Ergebnisse.

Technische Daten der Hauptkamera

Das Honor Magic4 Pro ist oben links mit einer 50 Megapixel auflösenden Hauptkamera ausgestattet. Hinter 7 Linsen mit einer äquivalenten Brennweite von 28 Millimeter befindet sich ein 1/1,56 Zoll großer Bildsensor mit einer Blende von f/1.8 und einem 4:1 Pixel-Binning (12 MP).

Die oben rechts positionierte Ultra-Weitwinkel-Kamera bietet mit einem Sichtfeld von 122 Grad ebenfalls eine 50 Megapixel Auflösung. Hier jedoch mit einem 1/2,5 Zoll großen Image-Sensor, welcher eine Blende von f/2.2. Jene Kamera unterstützt auch die Makro-Fotografie. In der App unter „Mehr und Super-Makro“ zu finden.

In der Mitte befindet sich dann als Dritte im Bunde eine 64-Megapixel-Periskop-Teleobjektiv-Kamera. Ihr Bildsensor ist 1/2,0 Zoll groß bei einer Pixelgröße von 0,7 Micrometer. Die äquivalente Brennweite von 90 Millimeter. Die maximale Blende beträgt f/3.5. Das Array wirbt mit sagenhaften 100-fachen Zoom, der selbstredend rein digital ist. Optisch und damit verlustfreie Vergrößerung ist bis zu 3,5-fach möglich. Hier steht auch eine optische Bildstabilisierung zur Verfügung.

Unten rechts befindet sich ein Flimmersensor, links ein 8×8 dTOF-Laserfokus-System (direct Time Of Flight). Der TOF-Sensor errechnet in Echtzeit Tiefendaten, welche unter anderem für schicke Portrait-Aufnahmen mit Bokeh-Effekten verantwortlich ist. Zu guter Letzt ganz unten im Kreis-Array das LED-Blitzlicht.

Frontkamera

Wir testen die Kamera des Honor Magic 4 Pro

Die Frontkamera ist in meinen Augen der hässliche Fleck oben links in dem Display. Dieser besteht auf der rechten Seite aus einer 12-Megapixel-Weitwinkel-Kamera mit einem Sichtfeld von 100 Grad. Der Sensor ist 1,22 Mikrometer groß und bietet eine Blende von f/2.4.

Auf der linken Seite gibt es erneut eine 3D-TOF-Sensor. Auch er ist wie sein rückseitiger Kollege für die Tiefenmessung zuständig. Einmal für den Bokeh-Effekt, zum anderen für einen optimierten biometrischen Sensor, der mit Hilfe der 3D-Tiefenmessung zum sicheren Entsperren des Smartphones dient.

Tagesaufnahmen

Wie bei fast allen Smartphone-Kameras sind die Tagesaufnahmen das beste Szenario. So auch bei der Hauptkamera des Honor Magic4 Pro. Die auf 12 Megapixel runterreduzierten Aufnahmen wissen durch ihre natürliche Farb-Interpretation, dem Dynamikumfang als auch ihrer Kontraststärke zu gefallen. Anders als bei Xiaomi oder anderen chinesischen Herstellern, keine künstliche Optimierung der Farben. Wobei es auch dafür eine Fangemeinde gibt.

Weitwinkelaufnahmen

Wir hatten es fast schon gedacht. Auch die Weitwinkel-Aufnahmen wissen zu gefallen. Häufig gibt es hier zu dem normale und dem Weitwinkelfoto unterschiedliche Farbdarstellungen, wenn die beiden Linsen nicht gut auf einander abgestimmt sind. Weiterhin ist häufig an den Rändern eine leichte Krümmung und ein Abfall der Strukturen zu erkennen. Bei der Kamera des Magic4 Pro keine Spur.
Nacht-Aufnahmen

Bei den Nachtaufnahmen oder bei wenig Licht waren wir tatsächlich ein wenig enttäuscht. Hier hatten wir große Hoffnung, das Honor an dieser Stelle von der Expertise von Huawei partizipieren könnte. Leider ist das nicht der Fall, was vermutlich bereits ein Beweis wäre, das Honor tatsächlich unabhängig von Huawei agiert, forscht und entwickelt.

Bei dem Foto mit dem Holzfußboden wurde die Mitte fokussiert, welche auch gut gelungen ist. Aber ganz unten, wo ein Unschärfe-Effekt entsteht, ist es nur noch matschig und die Strukturen rauschen komplett ab. Nicht ungewöhnlich zur Konkurrenz – aber wie gesagt – die Hoffnung stirbt zuletzt. Huawei hat das besser hinbekommen.

Zoom-Aufnahme

Die Periskop-Kamera konnte wieder überzeugen. Wir reden hier nicht von der 100-fachen Vergrößerung, die ein Schriftzug auf dem Array bewirbt. Dieser rein digitale Zoom hat im Grunde kein Nutzen.
Erfreut waren wir jedoch von dem 10-fachen Zoom, der in der Tat noch recht brauchbares Material digital verewigt. Alles zwischen einer 1,5 bis 3,5 fachen Vergrößerung findet ohne Verluste statt, wird Optisch stabilisiert und hält selbst einer Fotografie gegen die Sonne stand.

Unangenehm ist uns die Einstellung der Vergrößerung aufgefallen, welche augenscheinlich keine Rasterung gewährt. Es wäre aber auch möglich das ich mich zu dumm angestellt habe. Ich habe es nicht gefunden beispielsweise direkt eine 3,5- oder 10-fache Vergrößerung zu wählen.

Makro-Aufnahmen

Ja die Makro-Fotografie ist mit der Kamera des Magic4 Pro möglich. Zwar etwas umständlich versteckt unter „Mehr/Super-Makro“, aber es gibt sie. Und auch hier muss ich gestehen mehr bekommen zu haben, als ursprünglich erwartet. Gerade bei der Fotografie unserer jüngst verstorbenen Biene (oder Wespe) kann man derart viel Details erkennen, welche ich zuvor noch nie gesehen hatte. Hat also so ein bisschen was von Ant-Man.

Kamera-Fazit

Wir testen die Kamera des Honor Magic 4 Pro

Eines ist klar, Honor braucht sich mit seiner „Ultra-Fusion“ oder dem „Eye of Muse“ nicht vor der Konkurrenz zu verstecken. Man spielt ganz oben mit was die Fotoergebnisse anbelangt. Tatsächlich hatten wir uns etwas mehr von den Ergebnissen bei der Nachtfotografie erwartet. Hier war der ehemalige Mutterkonzern lange Jahre in Kooperation mit Leica marktführend.

Versteht mich nicht verkehrt – die Ergebnisse sind nach wie vor auf hohem Niveau und als sehr gut zu beurteilen. Aber nicht besser als die Mitbewerber. Genau das würde ich aber von den Qualitäten bei guten Lichtverhältnissen behaupten. Gerade die Hauptkamera mit ihrem Pixel-Binning kann sofern das Licht stimmt sensationelle Fotos abliefern.

Zur Vervollständigung der Angaben wollen wir auch auf die Videoqualitäten kurz eingehen, da der Konzern auf dem Gebiet einige Features bietet wie den Magic-Log. Hier bleiben mehr Originaldetails und Informationen zum Dynamikbereich erhalten, was der Nachbearbeitung mehr Möglichkeiten bietet. Auch einige LUT-Filter sind für ein Color Grading an Bord. Anders als bei Xiaomi beispielsweise, ist bei einer Auflösung von 4K mit 60 Bildern pro Sekunde Schluss.

Akku

Das Honor ist wie bereits in der Kategorie Design genannt, 9,1 Millimeter dick und 215 Gramm schwer. Das lässt einen Akku mit ordentlichen Energiereserven vermuten. Das ist aber mit einem Nennwert von 4.500 mAh und einem typischen Wert von 4.600 mAh nicht gegeben. Nur gut das wir hier einen Snapdragon- und keinen Exynos-Prozessor verbaut haben. Denn die gute Nachricht zuerst. Ihr seid nicht schlechter unterwegs als so manch Samsung-Flaggschiff. Der „PC Mark Battery Life-Benchmark“ gibt bei allen maximalen Einstellungen (Helligkeit 50%) 9 Stunden und 25 Minuten an. Kein Rekord-Wert aber auch nicht grundlegend schlecht.

Im Alltag zeigt sich das Flaggschiff mit dem typischen Überlebenswillen von einem Tag. Wer mehr als ein Mailkonto zu verwalten hat und auf unterschiedlichen sozialen Netzwerken sein Unwesen treibt, wird vermutlich zum späten Nachmittag hin ins Schwitzen geraten. Das dürfte auch Honor nicht entgangenen sein, sodass sie sich einem einfachen Trick bedient haben. In Zeiten wo Apple, Google und Samsung das Netzteil aus dem Lieferumfang entfernen, packt Honor ein 100 Watt starken Brummer mit in den Lieferumfang.

Knappe 30 Minuten und das Flaggschiff ist von 0 auf 100 Prozent geladen. Es geht aber noch heftiger. Für 100 Euro extra gibt es eine ebenfalls 100 Watt starke kabellose Ladestation mit Lüftereinheit. Auch hier setzt man sich die Krone auf und erreicht die Druckbetankung in einer knappen halben Stunde. Das beeindruckt auf ganzer Linie und verschmerzt tatsächlich die nicht marktführende Akkukapazität.

Akkutest des Honor Magic4 Pro

Bleibt das große ABER. Vermutlich wird nicht jeder sein 150 Gramm schweres Netzteil mit sich rumschleppen wollen. Und auch wenn die kabellose Ladestation im Vorverkauf gratis dabei war, handelt es sich ebenfalls um eine vermeidbare Last in der täglichen Fortbewegung. Weiterhin bleibt halt die berechtigte Frage, warum in einem solch dicken Smartphone, ein nicht stärkerer Akku Platz gefunden hat.

Positiv bleibt aber noch anzumerken, dass das Magic4 Pro hervorragende Werte im Standby liefert. Hier haben manche Smartphones schon eine Entladung von 10 Prozent über Nacht hingelegt. Hier sind es gerade einmal zwischen 1 und 2 Prozent. Ebenfalls unterstützt das Honor-Flaggschiff kabelloses Reverse Charging mit 5 Watt.

Sicherheit und Software

Im Test das Honor Magic 4 ProWir haben es bereits in der Kategorie Kamera thematisiert. Das Magic4 Pro hat auf der Front eine „pillenförmige“ Dualkamera verbaut. Im Detail ist es eine 12-Megapixel-Kamera und ein 3D-TOF-Sensor. Wie Apple beherrscht man also die Möglichkeit, das Entsperren mit dem Gesicht dank einer 3D-Tiefenerkennung auf ein nächstes Level zu bewegen. Das funktioniert ebenfalls so zuverlässig und schnell, wie der im unteren Drittel hervorragend positionierte 3D-Ultrasonic-Fingerabdrucksensor von Qualcomm.

Im Test das Honor Magic 4 Pro

Honor liefert das Magic4 Pro mit vorinstalliertem Android 12 samt hauseigener Benutzeroberfläche Magic UI 6 aus. Unser Device hat zum Zeitpunkt des Tests (05/06/22) sein letztes Google Sicherheitsupdate im April 2022 erhalten. Honor gewährt eine veraltete Garantie von zwei Major-Updates. Angesichts der Mitbewerber und der ersten aufkeimenden Kritik, hat das Unternehmen via Pressenachricht angekündigt die Politik zu überdenken. Sollten sich die Updates von zwei auf drei oder sogar vier Jahre erhöhen, wird das Honor Magic4 Pro ebenfalls davon partizipieren, so der Hersteller. Man wird sehen.

Zu dem Betriebssystem im Allgemeinen gibt es im Grunde nur positives zu berichten. Wer Android kennt, wird sich auch unter der Magic UI 6.0 gut zurecht finden. Nur um Missverständnisse auszuräumen: Honor steht nicht unter US-Embargo und verfügt so über die typischen Google-Systemanwendungen samt Google Play Store. Vorinstallierte „Bloatware“ ist mir lediglich mit Booking.com, Netflix, TikTok, TrainPal und Trip.com aufgefallen. Alle Apps lassen sich jedoch deinstallieren.

Im Test das Honor Magic 4 Pro

Honor bietet neben einigen Sicherheitsfeatures wie dem Al Privacy Call (via Knochenschallübertragung), einem Passwort geschützten Bereich für Apps, Daten und Medien – auch eine praktische Seitenleiste für einen schnellen App-Zugriff. Mit der App Honor Suite einen kabelgebundene Manager für Windows oder Mac, erleichtert einem die Verwaltung des Smartphones.

Honor Suite

Pro und Contra

Pro

  • Überragendes Display
  • Snapdragon 8 Gen 1 ohne Hitze-Entwicklung
  • Sehr gute Kameraqualität
  • Guter Stereo-Sound
  • Superschnelles 100-Watt-Laden (auch kabellos)
  • SuperCharge-Netzteil im Lieferumfang
  • IP68-Zertifikation

Contra

  • Zu dick und schwer
  • Akku-Gesamtkapazität zu gering
  • Keine Speicherauswahl beim Kauf
  • keine optionale Speichererweiterung
  • verspäteter Marktstart

Das Fazit des Honor Magic4 Pro

Im Test das Honor Magic4 Pro

Das Honor Magic 4 Pro ist wie erwartet ein vollwertiges Flaggschiff. Es liegt trotz satten 215 Gramm und einer Dicke von 9,15 Gramm sehr gut in der Hand. Vermutlich aufgrund der seitlichen Abrundungen, welche nicht jedermanns Sache sind. Ich persönlich mag sie.

Gibt es ein Handicap? Gibt es. Die Akkukapazität hat uns mit 4.500 mAh verwundert. Hätten wir doch bei dem Gewicht und der Dicke mehr erwartet. Keine Sorge – Durchschnittsuser kommen über den berühmten Tag. Dennoch war sich Honor allen Anschein nach über das Manko bewusst und hat zum einen ein 100-Watt-Netzteil beigelegt und verkauft auf Wunsch auch eine 100 Watt starke kabellose Ladestation. Rekord und sehr beeindruckend!

Wenngleich der Preis von 1.099 Euro hoch erscheint – ist er zur vergleichbaren Konkurrenz tatsächlich nicht. Nur waren die Mitbewerber mit ihren vergleichbaren Geräten deutlich früher am Markt und sind durch den zeitlichen Verzug nun entsprechend günstiger.

Das Problemkind Snapdragon 8 Gen 1 hat Honor komplett in den Griff bekommen. Und wie zu erwarten, stecken in der Front- und vor allen Dingen in der „Ultra-Fusion“-Hauptkamera nach wie vor die Huawei-Gene. Diese konnten komplett überzeugen mit leichten Abstrichen bei der Nachtfotografie. Gerade auf dem Gebiet zeigt Honor, dass man mit dem Spitzenfeld locker mithalten kann. Alles in allem ist das Honor Magic4 Pro durchaus eine Empfehlung wert. Wie man für so manch einen potentiellen Kunden die Updatepolitik führt, wird das Unternehmen noch beweisen müssen. Sorgen machen wir uns da aber prinzipiell keine.

Im Test das Honor Magic4 Pro

Test Honor Magic4 Pro
  • 8.8/10
    Hardware - 8.8/10
  • 8.6/10
    Verarbeitung - 8.6/10
  • 8.6/10
    Software - 8.6/10
  • 9.3/10
    Performance - 9.3/10
  • 9.4/10
    Kamera - 9.4/10
  • 7.8/10
    Akku - 7.8/10
  • 8.9/10
    Preis/Leistung - 8.9/10
8.8/10

Kurzfassung

Honor hat die Kamera-DNA von Huawei geerbt und kann im Grunde auf ganzer Linie überzeugen. Top Fotos, top Display und top Performance. Volltreffer?

Der Preis von 1.100 Euro wäre an sich gerechtfertigt, wenn es nicht deutlich später als die gleichwertigen Mitbewerber im Handel erschienen wäre.

Schlussendlich sorgt der zu klein geratene Akku für Bauchschmerzen, was Honor jedoch versucht mit 100 Watt schnellem Laden (kabelgebunden und kabellos) zu kompensieren. Bei der Aktualisierungspolitik von zwei Major-Updates hat man angekündigt nachzubessern.

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MaTT

Schon immer ein Kind der kreativen Künste hat MaTT nun nach einer 15-jährigen Karriere als Musikproduzent die Liebe zur Videoproduktion gefunden. Android in seiner Individualität begeisterte MaTT schon von Beginn an, wie einige Arbeiten aus dem Jahre 2006 und folgend, heute noch bei den XDA Developers Zeugnis tragen.

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