Ist Vivo eine BBK-Tochter oder nicht? [Gegendarstellung]

In der Vergangenheit haben wir einige Male über die BBK-Tochter Vivo berichtet, die als letzte Gesellschafft des Dachverbandes ebenfalls den Weg nach Deutschland gefunden hat. Doch was viele Leser nicht wissen, wurde die GO2mobile-Redaktion hinter den Kulissen mehrfach von der deutschen Vivo-Pressevertretung angeschrieben, unsere Beiträge dahingehend zu korrigieren, dass Vivo kein BBK-Tochterunternehmen ist. In dem folgenden Beitrag werden wir eine Gegendarstellung von Vivo veröffentlichen und auf unsere Erkenntnisse mit dem chinesischen Smartphone-Hersteller eingehen.

 

Vivo ist für viele unserer Leser ein noch recht unbeschriebenes Blatt in der Gilde der Android-Smartphone-Hersteller. Dabei operiert das chinesische Unternehmen schon über viele Jahre recht erfolgreich und vor allem auch innovativ. Aber eben nicht in Europa oder Deutschland. Ein beliebtes Beispiel für die innovativen Meilensteine ist der Fingerabdrucksensor unter dem Displayglas, den ich bereits seinerzeit für Areamobile Anfang 2018 auf der CES in Las Vegas in einem Video festhalten durfte.

Vivo ist seit Ende Oktober erst in Deutschland präsent

Hierzulande hat das Unternehmen seinen Einstand erst am 20. Oktober, pünktlich um 16:00 Uhr deutscher Zeit bekanntgegeben. Gemeinsam mit der Vorstellung des Vivo Y20s und Y70, sowie dem Gimbal-Flaggschiff Vivo X51 5G. Von uns wird das Unternehmen in der Berichterstattung gern als „BBK-Tochter-Unternehmen“ oder „OnePlus- oder Oppo-Schwester“ tituliert. Unsere Quelle war hier bis dato Wikipedia (BBK Electronics), dessen Aussage nach wie vor ist, dass Vivo gemeinsam mit den Marken Oppo, OnePlus, Realme, Reno (seit 2019) und imoo zum BBK Electronics Dachverband gehört. Im Jahr 2017 war BBK sogar mit 56,7 Millionen ausgelieferten Smartphones zweitgrößter Hersteller weltweit, mit einen Marktanteil von 15 Prozent gewesen. Allein Vivo wird hier ein Anteil von 7 Prozent zugerechnet.

Offiziell ist Vivo keine BBK-Tochter

Fakten welche die deutsche Pressevertretung Brandzeichen-PR so nicht sehen möchte und uns um Korrektur unserer Artikel gebeten hat. Laut der Agentur handelt es sich bei Vivo um ein „unabhängiges Unternehmen, welches nicht zur BBK Muttergesellschaft gehört.“ Vivo sei ein Unternehmen in Privatbesitz, dessen CEO Shen Wei ist, so die Agentur weiter.

Das interessante an diesen Informationen ist, dass auch bei Wikipedia (Vivo-Beitrag) am 4. September 2020 mit dem Vermerk „Unbelegtes (und sowieso veraltetes) entfernt“ der gesamte Artikel überarbeitet wurde. Das Unternehmen BBK Electronics ist in dem aktuellen Wikipedia-Eintrag nicht einmal mehr namentlich genannt. Lediglich in der Vorschau gibt es noch einen Hinweis auf die BBK-Electronics-Dachorganisation (siehe Bild).

Vivo kein BBK-Unternehmen

Auf Nachfragen gibt es weitere Informationen

In einem persönlichen Gespräch mit Barbara Gehl, Head of Strategic Communications bei Vivo – oder ZHI SHENG INTERNATIONAL GERMANY GmbH wie das Unternehmen offiziell in Deutschland Düsseldorf unter anderem firmiert – gab es dann aber doch noch ein paar Zusatzinformationen. Ein paar Hausnummern der Speditionstrasse in Düsseldorf weiter, gibt es im Übrigen noch eine Vivo Tech GmbH.

BBK Electronics wurde 1995 gegründet, und das Unternehmen umfasste drei Geschäftsbereiche: Audio-Video, Kommunikation und Bildungselektronik.
Im Jahr 2001 trennten sich die drei BBK-Geschäftsbereiche in folgende Unternehmen:
* BBK Communications wurde zu vivo;
* BBK Audio-Video wurde zu Oppo und
* BBK Education Electronics ist das einzige Unternehmen, das weiterhin die Marke BBK verwendet.

Weiter heißt es „Wir investieren in unsere eigenen F&E- und Produktentwicklungsressourcen und teilen diese mit keiner Marke, weder in der Software- noch in der Hardwareentwicklung. Vivo beschäftigt über 10.000 Mitarbeiter, die in neun F&E-Zentren in Asien und den USA arbeiten.“

Unternehmen wie OnePlus, Realme, Reno und imoo werden hier gar nicht erwähnt. Es ist fraglich wann auch der BBK Electronics Beitrag bei Wikipedia geändert wird. Generell ist dieses Phänomen bei chinesischen Smartphone-Herstellern allen Anschein nach sehr verbreitet. Ähnliche Wortlaute hörte man ja in der Vergangenheit auch immer wieder von OnePlus-CEO Pete Lau, beziehungsweise Ex-CEO Carl Pei. Aber auch hier findet man mit OPlus eine weitere Verflechtung, die nicht zwingend zu klaren Strukturen sorgt. OnePlus CEO Pete Lau ist bei dem durch OnePlus, Oppo und Realme finanzierten Unternehmen OPlus SVP und Chief Product Experience Officer. Auch Honor war gern geneigt eine Verbindung zu Huawei auszuschließen, was ja jetzt mit dem Verkauf tatsächlich der Fall ist. Dabei war die hauseigene Benutzeroberfläche EMUI bei beiden Herstellern identisch.

Was könnte der Grund für soviel Druck sein?

Ich weiß nicht wie ihr es seht. Meine erste Frage ist natürlich, welchen Vorteil „Vivo“ denn genau hat, eine Verbindung zu BBK Electronics zu bestreiten. Und in der Tat fällt mir nur ein Argument aus der Zeichentrickserie der Pinky und der Brain ein:

Doch mir persönlich wäre es komplett egal wenn BBK Electronics mit oder ohne Vivo die neue Nummer Eins vor Samsung wäre, solang die Smartphones nur gut und preiswert sind. Auch der Austausch von Forschungsergebnissen untereinander, wie beispielsweise ein schneller Ladestandard, kann doch nur von Vorteil für den Endverbraucher sein. Was ist eure Meinung zu dem Thema? Schreibt es uns in die Kommentare. Werden wir vorgeführt oder haben all diese Unternehmen keinen Bezug mehr zu BBK Electronics?

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MaTT

Schon immer ein Kind der kreativen Künste hat MaTT nun nach einer 15-jährigen Karriere als Musikproduzent die Liebe zur Videoproduktion gefunden. Android in seiner Individualität begeisterte MaTT schon von Beginn an, wie einige Arbeiten aus dem Jahre 2006 und folgend, heute noch bei den XDA Developers Zeugnis tragen.

2 Gedanken zu „Ist Vivo eine BBK-Tochter oder nicht? [Gegendarstellung]

  • 27. Dezember 2020 um 21:21
    Permalink

    Wenn ihr es vorab kurz und knackig haben wollt: Ihr werdet vorgeführt. Der Wikipedia Artikel hatte jahrelang Bestand, bis VIVO, OPPO und Co. 2019 ihre Offices in Düsseldorf eröffnet haben. Dies sogar mit risikoreduzierenden Subunternehmen wie die im Artikel genannte Zhi Sheng International GmbH. Wieso ist vivo als eigenständige Marke nicht stolz darauf, und nennt sich entsprechend vivo Germany GmbH oder ähnlich? Samsung macht es ja als Paradebeispiel mit der Samsung Electronics GmbH vor. Scheitert vivo in Europa, möchte man so der Marke in Asien und anderen potenziellen Ländern nicht schaden oder schlechte Publicity streuen. Man sehe sich dazu die Namen der BBK/vivo Subunternehmen in den anderen europäischen Ländern wie Spanien oder Italien an. Wenn das Unternehmen hier irgendwann Insolvenz anmelden sollte, dann war es nicht vivo sondern einfach nur Zhi Sheng. Blickt man genauer hinter die Kulissen und nutzt das Internet, wofür es wirklich erfunden wurde, nämlich zum Suchen und Finden nützlicher Informationen – und geht man da noch einen Schritt weiter und sucht in ausländischen, asiatischen Artikeln, so wird klar, dass in den letzten 12 Monaten eine enorme Vertuschungsstrategie gefahren wurde. Man möchte auf alle Fälle vermeiden, dass hier in Europa die Erkenntnis siegt, dass die Marken VIVO, OPPO, OnePlus, REALME, IQOO und Weitere, alle zum ein und demselben Mutterkonzern BBK Electronics gehören. Der Druck der Company PR trägt nur dazu bei, sich nicht davon beirren zu lassen. Die journalistische Pflicht und Pressefreiheit, das Volk mit der Wahrheit vor etwaigen Gefahren zu schützen, darf sich nicht von einer PR Abteilung eines asiatischen Megakonzerns beirren lassen. Hier wurde ganz klar versucht, vor dem großen Markteintritt und kommenden Werbekampagnen die entsprechenden Artikel im Netz unter den Teppich zu kehren – und selbst Plattformen wie diese aktiv zu „bitten“, diese Beiträge zu unterlassen. Ihr seid ein tolles Team, und du bist ein toller Reporter. Bitte werde kein Sklave des Kapitalismus und bleibe weiterhin deiner Linie treu. Huawei wurde durch den Google Ban geschwächt. BBK sah darin die perfekte Gelegenheit sie zu ersetzen. Die Strategie hier war nicht eine Supermarke auf den Markt zu werfen, sondern gleich ALLE aus dem BBK Portfolio. Einfache Rechnung: 1 Marke kann es schaffen oder eben auch nicht. Aber… was wäre wenn man gleich 4 oder 5 Marken in einen Markt schwemmt? Die Wahrscheinlichkeit, dass eine davon in irgendeiner Weise Erfolge aufweist ist damit viel höher. Das Einzige Ziel ist, HUAWEI zu überholen, bevor die neue demokratische US Administration im neuen Jahr den Google Ban aufhebt und HUAWEI Mobile damit wieder „aktiviert“ wird. Ich bezweifle, dass ein einigermaßen gebildeter Bürger oder Bürgerin nach einer kurzen Recherche ihr Geld oder ihre Daten einer Marke anvertraut, die sich sichtlich Mühe gibt, ihre Spuren zu verwischen! Wacht auf!

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  • 30. Dezember 2020 um 15:58
    Permalink

    Es ist ja wohl offensichtlich, dass auch Vivo zum BBK-Dachverband gehört. Warum das Unternehmen es abstreitet? Weil man vermutlich den Europäer unterschätzt. In China scheint man gegenüber großen Unternehmen prinzipiell misstrauisch zu sein. In Europa ist eher das Gegenteil der Fall. Mir würde es tatsächlich mehr imponieren und auch beim Kauf überzeugen, wenn ich wüsste, dass die Power, Intelligenz und Innovation von „mehreren“ Unternehmen unter einer Haube zur Verfügung steht.
    Lasst euch bitte nicht von denen in die Suppe spucken bei euren Artikeln. Ihr macht das genau richtig. Einer der Gründe warum ich hier und nicht bei anderen fremdgesteuerten Blogs lese.
    Euch einen guten Rutsch ins 2021 und weiter so!
    Martin

    Antwort

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