Oppo Reno 4 im Test: Nichts Halbes und nichts Ganzes

Zugegeben – die Überschrift zu unserem ausführlichen Test des Oppo Reno 4 klingt beim ersten lesen ein wenig negativ, ist aber gar nicht so gemeint. Das Reno 4 platziert sich innerhalb der jüngst veröffentlichten Serie zwischen dem preiswerten Reno 4 Z und dem 799 Euro teurem Reno 4 Pro. Es hat von beiden Lagern etwas, was unseren Test samt Beurteilung nicht gerade einfacher gestaltet.

Die komplette Oppo Reno 4 Serie wurde hierzulande am 1. Oktober offiziell vorgestellt. Bestehend aus einem Reno 4 Z als Einsteiger, einem Reno 4 der Mittelklasse und einem Reno 4 Pro der oberen Mittelklasse. Wobei sich die Geister vermutlich beim Pro-Modell ebenfalls scheiden werden, doch dazu später mehr. Unser Testkandidat hat eine unverbindliche Preisempfehlung von 599 Euro. Für viel weniger ist es aktuell bei Amazon auch nicht (584 Euro)* zu haben. Hier zuckt unsereins angesichts der Xiaomi-Preise – die Gott sei Dank wieder günstig sind – direkt zusammen. Aber günstig war Oppo hierzulande noch nie, wenn wir auf unseren Test des Oppo Find X2 Pro schauen. Will man allen Anschein auch nicht. Klappt ja bei Apple schließlich auch. Doch schauen wir erst einmal was es für das Geld eigentlich gibt.

Design und Verarbeitung

Das Oppo Reno 4 kommt in einer Grün-Blauen Verpackung daher, welche mit silbernen (manchmal auch Gold schimmernden) Lettern klar macht, in welche Serie das Android-Smartphone einzuordnen ist. Wer das erste Mal das Reno 4 in der Hand hält, wird sichtlich beeindruckt sein. Es ist leicht, dünn und unheimlich griffig. Das Datenblatt sagt eine Größe von 159 × 74 × 7,8 Millimeter und 183 Gramm. Komisch – fühlt sich aber viel leichter an. Liegt vielleicht an meinem Daily Driver, dem OnePlus 8 Pro (zum Test).

Galactic Blue ist der Knaller

Unser Testmodell kam in der Farbe Galactic Blue und es ist der Hammer! Die Alternative wäre Space Black gewesen. Danke an die Oppo-Agentur für die sehr gute Wahl. Das von Silber über Hellblau und Lila zurück zu Hellblau und Silber wechselnde matte Farbspiel ist dermaßen genial, das ich gar nicht von loskomme. Laut Datenblatt ist die Rückseite durch Corning Gorilla Glass 5 geschützt. Das Display nur Gorilla Glass 3. Das gesamte Reno 4 hat die IP54-Zertifizierung erhalten. Hört man nicht so oft und bedeutet „Geschützt gegen Staub in schädigender Menge“ und „Schutz gegen allseitiges Spritzwasser“.

Oppo Reno 4 im Test

Das Smartphone ist sehr gut verarbeitet, was aber im Grunde genommen heutzutage alle Test-Kandidaten bieten. Sollen wir es dennoch erwähnen? Keine scharfen Kanten, keine spürbaren Übergänge von der Vorderseite, über den Aluminiumrand, zur Rückseite. Und auch die Triple-Kamera oben links auf der Rückseite zeigt sich geradewegs zurückhaltend und wenig dominant.

Sehr gute Verarbeitung

Auf der rechten Seite der Power- und Standby-Button, links zwei Tasten für die Lautstärke. Alle Tasten sind in der Hand sehr gut zu erreichen. Auf der Oberseite gibt es keine Überraschungen. Lediglich eine Öffnung für ein zweites Mikrofon für Stereo-Aufnahmen oder zur Geräusch-Unterdrückung bei Telefonaten. Auf der Unterseite von rechts nach links (siehe Foto) die Öffnung für das SIM-Tool, der SIM-Tray, ein Mikrofon, ein USB-Type-C-Port (2.0) und drei Öffnungen für den Speaker. Dieser ist laut Oppo Dolby Atmos fähig, wobei ich mich frage, wie das denn genau bei einem Mono-Lautsprecher gehen soll. Eine 3,5 Millimeter große Klinkenbuchse für analogen Audiosound sucht man vergebens. Das ist aber heutzutage Standard, dass Musik in digitaler Qualität via Kabel über den USB-Port kommt. Das gibt also keine Punktabzüge (nicht mehr).

Das Display

Das AMOLED-Display bietet eine Diagonale von 6,4 Zoll und löst dabei mit 2.400 x 1.080 Pixel bei 413 ppi auf. Das Seitenverhältnis ist dabei 20:9. Der kleinere Reno 4 Z Bruder besitzt ein LCD-Panel, soweit nachvollziehbar. Doch die Bildwiederholrate beträgt dort 120 Hertz. Bei unserem Testgerät standardisierte 60 Hertz. Das Pro by the way 90 Hertz. Muss man das verstehen? Ich zumindest nicht und ärgert mich tatsächlich auch, weil es sich hier um ein Feature handelt, welches wirklich für den Nutzer sichtbar ist und echte Vorteile bringt.

Ansonsten gibt es bei dem Bildschirm keinen Grund zur Kritik. Bei der maximalen Helligkeit messen wir 434 nits. Das ist auf dem Datenblatt eher ein Mittelwert, doch neigen Hersteller bei den Angaben leicht zu übertreiben. Apple will im Labor für das iPhone 12 maximale 1.200 Nits erreichen. Relevant ist für uns im Grunde der Blick auf den Bildschirm bei direktem Sonnenlicht. Können wir leider gerade nicht testen aufgrund der aktuellen Wetter-Situation (Herbst/Regen). Im direkten Vergleich mit meinem OnePlus 8 Pro, dass angeblich maximal 1.300 nits darstellen können soll und bei uns gerade einmal 538 nits erreicht hat, liegt das Reno knapp drunter. Zur Entlastung des OnePlus-Device sei aber noch angemerkt, dass es bei der „Automatic“-Einstellung und dann folgendem direkten Sonnenlicht auf 887 nits kommt.

Oppo Reno 4 im Test

Spätestens bei der Bildschirmfarbmodus-Einstellung „Lebhaft“ spielt das Display seine Stärken aus. Viel Kontrast, gute Blickwinkel-Stabilität und satte Farben. Etwas schade finden wir, dass Oppo nicht die gesamte Fläche auf der Front genutzt hat, sondern unten ein kleines „Kinn“ stehen lässt.

Das Oppo Reno 4 bietet ebenfalls ein Always-on-Display. Es gibt einige Uhren zur Auswahl und es lassen sich auch Zeiten planen, wann das Display aktiv sein soll und wann nicht.

Oppo Reno 4 im Test

Prozessor und Speicher

Das Oppo Reno 4 besitzt einen Snapdragon 765G Octa-Core-Prozessor. Der selbe SoC den Google in seinem aktuellen Flaggschiff, dem Pixel 5 verbaut. Ist der Prozessor nun Mittel- oder Premiumklasse? Er besitzt zwei ARM-Cortex-A76-Kerne von denen einer eine maximale Taktfrequenz von 2,4 GHz bietet. Die restlichen sechs Kerne sind Cortex-A55 mit maximalen 1,8 GHz. Das „G“ steht für eine optimierte Gaming-Performance der Adreno 620 GPU (Graphics Processing Unit).

Und in der Tat ist der Prozessor kaum an seine Leistungsgrenze zu bekommen. Klar steht der Snapdragon 865 Leistungstechnisch noch eine Stufe höher. Aber Hand aufs Herz, der 765G wird euren Alltag ohne Probleme bestreiten. Selbst anspruchsvolle Rennspiele wie „Need for Speed no Limits“ brachten das Reno 4 nicht an seine Grenzen.

Oppo Reno 4 im Test

Viel Speicher für die Mittelklasse

Speichertechnisch verbaut Oppo 8 GB LPDDR4x RAM und 128 GB UFS 2.1 internen Programmspeicher. Eine optionale Erweiterung via microSD-Karte sieht Oppo nicht vor. Diese Kapazität ist angesichts der Mitbewerber etwas über dem Durchschnitt. Hauptsächlich was den Arbeitsspeicher anbelangt. Beim Pro gibt es sogar 12 GB RAM und 256 GB Speicher, was für mich schon Oberklasse ist.

Kamera

Die Fakten zuerst. Das Reno 4 hat auf der Rückseite links oben eine vertikal angeordnete Tripple-Kamera. Diese besteht aus einer 48 Megapixel auflösenden Hauptkamera, welche durch ihre Blende von f/1.7 viel Licht auf den Sony-IMX586-Sensor lässt. Eine 8-Megapixel-Optik ist für die Weitwinkel-Aufnahmen verantwortlich. Der maximale Blickwinkel beträgt 119 Grad, bei einer Blende von f/2.2. Den Abschluss bildet eine 2-Megapixel-Tiefenkamera, welche bei einer Blende von f/2.4 einen schönen Bokeh-Effekt auf eure Aufnahmen zaubern soll.

Oppo Reno 4 im Test

Frontkamera

Auf der Front gibt es eine Dual-Kamera, die einen 32-Megapixel-IMX616-Sensor von Sony und einen 2-Megapixel-Sensor mit einer Blende von f/2.4 und elektronischer Bildstabilisierung versehen ist. Die Foto-Qualität weiß zu gefallen, wenngleich der China typische Beauty-Modus leicht zu übertreiben droht.

Oppo Reno 4 im Test

Unabhängig der Qualität des Trios auf der Rückseite, ist das Setup das Schlechteste von allen Reno-4-Modellen. Ihm fehlt nämlich die vierte Kamera mit einer Telelinse. Und so zeigt es sich auch schnell im Test, dass die Kamera bei Zoom- und Makro-Aufnahmen schwächelt. Ohne große verlustfreie Vergrößerung, spart sich Oppo auch den optischen Bildstabilisator. Hier wieder die Frage ob Mittelklasse oder was?

Tagesaufnahmen

Wenden wir uns von den Spezialgebieten ein wenig ab, dann macht das Reno 4 hervorragende Tagesaufnahmen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass hier sogenanntes Pixel-Binning zum Tragen kommt, dass aus 48-Megapixel-, 12 Megapixel-Bilder macht. Also 4 Bilder auf 1 Foto zusammen rechnet. Natürlich können auch Fotos mit den vollen 48-Megapixel geschossen werden. Doch dann verliert man die Zoom-Fähigkeit, nimmt mehr Speicher in Anspruch und das Ergebnis ist auch nicht „viel“ besser.

Nachtmodus

Neben den hervorragenden Tagesaufnahmen – die durchaus in Sachen Kontrast, Farbtreue und Details mit dem Spitzenfeld mithalten können – erfreuen auch Low-Light, beziehungsweise Nachtaufnahmen. Dabei ist nicht prinzipiell der Nachtmodus immer die beste Wahl. Es kommt ein wenig darauf an, wieviel Licht noch von anderen Quellen auf dem Motiv zur Verfügung gestellt wird. Hier muss der Anwender ein wenig probieren. Am Ende gelingen aber diese Art von Aufnahmen überraschend gut.

Akku

Der Akku ist so ein Punkt, wo das Oppo Reno echt aus dem „Einerlei“ heraussticht. Ohne großartig mir über die Kapazität von 4.020 mAh bewusst zu sein, zeigte sich das Smartphone sehr Genügsam was den Verbrauch von Strom anbelangt. Bestückt mit zwei Google-Konten und deren regelmäßiger Synchronisierung, dem ein oder anderen Messenger, Always-on-Display immer an und ohne 5G- aber 4G-Betrieb, kann das Reno 4 auch schon mal auf 3 Tage mit einer Akku-Ladung kommen.

Ob ich mich hier beim Energie effizienten Prozessor, dem Akku-Management von ColorOS 7.2 oder dem allen Anschein nach sparsamen Display bedanken soll, ist ungeklärt. Vielleicht liegt es auch der Mischung von Allem.

Oppo Reno 4 im Test

Oppo legt dem Reno 4 ein 65-Watt-Netzteil bei. Ja, ja ich weiß – Xiaomi bietet im Ultra 120 Watt (zum Test). Das ist aber „noch“ eine Ausnahme. Das nagelneue OnePlus 8T kommt auch gerade erst mit „65 Watt Warp Charge“ um die Ecke. Also: Top Oppo! Noch dazu in der Mittelklasse (wenn ich mir dann irgendwann im Klaren bin das es sich hier um Mittelklasse handelt). Das „SuperVOOC 2.0“-Netzteil kann euch das leere Smartphone in knapp 30 Minuten vollpumpen. Genial!

Verantwortlich sind dafür praktisch zwei 2.010 mAh starke Akkus die durch die „Dual-Cell-Technologie“ mit jeweils 32,5 Watt geladen werden. Weniger Hitze und damit sicherer.

Sicherheit und Software

Das Oppo Reno 4 bietet sowohl einen Fingerabdrucksensor unter dem Display, als auch einen Gesichtsscan durch die Dual-Front-Kamera als Schutz vor neugierigen Blicken. Beides funktioniert schnell und zuverlässig. Zur Vervollständigung wollen wir an dieser Stelle noch den SAR-Wert am Kopf angeben, der 0,886 W/kg beträgt und damit als unbedenklich eingestuft werden kann. Zum Vergleich, ein Apple iPhone 11 Pro (zum Test) hat einen SAR-Wert von 0,990 W/kg.

Das Oppo wird mit Android 10 und der hauseigenen Benutzeroberfläche ColorOS 7.2 ausgeliefert. Das letzte Google-Sicherheitsupdate ist vom 5. September 2020 (Stand 18/10/20). Das User-Interface weiß durchaus zu gefallen. Es befindet sich keine Bloatware auf dem Smartphone. Es sei denn man möchte das Video-Bearbeitungstool „Soloop“ und „WPS Office“ dazu zählen.

Oppo Reno 4 im Test

Alles ist aufgeräumt und keineswegs überladen. Besonders gut hat mir die frei positionierbare Seitenleise für wichtige und häufig benutze Anwendungen gefallen. Mit der App „Oppo Relax“ können entspannenden Klängen gelauscht werden, um mit entsprechenden Atemübungen Stress abzubauen. Auch das Reno 4 hat einen sogenannten „Game Space“ wo alle installierten Spiele gesammelt und gestartet werden können.

Pro und Contra

Pro

  • 65-Watt-Netzteil
  • Viel RAM für Mittelklasse
  • Tolles touch & feel
  • Kein bzw. kaum Bloatware

Contras

  • Im Wettbewerb zu teuer
  • 60 Hertz Bildwiederholrate
  • Displayfläche unten nicht ausgenutzt
  • Kein microSD-Karten-Support

Fazit des Oppo Reno 4 5G

Auch nach dem ausführlichen Test des Oppo Reno 4 bleibt das Urteil unklar. Das Reno 4 ist weder Fisch noch Fleisch. Gerade wenn man es sich im Vergleich mit seinen beiden Serienkollegen dem Reno 4 Z und dem Reno 4 Pro vergleicht. Es fehlt eine Bildwiederholrate von 90 oder sogar 120 Hertz, wie es das preiswertere Modell bietet. Das Kamera-Setup ist das Schlechteste im Trio, wenngleich unabhängig davon beurteilt, völlig okay. Bei Tagesaufnahmen sogar recht ansprechend.

Oppo Reno 4 im Test

Das 65-Watt-Netzteil finde ich super. Und auch die Verarbeitung mit der speziellen Rückseite die einen hohen Grip bietet, weiß zu gefallen. Wenn ich dann jetzt ein Urteil fällen müsste – und das muss ich – würde ich das Oppo Reno 4 als Top-Mittelklasse-Smartphone beurteilen. Aber nur wenn Oppo den UVP von 599 Euro um 250 Euro reduziert. Denn soviel bezahlen wir bei einem Xiaomi-Smartphone der gleichen Ausstattung.

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Test Xiaomi Mi 10 Ultra
  • 9.1/10
    Hardware - 9.1/10
  • 8.9/10
    Verarbeitung - 8.9/10
  • 8.8/10
    Software - 8.8/10
  • 7.9/10
    Performance - 7.9/10
  • 6.9/10
    Kamera - 6.9/10
  • 7.7/10
    Akku - 7.7/10
  • 5.1/10
    Preis/Leistung - 5.1/10
7.8/10

Kurzfassung

Das Reno 4 macht es uns im Test nicht leicht. Aber eigentlich nur, weil wir wissen dass es in der Serie noch ein Modell darüber und eines darunter gibt. Für sich allein betrachtet gefällt das Design, der massige Arbeitsspeicher und die durchaus guten Kamera-Qualitäten. Bis auf das Makro- und Vergrößerungs-Aufnahmen ein wenig schwächeln.
Ein 65-Watt-Netzteil ist ein echt tolles Bonus-Feature, was aber nicht die 60 fps des Displays, den fehlenden microSD-Karten-Support und den zu teuren Preis entschuldigt.

MaTT

Schon immer ein Kind der kreativen Künste hat MaTT nun nach einer 15-jährigen Karriere als Musikproduzent die Liebe zur Videoproduktion gefunden. Android in seiner Individualität begeisterte MaTT schon von Beginn an, wie einige Arbeiten aus dem Jahre 2006 und folgend, heute noch bei den XDA Developers Zeugnis tragen.

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