Realme GT Neo 2 im Kurztest: Mittelklasse mit Flaggschiff-Genen

Zugegeben, das Portfolio der Realme-GT-Serie ist mit dem Realme GT Neo 2 nicht zwingend übersichtlicher geworden. Gefühlt im Tagesrhythmus präsentiert uns die nach eigenen Aussagen „am schnellsten wachsende Smartphone-Marke der Welt“ ein neues GT-Modell, bei der nicht mehr klar definierbar ist ob es sich dabei um ein Mittelklasse- oder Premium-Modell handelt. Daher wollen wir uns heute dem GT Neo 2 einmal etwas ausführlicher widmen.

Realme war vor noch nicht all zu langer Zeit eine große Unbekannte am europäischen Smartphone-Markt. Zwar bekommt man auch heute bei keinem deutschen Mobilfunkanbieter ein Smartphone der ehemaligen Oppo-Tochter, doch der Konzern ist stark bemüht sich auch hierzulande bemerkbar zu machen. Das gipfelt zuweilen in fragwürdigen Marketing-Praktiken, bis hin zu einem recht unübersichtlichen Produkt-Portfolio. Eines der vielen GT-Modelle ist das Realme GT Neo 2, welches uns hauptsächlich durch seine giftgrüne Lackierung aufgefallen ist.

Realme GT im Test: Nur klauen ist günstiger!

Dabei scheint es sich offensichtlich wie beim Vorgänger dem Realme GT Neo um ein Mittelklasse-Smartphone zu handeln, so wie es auch das Realme GT Master und GT Explorer Edition für sich beanspruchen. Derweil war der „Primus“ der GT-Serie mit dem Realme GT ein echtes Flaggschiff zum Spitzenpreis, wie wir seinerzeit im ausführlichen Test feststellen durften. In unserem heutigen Kurztest wollen wir unmittelbar vor der offiziellen Präsentation des Realme GT 2 Pro feststellen, für wen der uns vorliegende Proband etwas wäre oder gegebenenfalls auch nicht.

Design und Verarbeitung

Nachdrücklich hatten wir uns das Realme GT Neo 2 in der eindrucksvollen Farbe Neo Grün gewünscht. Doch keiner uns bekannten deutschen Redaktionen wurde auch trotz längerer Wartezeit der Wunsch erfüllt. Und so ist unser Testexemplar in der Farbe Neo Blau, welches für Fotos noch besser als die Neo-Schwarz-Variante geeignet ist. Verheimlichen möchten wir aber nicht, dass wir eine kleine Träne der Enttäuschung trocknen mussten. So ist es eben optisch ein Smartphone wie jedes andere auch.

Realme GT Neo2 im Test

Ein 163 x 76 x 8,6 Millimeter großes und 201 Gramm schweres Kunststoff-Smartphone, mit einer guten Haptik, sehr guter Verarbeitung und zumindest in unserer Version resistent gegen Fingerabdrücke. Einen Kontrapunkt bietet uns die 64-Megapixel-Triple-Kamera, welche auf der Rückseite links oben positioniert ist und spiegelnd ein wenig aus dem Gehäuse ragt.

Der Vollständigkeit halber möchte ich auf zwei verbaute Lautsprecher hinweisen, deren Sound und Lautstärke ich als durchschnittlich bezeichnen würde, wenngleich beim Zocken im Quermodus die untere (rechte) Öffnung automatisch verdeckt wird und dadurch den Klang beeinträchtigt.

Display

Auf der Front begrüßt uns ein 6,62 Zoll großes AMOLED-E4-Display mit einer Auflösung von 2.400 x 1.080 Pixel (397 ppi) von Samsung. Das allein ist im Grunde schon ein Garant für ein wahres Farbenspiel, hohe Blickwinkelstabilität und satte Kontrastwerte. Natürlich sollte man hier den Angaben von Realme, welche unter Labor Bedingungen geschaffen wurden, nicht so ganz vertrauen. Hier sind natürlich wir der richtige Ansprechpartner.

Realme GT Neo 2 im Test

Besonders unangenehm ist uns da der Wert von 1.300 nits für die maximale Helligkeit aufgefallen. Wir kommen bei unseren Messungen maximal auf die Hälfte. Dennoch sollte der Wert komplett ausreichen. Erwähnen möchte ich noch, dass auch das Realme GT Neo 2 über die Darstellung von bis zu 120 Bildern pro Sekunde verfügt, was einen besonders flüssigen Bildlauf garantiert. Ein echtes Novum hingegen ist in der Klasse eine Abtastrate von 600 Hertz. Sowas findet man sonst nur in der Gaming-Smartphone-Fraktion. Ein Thema was in unserer nächsten Testkategorie noch einmal aufgenommen werden soll.

Realme GT Neo 2 im Test

Natürlich auch hier dank OLED-Panel ein Always-On-Display mit vielfältigen Einstellungen für euren Sperrbildschirm.

Prozessor und Speicher

Realme verbaut in seinem GT Neo 2 einen Snapdragon 870 Octa-Core-Prozessor. Tatsächlich trotz drei schnelleren SoCs (System on a Chip) mit einem Snapdragon 888, 888 Plus oder gar 8 Gen 1 mein absoluter Lieblingsprozessor. Denn während die Flaggschiff-Prozessoren mit wenigen Ausnahmen ständig softwareseitig gedrosselt werden müssen um nicht Framedrops durch zu viel Hitze zu forcieren, liefert am Ende des Tages der Snapdragon 870 die gleiche Leistung beim Nutzer ab. Soll heißen: Dat Dingens rockt! Egal welche Art von Games ihr zocken wollt. Hier gibt es keine Grenzen.

Realme GT Neo2 im Test

Realme liefert das GT Neo 2 wahlweise mit 8 GB RAM in Kombination mit 128 GB internen Speicher (unsere Testversion) für 399 Euro, sowie mit 12 GB LPDDR4X RAM und 256 GB UFS-3.1-Systemspeicher für aktuell 499 Euro in Neo Green (*Seufz*) aus.

Für Zahlenfetischisten noch ein AnTuTu-Wert von erreichten 726.380 und im Geekbench 990 Single-, sowie 3.110 Multi-Punkten.

Kamera

Offensichtlich verbaut Realme in dem GT Neo 2 das identische Kamera-Setup aus dem Realme GT. Wir warten hier noch auf die schriftliche Bestätigung Seitens Realme. Wenn dem so ist, handelt es sich für die Primär-Kamera um einen 64 Megapixel auflösender Sony IMX682-Sensor, welcher eine maximale Blende von f/1.8 erlaubt. Die äquivalente Brennweite beträgt 26 Millimeter bei einer Sensorfläche von 1/1.73 Zoll und einer Pixelgröße von 0,80 Mikrometer.

Realme GT Neo 2 im Test

Vervollständigt wird das Trio durch eine 8-Megapixel Ultra-Weitwinkel-Kamera mit einem maximalen Sichtfeld von 119 Grad, einer Blende von f/2.3 und einer äquivalenten Brennweite von 16 Millimeter und einem 2-Megapixel-Makro-Sensor mit einer typischen Blende von f/2.4.

Für Selbstportraits gibt es links oben eine 16-Megapixel-Punch-Hole-Kamera. Die Blende von nur f/2.5 deutet aber schon darauf hin, dass Selbstverliebte für eine ausreichende Beleuchtung sorgen sollten. Auch hier zur Vervollständigung die äquivalente Brennweite von 26 Millimeter, was im Grunde schon einem Weitwinkel-Objektiv gleich kommt.

Realme GT Neo 2 im Test

Kamera-Fazit

Sind wir anhand der vorhandenen Daten von dem identischen Kamera-Setup ausgegangen, so scheint uns das bei Betrachtung der Testfotos nicht mehr der Fall zu sein. Was uns beim Realme GT noch gefallen hat, fehlt beim GT Neo 2 komplett. Die Rede ist von der Farbdynamik. Tagesaufnahmen fehlt es an Kontrast und Sättigung. Das mag auch mit den Witterungsbedingungen zusammenhängen, dürfte aber vermutlich durchaus gewollt sein.

Denn! Was meinem persönlichen Geschmack widerspricht, ist in Tatsache ein Plus für das 16-Megapixel-Binning der 64 MP Primärkamera. Die Farben sehen halt in Wirklichkeit auch so aus. Ebenfalls für die Kamera spricht das hohe Maß an Detailtreue. Während ich Weitwinkelaufnahmen noch durchaus in der oberen Mittelklasse verorten würde, gibt es für die Makro- und Zoom-Aufnahmen eher eine Rüge.

Dessen Ergebnisse fallen deutlich schlechter aus. Beim Makro ist trotz dezidiertem Objektiv kein softwareseitige Annährung möglich. Demzufolge ist die Entfernung auf starre 4 Zentimeter zum Motiv beschränkt. Der Zoom lässt eine maximale 20-fache Vergrößerung zu. Alles was sich über den 2-fachen Zoom hinaus bewegt ist fürs Fotoalbum unbrauchbar.


Nachtaufnahmen sollten zwingend auch im entsprechenden Modus erstellt werden. Wer hier noch ein paar Lichtquellen mit in das Motiv bekommt, kann ganz nette Ergebnisse erzielen. Im Gesamturteil ist die Kamera jedoch in der Mittelklasse zu verorten, was schlussendlich dem Realme GT Neo2 in unserem Testergebnis das Genick brechen könnte.

Akku

Die ehemalige Oppo-Tochter verbaut im GT Neo 2 einen 5.000 mAh starken Akku. Das ist schon ein ordentliches Brett und meinen Informationen nach auch die Speerspitze aller GT-Modelle. Selbst das GT-Flaggschiff bietet nur 4.500 mAh. Wer jetzt aber glaubt – geil – da sind ja locker 3 Tage Laufzeit drin, leider nein.

Auch wenn sich das Smartphone im Vergleich zur Konkurrenz mit seiner Laufzeit im Spitzenfeld platziert, dürfte im Durchschnitt am zweiten Tag der Besuch bei der Strom-Tankstelle anstehen. Doch Realme packt dem Realme GT Neo 2 entgegen manch anderer Tradition ein 65-Watt-„SuperDart“-Netzteil dazu. Tja und das negiert die bis eben gedachte Diskrepanz zur Konkurrenz.

Um soviel Leistung auf einen Schlag verarbeiten zu können verbaut Realme zwei 2.500 mAh starke Akkus, welche binnen 40 Minuten das Smartphone von 0 auf 100 Prozent vollpumpen. In der Hälfte der Zeit werden es sogar schon sportliche 70 Prozent. Keine 3 Tage Laufzeit? Vergeben und vergessen!

Sicherheit und Software

Das Realme GT Neo2 wird mit Android 11 und hauseigener Benutzeroberfläche Realme UI 2.0 ausgeliefert. Das Google Sicherheitsupdate ist vom 5. Oktober 2021 und hatte innerhalb unserer Testzeit ein Update erfahren. Wie es sich damit in Zukunft verhält kann nur spekuliert werden. Erfahrungsgemäß sind regelmäßige Updates der erste Punkt wo ein Hersteller gern einmal spart.

Realme GT Neo2 im Test

An Bord ein biometrischer Scanner für den Finger und das Gesicht. Mehr Sicherheit bietet hier der Fingerabdrucksensor, welcher unten im Display verbaut ist und meist zuverlässig funktionierte.

Weniger angetan waren wir von dem umfänglichen Konvolut an Bloatware. Das Angebot geht über AliExpress, Amazon Shopping, Booking.com und sozialen Netzwerken wie LinkedIn, Twitter, Facebook und TikTok. Auch PUBG scheint vorinstalliert, war am Ende aber nur der Installer. Alle unnützen Anwendungen ließen sich jedoch löschen und sind nach wie vor ein probates Mittel der finanziellen Subventionierung.

Es gibt aber auch Positives über das Realme „Userinterface“ 2.0 zu berichten. So gefallen die vielen Anpassungsmöglichkeiten in Sachen Design, die intelligente Seitenleiste für den Schnellzugriff, der Splitscreen, die Offerte zu einem Zweitprofil, sowie der „Game Space“ als Basis sämtlichen Spielgeschehens auf dem Android-Smartphone. Gerade hier finden sich mit dem HUD einige nützliche Features die dem Gamer zugute kommen. Stichwort 600 Hertz Abtastrate.

Realme GT Neo 2 im Test

Pro und Contra

Pro

  • Sehr gutes Display
  • Angenehme Haptik
  • Sehr gute Performance
  • Stereo-Sound
  • 65 Watt Dart Charge

Contra

  • Keine 3,5 mm Audioklinke?!
  • Keine IP-Zertifizierung
  • Kamera-Leistung eher enttäuschend
  • kein kabelloses Laden

Das Fazit des Realme GT Neo 2

Realme GT Neo 2 im Test

Ich hatte es eingangs bereits thematisiert: Realme feuert GT-Smartphones schneller raus als manch anderer seine Unterhose wechselt. Was jetzt schlimmer ist überlasse ich eurer Fantasie (Kopfkino 4tw). Muss uns das tangieren? Wenn darunter Software-Updates und die generelle Produktpflege leidet – ja. Wenn nicht dann nicht. Realme ist tatsächlich noch nicht lang genug in Deutschland auf dem Markt um sich darüber ein Urteil erlauben zu können. Aber es steht mit Oppo und dem BKK-Electronics Dachverband ein Konzern dahinter der genau diese Frage schon zum eigenen Vorteil beantwortet hat.

Das Realme GT Neo 2 schickt sich an ein Mittelklasse-Smartphone zu sein. Doch was die Power, Performance und das Panel anbelangt ist es weit darüber zu positionieren. Eher ein Flaggschiff. Doch das eigentliche GT-Flaggschiff (zum Test) gibt es aktuell für den gleichen Preis. Leider mit der augenscheinlich identischen 64-Megapixel-Triple-Kamera, welche in unserem Test nicht auf Flaggschiff-Niveau ist.

Realme GT Neo2 im Test

Somit haben wir am Ende keinen neuen Klassensieger, da entweder die Kamera oder der Preis für einen solchen Titel nicht langt. Gerade Xiaomi kann hier mit einem Redmi- oder Poco-Modell auf dem gleichen Level aber 100 Euro günstiger abliefern.

Test Realme GT Neo 2
  • 8.8/10
    Hardware - 8.8/10
  • 8.7/10
    Verarbeitung - 8.7/10
  • 7.9/10
    Software - 7.9/10
  • 9.5/10
    Performance - 9.5/10
  • 7/10
    Kamera - 7/10
  • 8.8/10
    Akku - 8.8/10
  • 7.3/10
    Preis/Leistung - 7.3/10
8.3/10

Kurzfassung

Das Realme GT Neo 2 wäre um Haaresbreite ein echter Geheimtipp geworden. Großer Akku, hervorragendes Display und eine Performance, welche jedem Flaggschiff-SoC ebenbürtig ist. Ein Bein stellt wahlweise der Preis von 400 Euro oder die Kamera. Diese ist eben nur Mittelklasse, während die restliche Ausstattung versucht der Flaggschiff-Klasse ebenbürtig zu sein.

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MaTT

Schon immer ein Kind der kreativen Künste hat MaTT nun nach einer 15-jährigen Karriere als Musikproduzent die Liebe zur Videoproduktion gefunden. Android in seiner Individualität begeisterte MaTT schon von Beginn an, wie einige Arbeiten aus dem Jahre 2006 und folgend, heute noch bei den XDA Developers Zeugnis tragen.

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